FIP-Kongress

FIP-Kongress in Peking

Der diesjährige Kongress des Weltapothekerverbands FIP, der vom 31. August bis zum 6. September in Peking stattfand, war sicher einer der größten seiner Art: Rund 3000 Apothekerinnen und Apotheker aus 90 Ländern hatten sich nach China aufgemacht, um Fachvorträge zu hören und sich über die Zukunft der Pharmazie weltweit auszutauschen. Der 67. Weltkongress der Pharmazie und der pharmazeutischen Wissenschaften der FIP (Fédération Internationale Pharmaceutique) stand in diesem Jahr unter der Überschrift "Von der Anekdote zum Beweis: Pharmazeuten helfen Patienten, wie sie ihre Arzneimittel am besten anwenden".

Eröffnet wurde der Kongress mit der traditionellen Eröffnungszeremonie, die in Peking in der Großen Halle des Volkes am Platz des himmlischen Friedens stattfand.

Grußworte sprachen Prof. Sang Guowei, Präsident des Chinesischen Apothekerverbands und hochrangige Vertreter des chinesischen Wissenschafts- und Technologieverbands und des chinesischen Gesundheitsministeriums.

In seiner Eröffnungsrede machte FIP-Präsident Kamal Midha deutlich, dass die Zukunft der Pharmazie und der globalen Gesundheitsfürsorge buchstäblich in der Hand des Pharmazeuten liegt in dem er dafür sorgt, dass die Patienten einen angemessenen Zugang zu einem vernünftigen Gebrauch von Arzneimitteln haben, unabhängig davon, ob die Apotheke in einem entfernten Dorf in Afrika liegt oder ob es eine ultra-moderne pharmazeutische Abteilung in einem feudalen privaten Krankenhaus in Japan ist. Die Vision der FIP ist darin verwurzelt, dass der Apotheker seine Fähigkeiten und sein Wissen einsetzt für den sicheren und rationalen Gebrauch von Arzneimitteln und damit für die Verbesserung der Gesundheit und dem Wohlergehen des Einzelnen. Midha wörtlich: "Wenn wir Pharmazeuten und pharmazeutische Wissenschaftler werden, widmen wir unser Leben der globalen Gesundheit und der Lebensqualität, um unsere Welt zu einer gesünderen Welt zu machen."

In den Mittelpunkt seiner Rede stellte der FIP-Präsident die Schwerpunkte, die er sich in seiner vierjährigen Amtszeit vorgenommen hat. Der Weltapothekerverband arbeitet daran, für alle Pharmazeuten hohe Standards in Ausbildung und Praxis einzuführen. Die FIP müsse ferner darauf hinweisen, dass mit den Pharmazeuten weltweit ein Potenzial für den Einsatz im Gesundheitswesen bereitsteht, das die Weiterentwicklung des Gesundheitswesens sicherstellt.

Midha sieht ein aufkommendes Bewusstsein unter Pharmazeuten und pharmazeutischen Wissenschaftlern über ihre Rolle im öffentlichen Gesundheitswesen, in Sachen guter pharmazeutischer Praxis und für die Patientensicherheit. Die Bedeutung der pharmazeutischen Fürsorge und die Rolle des Apothekers auf dem Gebiet des Krankheitsmanagements könnten nicht genug hervorgehoben werden. Andere Gesundheitsberufe, aber auch die Patienten selbst werden die Apotheker als Fachleute im Gesundheitswesen anerkennen, die eine wesentliche Rolle spielen, in dem sie sich auf qualitativ hohem Niveau für die Gesundheitsfürsorge einsetzen.

Um diese Ziele zu erreichen, ist es notwendig, so der FIP-Präsident, dass sich der Pharmazeut neuen Herausforderungen stellt. Dazu gehört ein neues Modell, Gesundheitsdienste zur Verfügung zu stellen: "Wir müssen den Menschen nicht nur Arzneimittel anbieten, sondern auch alle Arten von Beratung, Bewertung von Arzneimitteln, pharmazeutische Fürsorge sowie Krankheits- und Therapie-Management."

