FIP-Kongress

Wer ist eigentlich die FIP?

Die FIP – der Weltverband der Apotheker: Geschichte, Mission, Vision

Foto: FIP
Von Peter Ditzel | Er ist über 100 Jahre alt, hat 132 Mitgliedsverbände und ist die Plattform für Apotheker weltweit: der Weltapothekerverband FIP. Sein Anliegen ist es, den Beruf des Apothekers und seine Entwicklung weltweit zu stärken. Jedes Jahr lädt der Verband alle Pharmazeuten zu einem internationalen Kongress ein. In diesem Jahr findet der Weltkongress der Pharmazie und Pharmazeutischen Wissenschaften in Düsseldorf statt (29. September bis 3. Oktober), parallel zur Expopharm und zum Deutschen Apothekertag.

Noch bevor es zur Gründung eines Weltapothekerverbands kam, trafen sich Apotheker aus unterschiedlichen Ländern Ende des 19. Jahrhunderts auf pharmazeutischen Kongressen. Doch erst 1910 entschloss man sich auf Vorschlag der Niederländischen Pharmazeutischen Gesellschaft, einen internationalen pharmazeutischen Verband ins Leben zu rufen mit dem Ziel, die Pharmazie voranzubringen.

Foto: FIP

Das große Bild am Anfang dieses Beitrags zeigt den Stammsitz der FIP in Den Haag.

Die FIP: Sektionen, Board und Council

Ein eigens dafür eingesetztes Komitee arbeitete Statuten für einen internationalen Verband aus. 1912 war es dann so weit: Mit finanzieller Unterstützung der niederländischen Regierung wurde in Den Haag am 25. September 1912 die Fédération Internationale Pharmaceutique, kurz FIP, gegründet. Gründungsmitglieder waren 20 europäische pharmazeutische Verbände, unter ihnen auch Deutschland. Der Grund, warum der in den Niederlanden gegründete internationale Verband offiziell bis heute eine französische Bezeichnung trägt, obwohl meist die englische Übersetzung (International Pharmaceutical Federation) verwendet wird, geht darauf zurück, dass damals Französisch die Sprache der Diplomaten war und somit die Sprache zwischen den Nationen.

Schon bald war klar, dass Apotheker und pharmazeutische Wissenschaftler aus den unterschiedlichen Tätigkeitsbereichen eine eigene Plattform für die Arbeit benötigten. Und so gründeten sich innerhalb der FIP die Sektionen, in denen die eigentliche Verbandsarbeit stattfindet. Heute gibt es die Sektion der Krankenhaus-Apotheker, der Militär-Apotheker, der Apotheker für Gesundheits- und Medizinischen Informationen, der Industrie-Apotheker, der Apotheker für klinische Biologie, die Sektion der Akademischen Pharmazie und die Sektion der öffentlichen Apotheker (Community Pharmacy Section, CPS), heute die größte Sektion der FIP. Die deutsche Apothekerin und ABDA-Vorstandsmitglied Karin Graf ist Mitglied im Vorstand der CPS, sie engagiert sich dort für die Weiterentwicklung der öffentlichen Apotheke.

Als jüngste Sektion wurde 1993 die Sektion für Sozialpharmazie und Apotheker in der Verwaltung gegründet. Alle diese Sektionen unterstehen der Kommission für pharmazeutische Praxis.

Ein besonderes Anliegen der FIP war und ist es, die pharmazeutischen Wissenschaften zu fördern. Schon bald rief sie daher die Kommission (Board) für pharmazeutische Wissenschaften ins Leben. Unter dem Dach dieser Kommission ­bildeten sich Gruppen mit speziellen Interessensgebieten heraus, beispielsweise für das Gebiet Wirkstoffentdeckung, Naturprodukte, analytische Wissenschaften und weitere. ­Außerdem koordiniert diese Kommission alle wissenschaftlichen Aspekte der FIP-Aktivitäten.

Foto: DAZ/diz

Die FIP in China – 2007 empfing der Chinesische Apothekerverband die Kongressteilnehmer in der Großen Halle des Volkes in Peking.

Höchstes Organ der FIP ist der Rat (Council), der alle nationalen Verbände und Mitgliedsorganisationen sowie nationalen Wissenschaftsorganisationen repräsentiert. Im Rat vertreten sind außerdem Repräsentanten der FIP-Sektionen und des FIP-Büros. Dieser Begriff, das „Büro“, ist historisch gewachsen und bezeichnet den Vorstand der FIP, der aus 15 Mitgliedern besteht: dem Präsidenten, einem Sekretär der Wissenschaften und der Praxis, den Altpräsidenten, den Vorsitzenden der Wissenschafts- und der Praxis-Kommis­sion sowie neun Vizepräsidenten.

