Bundestag

Union leitet Gesundheitsausschuss, AfD bekommt Haushalt und Recht

Berlin - 23.01.2018, 15:40 Uhr

Die Entscheidung, den Vorsitz des Gesundheitsausschusses an die Union zu vergeben, löst spannende Personaldebatten in der Gesundheitspolitik aus. (Foto: Külker)

Die Entscheidung, den Vorsitz des Gesundheitsausschusses an die Union zu vergeben, löst spannende Personaldebatten in der Gesundheitspolitik aus. (Foto: Külker)


Die Fraktionsspitzen im Bundestag haben sich darauf geeinigt, wer die Leitung der Fachausschüsse übernimmt. An der Spitze des Gesundheitsausschusses wird es einen Wechsel geben: Die SPD muss die Leitung an die Union abgeben, wobei noch unklar ist, wer das Amt übernehmen soll. In der SPD dürfte nun ein Dreikampf um den Posten des gesundheitspolitischen Sprechers ausbrechen.

Die Spitzen der Bundestagsfraktionen haben sich am heutigen Dienstag auf die Verteilung der Ausschussvorsitzenden verständigt. Schon in der vergangenen Woche hatten die Fraktionen beschlossen, wie stark die Fachgremien werden sollen. Der Gesundheitsausschuss wird mit 41 Mitgliedern das siebtgrößte Gremium im Parlament.

Mit großer Spannung wurde im Bundestag aber auch die Verteilung der Vorsitze in den Ausschüssen erwartet. Schließlich fragte man sich im Parlament, welche Gremien die neu hinzugekommene AfD übernehmen wird. Außerdem hängen viele Personalentscheidung vom Ausschussvorsitz ab: So versuchen die Fraktionen, die wichtigen Posten je nach Herkunft und Geschlecht der Parlamentarier gerecht zu verteilen. Kommt der gesundheitspolitische Sprecher einer Fraktion beispielsweise aus Baden-Württemberg, ist es unwahrscheinlich, dass der Ausschussvorsitzende aus dem gleichen Bundesland kommt.

Vorsitz-Entscheidung entflammt Personaldebatte in Union und SPD

Und so hat die heute getroffene Entscheidung, den Ausschussvorsitz an die Union zu vergeben, gleich mehrere Auswirkungen: Erstens verliert der SPD-Politiker Edgar Franke seine Aufgabe aus der vergangenen Legislaturperiode. Daraus resultiert wiederum innerhalb der SPD-Fraktion ein Dreikampf, was den Posten des gesundheitspolitischen Sprechers betrifft. Denn nach Informationen von DAZ.online wollen auch die ehemalige Sprecherin Hilde Mattheis und Apotheken-Expertin Sabine Dittmar gewählt werden. Franke stößt dem Vernehmen nach nun als dritter Bewerber hinzu. In der kommenden Woche sollen in der AG Gesundheit und der gesamten SPD-Bundesfraktion dazu Entscheidungen gefällt werden.

Und schließlich hat die Vorsitz-Entscheidung natürlich auch direkte Konsequenzen auf die Postenverteilung innerhalb der Unionsfraktion. Denn so müssen CDU/CSU nun zwei wichtige Funktionen in der Gesundheitspolitik neu besetzen: Das Sprecher-Amt ist nach dem Ausscheiden von Maria Michalk ebenfalls neu zu besetzen.

AfD: Haushalt, Recht/Verbraucherschutz und Tourismus

Wer die Vorsitz-Aufgaben in der Union übernimmt, ist noch nicht geklärt. Es gibt aber viele Gerüchte. Immer wieder hört man aus der Unionsfraktion die Namen Tino Sorge, Karin Maag, Dietrich Monstadt und Roy Kühne. Dabei ist klar: Sollte beispielsweise Sorge, der aus Magdeburg kommt, gesundheitspolitischer Sprecher werden, wäre es unwahrscheinlich, dass Monstadt aus Mecklenburg-Vorpommern den Ausschussvorsitz bekommt – schließlich kommen beide aus den neuen Bundesländern. Vorstellbar wäre also, dass Maag aus Baden-Württemberg Sprecherin wird und Monstadt den Vorsitz übernimmt. Auch in der Union müssen diese Personalentscheidungen nun schnell gefällt werden – dem Vernehmen nach könnte es schon in dieser Woche Neuigkeiten geben.

