Schwangerschaft

SSRI keine Gefahr fürs Baby

01.02.2013, 13:18 Uhr


Die Einnahme eines selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI), wie Citalopram, Fluoxetin, Paroxetin, Sertralin, Fluvoxamin, Escitalopram), erhöht nicht das Risiko für Säuglingssterblichkeit oder eine Totgeburt.

Das zeigt jetzt eine neue populationsbezogene Kohortenstudie, die auf zentralen Personenregistern aus Dänemark, Schweden, Norwegen, Finnland und Island über den Zeitraum von 1996 und 2007 basiert. Erfasst wurden mehr als 1,6 Millionen registrierte Geburten. Davon nahmen 1,8 % der Frauen einen selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmer, was rund 30.000 Geburten entspricht.

Bei diesen Frauen handelte es sich im Allgemeinen um ältere Frauen, häufig Raucherinnen, Diabetikerinnen, Hypertonikerinnen oder Frauen, die sich zuvor in stationärer psychiatrischer Behandlung befunden haben. Erfasst wurden in der Studie Rezepteinlösungen der Wirkstoffe Citalopram, Fluoxetin, Paroxetin, Sertralin, Fluvoxamin und Escitalopram. Sie wurden mindestens drei Monate vor dem ersten Trimenon maximal während der gesamten Schwangerschaft eingenommen.

Ausgewertet wurden Totgeburten (intrauteriner Tod nach der 22. Schwangerschaftswoche), neonataler Tod (Tod nach dem 0. bis 27. Tag nach einer Lebendgeburt) und postneonataler Tod (Tod nach 28. bis 364. Tag nach einer Lebendgeburt). Insgesamt wurden 135 Totgeburten, 74 Fälle von neonatalem Tod in den ersten vier Lebenswochen sowie 40 Todesfälle im ersten Lebensjahr bei Frauen, die einen SSRI einnahmen, registriert.

Bei den Müttern, die SSRi einnahmen, war die Rate von Totgeburten mit 4,6 versus 3,7 pro 1000 Geburten etwas erhöht. Berücksichtigt man die Risikofaktoren der meist älteren Frauen wie Rauchen, Hypertonie und Diabetes, konnten jedoch keine signifikanten Unterschiede zwischen Frauen mit und ohne SSRI in der Schwangerschaft festgestellt werden. Ein ähnliches Ergebnis wurde bei neonatalen Todesfällen in den ersten vier Lebenswochen (2,5 vs. 2,2/1000) sowie bei Todesfällen im ersten Lebensjahr (1,4 vs. 1,0/1000) beobachtet: Wurden die bekannten Risikofaktoren berücksichtigt, konnte kein erhöhtes Risiko bei den Frauen, die SSRI einnahmen, beobachtet werden.

Literatur: Stephansson O, Kieler H, Haglund B, et al.:  J. Am. Med. Assoc. 2013;309(1):48–54; DAZ 2013, Nr. 4, S. 29


Dr. Bettina Hellwig


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