USA: Neuer Impfstoff benötigt?

Mumps trotz Impfung – was steckt dahinter?

Stuttgart - 12.09.2019, 07:00 Uhr

Der Campus der US-amerikanischen Temple University war im März 2019 von einem Mumps-Ausbruch betroffen: Um einen weiteren Ausbruch von Mumps zu verhindern, bot das Philadelphia Health Department für eine Woche zwei kostenlose Walk-In-Kliniken an. (c / Foto: picture alliance / NurPhoto)

Der Campus der US-amerikanischen Temple University war im März 2019 von einem Mumps-Ausbruch betroffen: Um einen weiteren Ausbruch von Mumps zu verhindern, bot das Philadelphia Health Department für eine Woche zwei kostenlose Walk-In-Kliniken an. (c / Foto: picture alliance / NurPhoto)


„Mismatch“: Passt der Impfstoff nicht mehr zum Wildtyp?

Den Faktor „Mismatch“ hat nun die neue Studie aus dem Journal PNAS näher betrachtet. In der zugehörigen Pressemitteilung wird Srilatha Edupuganti, Professorin an der „Emory University School of Medicine“ und medizinische Direktorin der Hope Clinic des „Emory Vaccine Center“, zitiert. Sie beschreibt den MMR-Impfstoff als insgesamt äußerst wirksam in der Reduzierung von Masern-, Mumps- und Röteln-Erkrankungen sowie deren Komplikationen, erklärt aber: „Was wir jetzt im Rahmen der Mumps-Ausbrüche beobachten, ist eine Kombination zweier Dinge – ein paar Menschen zeigten von Beginn an keine starke Immunantwort, zudem hat sich der zirkulierende Stamm von dem Stamm im Impfstoff entfernt.“ 

In der Studie waren 71 Menschen zwischen 18 und 23 Jahren untersucht worden. Fast alle (69 von 71) sollen zwei MMR-Dosen erhalten haben, wovon 80 Prozent ihre zweite Dosis zehn Jahre vor Aufnahme in die Studie erhielten. Rekrutiert wurden sie bereits 2010. Bei 93 Prozent der Teilnehmer sollen schließlich Antikörper gegen Mumps nachgewiesen worden sein. 10 Prozent hatten jedoch keine nachweisbaren mumpsspezifischen B-Gedächtnis-Zellen. Zudem soll die Häufigkeit von B-Gedächtnis-Zellen im Blut der Teilnehmer fünf- bis zehnmal niedriger gewesen sein, als für die gegen Masern oder Röteln. Außerdem sollen die Antikörper der Teilnehmer den Wildtyp des Mumps-Virus nicht so effizient neutralisiert haben wie den Virus im Impfstoff. Zur Erklärung heißt es in der Mitteilung, dass es zwar nur einen Serotyp des Mumpsvirus gibt, der aktuell zirkulierende Stamm (Genotyp G, auch in Deutschland) sich jedoch vom Impfstamm unterscheidet. Wie sich die Unterschiede letztlich aber auswirken, sei nicht vollständig verstanden. 

Braucht es einen neuen Impfstoff gegen Mumps?

Mindestens sechs Studienteilnehmer könnten potenziell anfällig für eine Infektion mit dem derzeit zirkulierenden Mumps-Wildtyp gewesen sein, heißt es abschließend in der Studie. Um die Frage zu beantworten, ob die Entwicklung eines neuen Mumps-Impfstoffs gerechtfertigt wäre, brauche es aber zusätzliche Studien, die die Immunantwort auf die verschiedenen Stämme charakterisieren. Denn die Entwicklung eines neuen Mumps-Impfstoffs würde große Investitionen in klinische Studien erfordern. Diese Entscheidung bleibt also wohl letztlich der pharmazeutischen Industrie überlassen – Merck hat die aktuelle Studie übrigens finanziell unterstützt. Beim Unterpunkt „Reviewer“ wird Glaxo Smith Kline genannt.

Auch das RKI geht im Internet auf die Frage ein, wie zu verfahren ist, wenn trotz regulärer zweifacher Mumps-Impfung serologisch keine Immunität besteht (Stand: 15.12.2016). Dort liest man allerdings, dass Antikörper-Bestimmungen zwar vielfach als Surrogat benutzt werden, aber: „Bei der Immunantwort gegen Mumps sind sowohl die humorale wie auch die zelluläre Immunantwort beteiligt, für die bisher kein definitives serologisches Korrelat identifiziert werden konnte.“

Nach der Verabreichung von zwei Impfdosen könne deshalb davon ausgegangen werden, dass eine zellulär vermittelte Immunität ausreichenden Schutz vor Erkrankung bietet, auch wenn niedrige Antikörpertiter vorliegen: „Wurde bei einer Person, die eine zweimalige MMR-Impfung im empfohlenen Mindestabstand erhalten hat, ein negativer oder grenzwertiger Antikörpertiter bestimmt, ist es daher nicht empfohlen eine dritte Impfung durchzuführen. Es sollte vielmehr davon ausgegangen werden, dass die Person immun ist.“ Hat die Person aber eine berufliche Indikation, soll vom Arzt individuell entschieden werden.



Diana Moll, Apothekerin, DAZ.online
redaktion@daz.online


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