Aber auch jenseits aller gesundheitspolitischen Personalentscheidungen hat die Festlegung der Vorsitze viel Brisanz. Denn die AfD könnte im Falle einer Großen Koalition größte Oppositionsfraktion werden – und traditionell steht der größten Oppositionsfraktion der Haushaltsausschuss zu. Lange war darüber spekuliert worden, nun steht fest: Die AfD übernimmt in der Tat die Leitung des Haushaltsausschusses. Außerdem erhält die Fraktion die Ausschüsse für Recht und Verbraucherschutz sowie für Tourismus.

An die FDP gehen die Ausschüsse für Finanzen, Digitale Agenda und Menschenrechte. Die Grünen übernehmen die Leitung in den Gremien für Verkehr und digitale Infrastruktur sowie für Umwelt und Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit. Die Linke führt die Ausschüsse für Wirtschaft sowie für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. Die SPD darf die Vorsitzenden in den folgenden Ausschüssen stellen: Arbeit/Soziales, Verteidigung, Bildung/Forschung, Kultur/Medien sowie Sport. Neben dem Gesundheitsausschuss dürfen CDU/CSU die folgenden Gremien leiten: Auswärtiges, Innenausschuss, Angelegenheiten der EU, Ernährung/Landwirtschaft, Wahlprüfung/Immunität, Geschäftsordnung, Petitionen sowie wirtschaftliche Zusammenarbeit.



Benjamin Rohrer, Chefredakteur DAZ.online
brohrer@daz.online


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6 Kommentare

Die üblichen "Apothekenvernichter" sind schon wieder auf dem Plan.

von Heiko Barz am 24.01.2018 um 12:59 Uhr

Die Koalitionsverhandlungen sind gerade angelaufen, da tauchen aus dem Nebel der gesundheitspolitischen Irritationen schon wieder die gleichen, uns Apotheker und unseren Beruf ständig entwertenden PersonenKreise auf.
Wurde nicht ständig behauptet, es gäbe noch keine personenbezogene Posten und es gehe zuvorderst um die Thematik?
Zur Aktivität der ABDA: kein mediales Gesicht mit entsprechenden Forderungen.
Die andere Seite, Lauterbach und Co.haben ihre Schützengräben längst ausgehoben und bezogen, da hat Friedemann noch nicht einmal eine Schaufel besorgt. Soll heißen, dass die "Anderen" uns immer leider 3 Schritte voraus sind.
Das ist unser Generaldilemma.
So werden eben Tatsachen geschaffen wie auch beim 2hm Apothekenvernichtungsgutachten.
Das merkelsche Aussitzungsprinzip hat sich wohl auch in der ABDA Spitze längst nach dem "3 Affensystem" durchgesetzt.
Wer sagt dem Friedemann endlich, dass wir so nicht überleben werden!!
Bei soviel Inkompetenz sollten die ABDA Gebühren storniert werden.

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Ausschuss

von Frank ebert am 23.01.2018 um 16:35 Uhr

Im Gegenzug Lauterbach als Gesundheitsminister ? In diesem Tollhaus ist alles möglich !

» Auf diesen Kommentar antworten | 1 Antwort

AW: Ausschuss

von AlFfreD am 23.01.2018 um 18:32 Uhr

Für Ebert mit dem kleinen e sitzen allein in der AfD Experten...Seine Trump-ähnlichen Twitter-Stakkatos gehen langsam auf die Nerven.

Dittmar

von Frank ebert am 23.01.2018 um 16:11 Uhr

Frau Dittmar ist keine Expertin!

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AW: Dittmar

von Michael Weigand am 23.01.2018 um 17:45 Uhr

Ich bin gerade was die Beschränkung des Versandhandels betrifft mit Frau Dittmar sicher nicht der gleichen Meinung. Man sollte aber nicht vergessen, dass auch andere Themen anstehen. Ich bind da im Gegensatz zu Ihnen durchaus der Meinung, dass Frau Dittmar nicht nur aufgrund Ihrer Erfahrung als Ärztin eine Expertin ist, sondern dass sie in vielen Themen auch die Interessen der Apotheker vertreten hat und hoffentlich auch weiterhin wird. Viel schlimmer finde ich die Vorstellung, dass ein Herr Lauterbach Minister werden könnte...

AW: Dittmar

von Christiane Patzelt am 23.01.2018 um 19:30 Uhr

Frau Dittmar lebt folgenden Paradoxon:
Für sie gehört der OTC-Versand verboten, der RX-Versand erlaubt, und da beides irgendwie nicht zu vereinbaren ist, wird der RX- und OTC- Versand bis aufs Blut verteidigt. Frau Dittmar ist quasi Biggi Bender im Arztkittel.
Woher ich das weiß? Ich saß mit ihr schon gemeinsam am Tisch und wir Apotheker sind für sie scheinbar das notwendige Übel, aber nicht weiter wichtig....

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