Die letzte Woche

Mein liebes Tagebuch

08.12.2019, 08:00 Uhr

Rabattverträge und Lieferengpässe gehören zusammen wie Pech und Schwefel – das wissen alle, nur die AOK will's nicht wahrhaben. (Foto: Andi Dalferth)

Rabattverträge und Lieferengpässe gehören zusammen wie Pech und Schwefel – das wissen alle, nur die AOK will's nicht wahrhaben. (Foto: Andi Dalferth)


3. Dezember 2019

Klar, es gibt immer noch Neueröffnungen von Apotheken in Deutschland, aber mehr Schließungen, so dass die Zahl der Apotheken weiter sinkt und sinkt und sinkt. Ende September zählte man nur noch 19.196 Apotheken in Deutschland. Und schaut man sich nur die Zahl der Hauptapotheken an, so liegen wir am Ende des dritten Quartals 2019 nur noch bei 14.613 Offizinen – das sind 269 weniger als am Jahresende 2018. Und der Trend nach unten, mein liebes Tagebuch, hält an. Blick zurück: Die meisten Apotheken gab es 2008, vor elf Jahren zählten wir rund 21.600 Apotheken. Das war einmal. Geht man davon aus, dass sich der Rückgang der Apothekenzahlen in den nächsten Jahren so fortsetzt, gibt es 2030 nur noch 16.800 Apotheken in Deutschland. Mein liebes Tagebuch, vermutlich wird 2030 die Apothekenlandschaft gänzlich anders aussehen: Die Digitalisierung, die Entwicklung des Versandhandels und vor allem die politischen Vorgaben werden uns dann eine andere Apothekenszenerie geschaffen haben – das Wort Gleichpreisigkeit wird dann wohl in die Pharmaziehistorie eingegangen sein.

 

Wie weit darf sich die EU in Fragen des deutschen Gesundheitssystems einmischen? Gute Frage, mein liebes Tagebuch, die viel zu selten gestellt wird. Eigentlich fällt die Gesundheitspolitik in die „alleinige Verantwortung der Mitgliedstaaten“, die EU verfüge in diesem Bereich nur über „ergänzende Kompetenzen“. So steht es auf der Internetseite des Bundesgesundheitsministeriums. Mein liebes Tagebuch, das mag mal so angedacht gewesen sein. Aber in der Realität hat man das Gefühl, dass sich die EU wie eine Krake über unser Gesundheitssystem hermacht und und ihre Fangarme immer tiefer in unsere nationalen Bereiche  ausstreckt, vor allem wenn es um Bereiche geht, die auch den Binnenmarkt betreffen. Das ist auch dem FDP-Politiker und Zahnarzt Dr. Wieland Schinnenburg aufgefallen, der daraufhin gemeinsam mit seiner Fraktion eine kritische Anfrage an die Bundesregierung zur Souveränität der EU-Mitglieder in Sachen Gesundheit gestellt hat. Er fragt u. a., was die Bundesregierung gegen mögliche Kompetenzüberschreitungen unternehme und wie man solche Überschreitungen in Zukunft unterbinden kann. Tja, mein liebes Tagebuch, da wird’s in naher Zukunft schlecht aussehen, denn das Ministerium hat vor Kurzem bereits mitgeteilt, dass Deutschland im Rahmen seiner kommenden EU-Ratspräsidentschaft nicht plane, mit der EU über die Eingriffe in die Gesundheitssysteme der Mitglieder zu sprechen. Das lässt uns für die Zukunft nicht frohlocken.



Peter Ditzel (diz), Apotheker
Herausgeber DAZ / AZ

redaktion@deutsche-apotheker-zeitung.de


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6 Kommentare

ABDA Entgelt UND Qualitätsdenken..

