Berichte

Botanische Exkursion in die Gardasee-Region/Monte Baldo

Seit 1990 veranstaltet die Landesapothekerkammer Rheinland-Pfalz jedes Jahr eine pharmakobotanische Auslandsexkursion. Die Exkursionen führten in verschiedene Alpenregionen und nach Teneriffa. In diesem Jahr fand die Jubiläumsexkursion in den Bergen um den Gardasee statt. Die Exkursion stand wie in den vergangenen Jahren unter der Leitung von Dr. Erika Gotthold aus Ludwigshafen.

Geologie, Klima, Vegetation

Der Gardasee liegt in einem tektonisch vorgebildeten Becken am Rand der Südalpen. Im Norden ragt er fjordartig in die südlichen Kalkalpen hinein, und im Süden weitet er sich zu einem weniger tiefen Becken, das in die Poebene hineinragt. Der Gardasee ist mit einer Länge von 51,6 km und einer Breite von 4 km im Norden und 17,2 km im Süden der größte See Italiens. Er liegt in seiner gesamten Länge zwischen zwei Gebirgszügen. Im Osten des Sees erstreckt sich das Monte-Baldo-Massiv mit der höchsten Erhebung der Cima Valdritta (2220 m); hier überwiegen Jura- und Kreidekalke, im östlichen Teil zum Etschtal hin kommen noch tertiäre Kalke, Dolomit, Breccien und Basalttuffe hinzu. Westlich des Sees, in den Judikarischen Alpen, zieht sich der Gebirgszug Tremalzo-Caplone-Pizzocolo (Brescianer Berge) entlang mit der höchsten Erhebung des Monte Tremalzo (1975 m); hier herrschen Dolomit der oberen Trias sowie Jura- und Kreidekalke vor.

Der Gardasee ist geprägt durch ein mildes, warm-trockenes Klima, da die große Wassermasse des Sees als Wärmespeicher wirkt, während die Berge vor den kalten Nordwinden schützen.

Hier treffen wir auf kleinem Raum alle Vegetationsstufen an, von mediterraner bis zur alpinen Flora. Da die Gipfelregion des Monte Baldo und der Judikarischen Alpen während der letzten Eiszeit nicht vergletschert waren, konnten hier viele Pflanzen der Tertiärflora der Alpen überleben, wodurch wir hier viele Reliktendemiten finden (z.B. Kerners Schmuckblume und Monte Baldo Segge). An den Ufern des Gardasees gedeiht eine üppige Mittelmeerflora: Ölbäume, Lorbeer, Feigen, Magnolien, Zypressen, Steineichen u.a.

Monte Brione, der Aussichtsberg am Nordufer des Gardasees

Zwischen Riva und Torbole erhebt sich der Monte Brione (376 m) wie eine Festung aus der Ebene des Sarcatals. Von Riva aus führt ein gut gesicherter Steig an der steilen Abbruchkante des Monte Brione entlang. Vom Weg aus hat man immer wieder einen wunderbaren Ausblick auf das Sarcatal und auf Torbole. An den steilen Felswänden wachsen verschiedene Ginsterarten wie Kugelginster (Genista radiata), Behaarter Ginster (Cytisus hirsuta), Pfriemenginster (Spartium junceum) und trockenheitsliebende Pflanzen wie Steinbrech-Felsennelke (Petrorhagia saxifraga), Stahlblauer Mannsschild (Eryngium amethystinum), Feldbeifuß (Artemisia campestris), Echtes Federgras (Stipa pennata) und Öhrchen-Leimkraut (Silene otites).

Wir lernten hier die Flora des submediterranen Buschwaldes kennen: Steineiche (Quercus ilex), Flaumeiche (Quercus pubescens), Manna-Esche (Fraxinus ornus), Hopfenbuche (Ostrya carpinifolia), Zürgelbaum (Celtis australis), Blasenstrauch (Colutea arborescens), Perückenstrauch (Cotinus coggygria) und Steinweichsel (Prunus mahaleb).

Von Limone in das Val Signol

Limone liegt auf eine Schwemmkegel am Westufer des Gardasees und ist von steil aufragenden Bergen umgeben. Bei der Anfahrt mit dem Schiff nach Limone fällt der Blick auf die heute leerstehenden Limonaien des Ortes; in diesen Freiluftgewächshäusern wurden früher Zitronen angebaut. Da die Zitronen schon bei etwa zwei Grad minus erfrieren, wurden die Limonaien im Winter in geschlossene Gewächshäuser verwandelt.

