Die letzte Woche

Mein liebes Tagebuch

25.04.2021, 07:45 Uhr

Wir Apothekers sind meist die gekniffenen – Opfer unseres eigenen Erfolgs, weil wir zu gut sind. (Foto: Alex Schelbert)

Wir Apothekers sind meist die gekniffenen – Opfer unseres eigenen Erfolgs, weil wir zu gut sind. (Foto: Alex Schelbert)


23. April 2021

Oh, oh, das sieht nach neuen Ungerechtigkeiten für Apotheken, nach Fallstricken und irgendwie nach einem Ärgernis aus: Die Coronavirus-Impfverordnung regelt u. a. die Honorierung von Großhandel und Apotheken für die Belieferung der Arztpraxen. Sichtlich wurde der Passus, der die Honorierung der Logistik der eiskalten Impfstoffe regelt, mit heißer Nadel gestrickt. Kann man nachzuvollziehen, warum der Großhandel für ein Vial derzeit fast doppelt so viel erhält wie die Apotheke? Noch seltsamer ist es, dass die Abrechnung der Großhandelsvergütung über die Apotheken verläuft: Die Apotheken erhalten auch die Großhandelsvergütung vom Bundesamt für soziale Sicherung (BAS) überwiesen und müssen diese dann an den Großhandel weiterleiten. Warum das so ist? Mein liebes Tagebuch, dazu haben wir noch nichts gelesen oder gehört – war halt vielleicht einfacher für den Verordnungsschreiber, das so festzulegen. Das Dumme dabei sind – wie so oft – die bürokratischen und finanztechnischen Fallstricke des Kleingedruckten: Wie läuft das mit der Umsatzsteuer, wie ist sie korrekt zu verbuchen, ohne dass sich diese Vorgehensweise nachteilig für die Apotheke auswirkt? Das hängt auch davon ab, wem der Großhandel seine Rechnung stellt, dem BAS oder der Apotheke. Mein liebes Tagebuch, es ist wie so oft: ein Mehraufwand für die Apotheke, den sie bezahlen muss, aber nicht erstattet bekommt. Hier wäre es doch wirklich viel einfacher, wenn alle Beteiligten ihre Leistungen direkt mit dem Kostenträger abrechnen würden – dann würde auch jeder die Gebühren seiner Abrechnung tragen. Warum muss alles so kompliziert verschwurbelt ablaufen? Und was zusätzlich für Ärger sorgt: Da die Großhandelsvergütung für die Vial-Logistik über die Apotheken läuft, sind es die Apotheken, die dafür die Kosten ihres Apothekenrechenzentrums tragen. Ungerecht! Damit nicht genug: Manche Rechenzentren, z. B. das ARZ Haan, haben ihre Kunden bereits darüber informiert, dass für die Bearbeitung der Verordnungen eine Bearbeitungsgebühr fällig wird. Auch das noch! Da sind die Apotheken gleich zweifach, nein dreifach gekniffen: Höhere Abrechnungsgebühren, extra Bearbeitungskosten und bürokratischer Aufwand mit Umsatzsteuer und Rechnungsstellung. Mein liebes Tagebuch, das ruft nach deutlichen Worten aus dem Berliner Apothekerhaus: So geht’s nicht! Bei der vom Bundesgesundheitsministerium angekündigten Überprüfung des Honorars für die Impfstofflieferungen müssen diese Fehlstellungen korrigiert und das Honorar dem tatsächlichen Aufwand angepasst werden. Da kommt Arbeit auf ABDA und DAV zu!