von Dr.Diefenbach am 08.12.2019 um 15:18 Uhr

Zunächst zu Herrn Ströh:Sie haben so recht,der fortschreitende Geldeinzug der ABDA ist inakzeptabel,das wurde bereits bemerkt .Mich ärgert zB das Bezahlenlassen für eine TELKO.Das sind alles so Sperenzien,die aus Beiträgen abgegolten werden.Hält man dagegen dass die Zahl der Apotheken sinkt,dann weiss jeder was beitragsmässig passiert.Es geht AUFWÄRTS.Aber WOFÜR?? Und da bin ich bei einer ganz schlimmen Erkenntnis:Während der Recherchen für eine Masterarbeit für eine Kollegin fiel mir ein Vortrag von Professor Schulz et al. von 2008(!) in der Hände,den er beim HAV gehalten hat.Darin wurde bereits vor 10 Jahren auf die Probleme bei der Umsetzung der Rabattverträge hingewiesen,das RISIKO für den Austausch x-verschiedener Substanzen,sofern man sie AUSTAUSCHT.Ich nenne exemplarisch Clopidrogel,Hydrocortison,Ciclosporin usw. Da wurde auf die Wichtigkeit der GLEICHHEIT hingewiesen.Da wurde -wir hatten seinerzeit eine Erhebung über Komplikationen zB bei Schilddrüsenpräparaten-immer wieder ein besonderer Kandidat-durchgeführt-dargestellt dass perverserweise die AUSTAUSCHBARKEIT laut G-BA möglich sei!!!!!Schon damals ein riesiger Widerspruch,denn derartige Beispiele(es gibt viele) hätten schlüssigerweise dazu führen müssen,DASS WIR IM GBA D A B E I sind.Nichts dergleichen,das "koste zuviel".Und so komme ich aufs Geld zurück.Natürlich sind das andere Dimensionen,aber es wird eine Menge an Euros mittlerweile dem Wasserkopf ABDA geopfert.Wichtige Punkte bleiben aussen vor.UND was wirklich dramatisch ist.Dann kommt so eine Figur wie AOK Herrmann daher,rechtfertigt Exklusivverträge,schert sich wie ja fast alle derweil einen Dreck um Pharmakodaten aller Art.Wie oft muss man das reklamieren??? Wir werden auch wissenschaftlich verraten,lächerlich gemacht und folgen dem halt.DA hat die Führung auf ganzer Linie versagt.Wissenschaft ade,es gilt das Portemonnaie.Da hilft auch dieses Papierchen 2030 nichts.Es war leider(!!) das Geld nicht wert,weil es Theorie bleibt.Braucht es eigentlich pharmazeutische Gelbwesten????

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Aufwandsentschädigungen

von Ulrich Ströh am 08.12.2019 um 9:32 Uhr

Selbstverständlich sollte die ehrenamtliche Tätigkeit für die ABDA angemessen honoriert werden, insbesondere bei Abwesenheit in der eigenen Apotheke.

Belohnungen für „überdurchschnittliches Engagement“ können kein Maßstab für erhöhte Aufwandsentschädigungen bei unserer Standesorganisation sein.

Und ebenso die Kumulation von Aufwandsentschädigungen für Spitzenämter in Landesorganisationen mit der Tätigkeit in standeseigenen Rechenzentren,standeseigenen Steuerberatungsgesllschaften, etc.... sollte nicht möglich sein.

Ein angemessenes Gehalt muß reichen.

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AW: Aufwandsentschädigungen ... wo bitte bleibt der kumulierte ehrenamtliche Output in der Form von Erfolgen für den Berufsstand?

von Christian Timme am 08.12.2019 um 10:09 Uhr

Ein Eppendorfer Monolog ... natūrlich mit redaktioneller Begleitung und Abschlußfoto ... wird es schon richten. Fragt sich nur ... für wen?

Hennrich

von Conny am 08.12.2019 um 8:43 Uhr

Wir Apotheker leben im Gestern laut Hennrich. Die Leistungsbilanz der letzten zwölf Jahre ist eine vernünftige Versorgung der Bevölkerung. Die Leistungsbilanz von Hennrich und seinen Politikkollegen in den letzten zwölf Jahren : -marode Infrastruktur Straße und Schiene,-marode Krankenhäuser und Schulen,-Funklöcher überall,-zu wenig Lehrer,-zu wenig Richter,-zu wenig Polizisten und mangelnde Ausrüstung der Polizei,-kaum einsatzfähige Bundeswehr,- zu wenig Pflegepersonal,-die Energiewende an die Wand gefahren,-gespaltene Gesellschaft, - hochkommen der AFD. Ich bin es so leid mich von diesen Herren in irgendeiner Weise beschimpfen zu lassen. Einen schönen zweiten Advent.

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AW: Hennrich

von Norbert Kühlenborg am 08.12.2019 um 11:17 Uhr

Es gibt ein altes Sprichwort, in dem so viel Wahrheit steckt: der, der ohne Schuld ist, möge den ersten Stein werfen! Ich stimme dem Vorartikel zu! Sollen die Politiker erst einmal selber vernünftige Arbeit leisten!

Eppendorfer Dialog

von Karl Friedrich Müller am 08.12.2019 um 8:18 Uhr

Wenn die Metzger diskutieren, ob die Kuh weiter Milch geben darf oder geschlachtet wird.
Jeder Metzger hat sein Spezialgebiet. Milch ist nicht dabei.
Will sagen: die Bevölkerung wird in ihrer Heterogenität vergessen, über einen Kamm geschert.
Die Metzger sehen nicht über den Tellerrand.

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