Erst in Baden-Württemberg, dann bundesweit

dm will Corona-Testzentren betreiben

Berlin - 04.03.2021, 12:15 Uhr

Sozialminister Manne Lucha, Christoph Werner (Vorsitzender der dm-Geschäftsführung), Staatssekretär Florian Stegmann und dm-Geschäftsführer Christian Harms (von links nach rechts) besuchten das Schnelltest-Center vor dem dm-dialogicum in Karlsruhe. (Foto: dm)

Sozialminister Manne Lucha, Christoph Werner (Vorsitzender der dm-Geschäftsführung), Staatssekretär Florian Stegmann und dm-Geschäftsführer Christian Harms (von links nach rechts) besuchten das Schnelltest-Center vor dem dm-dialogicum in Karlsruhe. (Foto: dm)


Kaum haben Bund und Länder sich auf wöchentliche Corona-Tests für alle Bürger:innen geeinigt, macht die Drogeriemarktkette dm Nägel mit Köpfen: Wie das Unternehmen informiert, plant es, bundesweit Testzentren zu eröffnen. Ein erster Probelauf ist für den morgigen Freitag in Karlsruhe angesetzt. Möglich macht dies eine neue Verordnung aus dem Hause Spahn.

Die Drogeriemarktkette dm lässt in Sachen Corona-Tests nichts aus: Nachdem sie bereits angekündigt hat, ab 9. März Schnelltests zur Selbstanwendung verkaufen zu wollen, informiert sie jetzt, auch eigene Testzentren betreiben zu wollen. Für morgen ist ein erster Testlauf vor dem Firmensitz in Karlsruhe geplant, teilt das Unternehmen am heutigen Donnerstag mit. Bereits heute verschafften sich der Gesundheitsminister Baden-Württembergs, Manne Lucha (Grüne), und sein Staatssekretär Florian Stegmann einen Eindruck von den Gegebenheiten vor Ort.

Erst am gestrigen Mittwochabend hatten Bund und Länder einen Beschluss gefasst, wonach asymptomatischen Personen mindestens einmal wöchentlich eine Testung auf das Coronavirus zusteht. Für sie soll das Angebot eines sogenannten „Bürgertests“ gratis sein, die Kosten trägt der Staat. In einer heute bekannt gewordenen Verordnung aus dem Bundesministerium für Gesundheit (BMG) ist dagegen von „bis zu“ einmal pro Woche die Rede. Das Dokument ist nicht als Entwurf gekennzeichnet, die Verordnung soll bereits am kommenden Montag in Kraft treten.

Schon nach der derzeit gültigen Verordnung kann der öffentliche Gesundheitsdienst Apotheken mit der Leistungserbringung beauftragen – ebenso wie (Zahn-)Ärzt:innen, ärztlich oder zahnärztlich geführte Einrichtungen und medizinische Labore. Künftig können überdies auch „Rettungs- und Hilfsorganisationen und weitere Anbieter, die eine ordnungsgemäße Durchführung garantieren, beauftragt werden“. Voraussetzung ist eine entsprechend Qualifizierung und Zuverlässigkeit.

Dm fackelt angesichts dieser Möglichkeit nicht lange und prescht jetzt vor: Geplant ist nach Angaben der Drogeriemarktkette, Bürger:innen künftig in sogenannten dm-Schnelltest-Zentren bei dm-Märkten die Durchführung von Corona-Antigen-Schnelltests anzubieten. Das Unternehmen kündigt einen raschen Aufbau von Testzentren im Laufe des Monats März an, zunächst in Baden-Württemberg, dann bundesweit. Dort sollen sich Bürger:innen mindestens einmal pro Woche kostenfrei testen lassen können. „Eigens geschulte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie Fachkräfte werden dort Point-of-Care-Antigen-Schnelltests durchführen, wie sie bereits heute beispielsweise in Pflegeeinrichtungen zum Einsatz kommen“, heißt es. Dafür werden den Angaben zufolge sowohl dm-Mitarbeiter als auch medizinisches Fachpersonal und freiwillige Helfer geschult.

„Wir möchten die Bundes- und Landesregierungen bei der Bewältigung der Pandemie unterstützen und unseren Teil dazu beitragen, damit die Menschen in ihrem Alltag wieder ein Stück Normalität erleben und zum Beispiel Bildungs- oder Kultureinrichtungen wieder besuchen sowie andere Einzelhandels- und Dienst­leistungs­ange­bote nutzen können. Daher haben wir Land und Bund ein Konzept vorgelegt, wie wir zunächst in Baden-Württemberg und dann auch deutschlandweit Schnelltest-Center bei unseren dm-Märkten einrichten können“, erläutert Christoph Werner, Vorsitzender der dm-Geschäftsführung. In Baden-Württemberg gibt es laut Mitteilung 340 und bundesweit 2.040 dm-Märkte.