Von Limone aus wanderten wir durch die landschaftlich reizvolle Val Signol bis zum Talschluss. Bei den letzten Häusern von Limone fanden wir an einer Trockenmauer Kapernsträucher (Capparis spinosa) mit ihren auffallenden großen weißen Blüten. Die Blütenknospen werden gesammelt, getrocknet und dann in Essigwasser, Salzwasser oder Öl eingelegt.

Aufgrund ihres Gehaltes an Senfölen finden die Kapern als Gewürz Verwendung. Die an den Blütenknospen erkennbaren weißen Rutinkristalle stehen für die Echtheit der Kapern. Auf unserem Weg fanden wir noch die Japanische Wollmispel (Eriobotrya japonica), Götterbaum (Ailanthus altissima), Südliche Feuerlilie (Lilium bulbiferum ssp. croceum), Montpellier-Nelke (Dianthus monspessulanus), Steinbrech-Felsennelke (Petrorhagia saxifraga), Schwarzwerdenden Geißklee (Cytisus nigricans), Deutschen Backenklee (Dorycnium germanicum ).

Am Talende entdeckten wir im Wald eine größere Menge schon blühender Alpenveilchen (Cyclamen purpurascens). Wir wanderten auf dem gleichen Weg wieder hinunter nach Limone. Unterwegs gibt es schöne Aussichtspunkte hinab auf den See und Limone.

Vom Bergdorf Pregasina zum Aussichtspunkt Punta Larici

Pregasina, ein kleines von Olivenhainen umgebenes Bergdorf auf ca. 530m Höhe, war unser Ausgangspunkt für eine Tour auf der Westseite des Gardasees. Der Ort ist heute gut durch einen Tunnel von der Ponaleschlucht aus erreichbar; die ehemalige gefährliche schmale und kurvenreiche Ponalestraße ist heute für den Kfz-Verkehr gesperrt. In Pregasina ist die 1663 erbaute Kirche des hl. Georg, der auf dem Altarbild den Drachen tötet, sehenswert.

Im Ort betrachteten wir einen stattlichen Judasbaum (Cercis siliquastrum), der zu der Familie der Caesalpiniaceae gehört. Die Blätter erscheinen in der Regel erst nach den Blüten, welche direkt am Stamm sitzen (Cauliflorie). Ursprünglich ist der Judasbaum in Südwestasien und im östlichen Mittelmeergebiet beheimatet.

Wir wanderten in südlicher Richtung leicht bergauf und hatten dabei immer wieder einen wunderbaren Blick auf den Gardasee. Wir fanden die Rote Spornblume (Centranthus ruber), Schmalblättrigen Lein (Linum tenuifolium), Südliche Skabiose (Scabiosa triandra), Echten Wermut (Artemisia absinthium), Deutschen Backenklee (Dorycnium germanicum), Walliser Levkoje (Matthiola vallesiaca) u.v.a.m. An der Weggabelung hielten wir uns nach links in die Val Palaer und wanderten auf einem Forstweg durch Buchenwald bergauf. Wir bestimmten die Wald-Engelwurz (Angelica sylvestris), Berg-Haarstrang (Peucedanum oreoselinum) und das seltene Steinbrech-Leimkraut (Silene saxifraga).

Im lichten Wald fanden wir die Blätter des Leberblümchens (Hepatica nobilis), das schon früh im Jahr blüht, und auch die Blätter des Alpenveilchens (Cyclamen purpurascens), das vereinzelt schon aufgeblüht war. Des Weiteren fanden wir einige Orchideen wie Breitblättrige Stendelwurz (Epipactis helleborine), Zweiblättrige Waldhyazinthe (Platanthera bifolia), Großes Zweiblatt (Listera ovata) und die Vogelnestwurz (Neottia nidus-avis). An der Bocca di Larici verließen wir den Forstweg und stiegen zum Aussichtspunkt Punta di Larici (ca. 950 m) auf. Von hier oben hat man einen Panoramablick auf den Gardasee, Limone, Torbole und den Monte Brione. Hier bestimmten wir noch die Schopfige Kreuzblume (Polygala comosa), den Echten Gamander (Teucrium chamaedrys), die Schmalblättrige Glockenblume (Campanula linifolia) und die Monte Baldo Segge (Carex baldensis), ein Relikt aus der Tertiärzeit.

