Arzneimittel und Therapie

Zwei Fliegen mit einem Impfstoff

Impfung gegen Meningitis kann auch vor Gonorrhö schützen

Ein Impfstoff gegen weltweit ansteigende Gonorrhö-Fälle ist derzeit nicht in Aussicht, allerdings lassen sich die Erkrankungsraten über einen Umweg reduzieren. So konnte in einer neuseeländischen Studie gezeigt werden, dass die Zahl der durch Neisseria gonorrhoeae hervorgerufenen Erkrankungen durch eine Impfung gegen Neisseria meningitidis um knapp ein Drittel abnimmt.
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Zusätzlicher Schutz. Neben Kondomen könnte auch eine Meningokokken-Impfung vor Tripper schützen.

Rund 78 Millionen Menschen erkranken jedes Jahr an einer Gonorrhö, die aufgrund von Resistenzentwicklungen immer schwieriger zu behandeln ist. Mehrere Versuche, einen wirksamen Impfstoff zu entwickeln, blieben erfolglos. Dann half eine Beobachtung weiter: In einigen Ländern wie Kuba, Neuseeland und teilweise auch in Norwegen sank die Rate an Gonorrhö-Erkrankungen nach einer Impfung gegen Meningokokken mithilfe einer MeNZB-Vakzine (s. Kasten Meningokokken-Impfstoffe). Eine mögliche Erklärung hierfür ist eine 80- bis 90%ige genetische Homologie im Erbgut der Erreger Neisseria gonorrhoeae und Neisseria meningitidis, so dass eine Kreuzimmunität plausibel erscheint. In einer retrospektiven Fall-Kontroll-Studie wurde diese Annahme genauer untersucht.

An dieser Studie nahmen junge Erwachsene im Alter zwischen 15 und 30 Jahren teil, die aufgrund einer Gonokokken und/oder Chlamydien-Infektion in einer Klinik für sexuell übertragbare Krankheiten behandelt wurden. Ein Vergleich von zwei Gruppen – die eine Gruppe war gegen Meningokokken-Infektionen geimpft, die andere nicht – war möglich, da aufgrund einer befürchteten Meningitis-Epidemie zwischen 2004 und 2006 rund 80% der unter 20-Jährigen in Neuseeland geimpft worden waren. Zur Auswertung standen die Daten von 14730 Patienten zur Verfügung: 1241 waren an Gonorrhö erkrankt, 12487 hatten eine Chlamydien-Infek­tion (diese Gruppe diente als Kontroll-Gruppe mit einer ebenfalls sexuell übertragbaren Erkrankung) und 1002 beide Geschlechtskrankheiten.

Meningokokken-Impfstoffe

Meningokokkenerkrankungen werden durch Neisseria meningitidis hervorgerufen. Es handelt sich um gramnegative Diplokokken, die aufgrund ihrer Kapselpolysaccharid-Zusammensetzung in 12 verschiedene Serogruppen eingeteilt werden (A, B, C, X, Y, Z, E, W, H, I, K, L).

Die MeNZB-Vakzine erzeugt eine Immunität gegen Proteine auf der Außenmembran von Erregern der Meningokokkenmeningitis des Serotyps B. MeNZB steht dabei für outer membrane vesicle (d. h. Vesikel der äußeren Membran) meningococcal B vaccine.

Dieser Impfstoff, der nur vor Infektionen mit dem Serotyp B schützt, wird heute nicht mehr hergestellt. Seit einigen Jahren gibt es jedoch den Mehrfachimpfstoff 4CMenB, der auch eine Komponente gegen den Serotyp B enthält (Bexsero®; GSK). Diese Vakzine wurde Ende 2013 in Deutschland eingeführt, wird von der STIKO jedoch nicht zur Routine-Impfung empfohlen. Sie empfiehlt die Impfung ab dem 2. Lebensjahr mit monovalenten Meningokokken-C-Impfstoffen und in besonderen Fällen die Impfung mit quadrivalenten Impfstoffen gegen die Serogruppen A,C,W und Y.

Frauen profitierten mehr

Geimpfte erkrankten signifikant weniger häufig an Gonorrhö als Un­geimpfte; die Odds ratio lag bei 0,69, was einer Risikoreduktion um 31% entspricht. Frauen profitierten von der Impfung stärker als Männer. Bei ihnen lag eine 36%ige Risikoreduktion vor, bei den Männern eine 25%ige Risikoabnahme; der Unterschied war aber statistisch nicht signifikant. Probanden, die mit Gonorrhö und Chlamydien gleichzeitig infiziert waren, sprachen deutlich schlechter auf die Impfung an, die nur bei 14% erfolgreich war. Der Impfstatus hatte keinen Einfluss auf das Auftreten einer Chlamydien-Infektion. Der Schutz vor einer Gonorrhö durch die Meningokokken-Vakzine ist in den ersten Jahren nach der Impfung am größten und nimmt im Laufe der Jahre ab. |

Quelle

Petousis-Harris H. et al. Effectiveness of a group B outer membrane vesicle meningococcal vaccine against gonorrhoea in New Zealand: a retrospective case-control study. Lancet published online am 10. Juli 2017. DOI: http://dx.doi.org/10.1016/S0140-6736(17)31449-6.

Apothekerin Dr. Petra Jungmayr

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