Test vom Discounter, Beratung in der Apotheke?

„Beratung kostet Geld“

Berlin - 02.03.2021, 07:00 Uhr

Können Apotheken eine Gebühr erheben, wenn Menschen eine Beratung suchen, die zuvor ihren Selbsttest beim Discounter oder der Drogerie gekauft haben? (Foto: IMAGO / Rene Traut)

Können Apotheken eine Gebühr erheben, wenn Menschen eine Beratung suchen, die zuvor ihren Selbsttest beim Discounter oder der Drogerie gekauft haben? (Foto: IMAGO / Rene Traut)


Die SARS-CoV-2-Selbsttests für Zuhause kommen. Apothekenpflichtig sind sie nicht – aber wird die Durchführung und Auswertung der Tests wirklich ein Kinderspiel sein? Einige Apotheker:innen bezweifeln, dass die Packungsbeilage für alle Laien ausreichend verständlich sein wird. Wird nun ein Beratungs-Run auf die Offizinen starten? Und falls es so ist: Können diese eine Gebühr erheben, wenn diejenigen eine Beratung suchen, die zuvor ihren Selbsttest beim Discounter oder der Drogerie gekauft haben? Die Nürnberger Apothekerin Margit Schlenk hat dazu eine klare Haltung.

Vergangene Woche Mittwoch hat das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) den ersten drei Antigen-Tests zur Eigenanwendung eine Sonderzulassung erteilt. Mittlerweile ist ein vierter Test dazu gekommen, der SARS-CoV-2 Rapid Antigen Test von Biosensor, vertrieben durch MT Promedt beziehungsweise Roche. Das BfArM hält eine Liste der von ihm zugelassenen Tests bereit, die beständig aktualisiert wird.       

Wie schnell die Laientests nun wirklich in breitem Umfang zur Verfügung stehen, muss sich noch zeigen. Kommunen und Länder haben teilweise große Mengen geordert, insbesondere für Schulen. Im Internet finden sich die ersten Angebote für die neuen Produkte. Die dm-Drogeriemärkte haben für kommende Woche Dienstag den voraussichtlichen Verkaufsstart des Boson-Tests angekündigt – zunächst ist eine limitierte Abgabe geplant. Das Unternehmen verspricht in seiner Pressemitteilung: „Die Packungsbeilage informiert gut verständlich und ausführlich über die Durchführung.“

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Dennoch diskutieren Apotheker:innen schon seit Tagen – unter anderem in Facebookgruppen –, ob dieser Plan aufgehen kann. Wie gut werden die Menschen sich informiert fühlen? Zum einen was die Durchführung betrifft, zum anderen was den Umgang mit dem Testergebnis angeht. Mit einer Apothekenpflicht für die Laientests hätte der Verordnungsgeber sicherstellen können, dass bei Beratungsbedarf beim Fachpersonal nachgefragt werden kann – doch ein solcher Vertriebsweg war regierungsseitig nicht gewollt. Steht den Apotheken bei den Selbsttests nun bevor, was sie bereits von anderen Produkten kennen? Auch zu in Drogerien oder anderweitig gekauften Nahrungsergänzungsmitteln, Blutdruckmessgeräten oder ähnlichem haben Apothekenbesucher:innen Fragen. Ganz konkret stellt sich die Frage: Können Apotheken eine Beratungsgebühr erheben, wenn sie zu Selbsttests beraten?

Gefragte Expertise aus der Apotheke

Die Nürnberger Apothekerin Margit Schlenk hat eine klare Meinung: „Beratung kostet Geld“, sagt sie gegenüber DAZ.online. Wieso sollte für Apotheken etwas anderes gelten als beispielsweise für Anwälte? Schlenk bietet bereits seit einiger Zeit Antigen-Schnelltests auf SARS-CoV-2 in ihrer Apotheke an. Zudem schult sie Kolleg:innen bundesweit, wie diese Tests zur professionellen Anwendung durchzuführen sind. Die Pharmazeutin weiß also, was sie kann – und in Nürnberg kennt man ihre Kompetenz ebenfalls. Ganz frisch wurde sie jetzt vom Gesundheitsamt offiziell mit der Durchführung der Schnelltests beauftragt, die es künftig kostenlos für die Bürger:innen geben soll. In welchem Umfang und in welcher Weise die Antigen-Schnelltests genau angeboten werden sollen, darüber soll kommenden Mittwoch die Bund-Länder-Konferenz beraten.