Auf dem gleichen Weg wanderten wir nach kurzer Rast wieder zurück nach Pregasina. Dabei fanden wir noch die Süße Bärenschote (Astragalus glycyphyllos), Alpen-Goldregen (Laburnum alpinum), Türkenbundlilie (Lilium martagon), Blasenstrauch (Colutea arborescens) und Trionfettis Flockenblume (Centaurea triumfettii). Kurz vor Erreichen des Ortes entdeckten wir noch den seltenen Violetten Dingel (Limodorum abortivum).

Ampola-Schlucht und Monte Tremalzo

Auf dem Weg ins Monte-Tremalzo-Gebiet fuhren wir mit dem Bus am schön gelegenen Ledrosee vorbei in die Ampola-Schlucht, wo es seltene Endemiten zu bewundern gibt.

In der Ampola-Schlucht findet man eine ganz seltene Pflanze: den Spinnweb-Steinbrech (Saxifraga arachnoidea). Er ist ein Endemit der Judikarischen Alpen zwischen Gardasee und Idrosee und ein Relikt der subtropischen Tertiärvegetation der Alpen. Die Standorte des Spinnweb-Steinbrechs liegen alle außerhalb der eiszeitlichen Vergletscherungsgebiete. Er wächst unter Felsvorsprüngen an bodentrockenen, vor Regen geschützten, aber sehr luftfeuchten Standorten. Die Stängel und Blätter sind mit sehr langen klebrigen Drüsenhaaren spinnwebartig überzogen (Name!) und spielen eine sehr wichtige Rolle für den Wasserhaushalt der Pflanze. An den steilen Kalkfelswänden der Schlucht fanden wir auch die nur in den südöstlichen Alpen vorkommende Schopfige Teufelskralle (Physoplexis comosa), auch ein Relikt aus der Tertiärzeit. Auch entdeckten wir noch die seltene Einsels Akelei (Aquilegia einseleana), die nur in den Ostalpen vorkommt, und die Berg-Kratzdistel (Cirsium montanum), einen Endemiten der südlichen Kalkalpen.

Nach diesem botanischen Höhepunkt unserer Exkursion ging es weiter ins Blumenparadies des Monte Tremalzo. Wir wanderten vom Rifugio Garda (1708 m) aus auf einer alten Militärstraße an der Südflanke des Monte Tremalzo (1974 m) entlang. Das Gebiet zwischen Monte Tremalzo und Cima Tombea war während der eiszeitlichen Vergletscherung eisfrei, sodass hier viele Reliktendemiten zu finden sind wie Dubys Veilchen (Viola dubyana) und das Felsen-Steinröschen (Daphne petraea), das wir leider nicht gefunden haben. Der Bereich zwischen Monte Tremalzo und Cima Tombea wurde 1971 von der "Societą botanica italiana" zu einem der erhaltenswerten Biotope Italiens erklärt und ist seit 1994 Bestandteil des Nationalparks "Parco Regionale dell'Alto Garda Bresciano".

Auf den Almwiesen unterhalb des Weges sahen wir Wiesen mit riesigen Beständen an Trollblumen (Trollius europaeus) und Gelbem Enzian (Gentiana lutea). Entlang des Weges sahen wir u.a. Herzblättrige Kugelblume (Globularia cordifolia), Baldo-Wundklee (Anthyllis baldensis), Zwerg-Kreuzdorn (Rhamnus pumila), Französischen Tragant (Astragalus monspessulanus), Südliches Lungenkraut (Pulmonaria australis) und Dubys Veilchen (Viola dubyana).

Wir wanderten auf der Militärstraße bis zu einem Tunnel (1863 m); das Gelände wurde steiniger, und wir fanden an den Felsen das Blaue Mänderle (Paederota bonarota), auch Dolomiten-Ehrenpreis genannt). Er kommt in den südlichen Kalkalpen zwischen Bergamasker Alpen und Judikarischen Alpen und an wenigen Stellen in den nördlichen Kalkalpen bei Salzburg vor. Wir fanden noch Alpen-Gemskresse (Hutchinsia alpina), Alpen-Gänsekresse (Arabis alpina), Gift-Hahnenfuß (Ranunculus thora), Silberwurz (Dryas octopetala), Alpen-Fettkraut (Pinguicula alpina), Blaugrünen Steinbrech (Saxifraga caesia) und Zweiblatt-Hahnenfuß (Ranunculus biloba), einen Endemiten der Südalpen zwischen Bergamasker Alpen und Judikarischen Alpen.

Val di Gresta

Nördlich des Monte Baldo zweigt von der Straße Rovereto-Gardasee eine kleine Straße nach Norden in die idyllische Val di Gresta ab. Die Landschaft wurde hier schon früh von den Menschen geprägt; bereits im Mittelalter wurden an den Hängen Terrassenfelder für den Ackerbau angelegt.

