Vierte COVID-19-Impfempfehlung der STIKO

mRNA-Impfstoffe im Abstand von sechs Wochen impfen

Stuttgart - 06.04.2021, 13:45 Uhr

Zwischen der ersten und zweiten Impfung mit den mRNA-Impfstoffen von Biontech/Pfizer und Moderna sollen jeweils sechs Wochen liegen. (Foto: picture alliance / SZ Photo | Wolfgang Filser)

Zwischen der ersten und zweiten Impfung mit den mRNA-Impfstoffen von Biontech/Pfizer und Moderna sollen jeweils sechs Wochen liegen. (Foto: picture alliance / SZ Photo | Wolfgang Filser)


Die STIKO hat den Impfabstand für mRNA-Impfstoffe fix auf sechs Wochen gedehnt. Bislang wurde die zweite Dosis Comirnaty von Biontech/Pfizer in einem Zeitfenster von drei bis sechs Wochen nach der ersten Dosis geimpft, beim COVID-19-Impfstoff Moderna waren es vier bis sechs Wochen. In der aktualisierten vierten COVID-19-Impfempfehlung der STIKO rücken zudem dialysepflichtige chronisch Nierenkranke in der Impfpriorisierung eine Stufe vor. Gute Neuigkeiten meldet die STIKO auch zum Übertragungsrisiko von SARS-CoV-2 nach einer vollständigen Impfserie.

Bereits zum vierten Mal hat die STIKO (Ständige Impfkommission) am Robert Koch-Institut (RKI) ihre COVID-19-Impfempfehlung aktualisiert beziehungsweise einen Entwurf vorgelegt. Die augenfälligste Änderung dürfte sein, dass jüngere Menschen unter 60 Jahren nicht mehr mit dem Vektorimpfstoff von AstraZeneca geimpft werden sollen. Eine noch ausstehende zweite Dosis soll nach Empfehlung der STIKO mit einem der beiden mRNA-Impfstoffe von Biontech/Pfizer beziehungsweise Moderna erfolgen. Zudem sollen mit dem AstraZeneca-Impfstoff Geimpfte künftig darüber aufgeklärt werden, bei starken anhaltenden Kopfschmerzen, Kurzatmigkeit, Beinschwellungen, anhaltenden Bauchschmerzen, neurologischen Symptomen oder punktförmigen Hautblutungen umgehend ärztliche Hilfe zu suchen, da dies Anzeichen thromboembolischer Nebenwirkungen sein können.

Neuer COVID-19-Impfstoff Janssen

Neues gibt es jedoch nicht nur bei AstraZeneca – die STIKO nimmt den vierten zugelassenen COVID-19-Impfstoff von Janssen in ihre Empfehlung auf. Die Vektorvakzine von Johnson & Johnson (Mutterkonzern von Janssen) erhielt im März 2021 die bedingte Zulassung in der EU. Der Impfstoff ist bislang der einzige, der nur einmal geimpft werden muss. Die STIKO betont in ihrem Beschlussentwurf zur vierten Aktualisierung der COVID-19-Impfempfehlung, dass alle vier derzeit zugelassenen Impfstoffe – die beiden mRNA-Impfstoffe Comirnaty® von Biontech/Pfizer und COVID-19 Vaccine Moderna sowie die die beiden Vektorimpfstoffe COVID-19-Vaccine AstraZeneca und COVID-19 Vaccine Janssen (Johnson & Johnson) – „hinsichtlich des Individualschutzes und der Bekämpfung der Pandemie nach derzeitigem Wissen als gleichermaßen geeignet beurteilt“ werden.

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Die STIKO zurrt zudem jeweils den Impfabstand bei den beiden mRNA-Impfstoffen fest. Comirnaty von Biontech/Pfizer und COVID-19-Impfstoff von Moderna erfordern für eine vollständige Impfserie je zwei Dosen. Diese sollen fortan jeweils im Abstand von sechs Wochen geimpft werden. Zuvor hatte die STIKO ein Zeitfenster von drei bis sechs Wochen für Comirnaty und von vier bis sechs Wochen für den Moderna-Impfstoff empfohlen.

Dialysepflichtige chronisch Nierenkranke nun in Stufe zwei

Neu aufgenommen hat die STIKO in ihren Empfehlungen zur Impfpriorisierung nun explizit Personen mit dialysepflichtiger, chronischer Nierenerkrankung. Sie sollen in Stufe zwei – also gleichauf mit 75- bis 79-Jährigen, Menschen mit Down-Syndrom und Demenzpatienten in Einrichtungen – gegen COVID-19 geimpft werden. Nicht dialysepflichtige chronisch Nierenkranke kommen eine Stufe später dran. Bislang hatte die STIKO nicht unterschieden, ob eine Dialysepflicht vorliegt, sondern chronisch Nierenkranke waren generell in der dritten Impfstufe vorgesehen gewesen.

