Arzneimittel und Therapie

Entecavir reduziert schnell und anhaltend die Viruslast

Primäres Behandlungsziel der chronischen Hepatitis B ist es, die Replikation des Hepatitis-B-Virus (HBV) dauerhaft zu unterdrücken, um Zirrhosen und hepatozelluläre Karzinome zu verhindern. Bei Patienten ohne antivirale Vorbehandlung führte in einer klinischen Studie eine Therapie mit Entecavir (Baraclude®) über einen Zeitraum von 96 Wochen zu einer stärkeren langfristigen Reduktion der Viruslast als eine Behandlung mit Adefovir.

In einer offenen, randomisierten Studie zur Viruskinetik wurde die antivirale Aktivität von Entecavir im Vergleich zu Adefovir bei 69 therapienaiven, Hepatitis-B-e-Antigen (HBeAg) positiven Patienten mit chronischer Hepatitis B anhand der durchschnittlichen Reduktion der Viruslast untersucht. Primärer Studienendpunkt war die mittlere Reduktion der HBV-DNA in Woche 12. Die sekundären Endpunkte umfassten unter anderem die durchschnittliche Veränderung der Viruslast im Vergleich zum Ausgangswert bis Woche 96. Ein weiterer sekundärer Endpunkt war das Sicherheitsprofil beider Substanzen.

Über mindestens 52 Wochen erhielten die Patienten entweder das Nukleosidanalogon Entecavir (n = 29) in einer Dosis von einmal täglich 0,5 mg oder das Nukleotidanalogon Adefovir (n = 20) in einer Dosis von 10 mg.

Die Patienten, die in Woche 52 nachweisbar auf die Therapie ansprachen, wurden weiter bis zu 48 Wochen beobachtet. Die Zwei-Jahresauswertung umfasste Daten von 49 Patienten. Therapieabbruch wurde als Therapieversagen gewertet. Am Ende der Studie zeigten 79% (n = 23) der Studienteilnehmer aus der Entecavir-Gruppe und die Hälfte der Patienten (n = 10) aus der Adefovir-Gruppe ein anhaltendes virologisches Ansprechen auf die Behandlung (HBV-DNA < 300 Kopien/ml).


Nukleosidanalogon

Das Guanosin-Nukleosidanalogon Entecavir wird im Körper effizient zu seiner aktiven Form Triphosphat phosphoryliert. Diese konkurriert mit dem natürlichen Substrat der viralen Polymerase Deoxyguanosin-Triphosphat. Folge der kompetitiven Hemmung der HBV-Polymerase ist eine Blockade der DNA-Synthese und der Replikation des Hepatitis-B-Virus in infizierten Zellen.

Entecavir (Baraclude®) ist seit dem 26. Juni 2006 in Europa zur Behandlung der chronischen HBV-Infektion bei Erwachsenen mit kompensierter Lebererkrankung und nachgewiesener aktiver Virusreplikation, persistierend erhöhten Serumspiegeln der Alaninaminotransferase (ALT) sowie mit einem histologischen Befund einer aktiven Leberentzündung und/oder Fibrose zugelassen.

Hohe Ansprechraten nach zwei Jahren

Im Verlauf der 96-wöchigen Behandlung konnte die Viruslast aller Patienten aus dem Entecavir-Arm unter 105 Kopien/ml abgesenkt werden. In der Adefovir-Gruppe lag in Woche 96 die Viruslast bei 35% der Patienten noch über diesem Grenzwert. Eine Normalisierung der Alaninaminotransferase (ALT) war bei 97% (Entecavir) versus 85% (Adefovir) zu beobachten. Ein Viertel der Teilnehmer aus jeder Gruppe erreichte eine Serokonversion. Sechs Patienten beendeten die Behandlung mit Adefovir vorzeitig aufgrund von Therapieversagen oder mangelnder Wirksamkeit, während es in der Entecavir-Gruppe zu keinem Studienabbruch aus diesen Gründen kam.

Beide Therapien wiesen während des gesamten Behandlungszeitraums ein vergleichbares Sicherheitsprofil auf. Die häufigsten Nebenwirkungen waren Kopfschmerzen, Nasopharyngitis, Infektionen des oberen Atmungstraktes, Fieber, Harnwegsinfektionen, Husten, Rückenschmerzen und Diarrhö. Zu schwerwiegenden unerwünschten Ereignissen kam es bei einem Patienten, der mit Entecavir behandelt wurde und bei fünf der mit Adefovir behandelten Studienteilnehmern. In keiner der beiden Gruppen traten Todesfälle auf. Aufgrund der Nebenwirkungen brach kein Patient in der Entecavir-Gruppe und nur ein Patient im Adefovir-Arm die Behandlung frühzeitig ab.


Quelle

Pressemitteilung der Bristol-Myers Squibb GmbH vom 4. August 2008.

Fachinformation Baraclude® , Stand Januar 2008.


ck

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