Schon über 1500 Fälle

Keuchhusten-Welle in Deutschland

Stuttgart - 08.02.2017, 17:10 Uhr

Für ungeimpfte Säuglinge kann Keuchhusten gefährlich werden. (Foto: Tyler Olson / Fotolia)

Für ungeimpfte Säuglinge kann Keuchhusten gefährlich werden. (Foto: Tyler Olson / Fotolia)


Es gibt keinen lebenslangen Schutz

Impflücken begünstigen die Ansteckung. Während zum Zeitpunkt der Einschulung laut Robert-Koch-Institut noch zwischen 95 und 97 Prozent der Kinder – im Osten sind die Impfraten etwas höher – vor Keuchhusten geschützt sind, ist es bei den Erwachsenen nur jeder fünfte bis zehnte. Bei jungen Eltern, die als Hauptrisikogruppe gelten, ist jeder dritte geimpft. 

Wie kommt das? Im Gegensatz zu anderen Impfungen wie Masern oder Polio, wo man bei einer vollständigen Impfserie von einem lebenslangen Schutz ausgeht, muss Pertussis aufgefrischt werden. Auch nach überwundener Infektion besteht keine Immunität für den Rest des Lebens. Deswegen ist aus heutiger Sicht eine Eradikation von Pertussis im Gegensatz zu anderen impfpräventablen Krankheiten nicht möglich.

Die Empfehlung derzeit lautet, bei allen Erwachsenen bei der nächsten fälligen Auffrischung von Tetanus und Diphterie einmalig Keuchhusten mit zu impfen. Vielfach werde das aber einfach vergessen, sagt die RKI-Expertin. Darüber hinaus sollten Beschäftige im Gesundheitsdienst in Gemeinschaftseinrichtungen und Frauen im gebärfähigen Alter alle zehn Jahre eine Dosis Pertussis-Impfstoff erhalten.

Auch Eltern, Geschwister und Betreuer von Säuglingen, wenn sie in den letzten zehn Jahren nicht gegen Pertussis geimpft wurden, sollen sich  spätestens vier Wochen vor Geburt des Kindes impfen lassen. Kleinkinder erhalten vier Teilimpfungen gegen Keuchhusten im Alter zwischen zwei und 14 Monaten. Dazu kommen zwei Auffrischungen, einmal mit fünf bis sechs Jahren und einmal zwischen neun und 17. 

Einen Monoimpfstoff gibt es nicht mehr. Daher werden die zu dem jeweiligen Impftermin empfohlenen Kombinationsimpfstoffe verabreicht, zum Beispiel Infanrix® oder Infanrix® hexa bei Säuglingen beziehungsweise Kleinkindern, später dann beispielsweise Boostrix® oder Repevax®. Wird eine Pertussis-Impfung benötigt, Tetanus-Diphterie ist aber gerade nicht fällig, kann trotzdem ein Kombi-Impfstoff verwendet werden.



Julia Borsch, Apothekerin, Chefredakteurin DAZ.online
jborsch@daz.online


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