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„Ranitidin bildet tausende von Nanogramm NDMA im Magen“

Stuttgart - 19.09.2019, 12:44 Uhr

Während sich im Fall um mit Nitrosaminen verunreinigte Sartane schon einiges geklärt hat, beginnen die Arzneimittelbehörden gerade erst die Puzzle-Teile der „Operation Ranitidin“ zusammenzusetzen. Es gibt Hinweise, dass das Antazidum ausgerechnet im Magen NDMA bilden soll. (Foto: sakramir / stock.adobe.com)

Während sich im Fall um mit Nitrosaminen verunreinigte Sartane schon einiges geklärt hat, beginnen die Arzneimittelbehörden gerade erst die Puzzle-Teile der „Operation Ranitidin“ zusammenzusetzen. Es gibt Hinweise, dass das Antazidum ausgerechnet im Magen NDMA bilden soll. (Foto: sakramir / stock.adobe.com)


Wie kommt NDMA in eine Ranitidin-Tablette?

Laut Valisure ist der Wirkstoff Ranitidin instabil und kann Millionen von Nanogramm NDMA bilden. Auch eine wissenschaftliche Arbeit, die im November 2018 veröffentlicht wurde („NDMA impurity in valsartan and other pharmaceutical products: Analytical methods for the determination of N-nitrosamines“), spekuliert, dass die Exposition des Wirkstoffs Ranitidin gegenüber Luft und Licht zur Bildung von NDMA während der Lagerung führen könnte.

Valisure führt an, dass Ranitidin bereits seit den 1980er Jahren im Verdacht steht, durch Reaktion mit Nitrit im Magen NDMA zu bilden. Um das Jahr 2000 herum sollen Studien dann die Instabilität von Ranitidin gezeigt haben. Seine Dimethylamin-Gruppe (DMA) wurde unter oxidativen Bedingungen mit der Bildung von NDMA in Verbindung gebracht. 2019 will Valisure dann selbst gezeigt haben, dass Ranitidin NDMA bilden kann, indem es mit sich selbst reagiert. Ranitidin sei sowohl der Lieferant für Nitrit als auch für DMA.

Was mit einer Ranitidin-Tablette im Körper passiert

Zusätzlich zur eigenen Instabilität soll Ranitidin NDMA im menschlichen Körper generieren können. So soll in den 1980er Jahren gezeigt worden sein, dass Ranitidin tausende von Nanogramm NDMA unter Bedingungen bilden kann, wie sie im menschlichen Magen anzutreffen sind. Eine Studie der Universität Stanford soll im Jahr 2016 wiederum den Verdacht aufgestellt haben, dass sich sogar Millionen an Nanogramm NDMA im menschlichen Körper außerhalb des Magens aus Ranitidin bilden können – allerdings konnte der Mechanismus nicht erklärt werden.

2019 will Valisure nun ein Enzym (DDAH-1) identifiziert haben, das die weitere Bildung von NDMA im Körper, außerhalb des Magens, erklären könnte.

Wie NDMA in den Urin kommt

Wie DAZ.online bereits berichtete, ist NDMA auch ein Problem bei der Wasseraufbereitung. Valisure führt Daten um das Jahr 2000 an, die zeigen sollen, dass Ranitidin – ausgeschieden über den Urin – als NDMA-Quelle im Trinkwasser verdächtigt wird.

Außerdem hat die Studie der Stanford University aus dem Jahr 2016 auch den Urin von zehn Probanden untersucht, die zuvor eine Standarddosis (150 mg) Ranitidin eingenommen hatten. Das mit dem Urin ausgeschiedene NDMA soll sich in 24 Stunden von 110 auf über 40.000 ng erhöht haben. Zur Erinnerung: Die vorübergehend tolerierte tägliche Aufnahmemenge für NDMA in Sartanen beträgt pro Tag lediglich 96 ng. 



Diana Moll, Apothekerin, DAZ.online
redaktion@daz.online


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2 Kommentare

Nitrosamine

von Jürgen am 24.09.2019 um 14:00 Uhr

Für einen Chemiker ist die Tatsache, dass erst jetzt über Nitrosamine in Medikamenten wie Valsartan und Ranitidin gesprochen wird, nicht ganz nachvollziehbar. Wenn man in Deutschland als Chemiker tätig ist, gehören die TRGS der Berufsgenossenschaften zum Grundwissen, somit auch die TRGS 552, in der explizit darauf hingewiesen wird, dass beim Einsatz von DMF in Synthesen auf die Bildung von NDMA untersucht werden soll (muss). Diese TRGS gibt es schon seit 1996. Beim Lesen des Valsartanpatents von ZHP hätten also bei allen "TRGS 522 Kundigen" die Glocken klingeln müssen.
Zum Ranitidin:
Auch hier sollte das Grundwissen eines Chemikers ausreichen, um die hydrolytische Labilität eines aliphatischen Nitrorestes und die damit verbundene Reaktionmöglichkeit mit sek. Aminen zu Nitrosaminen zu sehen.
Bei einem anderen Medikamenten mit aliphatischer Nitrogruppe - Metronidazol- wird zum Glück schon seit Jahren auf ein mögliches karzinogenes Risiko hingewiesen.

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Ergebnisse der Stanford University nie geprüft worden?

von P.D. am 23.09.2019 um 13:04 Uhr

Haben irgendwelche Behörden eigentlich nie die Ergebnisse der Stanford University geprüft. Wenn das stimmt, hätte man in puncto Ranitidin doch sofort etwas unternehmen müssen! Noch dazu war Ranitidin doch auch schon 2016 als OTC erhältlich.

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