Selbstmedikation

Kein Benefit durch Omega-3-Fettsäuren

Die Suche nach einem wirksamen, gut verträglichen Mittel zur Stabilisierung der Remissionsphase eines Morbus Crohn geht weiter. Ein potenzieller Kandidat – Omega-3-Fettsäuren – schnitt in zwei großen Studien nicht besser ab als Placebo. Die Hoffnung, Fischölpräparate mit Omega-3-Fettsäuren könnten den Verlauf eines Morbus Crohn günstig beeinflussen, konnten nicht gestärkt werden.

Der Morbus Crohn gilt als eine der wichtigsten chronisch entzündlichen Darmerkrankungen. Dabei ist am häufigsten der Übergang zwischen Dünndarm und Dickdarm oder der letzte Teil des Dünndarms betroffen, doch die Entzündungen können überall im Verdauungstrakt vom Mund bis zum After auftreten. Zur Remissionserhaltung eines Morbus Crohn gibt es bislang keine überzeugenden Therapieansätze. Die häufig verwendete 5-Aminosalicylsäure ist nicht effektiv und Immunsuppressiva wie Methotrexat, Antimetaboliten des Purinstoffwechsels oder Antagonisten des TNF-α-Antikörper sind zwar moderat wirksam, gehen aber mit einem erhöhten Infektionsrisiko einher. Omega-3-Fettsäuren könnten aufgrund ihrer antiinflammatorischen Eigenschaften zur Remissionserhaltung geeignet sein. Da die bislang vorliegenden Untersuchungen zu divergierenden Ergebnissen führten, wurde der Einsatz von Omega-3-Fettsäuren erneut in zwei großen Studien mit Probanden aus Kanada, Europa, Israel und den USA überprüft.

Kein Einfluss auf die Rezidivhäufigkeit

An den randomisierten, multizentrischen, doppelblinden und placebokontrollierten Studien EPIC-1 und EPIC-2 (EPIC = Epanova Program in Crohn’s Study) nahmen 363 (EPIC-1) bzw. 375 (EPIC-2) Morbus-Crohn-Patienten in einer Remissionsphase teil. Die Probanden erhielten bis zu 58 Wochen lang täglich vier Gramm Omega-3-Fettsäuren oder Placebo; die zusätzliche Einnahme von Medikamenten, die zur Behandlung eines Morbus Crohn eingesetzt werden, war nicht gestattet. Der primäre Studienendpunkt war das Auftreten eines Rezidivs; sekundäre Studienendpunkte befassten sich unter anderem mit den unerwünschten Wirkungen und dem Einfluss der Therapie auf die Serumtriglyceride.

In der EPIC-1-Studie lag die Rezidivrate unter der Therapie mit Omega-3-Fettsäuren bei 31,6% und unter der Placebobehandlung bei 35,7%. In der EPIC-2-Studie betrug die Rezidivrate unter dem Verum 48% und unter dem Placebo 49%. In beiden Studien konnte bei der Rezidivrate zwischen der Verum- und der Placebogruppe keine statistische Signifikanz gezeigt werden. Das Gleiche gilt für Art und Häufigkeit unerwünschter Wirkungen. Die Therapie mit Omega-3-Fettsäuren führte in beiden Studien zu einer statistisch signifikanten Abnahme der Serumtriglyceride (-21,5 mg/dl in der EPIC-1-Studie und -27,1 mg/dl in der EPIC-2-Studie). Aufgrund dieser Ergebnisse raten die Autoren der Studien davon ab, zur Remissionserhaltung Omega-3-Fetttsäuren einzusetzen.

 

Quelle

Feagan, B., et al.: Omega-3 free fatty acids for the maintenance of remission in Crohn disease. The EPIC randomized controlled trials. J. Am. Med. Assoc. (2008) 299; 1690–1697.

 

Apothekerin Dr. Petra Jungmayr

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