Des Weiteren müssen Standards aufgestellt werden für die erforderliche Berufsausbildung aller pharmazeutischer Berufszweige. Hier kommt es darauf an, die Zusammenarbeit mit Regierungen, Hochschulen, Industrie und Ärzten zu suchen, um zu erfahren, was letztlich von den Apothekern in der Praxis erwartet wird.

Als weiteren Punkt nannte Midha die Hilfe für unterentwickelte Länder, damit auch diese eine Ebene erreichen, auf der gute Gesundheit möglich ist.

In unterentwickelten Ländern stellt man zunehmend ein Abwandern junger Pharmazeuten fest, unzufrieden mit den Arbeitsbedingungen in diesen Ländern. Die Regierungen dieser Länder gehen deshalb unglücklicherweise dazu über, Laien als Mitarbeiter im Gesundheitswesen zu rekrutieren. Das mag zwar kurzfristig eine kleine Hilfe sein, könne aber nie die Hilfe auf Dauer zur Verfügung stellen, die solche Länder bräuchten. Es sei daher notwendig, auch in diesen Ländern verstärkt in die professionelle Ausbildung der Gesundheitsberufe zu investieren und dafür zu sorgen, dass bessere Arbeitsbedingungen vorherrschen.

Der FIP-Präsident forderte außerdem, dass gute Gesundheitsfürsorge als Menschenrecht angesehen werden muss und nicht als Ware zum Kaufen.

Schließlich rief er dazu auf, die Zusammenarbeit zwischen den pharmazeutischen Wissenschaften und der pharmazeutischen Praxis zu intensivieren.

Die FIP strebe danach, dass Arzneimittel nicht nur für diejenigen mit chronischen und Lifestyle-Krankheiten verfügbar sind, sondern auch für die Menschen in Entwicklungsländern. Dies sei ein Hauptanliegen der Organisation, hier arbeite man mit der WHO und anderen internationalen Partnern und Gesundheitsberufsverbänden zusammen.

Vor diesem Hintergrund habe die FIP bereits die Erstellung eines Dokuments initiiert: "Auswirkung der pharmazeutischen Wissenschaften auf die Entdeckung und Entwicklung von wirksamen und sicheren neuen Arzneimitteln". Dieses Dokument soll die Verpflichtung der pharmazeutischen Wissenschaften herausstellen bei der Entwicklung von Behandlungsmodalitäten von Menschen, unabhängig davon, wo sie leben.

Nach der Eröffnungsrede folgte traditionell die Verleihung der von der FIP vergebenen Preise. Die Eröffnungsveranstaltung klang mit einem über 30-minütigen Unterhaltungsprogramm aus, in dem zahlreiche Künstler – Sänger, Musiker und Tänzer –, zum Teil von der Peking-Oper, fulminante Darbietungen zeig-ten.

Täglich fanden mehrere Parallelsymposien statt. Themen waren beispielsweise die Beratung durch den Apotheker und wie man sie durch Einführung von Standards verbessern kann, Resistenzentwicklung bei Antibiotika und die Rolle der Apotheker, Biotechnologie, Nanotechnologie, Einsatz der Informatik zur Verbesserung der Arzneimittelsicherheit und viele mehr.

Bei einigen Symposien wirkten auch Vertreter aus Deutschland mit. Mit der Frage, warum Menschen vor welchem persönlichen, kulturellen und sozialen Hintergrund Arzneimittel einnehmen, befasste sich ein Symposium, das Prof. Dr. Martin Schulz (Leiter Zentrum für Arzneimittelinformation und Pharmazeutische Praxis – ZAPP bei der ABDA) leitete.

Auf dem Symposium über die Finanzierung des Gesundheitswesens in verschiedenen Ländern stellte Ulrich Dietz aus dem Bundesgesundheitsministerium das deutsche System vor und erläuterte die Gesundheitsreform und ihre Auswirkungen.

