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Tagebuch im Rückblick

Mein liebes Tagebuch ...

Rückblick auf das Jahr 2016

2016 – ein Jahr mit wenig Freude, viel Frust und noch mehr Schrecken für Apotheker. Freude auf ein kleines Honorarzubrot für Rezepturen und für die Rezeptdokumentation und über ein bisschen weniger Retax – das war’s dann mit der Freude. Der Frust: Der Apotheker ist beim Medikationsplan ziemlich außen vor, Medikationsmanagementprojekte machen Kasse ohne Apotheker und ein Honorar wird’s wohl kaum dafür geben. Die Kassen schikanieren uns nach wie vor: Kassen-Ausschreibungen zerstören Strukturen und Lieferengpässe treiben uns in die Verzweiflung. Und der Schrecken sitzt tief: das EuGH-Urteil. Freie Arzneimittelpreise für ausländische Versender: Das könnte unsere Apothekenstrukturen zerstören. Unser Hoffen: Kommt das Rx-Versandverbot? Das steht in den Sternen. |  Von Peter Ditzel

Januar 2016

Nun also doch: Apotheker sollen Drogenhändler werden, im wahrsten Sinn des Wortes. Das Bundesgesundheitsministerium plant ein Gesetz, das für schwer chronisch Kranke den Zugang zu Medizinal-Cannabis erleichtern soll. Verordnung von Cannabisblüten und -extrakt durch den Arzt, Abgabe durch die Apotheke. So ist’s geplant. Klar, das machen die Apotheker.

Retax und Null-Retax gehört Anfang 2016 immer noch zu den irrsten Dingen der Welt. Die AOK Rheinland/Hamburg hat sogar eine Retaxation über 1 Cent verschickt! Verrückter geht’s kaum.

Passend zum Grau des Januars: Während der ABDA-Präsident und die Pharmaziestudierenden eine moderne Approbationsordnung für Apotheker begrüßen würden, bleibt Professor Laufer, Präsident der Deutschen Pharmazeutischen Gesellschaft, Realist: „Eine neue Approbationsordnung für Apotheker brauchen wir nicht!“ Natürlich ist er nicht gegen eine modernisierte Ausbildung und aktuelle Inhalte, aber er geht davon aus, dass rund zehn Jahre vergehen würden, bis eine neue Approbationsordnung in die Welt gesetzt wäre. Sein Rat: Die Fächer sollten alten Ballast über Bord werfen und die Inhalte aufpeppen. Mein liebes Tagebuch, das mag eine Zeitlang funktionieren, aber irgendwann müssen wir uns halt doch mit einer neuen Struktur befassen.

Kleiner Schlingerkurs des BAK-Präsidenten Kiefer im Schladminger Skigebiet, nicht auf der Piste, sondern in seiner Eröffnungsrede zum Kongress: Apotheker sollten evidenzbasiert beraten, meinte er da, allerdings werde es keine „OTC-Ampel“ geben. Alle schauten sich an: Wo hat er auf einmal den Ampel-Vorschlag hergezaubert? Also, eine Ampel, die anzeigt, ob ein OTC-Arzneimittel mehr oder weniger evidenzbasiert ist, das kann’s in der Tat nicht sein und will auch keiner. Mein liebes Tagebuch, bei dieser Gelegenheit fällt uns doch ein, dass die ABDA den Auftrag hatte, entsprechende Daten zu OTC-Arzneimitteln für die evidenzbasierte Beratung bereitzustellen. Tja, der Auftrag scheint im Schladminger Eis zu liegen: Dafür sind keine Haushaltsmittel eingeplant, meinte Kiefer.

Aber die Champagnerkorken knallten trotzdem bei der ABDA: Sie ist nun ein eingetragener Verein – und das ermöglicht ihr, beim Kauf der neuen Bleibe am Berliner Hauptbahnhof mal eben 2,1 Mio. Euro an Grunderwerbsteuer zu sparen. Man fragt sich, warum die ABDA diesen Schritt nicht schon früher gemacht hatte, beim Kauf des alten Palais.

Kleine Januardiskussion: Brauchen wir eigentlichen noch 17 Kammern und 17 Verbände? Plus zwei Dachverbände, plus einen Oberdachverein? Eine Verschlankung und die Fusion einiger Kammern und Verbände könnte Geld sparen.

Februar 2016

Anfang Februar nichts als Träume: Honorar für den Medikationsplan? Von wegen! Für die Bayerische Gesundheits­ministerin Huml ist klar: Der Apothekenaufschlag deckt schon alle mit der Arzneiversorgung verbundenen Dienstleistungspflichten ab. Basta.

Zoff mit der DAK: Wenn ein Rabattarzneimittel nicht lieferbar ist, verlangt sie von Apotheken eine Großhandelserklärung, aus der hervorgeht, dass der Hersteller nicht liefern konnte. Mein liebes Tagebuch, Nichtlieferbarkeit von Arzneimitteln entpuppt sich zur Abzockmaschine für Kassen.

Böse Gerüchte wabern durch die Szene: Apotheken könnten an Sparmaßnahmen im Gesundheitswesen beteiligt werden, indem man den dreiprozentigen Aufschlag deckelt. Das wäre ein Unding! In solchen Zeiten tut es gut, von Politikerinnen zu lesen, die des Apothekers Arbeit noch schätzen: Barbara Steffens, Gesundheitsministerin aus NRW, sagte auf dem Zukunftskongress des Apothekerverbands Nordrhein, man sollte die Funktionen, die Apotheker übernehmen können, neu überdenken: Mehr Verantwortung für Apotheker. Und: Nullretax ist illegal. Mein liebes Tagebuch, Steffens sollte Gesundheitsministerin werden.