In der Vergangenheit war bisher einmal ein deutscher Apotheker Präsident der FIP: Dr. Dieter Steinbach (1994 bis 1998), der zuvor Leiter des Zentrallaboratoriums Deutscher Apotheker war. Er ist heute Ehrenpräsident der FIP.

Seit September 2014 steht erstmals eine Frau an der Spitze, die Spanische Pharmazeutin Carmen Pena.

Aufgrund der Mitgliedschaften nationaler Verbände repräsentiert die FIP heute mehr als drei Millionen Apotheker. Die Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA) ist im Jahr 1951 der FIP beigetreten. Für Apothekerinnen und Apotheker besteht zudem auch die Möglichkeit, individuelles Mitglied zu werden.

Mission und Vision

Ziel der FIP ist es, das Ansehen der Apotheker weltweit zu stärken, den Apothekerberuf zukunftsfähig zu machen und den Austausch von Best-Practice-Modellen voranzutreiben. Der Weltapothekerverband setzt sich dafür ein, den Zugang zu Arzneimitteln zu verbessern, die Anwendung von Arzneimitteln sicherer zu machen bei vertretbaren Kosten und hoher Qualität. Um dies zu erreichen, unterstützt die FIP einen Austausch von Wissen, Sachverstand und Informationen von den Industrie- in die Entwicklungsländer.

„Moleküle werden zu Arzneimitteln, wenn pharmazeutische Expertise hinzugefügt wird“, erklärt die FIP den Stellenwert des Apothekers, „daher optimieren Apotheker die Wirkungen dieser Arzneimittel, indem sie einen verantwortungsvollen Gebrauch garantieren.“ Die FIP werde daher ihre Beteiligung und ihren Einfluss durch Partnerschaften mit weltweit führenden Institutionen in den Bereichen Gesundheit, Politik, Ausbildung und Wissenschaften ausweiten. Beispiel für solche Partnerschaften ist die intensive Zusammenarbeit mit der Weltgesundheitsorganisation WHO, mit der UNESCO und der Welt-Ärzteorganisation.

Zu den Projekten der FIP gehören u. a. der Kampf gegen Arzneimittelfälschungen, die Verbesserung der Arzneimittelqualität und -sicherheit und die Verfügbarkeit essenzieller Arzneimittel.

Im Jahr 2008 hat sich die FIP einen strategischen Plan für die Zukunft, die „2020 Vision“, gegeben. Auf den Punkt gebracht beinhaltet diese Vision das Ziel, dass die FIP immer dabei ist und mitredet, wo auch immer Entscheider irgendwelche Aspekte rund um das Arzneimittel auf internationaler Ebene diskutieren.

Der FIP-Kongress

Höhepunkt der Verbandsaktivitäten ist der FIP-Weltkongress. Apothekerinnen und Apotheker aus aller Welt treffen sich jährlich einmal an wechselnden Standorten. Nach Hamburg (1968) und München (1989) findet der FIP-Kongress in diesem Jahr wieder in Deutschland statt und zwar in Düsseldorf – parallel zur Expopharm und zum Deutschen Apothekertag. Allein dies verspricht schon, dass der Kongress ein Megakongress werden dürfte. Hinzu kommt: Der FIP-Kongress jährt sich zum 75. Mal. Der Weltapothekerverband rechnet mit rund 3000 Teilnehmern aus mehr als 100 Ländern. Offizieller „Gastgeber“ des Kongresses wird ABDA-Präsident Friedemann Schmidt als Vorsitzender des „Local Host Committee“ sein, sein Stellvertreter ist Prof. Dr. Martin Schulz, Vorsitzender der Arzneimittelkommission der Deutschen Apotheker.

Der FIP-Kongress bietet eine Fülle an Symposien, Workshops und Präsentationen. Auf dem Programm stehen über 220 Experten aus 40 Ländern, die über pharmazeutische und berufspolitische Themen sprechen, beispielsweise über Themen der evidenzbasierten Pharmazie, der Arzneimitteltherapiesicherheit, der Komplementärmedizin und viele andere. Um den Pharmazeuten aus aller Welt einen Einblick in die Pharmazie Deutschlands zu geben, steht zu Beginn des Kongresses am 29. September die Veranstaltung „Pharmacy in Germany“ auf dem Programm. Namhafte Professoren und Apotheker aus Deutschland stellen das deutsche System der Arzneimittelversorgung vor.

Einen gestrafften Überblick über das Vortragsprogramm finden Sie in dem Bericht „Apothekertag goes international“ in dieser DAZ-Ausgabe. Das gesamte Programm des FIP-Kongresses sehen Sie unter www.fip.org/dusseldorf2015/. |

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