Noweda-Generalversammlung

Kuck: „Wir reden nicht, wir machen“

Essen - 24.11.2019, 13:50 Uhr

Noweda-Chef Michael P. Kuck stimmte seine Mitglieder auf der Generalversammlung auf die kommenden Monate ein und erklärte, dass er mit dem Zukunftspakt Apotheke weiter für die Apotheke vor Ort kämpfen werde. (Foto: Noweda)

Noweda-Chef Michael P. Kuck stimmte seine Mitglieder auf der Generalversammlung auf die kommenden Monate ein und erklärte, dass er mit dem Zukunftspakt Apotheke weiter für die Apotheke vor Ort kämpfen werde. (Foto: Noweda)


Die apothekereigene Genossenschaft Noweda stellt sich dem Verteilungskampf im Gesundheitswesen und scheut keine Verantwortung bei der Gestaltung der Zukunft der inhabergeführten Apotheke. Dies wurde bei der 81. Generalversammlung der Noweda eG am Samstag in Essen deutlich. Die Hauptziele: Noch mehr Apotheken für den Zukunftspakt Apotheke mit ins Boot holen und die öffentliche Wahrnehmung verbessern.

Der Vorsitzende des Vorstands der Noweda eG Michael Kuck bemüht zum Einstieg in seinem Vorstandbericht bei der Generalversammlung gerne außergewöhnliche Bezüge. In diesem Jahr war es der bekannte Roman 1984 von George Orwell. Ein zentrales Thema in dessen Vision sei die Manipulation der Realität und der Menschen durch die verwendete Sprache gewesen. Die in dem Werk beschriebene Diktatur habe für diesen Zweck die eigene Sprache „Neusprech" erfunden, in der die Worte eine andere, oft gegenteilige Bedeutung bekämen, eine „Manipulation durch Sprache“. Ähnlich verhalte es sich auch mit dem Apotheken-Stärkungsgesetz. Ein Gesetz das so heiße, könne doch „nur gut für Apotheken sein“, so die breite Wahrnehmung in den Medien. Seiner Meinung nach hält das Gesetz jedoch nicht, was verspricht, denn es sei tatsächlich in weiten Teilen kein Stärkungsgesetz. Zwar sei es derzeit unsicherer denn je, ob es überhaupt erlassen werde, aber eins bleibt für Kuck trotzdem wahr: „Apotheken brauchen kein Neusprech. Apotheken brauchen Zukunftssicherheit.“

9302 Mitglieder

Über die wirtschaftliche Entwicklung der Noweda im abgelaufenen Geschäftsjahr 2018/2019 hat DAZ.online bereits berichtet. Kuck lobte die gute Umsatzentwicklung und bezeichnete die Bilanz der Noweda-Gruppe alles in allem wie in den Vorjahren als „sehr solide“. Bei den Apothekern stehe die Genossenschaft in der jährlichen Umfrage des Branchendienstes Markt Intern ebenfalls gut da und sei zum vierzehnten Mal in Folge zum pharmazeutischen Großhändler zur Nummer 1 gewählt worden. Erfreuliche Zahlen vermeldete Kuck auch bei der Mitgliederentwicklung. 402 Beitritte standen im abgelaufenen Geschäftsjahr 67 Abgängen gegenüber. Damit hat sich die Mitgliederzahl gegenüber dem Vorjahr um 129 erhöht. Zum Stichtag zählt die Noweda 9302 Mitglieder, womit die bereits hohe Mitgliederzahl des Vorvorjahres noch einmal übertroffen werden konnte.

Misere Lieferengpässe

Es gebe aber auch Zahlen, die weniger schön seien, führte Kuck weiter aus, nämlich die 2216 verschreibungspflichtigen Arzneimittel ohne Reimporte, die im Zeitraum Juni bis August 2019 in Deutschland durchgehend von der Industrie nicht lieferbar gewesen seien. Die beim Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte gelisteten nicht einmal 300 Artikel verschleierten das wahre Ausmaß der Lieferengpässe. Die gesetzlichen Krankenkassen redeten die Probleme klein und schöben die Verantwortung weg. Der Noweda-Vorstandsvorsitzende spielte den Ball allerdings zurück und bezeichnete einmal mehr die überzogenen Sparmaßnahmen der Kassen, namentlich die Rabattverträge als wesentliche Ursache der Misere. Noweda werde an diesem Thema dranbleiben, versprach Kuck, und verwies in diesem Zusammenhang auf die Anzeigenserie im Focus und den neuen kostenlosen Flyer „Medikamente fehlen. Apotheken informieren. Zeit zu handeln“ . Auch die Apothekenzeitschrift „My Life“ soll mit redaktionellen Beiträgen dazu genutzt werden, Apothekenkunden und Patienten detailliert über die Missstände und ihre wahren Ursachen zu informieren und damit den Handlungsdruck auf die Politik zu erhöhen

Kuck: „IhreApotheken.de“ für jede technische Lösung des E-Rezepts gerüstet

Großen Raum nahm in Kuck´s Ausführungen der „Zukunftspakt Apotheke" ein, der vor genau 236 Tagen gestartet wurde. 10.000 Apotheken seien in den Wochen vor dem Start-Termin auf die Noweda-eigene Vorbestellplattform „IhreApotheken.de“ aufgeschaltet worden, womit die erste große Aufgabe des sogenannten „On-Boardings" gut bewältigt worden sei. Auch die Produktion und die Verteilung des Apothekenmagazins „My Life“ seien zum Starttermin pünktlich aufgenommen worden. „Wir reden nicht, wir machen“, sagte Kuck.