Ein Kracher im Februar: Die vier ABDA-Töchter (Govi-Verlag, Werbe- und Vertriebsgesellschaft, IT/EDV-Geschäftsbereich und die Verwaltungsgesellschaft Deutscher Apotheker schlüpfen unter ein Dach und nennen sich „Avoxa“, ein Kunstwort mit Hintergrund. Laut ABDA steckt darin das lateinische Wort vox, die Stimme. Mein liebes Tagebuch, leider nicht zu Ende gedacht: Mit Avoxa bezeichnete man im alten Rom Sklaven, denen die Zunge abgeschnitten wurde, damit sie nicht mehr reden können. Sei’s drum.

Die akademische Ausbildungsapotheke macht von sich reden, eine Erfindung der Landesapothekerkammer Baden-Württemberg. Diese Apotheken erfüllen besondere Kriterien bei der Ausbildung der Pharmazeuten im Praktikum. Die Kammern von Westfalen-Lippe und Hamburg machen mit. Die übrigen Kammern allerdings kneifen, sie wollen einzelne Apotheken nicht so herausstellen. So ein Unsinn, mein liebes Tagebuch, warum sollte man da keinen Wettbewerb wollen?

Rezeptsammelstellen erleben eine Renaissance. Sie könnten Probleme lösen, wenn’s bei der flächendeckenden Versorgung klemmt. Also, im Auge behalten – bevor DocMorris seinen Videoberatungs-Ausgabeautomat installiert. Für das nordbadische Dörfchen Hüffenhardt kündigte der niederländische Versender seinen telepharmazeutischen Beratungsservice mit Abholfunktion für Arzneimittel an. Ist zwar nicht lege artis, aber das kümmert doch DocMorris nicht.

März 2016

Frühlingslichtblicke: Die Apothekerkammer Westfalen-Lippe schließt mit der AOK Nordwest eine Kooperationsvereinbarung: Patienten erhalten von ihrer Kasse eine Patientenquittung zur Vorlage in einer Apotheke, wo als AMTS-Manager qualifizierte Apotheker arbeiten. Ziel ist die Alltagsoptimierung der Arzneitherapie. Die Kasse honoriert das mit 80 Euro pro Patient. Und in Greifswald können Ärzte ihren Patienten die Erstellung eines Medikationsplans durch eine Apotheke verordnen. Honoriert werden Arzt und Apotheker.

Mein liebes Tagebuch, es gibt schon über 4000 Filialapotheken in Deutschland, Tendenz steigend. Aber es gibt zu wenige Apothekerinnen und Apotheker, die eine Filiale leiten wollen oder können. Kommt der Bundesverband der filial­leitenden Apotheker?

Endlich, das Apotheker-Berufsbild ist als Novelle zum Arzneimittelgesetz vom Kabinett beschlossen. Und das Schönste daran: Auch Apotheker in Industrie, Behörden und Hochschulen sind laut Novelle pharmazeutisch tätig und gehören zum Berufsbild Apotheker! Mein liebes Tagebuch, es wäre ein Unding gewesen, wenn dies nicht aufgenommen worden wäre.

Und immer wieder Retax: Kassen schikanieren Apotheken, wenn Rabattarzneimittel nicht lieferbar sind. Retax-Unternehmen, die im Auftrag der Kassen die Rezepte kontrollieren, sind lukrative Unternehmen, werden von den Kassen bezahlt – und finden garantiert die Fehler. C&A kauft ein Retax-Unternehmen nach dem anderen.

Adexa sei Dank: Sie hält die Novellierung der PTA-Ausbildung in der Diskussion. Die Attraktivität dieses Berufs muss gesteigert werden, wenn es in den nächsten Jahren noch ausreichend PTAs geben soll. Die ABDA möchte da nicht so recht ran, von einer notwendigen Verlängerung der Aus­bildung will sie nichts wissen.

Ab und an geifert noch der Berufsverband der Frauenärzte, der den Apothekern die Abgabe der „Pille danach“ nicht gönnt. Lächerlich!

Kaum zu glauben, ein Ostergeschenk von der DAK: Apotheken müssen in Zukunft keine Bestätigung des pharmazeutischen Unternehmers vorlegen, wenn ein Rabattarzneimittel nicht mehr lieferbar ist. Die Bescheinigung vom Großhandel reicht. Endlich!

Wer zahlt eigentlich die Umsatzsteuer bei ausländischen Versandapotheken, die nach Deutschland liefern? Wer zahlt die Mehrwertsteuer an welches Finanzamt? Recherchen zeigen, dass hier einiges im Nebulösen ist. Gibt es etwa immer noch Schlupflöcher im digitalen Zeitalter?

Mein liebes Tagebuch, was hier nicht fehlen darf: Das Interpharm-Wochenende in Berlin war ein supergutes Fortbildungswochenende. So soll’s sein!

April 2016

Lieferengpässe rauf und runter – und von der ABDA hört man draußen nichts dazu. Sogar die Ärzte fordern, das Arzneimittelgesetz zu ändern, damit Schritte für die Sicherung der Versorgung eingeleitet werden. Gut, dass Apotheker Haru Diefenbach Defektlisten sammelt und die nicht lieferbaren Arzneimittel dokumentiert.

