Apotheken-Aktion gegen Bienensterben

Blumenbilder für Bienen

Walldürn / Stuttgart - 25.04.2019, 14:15 Uhr

Die ersten Blumenbild-Kunstwerke der Kinder haben die Central-Apotheke von Jan Reuter bereits erreicht. Bis die eigene Bienenweide blüht, dürfte es aber noch ein bisschen dauern. (m / Foto: Central-Apotheke, Walldürn)

Die ersten Blumenbild-Kunstwerke der Kinder haben die Central-Apotheke von Jan Reuter bereits erreicht. Bis die eigene Bienenweide blüht, dürfte es aber noch ein bisschen dauern. (m / Foto: Central-Apotheke, Walldürn)


Die meisten Apotheken-Aktionen zielen auf Erwachsene ab: Blutdruck- oder Venenmessung, Kosmetikwochen oder Ernährungsberatung interessieren Kinder nicht. Doch was fasziniert auch die kleinen Apothekenkunden und zaubert ihnen ein Strahlen ins Gesicht? Apotheker Jan Reuter und sein Team der Central-Apotheke in Walldürn hatten eine Idee – die malerischen Kindereinsatz fordert, Freude macht und zusätzlich ökologisch sinnvoll und nachhaltig ist.

Kleine Geschenke erhalten die Freundschaft – oder die Kunden in der Apotheke. Die meisten Apothekenkunden betrachten Werbebeigaben beim Apothekenbesuch als obligatorisch. Und fraglos ist ein Päckchen Taschentücher im Winter und bei Allergien praktisch, ebenso eine Cremeprobe fürs Handgepäck für den nächsten Flugurlaub. Kinder freuen sich über Traubenzucker – meist – oder das Medizini-Posterheft. Doch es geht auch kreativer. Wie? Das zeigen Apotheker Jan Reuter und sein Team der Central-Apotheke im baden-württembergischen Walldürn: Alle Kinder, die ein gemaltes Blumenbild in der Apotheke abgeben, erhalten als Dankeschön „Saatgut für eine bunte Bienenweide“. DAZ.online hat mit Judith Hoffmann gesprochen, die PTA koordiniert die Blumen-für-Bienen-Aktion in der Walldürner Central-Apotheke.

Jedes Kind bekommt für ein gemaltes Blumenbild „Saatgut für eine bunte Bienenweide" in der Central-Apotheke. (Foto: Central-Apotheke)

Tannenbaum an Weihnachten, Blumen im Frühjahr

„Die Idee, dass Kinder bei uns in der Apotheke Blumenbilder abgeben und dafür Samen für ihre eigene Bienen-Weide bekommen, kam uns, nachdem die Weihnachts-Tannenbaum-Aktion so super lief“, erklärt die PTA. Die Central-Apotheke hatte damals ihren Apothekenkindern Tannenbaumbilder zum Ausmalen mitgegeben, und immerhin rund 80 Kinder-Kunstwerke schafften den Weg zurück und schmückten zur Weihnachtszeit die Schaufenster der Central-Apotheke.

Dass es nun Blumenbilder sind, bietet sich jahreszeitlich klar an. Außerdem: Walldürn feiert jährlich Ende Mai das „Blumen- und Lichterfest“ – „wir dachten, es ist schön, wenn die Kinder beim Blumen- und Lichterfest ihre selbstgemalten Blumenbilder in der Apotheke sehen“, erklärt Judith Hoffmann. Die Blumenbilderaktion startete erst vor wenigen Tagen. Bis Ende Mai haben die Kinder Zeit, zu malen und ihr Päckchen Blumensamen in der Apotheke abzuholen.

Doppelte Freude …

Judith Hoffmann findet die Blumen-Bienen-Aktion für die Kinder gleich zweifach geglückt: „Die Kinder haben zunächst erst einmal Spaß beim Blumenbilder Malen und freuen sich anschließend mindestens genauso, wenn sie ihr eigenes kleines Blumenbeet anlegen, säen, gießen und beobachten, wie die Blumen wachsen und blühen,“ erzählt die PTA.

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Blumenbilder malen ist nicht die einzige Aktion, mit der sich die Central-Apotheke um die kleinsten Apothekenbesucher kümmert. Die Central-Apotheke hat einen eigenen Kinderclub mit etwa 170 Kindern. „Wir starten öfter Mal-Aktionen mit den Kindern vom Kinderclub“, erklärt Judith Hoffmann. „Zum Blumen- und Lichterfest verkaufen wir an die Kinder beziehungsweise deren Eltern weiße T-Shirts zum Bemalen. Den Erlös spendet die Central-Apotheke an einen guten Zweck", so die PTA. Allerdings dürfen auch alle anderen Kinder jederzeit an den Kinderaktionen der Apotheke teilnehmen.

… und Nachhaltiges für die Umwelt

Mit der Bienen-Aktion sorgt die Central-Apotheke – neben einem Kinderlächeln – auch für strahlende Gesichter bei Naturschützern und bei allen Menschen, denen ihre Umwelt nicht gänzlich gleichgültig ist. „Bienensterben“ ist ein präsentes und wohl globales Problem: Pestizide bedrohen die Nektarsammler, daneben macht die Varroamilbe der Biene das Leben schwer – und auch der Mensch ist nicht zimperlich und wenig rücksichtsvoll gegenüber Bienen, wenn es  darum geht, Grünes in Beton zu verwandeln.

Die „Zeit“ beschreibt das Bienensterben in einer Analyse von Gunther Willinger: „Rettet die Bienen, aber nicht so!“


Die Bedrohung der Wildbienen ist menschengemacht: Wir verwandeln unsere Gärten in Steinwüsten oder legen eine grüne Ödnis aus Rasen und Thujahecken an. Wir flurbereinigen Feldgehölze, fällen Bäume, begradigen Bäche und Flüsse, legen Moore trocken und pflügen Ackerrandstreifen. Blütenreiche Wiesen düngen und mähen wir, bis sich außer Löwenzahn und Gänseblümchen nichts mehr aus dem Boden wagt. Daneben überziehen wir unser Land großflächig mit Straßen, Parkplätzen, Gewerbe- und Neubaugebieten. Insbesondere die Wildbienen trifft der Verlust geeigneter Nistmöglichkeiten und Futterpflanzen. Aber auch Honigbienen leiden unter einseitiger Ernährung, denn Pollen ist nicht gleich Pollen. Wenn die natürliche bunte Mischung durch Massentrachten wie Raps oder Sonnenblumen ersetzt wird, kann auch das die Bienen schwächen.“

Gunther Willinger, Zeit online (27.04.2018)


Alle Bienen der Erde werden die Blumenbilderkinder der Central-Apotheke fraglos nicht retten, aber zumindest für ein paar Walldürner Bienenvölker könnte es diesen Sommer bunter und blütenreicher werden.



Celine Müller, Apothekerin, Redakteurin DAZ.online (cel)
redaktion@daz.online


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