Vollständige Impfung reduziert Übertragung

Positives meldet die STIKO auch zur Übertragung von SARS-CoV-2. Sie nimmt an, dass eine vollständige Impfung die Virusausscheidung bei Infizierten stark reduziert und damit auch das Transmissionsrisiko vermindert ist. Es müsse jedoch nach wie vor davon ausgegangen werden, dass Menschen trotz Impfung nach Kontakt mit dem Virus infiziert werden können – symptomatisch oder asymptomatisch – und SARS-CoV-2 ausscheiden.


Celine Müller, Apothekerin, Redakteurin DAZ.online (cel)
redaktion@daz.online


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11 Kommentare

Verlängerter Impfabstand

von Heidi K. am 10.04.2021 um 17:22 Uhr

Für mich hat die STIKO bereits ihre Glaubwürdigkeit verloren. Denn natürlich frage ich mich ebenfalls, auf welchen Erkenntnissen plötzlich die Verlängerung des Impfabstands für BioNTech/Pfizer beruht, wenn die Zweitimpfung bisher 3-6 Wochen nach der Erstimpfung erfolgen sollte, wobei 42 Tage nicht überschritten werden sollten. Verständlich, dass man diese Spanne jetzt bis zum Limit ausnutzt, um mehr Erstimpfungen durchführen zu können. Aber deshalb eine geänderte Empfehlung abgeben empfinde ich als unseriös.

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Abstand zwischen 1. und 2. Impfung mit AstraZeneca

von Max Meyer am 09.04.2021 um 20:53 Uhr

Über die Abstände zwischen der Erst- und Zweitimpfung mit allen verfügbaren Impfstoffen habe ich Angaben gefunden, nur nichts über AstraZeneca ( in Bielefeld für ALLE Ü60, egal welche Prio- Gruppe verabreicht) . Auf der Seite des ASB (Impfzentrum) widersprüchliche Angaben.
Danke im Voraus für Info.
M.M.

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Impfabstand

von Meineck am 08.04.2021 um 7:25 Uhr

Praxis ist nach 1.impfung mit biontech nach 6 Wochen 2 Wochen im Urlaub.. also wären entweder 3 Wochen später oder.1 Woche also 5 Wochen nach 1.impfund drin...ist das in Ordnung.mfg meineck

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AW: Impfabstand

von Sven Hennig am 09.04.2021 um 12:26 Uhr

ich würde mit dem Arzt sprechen, ggf. können diese in Absprache mit einem Impfzentrum in der Nähe, einen Alternativtermin dort organisieren

Astra Zeneca

von Andreas Reihs am 08.04.2021 um 0:51 Uhr

Bin gerade 60 geworden, bin ich jetzt gezwungen mich mit Astra Zeneca impfen zu lassen oder kann ich mich auch mit einer Rna Impfstoff impfen lassen, denn was anderes lehne ab ,will mich aber impfen lassen.nur nicht mit einem Dna Impfstoff

» Auf diesen Kommentar antworten | 2 Antworten

AW: Astra Zeneca

von Sven Hennig am 09.04.2021 um 12:25 Uhr

Hallo,

das kommt auf das Bundesland an.

Bei uns hier (MV) gäbe es kein Wahlrecht, genau wie es dieses bei AstraZeneca vorher für die U 60 NICHT GAB.

Daher müssten Sie, würden Sie in Mecklenburg-Vorpommern wohnen, den AstraZ Impfstoff nehmen, oder alternativ warten.

AW: Astra Zeneca

von Katja am 09.04.2021 um 22:10 Uhr

Mein Papa ist 68. Ich habe ihn im Impfzentrum angemeldet und mir wurde zugesichert das er mit Biontech geimpft wird. Sind aus Bayern.

Impfabstände

von Dr. Alexander Blümke am 07.04.2021 um 22:32 Uhr

Mit welchen wissenschaftlichen Daten begründet die STIKO ihre Empfehlung zur Verlängerung der Impfabstände? Bisher erscheint es mir politisch-organisatorisch begründet.

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6 Wochenfrist

von Dieter Schmidt am 06.04.2021 um 13:59 Uhr

Sieht mehr nach einer Verzweiflungstat aus!

» Auf diesen Kommentar antworten | 2 Antworten

AW: 6 Wochenfrist

von Dr. Alexander Blümke am 07.04.2021 um 22:37 Uhr

Sieht mir auch nach Verzweiflung aus. Die STIKO riskiert zunehmend ihre Glaubwürdigkeit. Eine Empfehlung nicht evidence basiert auszusprechen, wäre verantwortungslos und würde die STIKO für alle Zeiten disqualifizieren.

AW: 6 Wochenfrist

von Sven Hennig am 09.04.2021 um 12:24 Uhr

Hallo,

wobei es zu der Ausdehnung der Impfungen seit Zulassung schon Studien gibt und selbst eine Ausdehnung auf > 6 Wochen in vielen Ländern praktiziert wird.

Ist auch in der Zulassungsstudie mit enthalten.

Dennoch bin ich bei Ihnen, man muss sehr aufpassen, dass es nicht an Glaubwürdigkeit verliert.

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