Was im Februar ganz zart anklang, greifen die Bundestagsfraktionen von Union und SPD im April wieder auf: Die Drei-Prozent-Marge der Apotheker soll gedeckelt werden, fordern sie. Das wäre eine eiskalte Kürzung unseres Honorars. Und als Ausgleich wollen uns die Politiker die verbesserte Honorierung bei den Rezepturen und der BtM-Dokumentation verkaufen. Mein liebes Tagebuch, die größte Unverfrorenheit! Oberdreist! Will man die Apotheker für dumm verkaufen?

Das Antikorruptionsgesetz ist durch. Bei Apothekern gibt es allerdings eine Einschränkung: Die Abgabe und der Bezug von Arzneimitteln, die nicht unmittelbar durch Heilberufler angewandt werden, fallen nicht unters Antikorruptionsgesetz. Bei den Beziehungen zu den Ärzten müssen allerdings auch Apotheker aufpassen: Zuwendungen an Ärzte müssen im Rahmen bleiben!

Der Medikationsplan steht. Ärzte und Apotheker haben sich darauf verständigt, wie der Plan aussehen soll, wie er erstellt, aktualisiert und fortgeschrieben wird. Die Ärzte wünschen sich, dass Apotheker den Plan unterstützen – mein liebes Tagebuch, wenn ich Arzt wäre, würde ich mir das auch wünschen, und sogar noch mehr.

Hersteller kontingentieren ihre Lieferungen an den Großhandel vor allem bei hochpreisigen Arzneimitteln. Bei Bestellung über den Großhandel ist das Arzneimittel defekt, bei Direktbestellung durch die Apotheke ist es verfügbar. Theo Hasse, Chef des Apothekerverbands Rheinland-Pfalz, ist bei diesen Zuständen der Kragen geplatzt, er macht öffentlich auf diese Missstände aufmerksam. Gut so!

Zahlen vom Wirtschaftsforum des Deutschen Apothekerverbands: 200 Apotheken weniger als im Vorjahr, die Durchschnittsapotheke hat 2,1 Mio. Euro Umsatz, 61 Prozent der Apotheken liegen unterm Durchschnitt. Es gibt nur noch 16.000 Hauptapotheken. Verbandschef Becker hat einen langen Katalog der Baustellen zusammengestellt, z. B. Honorar­anpassung, mehr Geld für Rezepturen und BtM-Doku, ­Retaxationen, Importförderklausel, Lieferengpässe, Hochpreiser, Rabattverträge, Zyto-Ausschreibungen Präquali­fizierung und vieles mehr – mein liebes Tagebuch, man sollte das öfters mal in der Öffentlichkeit, in der Politik thematisieren.

Mai 2016

Der Medikationsplan auf Papier nimmt seinen Lauf. Ärzte und Apotheker haben sich über die Rahmenbedingungen geeinigt, wer wann was macht. Kurios: Wenn ein Apotheker den Plan aktualisiert, weil sich ein Rabattvertrag geändert hat, ist der Arzt nicht verpflichtet, diese Änderungen zu übernehmen. Mein liebes Tagebuch, der Plan in dieser Form ist eigentlich nur für die Tonne.

In Sachsen werden die PKA aussterben. Die Apotheken in diesem Freistaat wollen keine PKA mehr ausbilden. Hat sich der PKA-Beruf überlebt? Eigentlich ist doch eine Person, die den kaufmännischen, organisatorischen und IT-Bereich im Griff hat, Gold wert für eine Apotheke.

Lieferengpässe – jetzt hat sich auch die Sendung „Report München“ dieser Thematik angenommen. Gut, dass dieser Zustand öffentlich gemacht wird. Warum stellt die ABDA die Lieferengpässe nicht an den Pranger? Haru Diefenbach hat Defektlisten ausgewertet und sogar festgestellt, dass Defekte stark ansteigen. DAZ.online hat die letzte Mai-Woche zur Woche der Lieferengpässe ausgerufen und nachgeforscht, wo die Ursachen liegen könnten: Rabattverträge dürften wohl die Hauptursache sein, außerdem außereuropäische Billigproduktionsstätten und Logistikprobleme.

Wenn der Arzt vergessen hat, seinen Vornamen und seine Telefonnummer aufs Rezept zuschreiben und die Apotheke hätte es übersehen: Retaxgefahr! Das ist selbst dem Bundesgesundheitsministerium zu albern: Dem Apotheker sollte erlaubt sein, diese Angaben selbst nachzutragen, wenn er sie kennt.

Durch die heiligen Hallen des Berliner Lindencorso wabert ein besonderes Thema: Welche Rolle sollen und dürfen Kammern und Verbände spielen? Wer ist wofür zuständig? Hintergrund der Diskussion war ein Projekt, das die Kammer von Westfalen-Lippe mit der AOK abgeschlossen hatte, aber dem Westfälisch-Lippischen Apothekerverband sauer aufgestoßen ist. Man erarbeitete ein Papier, das die Verhandlungsmöglichkeiten der Kammern einschränken sollte. Ob letztlich darüber abgestimmt wurde, blieb erstmal offen.

Und noch eine Stimme zum Medikationsplan: Der BAK-Präsident Andreas Kiefer hält den Medikationsplan in seiner Papierform für ein Muster ohne Wert für den Patienten. Stimmt!

