Arzneimittel und Therapie

Vierfachimpfstoff: Erster MMRV-Impfstoff zugelassen

Schon seit zwei Jahren wird die Impfung gegen Varizellen von der Ständigen Impfkommission am Robert Koch-Institut (STIKO) generell für alle Kinder empfohlen. Deren Akzeptanz ist allerdings bislang eher gering. Nun ist der erste Vierfachimpfstoff gegen Masern, Mumps, Röteln und Varizellen (Priorix-Tetra®) für Kinder in Deutschland zugelassen. Er soll es Pädiatern einfacher machen, die Vorgaben der STIKO umzusetzen.

Langsam hat sich die STIKO vorgetastet: 2003 kam die Empfehlung für die Indikationsimpfung gegen Varizellen für Jugendliche ohne positive Varizellenanamnese, immunsupprimierte Patienten und Frauen mit Kinderwunsch. 2004 dann die generelle Empfehlung, alle Kinder bereits Ende des ersten Lebensjahres gegen Windpocken zu impfen.

Hoch ansteckend, aber impfpräventabel Doch während sich die Sechsfachimpfung gegen Diphtherie, Tetanus, Polio, Haemophilus influenzae Typ b (HiB), Pertussis und Hepatitis B weitgehend durchgesetzt hat, die Akzeptanz zumindest der ersten MMR-Impfung akzeptabel ist, stößt die STIKO-Empfehlung für die Varizellen-Impfung auf taube Ohren. Tatsächlich verläuft der Infekt in der Regel unkompliziert. Doch immerhin etwa 2600 Patienten müssen pro Jahr wegen schwerwiegender Folgen einer Varizelleninfektion hospitalisiert werden, so die Schätzungen von Priv.-Doz. Dr. Johannes Liese vom Dr. von Haunerschen Kinderspital der Ludwig-Maximilians-Universität München. Superinfektionen der Haut, Pneumonien, Hepatitiden und Arthritiden sind möglich, in Einzelfällen auch eine Meningitis oder Enzephalitis. Besonders gefährlich sind Varizellen für immunsupprimierte Patienten, Schwangere und Neugeborene, die von der Mutter keinen "Nestschutz" erhalten haben. Außerdem gilt: Das Risiko steigt mit dem Alter. Bei 30-Jährigen ist eher mit einem komplizierten Verlauf zu rechnen als bei Dreijährigen.

Impfung ab neuntem Lebensmonat möglich Seit August steht nun mit Priorix-Tetra® in Deutschland der erste Vierfachimpfstoff gegen Masern, Mumps, Röteln und Varizellen zur Verfügung. Die Zulassung sieht ein Zwei-Dosen-Schema vor. Kinder im Alter zwischen elf und 14 Monaten sollten im Abstand von sechs Wochen zweimal geimpft werden. Vier Wochen müssen zwischen den beiden Impfungen mindestens liegen. Zugelassen ist Priorix-Tetra® bereits ab dem vollendeten neunten Lebensmonat. Ein derart früher Zeitpunkt sollte in Betracht gezogen werden, wenn das Kind in eine Kindertagesstätte geht, Reisen anstehen oder entsprechende Virusinfekte in der näheren Umgebung kursieren.

Wird ein Kind bereits mit neun Monaten geimpft, sollte die zweite Dosis des Impfstoffs zu Beginn des zweiten Lebensjahres gegeben werden. Angewandt werden kann Priorix-Tetra® bei Kindern bis zum vollendeten zwölften Lebensjahr.

Vergleichbare Serokonversionsraten Der Vierfachimpfstoff schützt vor den gefährlichen Virusinfektionen ebenso gut wie die Kombination der Impfung gegen Masern, Mumps und Röteln mit einem Dreifachimpfstoff plus einer Impfung gegen Varizellen mit einem monovalenten Impfstoff. Dies zeigte eine randomisierte Phase-III-Studie, die in deutschen Studienzentren mit 970 gesunden Kindern im Alter von elf bis 22 Monaten durchgeführt wurde. 732 Kinder erhielten zwei Dosen des Vierfachimpfstoffs im Abstand von sechs Wochen. 238 Kinder wurden zwei MMR-Impfungen im selben Abstand injiziert sowie eine separate Dosis Varizellen-Impfstoff mit der ersten Dosis MMR-Impfstoff. Dabei war die Kombination der vier Komponenten im neuen Impfstoff hinsichtlich Wirksamkeit und Verträglichkeit den Einzelimpfstoffen mindestens gleichwertig. Mit Priorix-Tetra® wurden Serokonversionsraten gegen alle vier Impfstoffkomponenten von über 98% erreicht.

Weniger Schmerz Der Vorteil der Vierfachkombination für die Kinder liegt auf der Hand: Sie müssen seltener gepiekst werden, um sicher vor Masern, Mumps, Röteln und Windpocken geschützt zu sein. Erwartet wird zudem, dass sich durch das Zwei-Dosen-Schema auch die Zahl der Kinder reduzieren lässt, die keine zweite MMR-Impfung erhalten. Derzeit werden etwa zwei Drittel aller Kinder entgegen den STIKO-Empfehlungen nur einmal gegen Masern, Mumps und Röteln geimpft. Apothekerin Dr. Beate Fessler

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