Arzneimittel und Therapie

Kinder mit M. Crohn in Remission bringen

Thalidomid bessert refraktären Morbus Crohn

Kinder und Jugendliche mit Morbus Crohn, bei denen die Standardmedikamente nicht oder nur unzureichend wirken, könnten von einer Behandlung mit Thalidomid profitieren.

Wenn die Erkrankung trotz Steroidbehandlung (Prednisolon) und dem Einsatz von Immunsuppressiva, TNF-α-Inhibitoren oder einer Ernährungstherapie immer noch aktiv ist, sind kaum weitere Optionen verfügbar und es drohen lebenslange Beeinträchtigungen wie Wachstumsverzögerungen, Osteoporose, verzögerte sexuelle Reifung oder psychische Störungen. Daher prüfte eine italienische Arbeitsgruppe in einer doppeltblinden placebokontrollierten Studie mit 56 Kindern und Jugendlichen (mittleres Alter 14 bzw. 15 Jahre), ob sich mit Thalidomid eine Remission erzielen lässt. Die Substanz besitzt neben einer anti-TNF-α-Wirkung auch antiangiogenetische Effekte auf Wachstumsfaktoren, die bei Morbus Crohn stark exprimiert sind. Die Teilnehmer wurden über acht Wochen auf eine Behandlung mit Thalidomid (1,5 bis 2,5 mg/kg pro Tag) oder Placebo randomisiert. Anschließend erhielten die Teilnehmer der Placebogruppe, bei denen sich keine Veränderung der Krankheitsaktivität gezeigt hatte, für acht Wochen in einem offenen Design die Studienmedikation. Alle Responder konnten dann mindestens weitere 52 Wochen lang Thalidomid einnehmen. Primärer Endpunkt war eine klinische Remission in Woche 8, erkennbar an einer Reduktion des PCDAI-Scores (Pediatric Crohn Disease Activity Index) von Baseline ≥ 15 auf ≤ 10 Punkte sowie eine Reduktion im PCDAI von ≥ 25% oder ≥ 75% in den Wochen 4 und 8. Es zeigte sich unter Thalidomid im Vergleich mit Placebo häufiger eine klinische Remission (13 von 28 Patienten [46,4%] vs. 3 von 26 [11,5%]). Von den Patienten der Placebogruppe, die bei fehlender Veränderung der Krankheitsaktivität nach acht Wochen Thalidomid erhielten, erreichten 11 von 21 (52,4%) eine Remission. Problematisch ist vor allem die langfristige Verträglichkeit von Thalidomid. In der Studie waren am häufigsten periphere Neuropathien als Nebenwirkung aufgetreten. Zur Aufdeckung seltener unerwünschter Wirkungen sei die statistische Power jedoch zu gering gewesen. Die teratogene Wirkung von Thalidomid ließ sich durch entsprechende Überwachungs- und Vorsorgeprogramme eher verhindern, als andere unerwünschte Ereignisse, betonten die Autoren. 

Neue Einsatzgebiete

Für Thalidomid, dem immer noch der Contergan®-Skandal anhaftet, eröffnen sich nach und nach immer neue Indikationen. Zugelassen ist es in Europa bereits in Kombination mit Melphalan und Prednison für die Erst-Linien-Behandlung von Patienten mit unbehandeltem multiplem Myelom, für die eine Hochdosis-Chemotherapie nicht infrage kommt (Thalidomide Celgene®), in den USA bei steroidrefraktären Patienten mit Erythema nodosum leprosum. Außerdem wurde über Behandlungserfolge bei Hautmanifestationen von Lupus erythematodes oder Mund- bzw. Speiseröhrenulcera bei HIV-Patienten berichtet.

Quelle

Lazzerini M et al. Effect of thalidomide on clinical remission in children and adolescents with refractory Crohn disease. JAMA (2013) 310(20): 2164-2173.

 

Apothekerin Dr. Claudia Bruhn

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