Wie sieht’s eigentlich mit der Barrierefreiheit der Apotheken aus? Wenn man das nur wüsste! Die ABDA hatte sich kaum darum gekümmert. Eine Erhebung unter den Apotheken wäre angezeigt gewesen, wie viele davon eigentlich betroffen sind. War kein Bravourstückchen der ABDA.

Juni 2016

Endlich Retaxfrieden! Seit 1. Juni gibt es die neuen Retaxregelungen mit den Kassen: Wegen eines mehr oder weniger formalen Fehlers auf dem Rezept darf keine Apotheke mehr retaxiert werden. Die Apotheke muss den Fehler allerdings finden und heilen. Endlich! Die eine oder andere Kasse will’s zwar noch nicht schlucken, aber auch die werden sich noch fügen.

Na, das hatte was: Der LAV Baden-Württemberg und die AOK Baden-Württemberg in trauter Einigkeit. Zwar nicht in Sachen Retax, aber bei der Importquote. Fritz Becker und Christopher Hermann sind überzeugt: Schluss mit der Importförderklausel. Ob’s tatsächlich so kommt?

Ein böses Gewitter aus Luxemburg mit einem grollenden Schlussantrag des Generalanwalts am Europäischen Gerichtshof lässt nichts Gutes ahnen: Ausländische Versandapotheken sollen sich nicht an das deutsche Preisrecht halten müssen, wenn sie nach Deutschland versenden – das sei nicht mit Europarecht vereinbar. Mein liebes Tagebuch, dieses Thema wird uns nach dem 19. Oktober noch schwer beschäftigen. Erstaunlich allerdings: Unsere liebe ABDA bleibt sowas von optimistisch und singt ein gar fröhliches Liedchen: Sie hält es nicht für sinnvoll, sich jetzt schon in Szenarien zu ergehen, was wäre, wenn der EuGH im Sinne des Generalanwalts entscheiden würde.

Stattdessen hat die ABDA andere Pläne: Sie würde gern selbst Nachrichten machen, die Online-Präsenz ausbauen und – mein liebes Tagebuch, halte dich fest – einen Newsroom schaffen: Die Außendarstellung der ABDA gegenüber den Medien, Fachöffentlichkeit und Politik soll intensiviert werden. Fragt sich nur, was das für tägliche Nachrichten sein sollen?

Probleme beim Entlassrezept: Die Krankenhausärzte sind das Rezepteschreiben nicht gewohnt, die ABDA befürchtet fehlerhaft ausgestellte Rezepte und Retaxgefahr für Apotheken. Kassenverband, Krankenhausgesellschaft und die Ärzte sollten sich darüber einigen – was aber nicht funktionierte, deshalb soll wieder eine Schiedsstelle entscheiden. Und die ABDA wird einen Juristen einstellen, der die Verhandlungen im Sinne der Apotheker beeinflussen soll. Und das alles wegen möglicherweise falsch ausgestellter Rezepte.

Das Pharma-Unternehmen Mibe will Frauen bis zum 20. Lebensjahr seine Antibabypille schenken – keine Kosten für die Krankenkassen, aber AOK-Hermann sagt Nein! Auf diesen Marketing-Trick möchte er nicht reinfallen. Half aber nichts, Mibe hat vor Gericht Recht bekommen, Hermann muss das Geschenk annehmen.

Sieht schlecht aus für eine Extra-Honorierung der Apotheker für Medikationsplan, -analyse und -management. Aufsichtsbehörden der Krankenkassen meinen, dass es für Beratungs- und Dienstleistungsangebote der Apotheken gegen Honorar keine gesetzliche Grundlage gebe. Und außerdem: Der Apotheker ist heute schon zur Beratung und Information verpflichtet. Mein liebes Tagebuch, war’s das mit einer Extra-Entlohnung?

DocMorris lässt nicht locker: Das verträumte Örtchen Hüffenhardt soll den bundesweit ersten „telepharmazeutischen Beratungsservice mit einer Abholfunktion für Arzneimittel“ bekommen. Der Gemeinderat samt Bürgermeister durfte sich bei DocMorris in Heerlen schon mal überzeugen, wie so etwas laufen könnte. Kammer und Behörden sagen Nein, DocMorris macht weiter.

Unser neues aktualisiertes Berufsbild liegt vor! Nach vorausgegangenen Online-Diskussionen hat die BAK-Mitgliederversammlung das Papier verabschiedet, das eine Auflistung aller Tätigkeiten von Apothekern in den unterschiedlichen Bereichen darstellt. Mein liebes Tagebuch, in diesem Super-Berufsbild sind allerdings alle Dienstleistungen enthalten, auch der Medikationsplan – ein Zusatzhonorar werden wir uns dafür wohl abschminken können.

Das Apothekerhaus, das Mendelssohn-Palais, wird auf den Immobilienmarkt geworfen – das Ende eines glamourösen Höhenflugs einiger unserer Berufsvertreter steht zum Verkauf. Bye-bye, Palais!

ABDA-Chefjurist Lutz Tisch hat die Ruhe weg, zumindest was das anstehende Urteil des EuGH zur Preisbindung von Rx-Arzneimitteln angeht. Er meint, die Schlussanträge des Generalanwalts seien nicht überzeugend. Mein liebes Tagebuch, er sollte sich da gewaltig irren.

