DAT-Beschluss zu COVID-19-Impfungen

Kassenärzte weisen Apotheker in die Schranken

Berlin - 24.09.2021, 13:15 Uhr

KBV-Chef Gassen hält nichts von der Idee, dass Apotheken COVID-19-Auffrischimpfungen anbieten könnten. (c / Foto: IMAGO / Christian Thiel)

KBV-Chef Gassen hält nichts von der Idee, dass Apotheken COVID-19-Auffrischimpfungen anbieten könnten. (c / Foto: IMAGO / Christian Thiel)


Am vergangenen Mittwoch sprachen sich die Delegierten beim Deutschen Apothekertag in Düsseldorf mehrheitlich für COVID-19-Auffrischimpfungen in den Apotheken aus – am heutigen Freitag folgt nun die Retourkutsche der Ärzteschaft: Die Kassenärztliche Bundesvereinigung erinnert die Apotheker:innen daran, wo ihr Platz ist bei der Pandemiebekämpfung. Impfen soll demnach weiterhin den Ärztinnen und Ärzten vorbehalten bleiben.

Es war ein selbstbewusstes Votum: Am vergangenen Mittwoch stimmten die Delegierten beim Deutschen Apothekertag in Düsseldorf mehrheitlich für einen Antrag des Berliner Apotheker-Vereins, wonach es den Apotheken hierzulande gestattet werden sollte, COVID-19-Auffrischimpfungen anzubieten. Zwar äußerten einige der Delegierten Bedenken – doch letztlich sprachen sich 267 der Stimmberechtigten dafür aus, 138 dagegen.

Die Ärzteschaft will das erwartungsgemäß nicht auf sich sitzen lassen. „Die Corona-Pandemie bekommen wir nur gemeinsam in den Griff – und zwar jeder an seinem Platz“, erklärt der Chef der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), Andreas Gassen, am heutigen Freitag in einer Pressemitteilung der KBV. Gemeinsam stellt er demnach mit seinen Vorstandskollegen Stephan Hofmeister und Thomas Kriedel klar: „Die Durchführung einer Impfung ist und bleibt eine originär ärztliche Aufgabe.“

Damit erteilte der KBV-Vorstand der Hauptversammlung der Apotheker:innen eine Absage, mit dem Impfen in Apotheken die Impfquote verbessern zu wollen. „Die Apotheken haben die Aufgabe, die Versorgung mit Medikamenten und Impfstoffen flächendeckend sieben Tage die Woche sicherzustellen – und das jeden Tag 24 Stunden lang“, sagte KBV-Vize Hofmeister der Mitteilung zufolge. Und Gassen ergänzt: „Das Impfen in den Arztpraxen ist ein Garant dafür, dass mittlerweile deutlich über 60 Prozent der Bevölkerung einen vollständigen Impfschutz gegen das Coronavirus genießen. Die niedergelassenen Kolleginnen und Kollegen können impfen.“ Anamnese, Aufklärung, ein Ausschluss von akuten Erkrankungen und Kontraindikationen sowie bei bestehenden Erkrankungen die Bewertung, ob eine Impfung möglich ist – all dies erfordert nach Ansicht der KBV-Vorstände eine ärztliche Fort- und Weiterbildung, über die Apotheker:innen nicht verfügten.

Hintergrund des Antrags aus Berlin ist die weitgehende Stagnation der COVID-19-Impfquote in Deutschland bei gut 63 Prozent der Bevölkerung. Experten warnen seit Wochen vor den Konsequenzen, die im Herbst und Winter drohen, wenn es nicht gelingt, der Nationalen Impfkampagne neuen Schwung zu verleihen. Erst vor knapp zwei Wochen hatte Thorsten Lehr, Professor für Klinische Pharmazie an der Universität des Saarlands, beim Westfälisch-Lippischen Apothekertag für die Corona-Impfung in den Apotheken geworben. Politisch fehlt dafür aktuell jedoch der Rückhalt: Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) warnte während seines Besuchs beim DAT in Düsseldorf davor, den ohnehin wegen der Modellprojekte zur Grippeimpfung in den Apotheken schwelenden Konflikt mit der Ärzteschaft weiter zu befeuern.


Christina Müller, Apothekerin, Redakteurin DAZ.online
redaktion@daz.online


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4 Kommentare

Schon lächerlich

von Stefan Haydn am 26.09.2021 um 16:58 Uhr

Seit Jahren scheint beim Impfen etwas schlecht zu laufen, wenn man die Impfquoten bei Grippe und aktuell bei Covid19 betrachtet.
Sonst wäre ja auch niemand hier oder im Ausland auf die Idee gekommen Apotheken einzubinden.
Aber jetzt sollen Apotheken, mal davon abgesehen, dass viele da gar nicht scharf drauf sind, nicht impfen, weil die Ärzte Angst um ihren Geldbeutel haben?

Was ist denn nun wichtiger liebe Ärztefunktionäre? Die Gesundheit der Gesellschaft, oder euer Salär?
Bitte einfach klar kommunizieren, aber dann auch die Konsequenzen tragen.

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Impfen

von Conny am 24.09.2021 um 14:16 Uhr

Wer sitzt am längeren Hebel ? Wer ist abhängig von wem ? Das in vielen Arztpraxen die Helferinnen impfen ist egal. Wir haben unseren Ärzten klipp und klar gesagt das wir nicht impfen werden.

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unnötiger Schaum ...

von Karl Friedrich Müller am 24.09.2021 um 13:30 Uhr

Hätte die Politik uns den Umsatz aus OTC und Rx gelassen, die Preise in OTC nicht frei gegeben, gäbe es kaum Probleme für uns. Man musste ja blind vor Voreingenommenheit uns alles wegnehmen, dem Versand zuschieben, Rabatte verbieten, überhaupt alles, was einen Kaufmann ausmacht. Denn das müssen wir auch sein, sind es, "e.K.", damit der Betrieb sich rechnet und die Mitarbeiter und wir davon leben können. Das wird immer noch nicht verstanden.
Damit sucht man andere Betätigungsfelder. pharmazeutische Dienstleistungen, die leider halt auch wieder defizitär angeboten werden sollen. Wenn man denn überhaupt die räumlichen Grundvorausetzungen hat.
Das Impfen in Apotheken ist vor allem auf Spahns Mist gewachsen. Also bitte dort meckern.
Ärzte ihrerseits haben auch keine Skrupel, in unseren Bereich einzufallen, wenn es denn lukrativ ist. Praxen verkaufen Kosmetik, Vitamine und was weiß ich noch.
Wenn Du mit dem Finger auf jemanden zeigst, zeigen 3 Finger zurück....

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Ärztliche Aufgabe?

von Pharmi am 24.09.2021 um 13:27 Uhr

Wenn es eine ärztliche Aufgabe ist, warum wird man dann in den seltensten Fällen von Ärzten geimpft? Es kommen so oft Leute in die Apotheke, die fragen, ob wir auch impfen würden. Beim Verweis auf das Impfzentrum gegenüber, gehen sie wieder... aber nicht zum Impfzentrum...

Und gab es nicht vor Kurzem einen Bericht, dass Ärzte Aufgaben an andere Heilberufler abgeben wollten, weil sie selbst zu ausgelastet wären? Jetzt doch nicht, weil die Arzthelferin dann eine Aufgabe weniger hat!?

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