Die letzte Woche

Mein liebes Tagebuch

08.12.2019, 08:00 Uhr

Rabattverträge und Lieferengpässe gehören zusammen wie Pech und Schwefel – das wissen alle, nur die AOK will's nicht wahrhaben. (Foto: Andi Dalferth)

Rabattverträge und Lieferengpässe gehören zusammen wie Pech und Schwefel – das wissen alle, nur die AOK will's nicht wahrhaben. (Foto: Andi Dalferth)


5. Dezember 2019

Was für ein Medienfeuer,  das da zurzeit der AOK-Bundesverband loslässt. Tenor: Das Erfolgsmodell Rabattverträge ist nicht schuld an den Lieferengpässen, nein, nein, im Gegenteil, so schallt es aus den Mündern der AOK-Oberen, allen voran vom Vater der Rabattverträge, Christopher Hermann: Eigentlich sollte man doch dankbar sein, dass es Rabattverträge gibt, sagt er. Rabattverträge seien ein pures Erfolgsmodell, sie trügen dazu bei, dass die Lieferengpässe, so es denn einige gibt, noch überschaubar seien. Und außerdem gebe es noch jede Menge Alternativen. Schuld an allem sei sowieso die Industrie und Abhilfe könnten mehr Transparenz, also Meldepflichten der Industrie bringen. Was die AOK so sicher macht, dass das alles so ist: Eine eigene Studie der AOK, also vom wissenschaftlichen Institut der Ortskrankenkassen erstellt, habe das alles herausgefunden. Na super, mein liebes Tagebuch, wie finden wir das denn, ein Studie, die auf mich wirkt, als sei sie erstellt nach dem Motto: „Weil nicht sein kann, was nicht sein darf.“ Und das AOK-Spektakel gipfelt in der Aussage, dass es aus AOK-Sicht keinen Sinn mache, bei den Rabattverträgen anzusetzen, wenn man das Problem Lieferengpässe beheben wolle. Klar, was soll auch anderes von der AOK, vom Rabattvertragsvater kommen – er wird doch sein eigenes Kind nicht schlecht reden. Zum Glück halten die Industrieverbände dagegen. Hubertus Cranz, Chef des Bundesverbands der Arzneimittel-Hersteller (BAH), stellt klar: Die aktuellen Lieferengpässe insbesondere im Generika-Bereich seien Fakt und Apotheker würden diese wohl auch kaum als „marginal“ bezeichnen. Die Rabattverträge haben durchaus einen Anteil an Engpässen. Und auch Kai Joachimsen vom Bundesverband der Pharmazeutischen Industrie (BPI) sagt, dass die Rabattverträge für die Arzneimittelversorgung in Deutschland ein zentrales Problem sind und das auch noch politisch hausgemacht. Mein liebes Tagebuch, so sieht’s aus!

 

Bleibt die Apotheke vor Ort und wie schaut sie in Zukunft aus? Mein liebes Tagebuch, was gäben wir drum, wenn wir das wüssten. Der „Eppendorfer Dialog“ versuchte dieser Frage nachzugehen, lud Trendforscherin Corinna Mühlhausen und Kammerpräsidentin Kerstin Kemmritz (Berlin), Apotheker Steffen Kuhnert und CDU-Gesundheitspolitiker Michael Hennrich (CDU) – und DocMorris Vorstand Max Müller ein. Was war das Fazit des Dialogs? Die Apotheke vor Ort müsste sich ganz neu aufstellen und mit Partnern auf einer digitalen Versorgungsplattform zusammenarbeiten. Das klingt ganz nach DocMorris-Vorstand Max Müller, der wohl auch die Diskussion dominierte und die Veranstaltung phasenweise fast wie eine Werbeaktion für DocMorris erscheinen ließ. Er weiß: „Die Apotheke bleibt vor Ort, aber sie wird nicht sein wie heute.“ Aha, mein liebes Tagebuch. Gesundheitspolitiker Hennrich zeigte sich sehr interessiert mit den Apothekern über die Zukunft zu diskutieren, aber er meinte, solche Gespräche fänden nicht statt, weil Apotheker im Regelfall „im Gestern leben“. So, so. Berlins Kammerpräsidentin Kemmritz sieht die Apotheker der Zukunft als Gesundheitsmanager mit pharmazeutischen Dienstleistungen und Apotheker Kühnert meint, Apotheker müssten unternehmerischer denken und den Patienten mehr Convenience bieten. Ja, ja. Mein liebes Tagebuch, wir meinem: Es gibt nicht nur eine Zukunft, sondern Zukünfte.

 

Dass und wie DocMorris für die Zukunft vorbaut, zeigt die Meldung, dass DocMorris und die schwedische Online-Arztpraxis Kry ein digitales Versorgungsmodell in Deutschland starten wollen. Mein liebes Tagebuch, na, da hat Deutschland doch schon lange darauf gewartet, gell? Der Patient kann über eine Smartphone-App mit einem deutschsprachigen (zum Glück müssen unsere Patienten nicht Schwedisch lernen) Arzt sprechen, auch per Video. Der stellt die Diagnose und bei Bedarf ein Rezept aus, das der Patient dann in einer Vor-Ort-Apotheke oder, na klar, welch Wunder, bei DocMorris einlösen kann. Selbstverständlich, so sagt Kry, entscheidet das der Patient. Und mein liebes Tagebuch fügt hinzu: …nachdem er mit entsprechend suggestiven Flötentönen über die Vorzüge des niederländischen Versandhauses traktiert wurde. Das ist die Wunschzukunft à la DocMorris. Unser Kommentar nix Kry sondern Grrrrrr.