Unruhe bei der Brandenburger Kammer: Sie sieht die Interessen der Basis-Apotheker von der ABDA nicht ausreichend vertreten und kürzt daher die Beiträge zur ABDA um die Hälfte. Damit setzt die Kammer ein deutliches Zeichen!

Juli 2016

Der ABDA-Newsroom soll kommen, die Mehrheit der ABDA-Organisationen hat ihn abgenickt, auch wenn er für die meisten eher ein Darkroom ist. Was genau daraus werden soll, bleibt alles im Dunkeln.

Und wieder Lieferengpässe. Eine Kleine Anfrage der Linksfraktion bringt es an den Tag: Die Bundesregierung weiß zu diesem Thema Lieferengpässe und Arzneimittelkontingentierung durch Hersteller nur wenig bis nichts. Traurig. Und selbst das ist für die ABDA kein Anlass, Lieferengpässe in der Öffentlichkeit zu deklinieren.

Gesundheitspolitiker haben ihr Herz für Apotheker entdeckt: Sie wollen, dass die Apotheker für Rezepturen 8,35 Euro Fixhonorar bekommen. Und weil sie uns so lieben, schlagen sie auch auf die Arbeitspreise noch einen Euro drauf, also fürs Salbenrühren dicke sechs statt nur fünf Euro. Damit nicht genug. Im Referentenentwurf steht außerdem, dass für die Dokumentation bei BtM- und T-Rezepten schwindelerregend hohe 2,91 Euro honoriert werden sollen. Mein liebes Tagebuch, die Apotheker werden diese Honorare verkraften. Nach offiziellen Berechnungen werden sie dadurch insgesamt 85 Mio. Euro mehr erhalten. Dennoch, man kann es drehen und wenden wie man will: Rezepturherstellung bleibt ein Zuschussgeschäft. Was den Krankenkassen ziemlich egal ist. Sie haben für die angekündigte Honorar­erhöhung der Apotheker null Verständnis.

Ausschreibungen für die Zyto-Herstellung laufen mittlerweile schon auf bundes- und europaweiter Ebene. Hauptsache billig. Bestehende ortsnahe Strukturen werden dadurch zerschlagen. Außerdem verlangen die Kassen, dass Zytostatika-Anbrüche über die angegebene Haltbarkeit hinaus verwendet werden müssen. Mein liebes Tagebuch, wann wird der Ausschreibungsirrsinn der Kassen gestoppt?

DocMorris lockt Kunden, um jeden Preis, auch mit Quittungen über Zuzahlungen, die diese gar nicht geleistet haben! Das Landgericht Ravensburg hat dem Versender untersagt, falsche Zuzahlungsquittungen auszustellen.

Mit dem Interesse an der Berufspolitik unter Apothekers ist das so eine Sache. Erkenntnisse aus Baden-Württemberg: Zwar hatten sich für die Vertreterversammlung so viele Kandidatinnen und Kandidaten wie schon lange nicht mehr beworben, aber die Wahlbeteiligung lag nur bei knapp 30 Prozent. Fragt sich, wie man die Berufspolitik schmackhaft machen könnte.

August 2016

Ausschreibungen bei Impfstoffen und Zytostatika – die Kassen vergöttern Ausschreibungen, so kriegen sie die billigsten Arzneien ever! Ausschreibungen treiben Hersteller und Apotheken in den Wahnsinn. Und sie gefährden die lückenlose Versorgung. Da hilft nur noch die Weigerung, Angebote abzugeben.

Apotheker sind lieb, arg lieb. Noch bevor der Medikationsplan an den Start geht, verteilen sie Merkhilfen und Infoblätter für Patienten, worum es da eigentlich geht. Sie legen sich ins Zeug dafür, obwohl sie wissen, dass sie keine Medikationspläne initiieren können und nichts für die Aktualisierung bekommen. Apotheker – stets zu Diensten, perfekt und ohne Honorar.

Bei Ärzten tönt es ganz anders: Medikationsplan macht viel Arbeit, das heißt: nur gegen angemessene Vergütung. So geht’s. Tja, mein liebes Tagebuch, bei Apothekers gibt’s das umsonst.

Im August bekam die ABDA dann doch kalte Füße angesichts ihrer Unbekümmertheit zum Ausgang des EuGH-Urteils. In den Online-Medien von Tageszeitungen setzte Schmidt eine präsidiale Nachricht ab: Also, wenn das Gericht doch Boni auf Rx zulassen sollte, dann, ja dann plädiere er schon für ein Verbot des Rx-Versandhandels. Endlich! Da fragt man sich nur, warum es so lange dauerte, bis das über seine Lippen kam.

Die Politik will den Apothekern eine Mini-Erhöhung des Rezepturhonorars zugestehen und der GKV-Spitzenverband schießt mächtig dagegen: Honorarplus für Apotheker? Bei einem durchschnittlichen Betriebsergebnis von über 136.000 Euro nicht notwendig. Außerdem: Unbedingt die 3-Prozent-Marge deckeln! So sind sie, unsere Partner im Gesundheitswesen: gnadenlos. Und die ABDA duckt sich erstmal weg.