„Wir haben großes Interesse daran, dass Testmöglichkeiten für die Bürgerinnen und Bürger vor Ort ausgeweitet werden und die erweiterte Teststrategie der Bundesregierung schnellstmöglich umgesetzt werden kann. Ich hoffe, dass noch weitere Angebote aus der Wirtschaft dazu kommen werden“, so Lucha. Schnelltestes würden allerdings nicht die geltenden AHA-Regeln ersetzen, auch negative Ergebnisse seien kein bloßer Freibrief für die Rückkehr in den Vor-Corona-Alltag. Sein Ministerium sei mit Fachleuten vor Ort vertreten, um sich ein Bild von den praktischen Abläufen zu machen und ihre Expertise beim Aufbau des Schnelltest-Centers sowie beim Ablauf der Testungen mit einzubringen.


Christina Müller, Apothekerin, Redakteurin DAZ.online
redaktion@daz.online


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10 Kommentare

DM-Testzentrum

von michl am 08.03.2021 um 12:46 Uhr

so ein Blödsinn,
hat mal jemand die Mitarbeiter gefragt, ob die bereit sind sich dem erhöhten Risiko auszusetzen. dm - Hauptsache Profit.

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FENSTER mit Durchreiche

von Fensterln am 07.03.2021 um 16:38 Uhr

wie in den USA. Drogeriemarkt. ALLES gibt es hier. und unterhaltsam, das meiste auch made in China. Ganz hinten dann die Durchreiche für die Rx medis. Apotheken mit produktneutraler Beratung? längst Geschichte. DM kann alles, wir kucken in die Röhre. DANKE Abda, für den Totengräber Trauerflor.

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"Wir haben mehr Einfluss, wenn wir zusammen halten"

von Chris am 05.03.2021 um 1:39 Uhr

... genau das hat Herr Schmidt? Oh, sorry ... es war ja schon Frau Overwiening im "ABDA-Livetalk" gesagt.
Also liebe Kollegen - was schert uns DM und die ganzen anderen handelnden Personen?
"Mitgestalten und Chancen nutzen" steht für unsere neue ABDA-Präsidentin im Vordergrund. Packen wir es an und schauen erst mal was die anderen so machen...
Könnte mir jetzt noch jemand sagen ob es Aktien/Anteile von DM gibt und wo ich die bekommen kann? Ich würde gerne meine Chance nutzen und am Erfolg von DM partizipieren ...

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Testzentren

von Scarabäus am 04.03.2021 um 20:39 Uhr

Jeder, der will, soll Testzentren gerne betreiben. Wenn sich dann irgendwann unvermeidlicherweise die Belegschaft ansteckt und der Betrieb geschlossen in die Quarantäne geht, bitte nicht jammern! Fixkosten (Gehälter, Miete usw.) laufen nämlich weiter und auf Ausgleichzahlungen warten wir noch heute. Hatte diese Erfahrung letztes Jahr - 14 Tage Apotheke zu, hatte Glück dass es nicht noch weitere 2 Wochen Quarantänezuschlag gab, da eine PTA noch grenzwertig war. Mir reicht‘s, freiwillige Naive bor!

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groß darf alles

von Thomas Kerlag am 04.03.2021 um 19:55 Uhr

...und sie meinen der Sozialminister kommt dann schulterklopfend zu mir??

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Testbedingungen

von Eva R am 04.03.2021 um 19:55 Uhr

Haben die denn mal beim Hersteller nachgefragt, bei welchen Temperaturen diese Tests durchgeführt werden müssen?

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AW: Testbedingungen

von Gregor Huesmann am 04.03.2021 um 21:07 Uhr

Glauben Sie mir, das sind Profis, die sich keine Blöße geben werden. Nur wäre es unser Job gewesen, Testzentren der „Apotheker“ anzubieten. Aber da beginnt der Ehrgeiz der Bedenkenträger: Anmeldung eines Gewerbes verlangen die Pharmazieräte, falls das Zentrum außerhalb der Betriebsräume eingerichtet werden muss. Wir stehen uns sowas von im Wege!

Testzentren

von Gregor Huesmann am 04.03.2021 um 19:02 Uhr

Wo bitte bleiben die Testzentren der Apotheker? Wieder eine Chance vergeben. Schnarchnasen!

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Ansehen

von Thomas Kerlag am 04.03.2021 um 18:39 Uhr

Die Gefahr ist halt, dass die möchtegern Experten von dm
mit ihrer Schmalspurschulung
den Leuten bei Fragen um Corona nach Aufforderung noch weiteren Blösdinn erzählen.
Der weiße Kittel.
Wie sagte mal einer zu mir: "Den Leuten ist es egal ob wir(Apothekenpersonal) oder die Verkäuferin von dm den weißen Kittel anhat...

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AW: Testzentrum

von Gregor Huesmann am 04.03.2021 um 19:01 Uhr

Nur kein Neid, wo steht Ihr Testzentrum?

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