Arzneimittel und die Umwelt war ein weiteres Thema. Hier hielt Prof. Dr. Klaus Kümmerer, Uni Freiburg, den einleitenden Vortrag, inwieweit Arzneimittel und deren Entsorgung für unsere Umwelt problematisch sind.

Überwachung, Herstellung, Bereitstellung und Fragen zu Qualitätsstandards von konventionellen und alternativen Arzneimitteln – damit befasste sich ein weiteres Symposium. Aus Deutschland hielt hier Dr. Mona Tawab, Assistentin der wissenschaftlichen Leitung des Zentrallaboratoriums Deutscher Apotheker, einen Vortrag.

Apotheken in China

Über die Arzneiversorgung in China erfuhr man auf dem Kongress leider nur wenig. Eine flächendeckende Versorgung der Bevölkerung ist in diesem Land bisher noch nicht realisiert. Es gibt hier noch sehr viele Regionen, vor allem in den ländlichen Gebieten, wo die Bevölkerung weite Strecken zu Fuß, mit Bussen oder Schiffen zurücklegen muss, um sich Arzneimittel zu besorgen. In den Großstädten dagegen ist die Arzneiversorgung kein Problem. Hier existieren zahlreiche Apotheken, die das breite Spektrum der westlichen Medizin, von Antibiotika bis Zytostatika anbieten neben der traditionellen chinesischen Medizin (TCM), die viele Apotheken zusätzlich im Sortiment haben.

Notizen zur Reise nach Peking zum FIP-Kongress

Ankunft auf dem Flughafen in Peking. Lange Warteschlange bei der Passkontrolle. Am Schalter selbst befindet sich ein kleines Kästchen mit vier Smilies, mit denen man die Arbeit des Passkontrolleurs bewerten kann. Meinen Pass schaut er zügig an, ich drücke die grüne Smiley-Taste – ob es ihm bei der nächsten Beförderung nützt?

Lebhaftes Gedränge und Gewusele auf dem Flughafen. Ich bekomme eine Vorahnung, warum der Chinesenstaat oft mit einem Ameisenstaat verglichen wird.

Ich nehme ein Taxi zum Kongresshotel. Englisch versteht der Fahrer nicht. Zum Glück habe ich einen Hotelprospekt dabei, der den Namen des Hotels in chinesischen Schriftzeichen zeigt. Der Taxifahrer nickt zustimmend und fährt los.

Es ist sehr warm und schwül, das Taxi zum Glück klimatisiert. Draußen ist es dunstig, ein blauer Himmel ist nicht zu erkennen: Pekings täglicher Smog Die Luftverschmutzung soll hier sehr groß sein, der erste Eindruck bestätigt das.

Nach etwa 50 Minuten erreichen wir das Kongresshotel – es liegt am Stadtrand von Peking. Der Fahrer bekommt die vereinbarten 150 Yuan, rund 15 Euro für diese lange Fahrt. Peking ist in vielen Dingen für uns Europäer nicht unbedingt teuer.

Ankunft im Kongresshotel , ein Riesenkomplex mit 16 verschiedenen Resorts, kleineren Einheiten im Reihenhausstil und verschiedene Mega-Hotelkästen. Mit einer Monorail, einem gemütlich-langsamfahrenden, kleinen Bähnchen auf einer auf Stelzen gelagerten Schiene gleitet man ruhig durch das große Gelände und kann sich von oben schon einen Eindruck verschaffen, wo man hier untergebracht ist. Die nächste Station ist bereits das Kongresshotel. Die meisten Kongressteilnehmer sind hier im größten Haus dieser Hotelanlage untergebracht, ein gigantischer Kasten mit vielleicht 1000, 1500 Betten, der im ersten Moment den Eindruck hervorruft, man befindet sich in einer Justizvollzugsanstalt. Die Hotelrezeption gibt einen Vorgeschmack auf die nächsten Tage: Englisch spricht man nur soviel, wie man für seinen Arbeitsplatz unbedingt benötigt. Jede darüber hinaus gehende Frage wird nicht verstanden.