Uns gibt es nur im Doppelpack – ein Spruch des Präsidenten, der schon fast zum geflügelten Wort geworden ist. Was er damit meint: Er tritt gerne zur Wahl des ABDA-Präsidenten an, allerdings bringt er dann seinen Vize Mathias Arnold mit und der müsse dann bitte auch gewählt werden. Und er klopft sich auch gleich auf die eigenen Schultern: Er habe versucht, das Amt des ABDA-Präsidenten etwas kleiner und menschlicher zu machen, außerdem moderner und zeitgemäßer. Und einer der schönsten Meilensteine während seiner zu Ende gehenden Amtszeit: die Entscheidung für das neue Apothekerhaus in Berlin. Ach ja, und bitte, alles möge so bleiben in der Dreifaltigkeit der ABDA-Führung. Als hätte er’s vorausgeahnt.

Mal überspitzt formuliert: Eigentlich verschenken Apotheken ihre Rezepturen. Warum? Weil die Preise für die zu verarbeitenden Substanzen in den letzten sieben (!) Jahren nicht angepasst wurden – obwohl es im Vertrag zur Hilfstaxe so vereinbart ist. Seit 2009 sind die Einkaufspreise um 30 bis 40 Prozent gestiegen und wir dürfen dafür nur die Preise von damals ansetzen. Ein Unding, mein liebes Tagebuch. Wer hat hier gepennt?

September 2016

Immer wieder Versuche von Kassen, bei Nichtverfügbarkeit von Arzneimitteln zu retaxieren. Die AOK Rheinland/Hamburg retaxiert unbarmherzig, wenn die Apotheke das Sonderkennzeichen auf’s Rezept druckt, die Nichtverfügbarkeit aber nicht mit der Defektmeldung des Herstellers übereinstimmt. Die Apotheke muss die Defektmeldung des Herstellers, evtl. auch über den Großhandel, vorlegen. Pure Schikane! Mein liebes Tagebuch, ist das der Groll der Kasse, weil sie bei kleineren Formfehlern nicht mehr retaxieren darf?

Das Karussell der Zyto-Ausschreibungen der Kassen dreht sich weiter. Mittlerweile haben sich sieben Verbände mit dem Deutschen Apothekerverband zusammengetan und ein Papier gegen Ausschreibungen verfasst: Zyto-Ausschreibungen sind versorgungsgefährdend, Einschränkung der freien Apothekenwahl und Lieferengpässe drohen. Verbandschef Becker denkt darüber nach, den Kassen 150 Mio. Euro bei der Hilfstaxe einzuräumen, wenn sie auf Ausschreibungen verzichten. Andere Vorschläge: Die Kassen könnten Wirkstoffe bei den Herstellern ausschreiben. Noch im September erreicht der Zyto-Streit den Bundestag. Eine Expertenanhörung ist geplant.

Ein kleiner Knaller im Vorfeld der ABDA-Wahlen: Hamburgs Kammerpräsident Kai-Peter Siemsen möchte ABDA-Präsident werden und sich zur Wahl stellen. Huch, mein liebes Tagebuch, das bricht doch alle Absprache-Riten bei der ABDA – endlich mal echt wählen können!

Haben die Großhändler schon wieder gekungelt? Das Bundeskartellamt vermutet jedenfalls Absprachen und führt eine Großrazzia durch. Die Großhändler waren bei den Durchsuchungen brav und wollten mit den Behörden kooperieren.

Da staunten die Apotheker nicht schlecht: 1 Milliarde bekommen die Ärzte in 2017 mehr. Darauf haben sich die Ärzte mit dem GKV-Spitzenverband verständigt – ein Inflationsausgleich war nötig, alles ist teurer geworden. Na super, mein liebes Tagebuch, und bei Apotheken sind die Ausgaben gleich geblieben?

Nach hartem Ringen ist es nun amtlich: Apotheken dürfen einen fehlenden Vornamen oder eine fehlende Telefonnummer eines Arztes auf dem Rezept ergänzen, wenn sie diese Angaben kennen. Die neue Arzneimittelverschreibungsverordnung wird diese Errungenschaft verkünden! Eigentlich traurig, welches Gerangel um so eine simple Frage entstanden war.

Oktober 2016

Ab 1. Oktober gibt’s den Medikationsplan vom Arzt – doch der Run auf den Papierplan bleibt aus. Abwarten, was kommt. Und schon meckern die Ärzte, dass sie zu wenig Honorar für den Plan bekommen. Tja, hätte der Minister uns Apothekers rangelassen – wir wären genügsam gewesen und hätten uns darüber gefreut.

Vielleicht tut sich was bei den Zyto-Ausschreibungen! Es soll einen Regelungsentwurf zur Abschaffung der exklusiven Zyto-Verträge geben. Allerdings kommt das Ministerium auch den Kassen entgegen: Die Preise und Rabatte für die Zyto-Substanzen sollen transparent werden. Tja, nichts ist umsonst.

Und dann der Apothekertag! Es gab viel Friede, viel Freude und einen politischen Eierkuchen mit Schoko und Sahne – der Kuschelfaktor auf dem Apothekertag war exorbitant, „eine erschreckende Harmonie“. Und unser ABDA-Präsident gab den Bergführer, der die Apothekerschaft auf den Gipfel führen und keinen zurücklassen will. Viele Anträge, was alles besser werden soll. Und ein fast unglaublicher Antrag: Es wird eine Datenbank geben, die den Bearbeitungsstand der Anträge zeigt. Schmidt gibt sein Placet dazu. Ist die ABDA über sich selbst hinausgewachsen? Lob gab’s von der Politik, von Gröhe mehr Geld für Rezepturen und Rezeptdoku, außerdem das Schluss mit Zyto-Ausschreibungen. Und den elektronischen Medikationsplan, der 2018 kommt, den soll auch der Apotheker aktualisieren dürfen – gegen entsprechende Zuschläge.

