Arzneimittel und Therapie

Therapie des Diabetes Typ 2: Insulinsensitizer auch für die Monotherapie

Insulinsensitizer gehören als Kombinationspartner seit wenigen Jahren ins Repertoire der oralen Antidiabetika. Am 1. September hat die europäische Zulassungsbehörde EMEA (European Agency for the Evaluation of Medicinal Products) aufgrund überzeugender Studienergebnisse nun auch den Weg für die Monotherapie mit Pioglitazon (Actos®) und Rosiglitazon (Avandia®) frei gemacht.

Die Zulassung für die Monotherapie mit Insulinsensitizern ist da. Das bedeutet nun allerdings nicht, dass jeder Typ-2-Diabetiker von Anfang an damit behandelt werden kann. Denn konkret beschränkt sie sich zumindest derzeit insbesondere auf übergewichtige Patienten, die durch Diät und Bewegungstherapie nicht ausreichend kontrolliert werden können und für die Metformin aufgrund von Kontraindikationen oder Unverträglichkeiten nicht infrage kommt. Wie die Praxis aussehen wird, wird sich zeigen.

Dem "Goldstandard" Metformin adäquat

Entscheidend für die Zulassung von Pioglitazon waren die Ergebnisse der Quartett-Studien. Dabei handelt es sich um vier Teilstudien, in denen der Insulinsensitizer direkt mit Metformin und Sulfonylharnstoff verglichen wurde, und zwar in der Mono- als auch in der Kombinationstherapie. In der Monotherapiestudie über 52 Wochen mit insgesamt 1100 nicht-medikamentös vorbehandelten Typ-2-Diabetikern war Pioglitazon hinsichtlich der glykämischen Kontrolle ebenso effektiv wie Metformin. Der HbA1c-Wert wurde vergleichbar reduziert und beim Nüchtern-Blutzucker hatte der Insulinsensitizer sogar die Nase vorn (Reduktion um 2,5 mmol/l versus 2,2 mmol/l).

Rosiglitazon wurde unter anderem in zwei plazebokontrollierten Monotherapiestudien über 26 Wochen auf den Prüfstand gestellt. Der mittlere HbA1c-Wert sowie der Nüchtern-Blutzucker gingen hier statistisch signifikant um 0,8 bis 1,5 Prozent bzw. um 31 mg/dl bis 76 mg/dl zurück.

Das Übel an der Wurzel packen

Ein ganz praktischer Vorteil der Insulinsensitizer ist die Einmalgabe, die die Compliance erheblich bessert. Noch wichtiger jedoch: Insulinsensitizer verfolgen ein pathophysiologisch orientiertes Wirkprinzip und packen mit dem Angriff auf die Insulinresistenz das Übel sozusagen an der Wurzel. Immerhin findet sich bei mehr als 80 Prozent der Typ-2-Diabetiker auch eine Insulinsresistenz. Sie gilt inzwischen als Brücke zwischen dem Typ-2-Diabetes und kardiovaskulären Komplikationen. Und sie ist, ebenso wie die Hyperinsulinämie, ein unabhängiger Risikofaktor für die Entwicklung einer koronaren Herzkrankheit, wie die San Antonio Heart Study deutlich machte.

Mit einem Anstieg der Insulinspiegel im Blut gingen dort auch Blutdruck und Triglyceridkonzentrationen in die Höhe. Aufgrund ihres Wirkmechanismus induzieren Insulinsensitizer im Gegensatz zu Sulfonylharnstoffen keine Insulinierung. So zeigten die Quartett-Studien, dass Nüchterninsulin unter der Kombination Metformin/Pioglitazon um 2,7 µU/ml zurückging, während es unter Metformin/Sulfonylharnstoff um 1,1 µU/ml anstieg.

Kardiovaskuläres Risikoprofil verbessert

Insulinsensitizer scheinen aber aus kardiovaskulärer Sicht nicht nur günstig auf die gefährliche Hyperinsulinämie zu wirken. Studienergebnisse zeigen, dass auch andere kardiovaskuläre Risikofaktoren wie freie Fettsäuren, Triglyceride, HDL, Cholesterin oder auch der Blutdruck positiv beeinflusst werden. Für Rosiglitazon konnte zudem gezeigt werden, dass es die Konzentration des C-reaktiven Proteins (CRP) im Serum um bis zu 40 Prozent senkt. Dieser Entzündungsmediator wird als bedeutender Parameter in der Pathogenese kardiovaskulärer Komplikationen gehandelt und gilt als wichtiger Prädiktor für Myokardinfarkt und Schlaganfall.

Insulinsensitizer gehören als Kombinationspartner seit wenigen Jahren ins Repertoire der oralen Antidiabetika. Am 1. September hat die europäische Zulassungsbehörde EMEA aufgrund überzeugender Studienergebnisse nun auch den Weg für die Monotherapie mit Pioglitazon (Actos) und Rosiglitazon (Avandia) frei gemacht.

Insulinsensitizer für mehr Sensibilität an der Zelle

Pioglitazon (Actos®) und Rosiglitazon (Avandia®) sind die beiden ersten Vertreter einer neuen Klasse oraler Antidiabetika, die seit 2000 bei uns auf dem Markt sind. Sie gehören zur Klasse der Thiazolidindione und vermindern die Insulinresistenz, die vor allem im Frühstadium des Typ-2-Diabetes auftritt, indem sie Muskel-, Leber- und vor allem Fettzellen für die Insulinwirkung sensibilisieren. Die Glitazone wirken über eine Aktivierung der PPAR-γg (Peroxisome Proliferator-Activated Receptor γg) im Zellkern. Diese kommen vor allem in Muskel- und Fettzellen vor und regulieren die Synthese vieler Proteine, die am Glucose- und Fettstoffwechsel beteiligt sind. Aber auch in Gefäßen ist der PPAR-γg vorhanden, sodass die Sensitizer auch hier wirken können. Die Aktivierung dieses Rezeptors führt zu einer besseren Übertragung des Insulinsignals innerhalb der Zelle. Das körpereigene Insulin kann so besser wirken. Im Fettgewebe bewirkt dies, dass Glucose und Fettsäuren vermehrt aufgenommen werden, Lipogenese und Glucoseutilisation werden verstärkt. Die Zahl der Insulinrezeptoren steigt, und die Insulinempfindlichkeit nimmt zu. Dadurch werden die Blutzuckerspiegel gesenkt, eine diabetische Fettstoffwechselstörung gebessert und die meist überhöhten Insulinspiegel verringert. Bis zum Eintritt der vollen Wirkung können einige Wochen vergehen.

Zum Weiterlesen: Thiazolidindione bei Typ-2-Diabetes Med Monatsschr Pharm 2000; 23(7):210-3 www.deutscher-apotheker-verlag.de/MMP

0 Kommentare

Das Kommentieren ist aktuell nicht möglich.