Auch in Sachen Laien-Schnelltests ist Schlenk selbstbewusst. Sie ist überzeugt, dass für diese Produkte ebenfalls eine Beratung nötig ist und wird diese in ihrer Apotheke selbstverständlich anbieten. Nun stellt sich die Frage: Wo wird es die Tests zuerst geben? Wenn die Apotheken zeitgleich mit den Drogerien oder anderen Händlern bestückt werden, ist Schlenk sicher, dass diejenigen, die eine Beratung wünschen die Tests auch in der Apotheke kaufen werden. Wer allerdings zum Kauf die Drogerie oder einen Internetshop vorzieht und dann zur Beratung in die Apotheke kommt, soll dafür bei ihr 9,95 Euro zahlen, sagt sie. Schlenk hoffe nicht, dass dies der Fall sein wird. Aber sollte es so kommen, will sie nicht zurückstecken. Sie weiß, was ihre Leistung wert ist.

Rechtlich dürfte dies kein Problem sein. Die Beratung erfolgt hier zu einem Produkt, das nicht preisgebunden ist. Eine Regelung, die der Apotheke verbietet, hierfür eine Gebühr zu erheben, gibt es nicht. Würde es sich um ein preisgebundenes Arzneimittel handeln, dessen Preis sich nach der Arzneimittelpreisverordnung bestimmt, wäre das anders: In den 8,35 Euro Festzuschlag pro Packung ist die Beratung inbegriffen. Auch einen unlauteren Wettbewerbsvorteil verschafft eine Apotheke sich mit einem seriösen kostenpflichtigen Beratungsangebot sicher nicht. 


Kirsten Sucker-Sket (ks), Redakteurin Hauptstadtbüro
ksucker@daz.online


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5 Kommentare

Alles umsonst

von Thomas Kerlag am 02.03.2021 um 19:05 Uhr

Gestern erst von einer Quereinsteigerin/Hypnose gehört, die ohne je was studiert zu haben 250 € für eine Sitzung verlangt.
Kein Wareneinsatz!
Ärzt:innen sind sowas von ethisch und rechnen ab. Rechtsanwält:innen sind so was von vertrauenswürdig und rechnen ab.
Wäre auch mal was für unser Standesselbstwertgefühl, dann braucht man nicht übereinander so herzuziehen.
Gute Ausbildung ist teuer und zeitteuer!

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Selbsttests

von Siegfried am 02.03.2021 um 16:05 Uhr

Ich schätze die Leistung und Kompetenz aller ApothekerInnen sehr hoch. Aber bitte die Kirche immer schön im Dorf lassen. Wenn in Deutschland ein Selbsttest zum freien Verkauf zugelassen ist, wird wohl der Durchschnittsbürger ihn auch verstehen und durchführen können oder im persönlichen Umfeld Hilfe finden.
Beleidigt sein ist auch für Apotheker keine gute Strategie.

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AW: Optimismus

von Stefan Haydn am 02.03.2021 um 19:29 Uhr

Ich würde Ihre Auffassung gerne teilen, leider sehe ich aber im Alltag, wie wenig die Leute wirklich selbst können.
AHA-Regeln und Maske richtig tragen? Bei vielen Fehlanzeige.
Wenn schon die einfachen Schwangerschaftstests nicht richtig gemacht werden, was dann bei einem schwierigeren Abstrichtest.
Ich bin mal gespannt, wie viele sich mit positivem Test an die Apotheke wenden bevor sie zum Arzt oder Gesundheitsamt gehen (sofern das Ergebnis nicht verschwiegen wird).
In den Supermarkt oder die Drogerie werden sie dann trotz eventuellem Kauf dort wohl eher nicht gehen.

Beratung kostet kein Geld !

von ratatosk am 02.03.2021 um 10:00 Uhr

Warum soll die Politik oder die Kassen hierfür zahlen ? es gibt immer einige superschlaue Apotheken die es für lau machen, um der Konkurrenz eine Tüte Gummibärchen abjagen zu können. Solange es genügend unsolidarische und nicht vorausschauende Apotheken gibt, sind eben alle die Doofen. Haben wir bei den Masken ja vorexerziert bekommen. Dummheit bis zum mittelfristigen Untergang, zugunsten eines kurzen Vorteils.
Schließe mich Ariane Maaß voll an und möchte nur hinzufügen, daß ich auch immer auf das Gesundheitsamt als Auskunftsstelle verweise, diese sind ja der ausführende Arm der öffentlichen Gesundheitspolitik, die so von Spahn vorgegeben wurde.

» Auf diesen Kommentar antworten | 0 Antworten

Corona-Schnelltest

von Ariane Maaß am 02.03.2021 um 9:28 Uhr

Ich werde die Tests, die nicht in der Apotheke durchgeführt werden, nicht beurteilen. Erstens ist der vorgeschriebene Ablesezeitraum sicher überschritten und zweitens handelt sich um potentiell infektiösem Material.

» Auf diesen Kommentar antworten | 0 Antworten

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