Und nach dem Apothekertag die Woche des 19. Oktobers 2016: Der EuGH entschied, dass sich ausländische Versender nicht an die deutsche Arzneimittelpreisverordnung halten müssen. Schon einen Tag nach der Urteilsverkündung überbieten sich die holländischen Versender mit Boni und Rabatten. Die ABDA startet ihre Karabinerhaken-Anzeigenkampagne mit der Botschaft „Sichern!“ und klammert sich an eine der letzten Chancen, ein Rx-Versandverbot. In den Wirtschaftsblättern und von liberalen Ökonomen tönt Jubel über’s Urteil und Häme für die Apotheken. Das Urteil selbst war, wie Christian Rotta es ausdrückte, krude, selektiv und zynisch. Die deutschen Gesundheitspolitiker zeigten sich überrascht über’s Urteil. Gröhe will das Mögliche tun und setzt sich für ein Rx-Versandverbot ein. Die Medien kritisieren ihn dafür. Huml aus Bayern will über eine Bundesrats­initiative den Rx-Versandhandel verbieten. Die SPD lässt Widerstand erkennen. Lauterbach poltert heftig gegen Gröhes Rx-Versandverbot, Hilde Mattheis will Alternativen zum Versandverbot prüfen. Und für die Grüne Kordula Schulz-Asche ist der Versandhandel eine wichtige Versorgungskomponente.

November 2016

Das Gerangel um das Für und Wider des Versandhandels ist eröffnet, immer wieder kommen Bundestagsabgeordnete aus der Deckung, auch von Seiten der Union, und machen Wind gegen ein Rx-Versandverbot. Aber von der SPD gibt’s mitunter auch Zustimmung – die Lage wird immer verworrener. Ein Info-Papier für Bundestagsabgeordnete kommt zu dem Schluss: Entweder beschließt der Bundestag ein Rx-Versandverbot oder die Preisbindung fällt und man könnte ein Höchstpreissystem für Arzneimittel einführen. Mein liebes Tagebuch, das klingt schon nach einer Tragödie.

Bei all den düsteren Nachrichten geht fast die frohe Kunde unter: Die Pharmazie-Ausbildung in Leipzig bleibt, es wird einen Modellstudiengang an der medizinischen Fakultät geben. Mein liebes Tagebuch, das könnte sogar die spätere Kooperation von Arzt und Apotheker fördern.

Im November rückt der Karabinerhaken ins Zentrum der Macht – die ABDA-Kampagne gegen das EuGH-Urteil wird in Berlin plakatiert. Und der Präsident ruft alle Apotheken dazu auf, ihren Lokalpolitikern und ihren Kunden die Folgen des EuGH-Urteils zu erklären.

Apothekenstatistik: Die Zahl der Apotheken ist weiter im Sinkflug. Ende des dritten Quartals gab es wieder über 150 Apotheken weniger als im Vorjahr. In Deutschland gibt es derzeit nur noch 20.093 Apotheken.

Das Zittern, ob das Bundesgesundheitsministerium am Rx-Versandverbot festhält, bleibt. Immerhin, der Gesundheitsausschuss des Bundesrats hat sich dafür ausgesprochen.

Das EuGH-Urteil sorgt bei der ABDA für geschlossene Reihen. Siemsen wird nicht gegen Schmidt kandidieren bei der Wahl zum ABDA-Präsidenten und die Brandenburger Kammer zahlt wieder brav ihren vollen ABDA-Beitrag und steht zu den ABDA-Aktivitäten. So kann’s gehen.

Lauterbach sieht im Versandhandel ein schützenswertes Pflänzlein und stemmt sich mächtig gegen ein Versandverbot. Die SPD-Politikerin Sabine Dittmar weiß noch nicht so recht und möchte erst mal alle Optionen prüfen.

Unterdessen arbeitet der Hausärzteverband Nordrhein bei einer Aufklärungskampagne zur Grippeimpfung mit dem niederländischen Versender zusammen und fällt damit den Apotheken in den Rücken.

Um den Versandhandel zu unterstützen, schreibt Lauterbach alle seine lieben Genossinnen und Genossen von der SPD-Bundestagsfraktion an mit dem Tenor: Lasst Euch von den Apothekers nicht kirre machen. Die wollen nur ihre Pfründe sichern. Und dann taucht auch noch der FDP-Lindner auf und tönt: Freier Versand für Rx – auch wenn er früher mal dagegen war. Mein liebes Tagebuch, die FDP kannste vergessen.

Und während draußen der Kampf ums Versandverbot tobt, zeigt drinnen im Netz ein himmlisch-schönes Video unser einstiges Apothekerpalais aus der Jägerstraße von seiner Schokoladenseite: Potente Käufer dürfen ihr Gebot abgeben. Also, auf geht’s.

Zurück zum Versand: Unsere Versender denken schon darüber nach, nach Holland auszuwandern, weil sie in Deutschland keine Boni und Rabatte geben dürfen. Da kommen uns aber die Tränen, mein liebes Tagebuch.

