Aus der Hochschule

„Angesteckt“

Fertigarzneimittelseminar über die Prävention und Behandlung von Infektionskrankheiten

FRANKFURT/M. | Am 13. Juli veranstalteten die Pharmaziestudierenden des Abschlusssemesters an der Goethe-Universität Frankfurt das traditionelle Fertigarzneimittel­seminar. Die Teilnehmer hörten zwölf spannende Vorträge, deren Themen von der Geschichte des Impfens bis zum brandaktuellen Zika-Virus reichten.

Impfen – eine Erfolgsgeschichte

Den Auftakt der Veranstaltung machte die Gruppe von Anam Ahmad. Sie führte die Zuhörer in die Geschichte des Impfens ein und entkräftete hartnäckige Vorurteile der Impfgegner von damals und heute. Mit der Vakzinierung gegen Pocken, die inzwischen ausgerottet sind, begann die Erfolgsgeschichte des Impfens gegen viele Infektionskrankheiten. Am Beispiel der Polio-Impfstoffe legten die Studierenden dar, dass man eine aktive Immunisierung mit lebenden oder mit abgetöteten Erregern durchführen kann.

Das Thema „Impfungen im Kindesalter“ beleuchtete die Gruppe von ­Sabine Ziebura. Sie erläuterte die Grundlagen eines Impfschutzes und betrachtete die von der STIKO emp­fohlenen Impfungen genauer, z. B. das Tetanus-Toxoid und die kombinierte Masern-Mumps-Röteln-Impfung. Die Gruppe betonte, dass sich die Eltern frühzeitig über den Schutz des Neu­geboren informieren sollten. Emina Kahrovic und Lisa Müller-Bötticher berichteten anschließend über die für Jugendliche und Erwachsene empfohlenen Impfungen. Sie legten zum Ende ihrer Präsentation einen Fokus auf den Impfstatus bei Asylsuchenden in Deutschland und die damit verbundenen Problemen.

Foto: Marcel Walther
Die Pharmaziestudierenden des Abschlusssemesters in Frankfurt am Main.

Julia Thevissen und Johanna Etspüler referierten über Impfungen und Infektionen in der Schwangerschaft. Sie räumten mit weitverbreiteten Irr­tümern auf und nannten hilfreiche Tipps für Schwangere.

Fortschritt kostet Geld

Die nachfolgende Gruppe um Olga Kist und Alexandra Jana Wittig präsentierte die in den letzten Jahren auf den Markt gekommenen Arzneimittel zur Behandlung viraler Hepatitiden. Mit den neuen Wirkstoffen sind enorme Steigerungen der Therapiekosten verbunden, die im Anschluss an den Vortrag unter reger Beteiligung des Publikums diskutiert wurden.

Dr. Peter Vorstheim erörterte anschließend mit seiner Gruppe das Thema „Problemkeime“, beleuchtete das mediale Echo zur Resistenzentwicklung kritisch und gab wichtige Tipps für die Praxis in Klinik und Apotheke. Diese Tipps hat die Krankenhaus­apothekerin und Vizepräsidentin der LAK Hessen, Dr. Viola Schneider, in einem Diskussionsbeitrag kompetent ergänzt.

Krankheiten ferner Länder

Nach der Mittagspause stimmten die Moderatoren Julian Friedl und Max Piening das Publikum auf eine virtuelle Flugreise um die Welt ein. Die Gruppe von Yaser Mansuroglu und Jennifer Degner übernahm anschließend das Steuer und berichtete an den einzelnen Stopps der Weltreise von den häufigsten Reisekrankheiten und deren Pharmakotherapie. Wichtig für die Reisevorbereitung ist die Anpassung der Reiseapotheke an die jeweiligen Gegebenheiten während der Reise und am Reiseziel.

Nach diesem kurzweiligen Vortrag veranschaulichten Marc Baulig und Luisa Wurzel Maßnahmen, um sich gegen das gefährlichste Tier auf ei­ner Safari, die weibliche Anophelesmücke, zu schützen und somit einer Malariainfektion vorzubeugen. Für den Fall einer Infektion erläuterten sie den aktuellen Stand der Pharmakotherapie. Trotz intensiver Forschung gibt es zurzeit noch keinen zugelassenen Impfstoff gegen Malaria. Aufgrund der erheblichen Nebenwirkungen der verfügbaren Chemotherapeutika und der zunehmenden Resistenz der Plasmodien wird nach neuen Wirkstoffen und sinnvollen Kombinationen bereits bekannter Wirkstoffe gesucht.

Im darauf folgenden Vortrag von Domagoj Šegregur und Valentin Stahl drehte sich alles um die heutigen Therapieoptionen bei HIV-Infektion und Aids. Obgleich neue Therapien die Überlebenszeit verlängern, ist eine vollständige Heilung (mit Eradikation des Virus) bislang nicht möglich.

Den Anfang im letzten Vortragsblock machte die Gruppe um Vanessa Hailer und Dinh Quynh-Mai Nguyen mit dem Thema „Hämorrhagisches Fieber“. In ihrer Präsentation informierten sie das Auditorium u. a. über Gelbfieber, Dengue und Ebola. Entscheidend für eine erfolgreiche Ebola-Therapie sind eine frühe Diagnose, supportive Maßnahmen und die Behandlung mit Plasma von genesenen Patienten. Außerdem ist es wichtig, Infizierte unter Quarantäne zu stellen, um die Ausbreitung des Ebola-Virus zu verhindern. Mittlerweile gibt es einige Wirkstoffkandidaten für die antivirale Therapie sowie ­einen Impfstoff, der ab 2017 in Burgwedel bei Hannover produziert wird.

Die Gefahren, die vom MERS-­Coronavirus und dem Zika-Virus ausgehen, diskutierten Julian Friedl und Minh Duc Nguyen. Während das Zika-Virus vor allem für Em­bryonen ein hohes Risiko darstellt, sind Infektionen mit dem MERS-CoV generell als sehr gefährlich einzuschätzen, denn jede dritte ­Infektion verläuft tödlich.

Den Abschluss der Veranstaltung machten Carole Savin und Felix Raschka mit ihrem Vortrag über Ivermectin. Dieser Wirkstoff, dessen Entwickler William Campbell und Satoshi Omura im Jahr 2015 mit einem Nobelpreis geehrt wurden, stellt eine kosteneffektive und äußerst wirksame Therapieoption gegen verschiedene Parasiten dar und ist somit vor allem für Patienten in der Dritten Welt von großer Bedeutung.

Das achte Fachsemester bedankt sich ganz herzlich bei den Professoren, die sich der wissenschaftlichen Betreuung der Vorträge und Texte angenommen haben, und bei den Sponsoren, darunter Phoenix Pharmahandel, Sanofi, Solupharm, Vita-Apotheke Seligenstadt, Pharma Consulting Walther, Central-Apotheke in Steinbach.

Das nächste Frankfurter Fertig­arzneimittelseminar findet am 8. Februar 2017 statt. |


Marcel Walther, 8. Fachsemester Pharmazie, Frankfurt am Main

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