Fortbildungskongress

Gezielte Therapie bei hoher Viruslast

Obwohl sich in den letzten Jahren die therapeutischen Möglichkeiten bei der chronischen Infektion mit dem Hepatitis-B-Virus (HBV) deutlich verbessert haben, wird immer noch nur ein kleiner Teil der Patienten diagnostiziert und behandelt, wie Priv-Doz. Dr. Thomas Berg, Berlin, ausführte.

Gefürchtete Spätfolgen einer chronischen Hepatitis B sind Leberzirrhose, Leberversagen und Leberzellkarzinome. Weltweit sind 80% der Leberkarzinome Folgen einer Infektion mit den Hepatitisviren B und C.

Therapieziel: Virus­replikation unterdrücken

Mit den heute zur Verfügung stehenden Therapeutika kann eine chronische Hepatitis B nicht geheilt werden. Ziele der Therapie sind eine anhaltende Suppression der Viruslast, eine Hemmung der hepatischen Entzündung sowie eine Serokonversion, das heißt die Bildung von Antikörpern. Bereits durch Absenken der Viruslast können das Überleben der Betroffenen verlängert und die Inzidenz hepatozellulärer Tumoren reduziert werden.

Dazu ist allerdings eine langfristige, möglicherweise lebenslange Therapie erforderlich, durch die sogar eine Leberzirrhose reversibel ist. So wird zum Beispiel unter einer Therapie mit Lamivudin wieder normales Lebergewebe gebildet, und das pathologische zirrhotische Gewebe baut sich wieder ab.

Viruslast ist entscheidend

Zwar ist jeder Infizierte ein Risikopatient, aber "man muss nicht jede Hepatitis B behandeln", sagte Berg. Viele asymptomatische Virusträger mit normalen Leberwerten und einem histologisch unauffälligen Befund haben nur ein geringes Risiko für eine Progression. Allerdings sind die Leberwerte nicht der einzige Anhaltspunkt. Der wichtigste Faktor ist die Viruslast: Bei einer Viruslast von mehr als 10.000 Kopien/ml ist eine Behandlung notwendig.

Von 1992 an stand zur Therapie einer Virushepatitis nur Interferon zur Verfügung, das sich wegen seiner Nebenwirkungen nicht zur Dauertherapie eignet. 1999 wurde Lamivudin eingeführt, in den folgenden Jahren die Virustatika Adefovir, Entecavir, Telbivudin, Tenofovir und das pegylierte Interferon Pegasys®. Derzeit werden mehrere Polymerase- und Proteasehemmer zur Behandlung der Hepatitis B entwickelt. Neuere Substanzen in der Entwicklung sind zum Beispiel Telaprevir und Doceprevir.

Nukleosid- und Nukleotidanaloga

Initial wird eine Hepatitis B heute mit einem Nukleosid- oder Nukleotidanalogon behandelt. Erst wenn es unter der Monotherapie zur Resistenzbildung kommt, ist eine Kombinationstherapie mit zwei Substanzen indiziert, die untereinander nicht kreuzresistent sind.

Pegyliertes Interferon eignet sich vor allem für Patienten, die mit dem Genotyp A infiziert sind, hohe Transaminasewerte und eine niedrige Viruslast haben. Im Gegensatz zu herkömmlichem Interferon wird die pegylierte Form langsamer abgebaut und führt daher zu gleichmäßigeren Wirkspiegeln.

Hepatitis C: selten, aber heilbar

Seltener als die HBV-Infektion ist die Infektion mit dem Hepatitis-C-Virus, sie betrifft nur 0,5% aller Infizierten. Wie die Hepatitis B wird auch die Hepatitis C durch Blut übertragen. Sie ist in ihrem Verlauf variabel. Nach zehn bis 30 Jahren kann sich eine Zirrhose ausbilden, die dann später zum Leberkrebs führen kann.

Im Gegensatz zur Hepatitis B ist hier eine komplette Heilung möglich, wobei die Chancen hierfür vom Genotyp des Virus abhängen. Jüngere Patienten haben bessere Heilungschancen als ältere.


hel

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