Digitale Therapiebegleitung

Neue DiGA für Patient:innen mit Diabetes mellitus Typ 2

Stuttgart - 16.01.2024, 12:15 Uhr

Ab sofort kann die DiGA glucura für erwachsene Patient:innen mit nicht-insulinbehandeltem Diabetes mellitus Typ 2 verordnet werden. (Bild: Perfood)

Ab sofort kann die DiGA glucura für erwachsene Patient:innen mit nicht-insulinbehandeltem Diabetes mellitus Typ 2 verordnet werden. (Bild: Perfood)


Anfang Januar wurde eine weitere digitale Gesundheitsanwendung (DiGA) (vorläufig) ins Verzeichnis des BfArM aufgenommen: Glucura soll Patient:innen mit Diabetes mellitus Typ 2, die nicht mit Insulin behandelt werden, bei ihrer Therapie unterstützen. „Die App auf Rezept“ kann ab sofort von Ärzten verschrieben bzw. von Patient:innen bei ihrer Krankenkassen beantragt werden.

Mit der neuen Anwendung glucura listet das BfArM-Verzeichnis bereits die vierte digitale Gesundheitsanwendung für Patient:innen mit Diabetes mellitus Typ 2 (drei DiGA, darunter glucura, sind vorläufig und eine dauerhaft gelistet). Indiziert ist glucura für erwachsene Patient:innen mit einem nicht-insulinbehandelten Diabetes mellitus Typ 2. Die DiGA ist für die Betriebssysteme Apple iOS ab Version 14.0 und Google Android ab Version 8.0 verfügbar.

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Laut Hersteller Perfood zieht glucura als erste DiGA individuelle Glukose-Messungen heran, um personalisierte Ernährungsempfehlungen vorzuschlagen. Dafür müssen die Patient:innen zunächst ihre Gewebeglukose-Werte mittels Continuous-Glucose-Monitoring(CGM)-Sensor über zehn Tage lang messen. In dieser Zeit sollten sich die Nutzer:innen wie gewohnt ernähren und ein Ernährungs- und Aktivitäten-Tagebuch per glucura-App führen. Die DiGA analysiert im Anschluss die Daten über einen speziellen Algorithmus und errechnet individuelle Empfehlungen für die Ernährung. Den Patient:innen werden anschließend personalisierte Wochenziele vorgeschlagen und sie können festlegen, auf welche Ziele, z.B. Ernährung oder Bewegung, sie sich fokussieren wollen. Auch Rezept- und Bewegungstutorials finden die Anwender:innen in der App und sie erhalten Informationen zu ihrer Erkrankung, ausgewogener Ernährung und Bewegung. Die DiGA steht den Patient:innen für jeweils drei Monate zur Verfügung und kann bei Bedarf neu verordnet werden. Die eingegebenen Daten können auch exportiert und den Ärzt:innen als PDF zur Verfügung gestellt werden.

Weitere neue DiGA

Die Anzahl der DiGA wächst kontinuierlich, so wurden auch im Dezember 2023 bereits drei weitere Anwendungen vorläufig ins BfArM-Verzeichnis aufgenommen:

  • Mit actensio kam die erste DiGA zur Therapie bei Bluthochdruck auf den Markt. Das Programm unterstützt Patient:innen ihren Lebensstil umzustellen.
  • Die DiGA Mindable: Soziale Phobie richtet sich an Personen ab 18 Jahren, die an den Symptomen einer sozialen Phobie leiden und unterstützt sie dabei, ihre sozialen Ängste zu bewältigen und zu reduzieren.
  • Untire wurde entwickelt, um die Fatigue bei Brustkrebspatient:innen zu reduzieren.

Pilotstudie deutet auf medizinischen Nutzen

Hersteller einer DiGA müssen bestimmte Vorgaben erfüllen, damit sie ins BfArM-Verzeichnis aufgenommen werden, nur dann übernehmen die Krankenkassen die Kosten für eine Verordnung. Im Gegensatz zu nicht-regulierten Gesundheits-Apps sind die Anforderungen bei DiGA streng geregelt. Unter anderem muss auch ein positiver Versorgungseffekt, also der medizinische Nutzen, durch den Hersteller nachgewiesen werden. Allerdings können die dazu notwendigen Studien nachträglich (in der Regel innerhalb von zwölf Monaten) eingereicht werden. Für eine vorläufige Listung reichen Pilotstudien, die zeigen, dass ein positiver Versorgungseffekt anzunehmen ist. Auch die Anwendung glucura ist zunächst vorläufig gelistet. In einer Pilotstudie mit 64 Proband:innen wurde laut Pressemitteilung des Herstellers gezeigt, dass bei Anwendung der DiGA über drei Monate, der HbA1c- Wert im Vergleich zur Standardbehandlung um -0,79 Prozentpunkte gesunken ist. Doppelt so viele Patient:innen waren nach Anwendung von glucura im therapeutischen Zielbereich (definiert als HbA1c-Wert < 7,0%) als vor der Anwendung (61% vs. 31%). 34% von ihnen erreichten einen HbA1c-Wert von unter 6,5% und der BMI nahm um mehr als einen Punkt ab. Die Wirksamkeit wird derzeit in einer randomisiert-kontrollierten, zweiarmigen Studie überprüft.

In wenigen Schritten zur DiGA

Diabetes-Patient:innen können sich ein Rezept für glucura von ihrer Ärztin oder ihrem Arzt ausstellen lassen und dieses per App, E-Mail oder Post an ihre gesetzliche Krankenkasse schicken. Diese stellt daraufhin einen Freischaltcode aus, den die Nutzer:innen auf der Website www.glucura.de eingeben können. Daraufhin wird ihnen der CGM-Sensor mit weiterem Infomaterial per Post zugestellt. Anschließend laden sich die Nutzer:innen die glucura-App sowie die App des jeweiligen CGM-Sensorherstellers herunter. Alternativ können Patient:innen mit bereits nachgewiesener Diabetesdiagnose und Ausschluss einer Insulin-Behandlung (z.B. durch einen Arztbrief) diesen direkt im Online-Mitgliederbereich oder in der Krankenkassen-App hochladen.


Julia Stützle, Apothekerin und Volontärin


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