Mein Zimmer liegt im 7. Stock, mit Blick Richtung Peking, das ca. 30 km entfernt liegt. Von der Stadt, ihren Hochhäusern ist nichts zu sehen. Smog, Dunst, graubraun getönter Himmel.

Das Zimmer ist spartanisch einfach, ein wenig schmuddelig und abgewohnt, aber ein PC steht zur Verfügung mit kostenlosem Internetanschluss, der die Daten allerdings nur im Schneckentempo durchlässt. Ob da die staatlichen Kontrollfilter und Zugangsbeschränkungen dran schuld sind?

Es ist schon später Nachmittag, jetzt erst mal eine Nacht durchschlafen.

Der nächste Morgen: Hunger auf ein Frühstück Für die Kongressteilnehmer ist die Plaza vorgesehen: eine riesengroße Atriumhalle mit über 1000 Plätzen auf der vierten Etage des Hotelkastens. An den Seiten und in der Mitte sind Büffetreihen aufgebaut, die Halle ist bestückt mit zahlreichen großen runden Tischen. Mutig geht’s zum Büffet: Reis- Bohnen- und irgendeine andere undefinierbare Suppe, mehrere Schüsseln mit Gemüse und Salaten, Algen, Karotten, saure Gurken, roh oder süßsauer eingelegt, fetttriefende Teigstangen, gebratenes Spam, seltsam weiß aussehende Würstchen, hartgekochte Eier, deren Schale wohl bewusst zerknittert ist und die in warmem Wasser schwimmen. Ein Koch bereitet frische Spiegeleier zu, er trägt eine Atemmaske – hat er Angst vor der Vogelgrippe oder vor aufsteigenden Fetttröpfchen?

Vor einem zweiten Büffet bilden sich bereits Schlangen an hungrigen Europäern und Amerikanern. Hier gibt es weichen Toast (nur ein Toaster vorhanden!), Butter und Marmelade, Orangensaft, schwarzen Kaffee (?) und grünen Tee. Erstes Fazit: Das Frühstück wird gewöhnungsbedürftig, die Verpflegung ist sicher gut für die Linie.

Die Eröffnungszeremonie in der Halle des Volkes, direkt am Platz des Himmlischen Friedens gelegen, schräg gegenüber der Verbotenen Stadt, steht am Nachmittag auf dem Programm. Mit Bussen werden die Kongressteilnehmer dorthin gebracht. Hört sich einfach an, wird aber etwas Größeres. Denn immerhin nehmen rund 3000 Apothekerinnen und Apotheker an diesem Kongress teil, von denen die meisten im Kongresshotel wohnen (nur einige Franzosen, so hörte man, sollen ausgezogen sein, als sie das Frühstücksbüffet sahen). Das bedeutet also, dass sich 60 Busse mit je 50 Teilnehmern vom Hotel am Stadtrand aufmachen, um in Pekings Herz zu gelangen. Das geht nur in einer Volksrepublik gut, sprich, zwei Polizeifahrzeuge mit Blaulicht eskortieren die Busschlange, die omnipräsenten (auch im Hotel) Angehörigen der Armee der Volksrepublik China salutieren an der Hotelausfahrt für die Busschlange der Apotheker.

Die Fahrt bis zur Innenstadt Pekings dauert rund 45 Minuten im zügigen Tempo, was nur möglich ist, weil die vorausfahrenden Polizeiautos ganz einfach und ohne große Vorankündigung die entsprechenden Abschnitte der Stadtringautobahnen für die Apothekerbusse rechtzeitig sperren – Pekings Verkehr steht still und gerät ins Stocken für die Apotheker aus aller Welt.

