Schon über 1500 Fälle

Keuchhusten-Welle in Deutschland

Stuttgart - 08.02.2017, 17:10 Uhr

Für ungeimpfte Säuglinge kann Keuchhusten gefährlich werden. (Foto: Tyler Olson / Fotolia)

Für ungeimpfte Säuglinge kann Keuchhusten gefährlich werden. (Foto: Tyler Olson / Fotolia)


Keuchhusten hat drei Stadien

Erreger des Keuchhustens ist vor allem das Bakterium Bordetella pertussis. Dies ist ein unbewegliches, bekapseltes wie aerobes, gramnegatives Stäbchen, das eine Vielzahl von Toxinen bilden kann, darunter das Pertussis-Toxin. Die Bakterien verbreiten sich über Tröpfcheninfektion, also Husten, Niesen oder Sprechen. Bis die Krankheit ausbricht, dauert es in der Regel neun bis zehn Tage. Die typische Erstinfektion bei Menschen, die nicht geimpft sind, verläuft in drei Stadien:

Zuerst das Stadium catarrhale, es dauert ein bis zwei Wochen und ist durch grippeähnliche Symptome wie Schnupfen, leichten Husten, Schwäche und kein oder nur mäßiges Fieber gekennzeichnet.

Dann folgt das Stadium convulsivum über vier bis sechs Wochen. In diesem Stadium tritt, wenn sie überhaupt auftritt, die typische Symptomatik auf: Anfallsweise auftretende Hustenstöße („Staccatohusten“), gefolgt von inspiratorischem Ziehen. Das Krankheitsbild in diesem Stadium ist auch für die Bezeichnung „Keuchhusten“ verantwortlich. Das typische Keuchen kommt durch plötzliches Einatmen gegen die  geschlossene Stimmritze am Ende des Anfalls zustande. Während der Hustenattacken wird oft zäher Schleim hervorgewürgt, hinterher häufig erbrochen. Fieber ist in diesem Stadium untypisch und eher ein Anzeichen für eine Sekundärinfektion.

Im dritten Stadium, dem Stadium decrementi, klingen dann über einen Zeitraum von sechs bis zehn Wochen die Hustenanfälle allmählich ab. 

Antibiotika kommen meist zu spät

Ansteckend ist Pertussis ab dem Ende der Inkubationszeit. Die Infektiosität kann bis zu drei Wochen nach Beginn des Stadium convulsivum andauern. Pertussis gilt als hochkontagiös. Während der ersten zwei Wochen der Erkrankung ist die Gefahr, andere anzustecken, am größten. Eine Antibiotikatherapie verkürzt die Dauer der Ansteckungsfähigkeit auf etwa fünf Tage nach Beginn der Behandlung.

Darin hat auch die antiinfektiöse Therapie ihre größte Bedeutung beim Keuchhusten – bei der Unterbrechung von Infektionsketten. Dauer und Heftigkeit der Hustenattacken vermögen Antibiotika meist nicht maßgeblich zu verbessern, die Gabe erfolgt in der Regel zu spät. Denn Antiinfektiva sind nur sinnvoll, solange noch Bordetellen ausgeschieden werden. Und dies ist nur im Stadium catarrhale bis zu drei Wochen nach Beginn des Stadiums convulsivum der Fall. Wird antibiotisch behandelt, eignen sich die Makrolide Erythromycin, Azithromycin oder Clarithromycin. Hinsichtlich der Wirksamkeit gibt es keine Unterschiede, die beiden Letzteren sind aber heutzutage wegen ihrer besseren Verträglichkeit und Adhärenz die Mittel der Wahl. 



Julia Borsch, Apothekerin, Chefredakteurin DAZ.online
jborsch@daz.online


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