Peter Ditzel (diz), Apotheker
Herausgeber DAZ / AZ

redaktion@deutsche-apotheker-zeitung.de


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6 Kommentare

ABDA Entgelt UND Qualitätsdenken..

von Dr.Diefenbach am 08.12.2019 um 15:18 Uhr

Zunächst zu Herrn Ströh:Sie haben so recht,der fortschreitende Geldeinzug der ABDA ist inakzeptabel,das wurde bereits bemerkt .Mich ärgert zB das Bezahlenlassen für eine TELKO.Das sind alles so Sperenzien,die aus Beiträgen abgegolten werden.Hält man dagegen dass die Zahl der Apotheken sinkt,dann weiss jeder was beitragsmässig passiert.Es geht AUFWÄRTS.Aber WOFÜR?? Und da bin ich bei einer ganz schlimmen Erkenntnis:Während der Recherchen für eine Masterarbeit für eine Kollegin fiel mir ein Vortrag von Professor Schulz et al. von 2008(!) in der Hände,den er beim HAV gehalten hat.Darin wurde bereits vor 10 Jahren auf die Probleme bei der Umsetzung der Rabattverträge hingewiesen,das RISIKO für den Austausch x-verschiedener Substanzen,sofern man sie AUSTAUSCHT.Ich nenne exemplarisch Clopidrogel,Hydrocortison,Ciclosporin usw. Da wurde auf die Wichtigkeit der GLEICHHEIT hingewiesen.Da wurde -wir hatten seinerzeit eine Erhebung über Komplikationen zB bei Schilddrüsenpräparaten-immer wieder ein besonderer Kandidat-durchgeführt-dargestellt dass perverserweise die AUSTAUSCHBARKEIT laut G-BA möglich sei!!!!!Schon damals ein riesiger Widerspruch,denn derartige Beispiele(es gibt viele) hätten schlüssigerweise dazu führen müssen,DASS WIR IM GBA D A B E I sind.Nichts dergleichen,das "koste zuviel".Und so komme ich aufs Geld zurück.Natürlich sind das andere Dimensionen,aber es wird eine Menge an Euros mittlerweile dem Wasserkopf ABDA geopfert.Wichtige Punkte bleiben aussen vor.UND was wirklich dramatisch ist.Dann kommt so eine Figur wie AOK Herrmann daher,rechtfertigt Exklusivverträge,schert sich wie ja fast alle derweil einen Dreck um Pharmakodaten aller Art.Wie oft muss man das reklamieren??? Wir werden auch wissenschaftlich verraten,lächerlich gemacht und folgen dem halt.DA hat die Führung auf ganzer Linie versagt.Wissenschaft ade,es gilt das Portemonnaie.Da hilft auch dieses Papierchen 2030 nichts.Es war leider(!!) das Geld nicht wert,weil es Theorie bleibt.Braucht es eigentlich pharmazeutische Gelbwesten????

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Aufwandsentschädigungen

von Ulrich Ströh am 08.12.2019 um 9:32 Uhr

Selbstverständlich sollte die ehrenamtliche Tätigkeit für die ABDA angemessen honoriert werden, insbesondere bei Abwesenheit in der eigenen Apotheke.

Belohnungen für „überdurchschnittliches Engagement“ können kein Maßstab für erhöhte Aufwandsentschädigungen bei unserer Standesorganisation sein.

Und ebenso die Kumulation von Aufwandsentschädigungen für Spitzenämter in Landesorganisationen mit der Tätigkeit in standeseigenen Rechenzentren,standeseigenen Steuerberatungsgesllschaften, etc.... sollte nicht möglich sein.

Ein angemessenes Gehalt muß reichen.

» Auf diesen Kommentar antworten | 1 Antwort

AW: Aufwandsentschädigungen ... wo bitte bleibt der kumulierte ehrenamtliche Output in der Form von Erfolgen für den Berufsstand?

von Christian Timme am 08.12.2019 um 10:09 Uhr

Ein Eppendorfer Monolog ... natūrlich mit redaktioneller Begleitung und Abschlußfoto ... wird es schon richten. Fragt sich nur ... für wen?

Hennrich

von Conny am 08.12.2019 um 8:43 Uhr

Wir Apotheker leben im Gestern laut Hennrich. Die Leistungsbilanz der letzten zwölf Jahre ist eine vernünftige Versorgung der Bevölkerung. Die Leistungsbilanz von Hennrich und seinen Politikkollegen in den letzten zwölf Jahren : -marode Infrastruktur Straße und Schiene,-marode Krankenhäuser und Schulen,-Funklöcher überall,-zu wenig Lehrer,-zu wenig Richter,-zu wenig Polizisten und mangelnde Ausrüstung der Polizei,-kaum einsatzfähige Bundeswehr,- zu wenig Pflegepersonal,-die Energiewende an die Wand gefahren,-gespaltene Gesellschaft, - hochkommen der AFD. Ich bin es so leid mich von diesen Herren in irgendeiner Weise beschimpfen zu lassen. Einen schönen zweiten Advent.

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AW: Hennrich

von Norbert Kühlenborg am 08.12.2019 um 11:17 Uhr

Es gibt ein altes Sprichwort, in dem so viel Wahrheit steckt: der, der ohne Schuld ist, möge den ersten Stein werfen! Ich stimme dem Vorartikel zu! Sollen die Politiker erst einmal selber vernünftige Arbeit leisten!

Eppendorfer Dialog

von Karl Friedrich Müller am 08.12.2019 um 8:18 Uhr

Wenn die Metzger diskutieren, ob die Kuh weiter Milch geben darf oder geschlachtet wird.
Jeder Metzger hat sein Spezialgebiet. Milch ist nicht dabei.
Will sagen: die Bevölkerung wird in ihrer Heterogenität vergessen, über einen Kamm geschert.
Die Metzger sehen nicht über den Tellerrand.

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