Der Vorstandsvorsitzende trat Stimmen im Markt entgegen, die meinten, dass aktuell niemand eine Vorbestell-Plattform brauche. Die Apothekergenossenschaft halte es für falsch, auf die Einlösung „ungewisser Zukunftsversprechen“ zu warten. „Der Zukunftspakt hat vorgelegt“, meinte Kuck. Er biete nicht nur ein ganzheitliches, flächendeckendes Konzept, sondern mit „IhreApotheken.de“ eine Online-Bestellplattform, die zu 100 Prozent im Eigentum der Noweda und damit ausschließlich in Apothekerhand sei. Die Programmierung der Plattform sei auf die Entscheidung der Gematik hinsichtlich der Spezifikation des elektronischen Rezepts umfassend vorbereitet, bekräftigte er. „Unsere Plattform kann jede technische Lösung für das E-Rezept verwenden und jede technische Lösung andocken.“

Plattform wird breit gepusht

Für ihn ist der Zukunftspakt mit der Plattform „IhreApotheken.de“ „ein Bollwerk gegen all das, was in der digitalen Welt noch auf die Apotheken zukommen kann.“ Er könne jedoch nur dann gelingen kann, wenn alle Apotheken mit anpacken. „Zurücklehnen und abwarten war gestern, meine Damen und Herren. Jetzt ist Aufbruch angesagt“, lautet Kuck´s Appell. Diesen Aufbruch flankiert die Noweda mit einer Reihe weiterer Maßnahmen. Kuck führte hierzu die Mitte Oktober gestartete Fernsehwerbung für „IhreApotheken.de“ sowie die Online-Werbung auf Webseiten und in den sozialen Medien an. Weiterhin werde „mit Hochdruck“ an einer Verknüpfung mit „NetDoktor“, dem größten Gesundheitsportal im deutschsprachigen Internet, gearbeitet. Ab dem 1. Januar 2020 sollen auch alle Mitgliedsfirmen der Kooperation der inhabergeführten Pharma-Großhandlungen Deutschlands PharmaPrivat ihren Kunden den Zukunftspakt anbieten.

„My Life-Angebot“ wird erweitert

Daneben soll das Kundemagazin „My Life“, das laut Kuck mittlerweile eine Auflage von über zwei Millionen Heften im Monat erreicht hat, weiter ausgebaut werden. In über 140 Zeitschriften des Burda-Verlags habe es seit dem Start des Zukunftspakts am 1. April hunderte Anzeigen für die „My Life“ gegeben, die weiter fortgesetzt werden sollen, berichtete der Noweda-Vorstand. Hinzu komme eine neue Kampagne mit über 10.000 Großplakaten in ganz Deutschland. Das Kindermagazin „Platsch“, das Magazin „Gut leben mit Diabetes" und ein Rätselheft sollen das Angebot komplettieren. Für das nächste Jahr sei außerdem eine Zeitschrift für Senioren geplant. Kuck appellierte an das Auditorium, „My Life“ aktiv abzugeben, und betonte, dass die Kundezeitschrift für die Apotheken deutlich günstiger sei als das Angebot des größten Wettbewerbers. Und das werde auch so bleiben, so seine Zusage.

Dividendenzahlungen an die Mitglieder

Wie in den Vorjahren erhalten die Noweda-Mitglieder auch in diesem Jahr eine Dividendenzahlung, und zwar als Verzinsung für ihre Grundanteile bzw. ihre freiwilligen Anteile. Die Bruttodividende beträgt 11 Prozent für die Grundanteile und 13,2 Prozent für die freiwilligen Geschäftsanteile. Nach Abzug der von Noweda abzuführenden Körperschaftssteuer ergibt sich eine Bardividende in Höhe von 9,35 Prozent für die Grundanteile und von 11,22 Prozent für die freiwilligen Anteile. Die investierenden Mitglieder erhalten eine Dividende in Höhe von 75 Prozent der genannten Sätze.



Dr. Helga Blasius (hb), Apothekerin
redaktion@daz.online


Diesen Artikel teilen:


0 Kommentare

Kommentar abgeben

 

Ich akzeptiere die allgemeinen Verhaltensregeln (Netiquette).

Ich möchte über Antworten auf diesen Kommentar per E-Mail benachrichtigt werden.

Sie müssen alle Felder ausfüllen und die allgemeinen Verhaltensregeln akzeptieren, um fortfahren zu können.