Es ist selbst für die Pekinger Einwohner ein besonderes Spektakel, als die 60 Apothekerbusse eintreffen und knapp 3000 Apothekerinnen und Apotheker aus aller Welt die Stufen zur Halle des Volkes erklimmen, auch hier begleitet von salutierenden Armeeangehörigen.

Allein das Foyer der Halle ist groß, der Saal selbst fasst mehr als 3000 Menschen. Auf der Bühne ein roter Hintergrund-Vorhang, davor ein langer Podiumstisch – man könnte fast meinen, irgendein Zentralkomitee wird gleich tagen.

Nach den Ansprachen und Ehrungen erleben die Teilnehmer ein über 30-minütiges Showprogramm mit Künstlern der Peking-Oper und anderen Darbietungen (Kung fu), perfekt im Ablauf und eindrucksvoll. Danach die Rückfahrt zum Hotel, genauso straff und militärisch organisiert wie die Anfahrt, mit militärischen Grüßen.

Am zweiten Abend des Kongresses findet die Welcome Reception Party statt. Die Gastgeber, der Chinesische Apothekerverband, veranstaltet die Party auf dem großen Platz vor dem Hotelkasten. Schon eine Stunde vorher marschiert das Hotelpersonal auf, stellt sich in Reih und Glied auf, bekommt letzte Anweisungen für den Ablauf, für den An- und Abtransport von Speisen und Getränken etc. Hier wird nichts dem Zufall überlassen, das meist junge Personal ist gedrillt, wie es sich für einen Staat mit Diktatur gehört.

Die nächsten Tage Kongress-programm , business as usual. Einige interessante Vorträge, viele Vorträge sind zugeschnitten auf die Bedürfnisse und Probleme von Ländern, in denen die Pharmazie noch nicht so weit entwickelt ist wie bei uns, oder es sind Themen, die in erster Linie Länder in Afrika und Asien berühren.

Am einem Spätnachmittag ein Abstecher in die City. Es dauert lange, sehr lange, bis sich der Bus von Autobahnring zu Autobahnring, von denen Peking umgeben wird, vorarbeitet und in der Innenstadt angelangt ist. Überall quirliges Leben, Gewusel. Bereitet sich alles schon auf Olympia im nächsten Jahr (One World One Dream) vor? Es hat den Anschein. Unzählige Menschen sind damit beschäftigt, entlang den Schnellstraßen Bäume und Millionen von Sträuchern und Blumen zu pflanzen.

Peking Downtown , kleine und kleinste Geschäfte prägen das Bild, Kleinsthandel, fliegende Händler, die einem etwas verkaufen wollen und chinesische Küche, wohin man schaut. Für europäische Verhältnisse alles spottbillig. Ein Mützchen gegen die Sonne für 10 Yuan (1 Euro), eine Flasche Mineralwasser für umgerechnet 20 Cent. Chinesen, die vor ihren Häuschen und Kleinstläden sitzen, diskutieren, renovieren.

Ein paar Straßen weiter – Peking als Weltstadt, kaum zu unterscheiden von einer anderen Metropole der Welt, Hochhäuser, modernste Bürobauten, Geschäfte der großen westlichen Marken, die Jugend Pekings mit iPod, bei Starbucks Kaffee trinkend, bei McDonalds den Hamburger essend.

Nach wie vor gibt es hier natürlich viele Menschen, die Fahrrad oder zu Transportvehikel umgebaute Fahrräder benützen. Aber ihre Zahl hat stark abgenommen. Autos und Mopeds haben Peking längst erobert. Und damit die Luftverschmutzung, der Smog. Wie Peking diese Entwicklung kanalisieren will, ist ungewiss, derzeit wird damit experimentiert, an manchen Tagen nur die Autos mit einer geraden oder nur mit einer ungeraden Kennziffer in die Stadt zu lassen.