Dann gab’s im November noch das Zwiegespräch von Friedemann Schmidt, unserem Oberapotheker aus Leipzig, wie ihn die FAZ getauft hatte, und Max Müller, den Apothekerschreck von DocMorris auf einem Forum der Grünen. Sie tauschten Argumente aus zum EuGH-Urteil, zum Rx-Versand und seinem Verbot. Müller philosophierte von der drohenden Unterversorgung auf dem Land und davon, dass vielleicht DocMorris und Apotheker gemeinsam die Ver­sorgungsstruktur verbessern könnten. Alles niedlich. Das Resümee der Grünen Schulz-Asche: kein Rx-Versandverbot, aber mehr Geld für Apotheker. Mein liebes Tagebuch, wenn alles nur so einfach wäre.

Zum Monatsende die beruhigenden Nachrichten: Kiefer wiedergewählt, Becker wiedergewählt. Wie schön.

Foto: Andi Dalferth

Dezember 2016

Auch die kleine FDP meldet sich immer wieder zum EuGH-Urteil zu Wort, mal dafür, mal dagegen. Und ihr Vorsitzender Lindner schwadroniert sogar von einer überfälligen Liberalisierung bei Apotheken, von neuen Sortimenten vom Shop im Shop. Mein liebes Tagebuch, vergiss es.

Rezepte von Internet-Ärzten, also wenn Patienten nur virtuell Kontakt mit dem Arzt hatten, dürfen von deutschen Apotheken nicht beliefert werden. Aber wie sieht man dem Rezept an, ob es nach einem virtuellen oder persönlichen Arzt-Patient-Kontakt ausgestellt wurde? Der DrEd-Praxis in London ist das alles egal, sie wird die Rezepte dann einfach nach Holland in eine Versandapotheke zur Belieferung schicken.

Der Jurist Hilko Meyer kommt mit einem interessanten Vorschlag auf die Bühne. Der Versand von Rx-Arzneimitteln durch niederländische Versandapotheken nach Deutschland ist ein Umgehungsgeschäft. Denn die Arzneimittel würden Deutschland nur „für eine juristische Sekunde“ verlassen, um damit die Preisbindung zu umgehen. Daher könne dies in § 78 AMG verboten werden.

Das ist echt heftig: Die Barmer GEK bekommt aus dem Innovationsfonds (Hecken lässt grüßen) 16 Mio. Euro, um „Adam“, ein digital unterstütztes Arzneimitteltherapie- und Versorgungsmanagement, aufzubauen, nur mit Ärzten, ohne Apotheker! Es geht bei dem Projekt um ureigene Apothekeraufgaben und die Apotheker bleiben außen vor. Ein Unding sondergleichen.

Der alte Präsident ist der neue. Unsere ABDA-Dreifaltigkeit samt Doppelpack ist komplett: Schmidt und Arnold, der Präsident und sein Vize wurden wiedergewählt mit sozialistischem Ergebnis. Dann ist das mal geklärt und unsere Berufspolitiker können sich voll und ganz auf die Rettung der Apothekenzukunft konzentrieren.

Kaum ist alles unter Dach und Fach, geht’s an die Arbeit: Die ABDA tritt aus dem Bundesverband Managed Care aus, weil der viele Chancen für Apotheker nach dem EuGH-Urteil sieht.

Und weiter: Die ABDA, kämpferisch im Aktionsfieber, startet eine PR-Kampagne mit Flugblatt und dem Tenor: EU macht böse Entscheidung, Apotheke vor Ort in Gefahr, keine Notdienste, mehr Fälschungen, keine Rezepturen für kranke Kinder, alles wird schlechter für Senioren und chronisch Kranke. Ist ein bisschen Panikmache, ein bisschen drastisch. Die Politik schüttelt mit dem Kopf.

Unterdessen hat der Wort & Bild-Verlag ein einfühlsames Herz-Schmerz-Filmchen produziert, das die Apotheke äußerst freundlich, sympathisch, unverzichtbar zeigt: „Danke, Apotheke“, heißt der 60-Sekunden-Spot, der zu Prime-Zeiten im TV ausgestrahlt werden soll. Echt gut gemacht – wer danach die Apotheke nicht umarmen möchte, hat kein Herz.

DocMorris hält mit einer Internetseite dagegen, die dazu aufruft, das Rx-Versandverbot zu stoppen. Und DocMorris macht in Hüffenhardt Sperenzchen: Die Videoberatung mit Arzneimittelausgabeautomat statt Apotheke soll wohl bald eröffnet werden. Die Behörde hat schon angekündigt, die Bude mit dem Videoautomaten zu schließen.

Mein liebes Tagebuch, was für ein Jahr! |

Mein liebes Tagebuch

Alles, was in der vergangenen Woche für die Apothekerin, für den Apotheker politisch wichtig war, die Aufreger, die Peinlichkeiten, die Ungeheuerlichkeiten – das finden Sie in meinem Tagebuch. Ich lade Sie dazu ein, es zu öffnen und darin zu blättern. Seien Sie neugierig!

Und hier finden Sie mein liebes Tagebuch:

Falls Sie die App noch nicht haben: es gibt sie kostenlos zum Herunterladen fürs iPhone im App-Store von Apple oder für alle anderen Android-Phones im Google Play-Store.

Ich freue mich, wenn Ihnen meine Tagebuch-Einträge gefallen. Übrigens, Sie können mein Tage­buch schon sonntags ab 8 Uhr öffnen, zum Morgenkaffee und frischen Croissants – oder bei Sekt und Selters.

Peter Ditzel, Herausgeber der DAZ

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