 

Und wie läuft es eigentlich beim Großhandel mit der Vial-Logistik? Alles im Griff? Im DAZ.online-Podcast sprach ich mit Stefan Holdermann, geschäftsführender Gesellschafter der Pharmagroßhandlung Kehr Holdermann. Er sagte mir, dass die reine Logistik, die Tiefkühlung und Verteilung der Impfstoff-Vials kein Problem für den Großhandel darstellen. Das Problem liegt allerdings derzeit darin, dass es noch zu wenig Impfstoff gibt, „der pharmazeutische Großhandel verwaltet den Mangel“, so Holdermann. Herausfordernd ist zudem die Bestellabwicklung der Apotheken, keine Apotheke darf bevorzugt oder benachteiligt werden. Der Kommunikationsaufwand sei immens. Und die Nerven liegen durchaus manchmal blank. Holdermann: „Wir versuchen alles, was möglich ist, können aber nicht zaubern.“



Peter Ditzel (diz), Apotheker
Herausgeber DAZ / AZ

redaktion@deutsche-apotheker-zeitung.de


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Rückblick auf das Jahr 2021

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1 Kommentar

Opfer????

von Gunnar Müller, Detmold am 25.04.2021 um 12:27 Uhr

Im Jahr 10 nach Apothekerprotest ist das eine allzu armselige wenn nicht gar: erbärmliche Bilanz für alle alt- und neu-verantwortlichen Standeszertreter:innen!
Und eine ernüchternde Bilanz der zurückliegenden Jahre von FS, Fritz Becker, Arnold und Co. Samt verantwortlichem ABDA-Hauptamt.
Die Ärzteschaft muckt nur einmal kurz, und schon ist AstraZeneca in Impfpraxen Schnee von gestern!
Soviel zum Thema eines offenbar immer noch in vielen Köpfen herumwabernden „Vertrauen“ ....

Wenn uns die Pandemie etwas gezeigt hat
dann doch bitte:
Die Notwendigkeit einer „sprechenden“, einer empathisch erklärenden Pharmazie, einer unmittelbar ansprechbaren Pharmazie, akademisch fundiert, gut informiert, auf dem aktuellen Stand des Geschehens und sofort verfügbar, barrierefrei für alt und jung, allgemein-verständlich, jederzeit und unmittelbar vor Ort.

Zum zweiten die Notwendigkeit von Handlungsfreiheit! Wenn Apotheken schnell handeln können sollen, dann dürfen sie nicht bürokratisch gegängelt werden!

Die Notwendigkeit einer auskömmlichen Vergütung insbesondere für kleinere und mittlere Apotheken-Standorte! Die großen überleben allein schon „aufgrund Masse“, Blockbuster-Standorten, größerem Pool an Mitarbeiter:innen und nicht zu vergessen den günstigeren Einkaufsbedingungen!

Und die Notwendigkeit einer nicht allein öffentlichen Anerkennung sondern die Verankerung dieser Wertschätzung durch die Allgemeinheit dann bitte doch auch in den Köpfen und Herzen der Politiker:innen - zur Not nach der Devise:
Die Allgemeinheit, das sind auch Wählerinnen und Wähler!

Was bedeutet das alles insbesondere in einem Wahljahr:
Es müssen die richtigen Dinge getan werden und es müssen die Dinge richtig getan werden. Und sie müssen jetzt getan werden!

Und deshalb abschließend ins Stammbuch
aller berufspolitischen Kleriker/Dogmatiker in welchen standespolitischen Echo-Kammern auch immer:
Wolkenkuckucksheim muss warten!
Oder frei nach Brecht:
Erst kommt das Fressen sprich die Vergütung für den immensen Aufwand für die vielen „kleinen“, systemrelevanten Dienstleistungen wie Beratung in Sachen Rabattverträgen, Rückfragen bei Ärzten und Genehmigungsaufwand gegenüber KrankenKassen - dann erst kommen „Neue Dienstleistungen“ wie AMTS.

Was hindert uns, allein für unseren bisherigen Mehraufwand von den KrankenKassen aus deren Erträgen ihres Rabattvertragsgeschäfts einen kick-back von 10% für die Apotheken zu fordern und gleichmäßig auf jede der 18.500 Apotheken zu verteilen?

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