Bei der Einfahrt in die inneren Kreise der Stadt stellt man fest, wie immens viel in Peking gebaut wird. Trabantenstädte mit Hochhäusern schießen aus dem Boden, alte kleine und arme Wohnsiedlungen werden platt gemacht, was noch hässlich ist, wird hinter langen Zäunen versteckt. Olympia kommt. Sehr beeindruckend ist das neue Riesenstadium mit seiner fast filigranen Konstruktion, das man bereits von der Straße aus bewundern kann. Als Eindruck bleibt: überall wird geputzt und gekehrt Peking hinterlässt einen Eindruck von sauberen Straßen, keine weggeworfenen Plastikflaschen am Straßenrand, keine Papiertüten, Kippen oder sonstiger Unrat. Überall fegen Reinigungskräfte, in der Stadt, im Hotel. Personalmangel gibt es hier nicht.

Am letztenTag des China-Besuchs: ein kleiner geführter Ausflug mit dem Bus zur Großen Mauer. Doch bevor man die Mauer erreicht, wird man in eine Fabrik und Verkaufsausstellung für Jade-Schmuck und

Nippes gelockt und in einen Friendship-Store (so nennen sich hier die staatlichen Betriebe für solchen Kleinkram), in dem Millionen von chinesischen Kupfervasen und ähnlich dekorativen Schmuckstücken hergestellt und bemalt werden. Trotz aller Vorbehalte, es ist eindrucksvoll, mit welcher Disziplin hier gearbeitet und verkauft wird.

Dann endlich – nach einem Mittagessen "wie beim Chinesen" – nach einer relativ kurzen Busfahrt ist man in den Bergen an einem renovierten Teil der Großen Mauer (insgesamt 7200 km lang). Man geht nach dem Lösen eines Tickets durch eine Schranke, steigt direkt zur Mauer empor und beginnt seinen Marsch. Nur: man ist hier nicht alleine – Menschen aller Nationen sind hier, die ebenfalls die gleiche Idee hatten. "One World One Dream" liest man auf einem Plakat auf dem gegenüberliegenden Hügel, der Slogan für Olympia 2008 in Peking. Trotz Tourismus, es lässt einen nicht unberührt, auf diesem Bauwerk entlang zu gehen, zum Teil steil auf und ab zusteigen. Gedanken über dieses Volk, seine Mentalität, seine Geschichte, seine Kultur, über diesen Staat heute, die Diktatur, die Menschenrechte, die Globalisierung, die Wirtschaftsbeziehungen zu China, die Umweltverschmutzung, die Überbevölkerung drängen sich auf. Nach anderthalb Stunden "Mauererlebnis” geht’s zurück ins Hotel.

Wer abends mal eben vom Hotel in die Stadt fahren wollte, musste wissen, dass die Fahrt mindestens eine Stunde mit dem Taxi dauert, dass er unbedingt die Hotel-Adresse mit dabei haben sollte, geschrieben in chinesischen Schriftzeichen Wie gesagt, Englisch wird von den Taxi-Chauffeuren nicht verstanden. Nicht jeder kennt das Hotel am Stadtrand, Berichte von Kongressteilnehmern, die abenteuerliche Fahrten durch die weite Landschaft hinter sich hatten, weil ihr Taxifahrer das Hotel nicht fand, sind Zeugnis dafür.

Nach fünf Tagen Peking: Heimflug nach Deutschland. Es waren viele Erlebnisse in einer anderen Welt, einem anderen System. Ein Eindruck bleibt: China , seine Diktatur, der beginnende kapitalistische Überbau, der das System langsam durchdringt, kommt immer stärker und wird für uns bald eine größere Rolle spielen. Wir Europäer werden uns in den nächsten Jahre noch stärker mit diesem System auseinandersetzen müssen, vemutlich auch in der Pharmazie. Schon heute werden viele Arzneimittel (Generika) deutscher und europäischer Firmen im Lohnauftrag in China produziert. Dieser Anteil wird aufgrund niedriger Produktionskosten in China zunehmen. Doch Vorsicht, der chinesische Drache ist

gefräßig.

Professor Kamal Midha Präsident des Weltapothekerverbands FIP
Foto: FIP
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