Wirtschaft

DAX: Politische Börse

Sorgen um Euro-Gipfel

(hps). An Krisengipfeln zur Lösung der Schuldenkrise mangelt es wahrlich nicht. Indes herrscht zwischen den Euro-Ländern weiterhin Uneinigkeit, wie die Schlagkraft des Rettungsschirms EFSF erhöht werden könnte. Doch ob man sich am Ende nach dem Vorschlag Frankreichs den Zugang zu EZB-Mitteln sichert oder nach Plänen der deutschen Regierung eher eine Versicherungslösung bevorzugt – ein Scheitern der Verhandlungen können sich die Europäer nicht erlauben. Und darauf bauen bereits manche Investoren.

Schwächere Signale von der chinesischen Volkswirtschaft, ein nachlassender ZEW-Index in Deutschland und eine drohende Abstufung der Bonität Frankreichs sorgten zwar an der deutschen Börse für einen Rücksetzer, nicht aber für den von vielen Strategen befürchteten Kurseinbruch. Nach wie vor verteilt die Börse Vorschusslorbeeren in Hinblick auf den am 23. Oktober stattfindenden EU-Gipfel. Das Parkett erwartet konkrete Maßnahmen, tatsächlich aber erweist sich die Entscheidungsfindung in der EU trotz aller Dringlichkeit als schwerfällig. Was im Vorfeld bereits mit einem kräftigen Kursanstieg honoriert wurde, erscheint zwischenzeitlich schon wieder fraglich: die Aufstockung der Rettungsfonds auf ein Volumen bis zu 1 Billion Euro mittels einer EFSF-Versicherung, die Käufer von Staatsanleihen nur zu 20 bis 30 Prozent absichern würde für den Fall, dass ein Eurostaat seine Schulden nicht mehr bedienen kann. Dadurch stiege das Finanzvolumen um ein Vielfaches des ursprünglich angedachten 440 Milliarden Euro Fondsvolumen. Der politische Eiertanz in der EU überschattet sogar die US-Berichtssaison, bei der sich Licht und Schatten bislang die Waage halten. Apple konnte die hochgestochenen Erwartungen der Analysten trotz guter Zahlen nicht erfüllen, Morgan Stanley weist dank einiger bilanztechnischer Tricks einen Milliardengewinn aus, Goldman Sachs erleidet erstmals seit 2008 einen Verlust. Bei der Citigroup stieg der Gewinn um über 70 Prozent an, wobei der Konzern die eigenen Schulden neu bewertete und die Risikovorsorge für faule Kredite reduzierte. IBM präsentierte zwar gute Zahlen, berichtete jedoch über Abkühlungstendenzen in der IT-Branche. Schließlich glänzte Google mit 10 Milliarden Dollar Umsatz und 2,7 Milliarden Gewinn im dritten Quartal – jeweils rund ein Drittel mehr als noch vor einem Jahr. Alles in allem werden die bislang veröffentlichten Ergebnisse zwar von den Analysten teilweise als enttäuschend bezeichnet. Hiobsbotschaften, die von einer anstehenden Rezession künden, seien sie aber nicht. Doch beruhigt sind die Marktteilnehmer deshalb noch lange nicht. Der Ausgang des EU-Gipfels steht bei den Akteuren eindeutig im Vordergrund.

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Dem DAX geht die Luft aus – so der beinahe einhellige Tenor der Analysten zum weiteren Börsengeschehen. Bei Kursen von über 6000 DAX-Punkten werde die Luft dünner, zumal viele Fragen zur Lösung der EU-Schuldenkrise noch offen seien und das Krisenmanagement im Euroraum ins Stocken geraten könnte. Die Börse habe auf ein entschlossenes Vorgehen der EU-Partner gehofft, damit die Unternehmensprognosen nicht noch weiter nach unten revidiert werden.

Unterdessen ist auffällig, wie hartnäckig der DAX um die 6000er Marke kämpft. Selbst schlechte Nachrichten wie die Herabstufung Spaniens konnten das Börsenbarometer nicht vom Kurs abbringen. Offensichtlich rechnet man am Parkett mit einer – wie auch immer gearteten – Lösung im Streit um den Rettungsschirm und positioniert sich im Vorfeld. Das könnte dem DAX noch Luft bis ca. 6400 Punkte verschaffen. Am Charakter einer "Bärenmarktrallye" ändert das allerdings nichts. Die Aufwärtsbewegung ist viel zu schwerfällig, da sind keine Überzeugungstäter am Werk. Der übergeordnete Trend bleibt negativ. Nach wie vor ist das Risiko groß, dass der "Boden" bei 5000 Punkten erneut angetestet wird.


Eckdaten zum 20. Oktober 2011 (alle Angaben ohne Gewähr)
DAX (20. 10., 12.00 h)
5883 Punkte
Dow Jones (19. 10., Schluss)
11.504 Punkte
Gold (Feinunze)
1619,30 Dollar
Tagesgeld 5000 € (Durchschnitt)
1,80%
Festgeld 3 Monate (Durchschnitt)
Bester überregionaler Anbieter mit Einlagensicherung*
1,31%
2,70% (NBC-Direkt)
Festgeld 12 Monate (Durchschnitt)
Bester überregionaler Anbieter mit Einlagensicherung*
1,87%
3,10% (Bank 11,
ISBank GmbH)

*Quelle: www.fmh.de



AZ 2011, Nr. 43, S. 5

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