Wir botanisierten auf den Wiesen bei Pannone und fanden u.a. Großblütige Bergminze (Calamintha grandiflora), Mittleres Leinblatt (Thesium linophyllum), Schopfige Traubenhyazinthe (Muscari comosum), Braunen Storchschnabel (Geranium phaeum), Immenblatt (Melittis melissophyllum), Blauen Lattich (Lactuca perennis), Borstige Glockenblume (Campanula cervicaria), Astlose Graslilie (Anthericum liliago) und Wermut (Artemisia absinthium). Auch fanden wir in den Wiesen die Südliche Feuerlilie (Lilium bulbiferum ssp. croceum) und an der Burgruine Dreizähniges Knabenkraut (Orchis tridentata) und Apennin-Sonnenröschen (Helianthemum apenninum).

Die Terrassenfelder in der Val di Gresta werden oftmals nicht mehr bewirtschaftet. Hier fanden wir an den Natursteinmauern verschiedene Farne wie Schriftfarn (Ceterach officinarum), Braunen Streifenfarn (Asplenium trichomanes), Mauerraute (Asplenium ruta-muraria), des Weiteren Dickblattgewächse wie Dickblatt-Fetthenne (Sedum dasyphyllum) und Schotts Hauswurz (Sempervivum schottii). Auch fanden wir hier noch viele südliche Gehölze wie die Manna-Esche (Fraxinus ornus), Flaumeiche (Quercus pubescens) und Hopfenbuche (Ostrya carpinifolia).

Von Pannone fuhren wir weiter zum Bordala-Pass. Während der Fahrt bewunderten wir immer wieder Wiesen mit üppig blühendem Weißem Affodil (Asphodelus albus), dessen Verbreitungsgebiet die Südalpen und der Mittelmeerraum sind.

Auf einem Rundweg am Fuße des Monte Stivo botanisierten wir in lichtem Buchen- und Kiefernwald. Hier fanden wir einige Orchideen: Weißes Waldvögelein (Cephalanthera damasonium), Vogelnestwurz (Neottia nidus-avis), Großes Zweiblatt (Listera ovata), Geflecktes Knabenkraut (Dactylorhiza maculata) und Zweiblättrige Waldhyazinthe (Platanthera bifolia). Wir entdeckten noch Türkenbund (Lilium martagon), Christrose (Helleborus niger), Steinbeere (Rubus saxatilis), die seltene Aremonie (Aremonia agrimonoides), Wald-Engelwurz (Angelica sylvestris) und Dreiblättriges Windröschen (Anemone trifolia), das weiße Staubblätter besitzt. Auch fanden wir noch die Blätter vom Leberblümchen (Hepatica nobilis) und Alpenveilchen (Cyclamen purpurascens). Auf den Lichtungen blühten noch häufig Pfingstrosen (Paeonia officinalis).

Monte Altissimo di Nago

Der Monte Altissimo di Nago (2079 m) ist der höchste Gipfel des in der Provinz Trient gelegenen Teils des Monte Baldo. Der höchste Punkt des Bergmassivs ist die weiter südlich in der Provinz Verona gelegene Cima Valdritta (2218 m).

Der Ausgangspunkt unserer Wanderung war die Bocca di Navene (1425 m), der tiefste Einschnitt in der Monte-Baldo-Kette. Wir wanderten ein kurzes Wegstück durch Buchenwald; dort fanden wir u.a. Waldbingelkraut (Mercurialis perennis), Buchsblättrige Kreuzblume (Polygala chamaebuxus) und Mehlbeere (Sorbus aria). Oberhalb des Buchenwaldes ist an den warmen Osthängen des Monte Baldo die Krummholzzone häufig durch Kugelginster-Affodil-Fluren ersetzt. Wir fanden hier die Pfingstrose (Paeonia officinalis), Akeleiblättrige Wiesenraute (Thalictrum aquilegifolium), Behaarten Ginster (Chamaecytisus hirsuta) und Trionfettis Flockenblume (Centaurea triumfettii).

Weiter ging es durch üppig blühende Rasen mit Goldschwingel (Festuca paniculata), der an den überhängenden dicken braunen Blütenrispen zu erkennen ist. Hier war der Weg gesäumt mit Kugelorchis (Traunsteinera globosa), Knolligem Läusekraut (Pedicularis tuberosa), Alpenaster (Aster alpinus), Gaudins Kreuzkraut (Senecio gaudinii) und vielen anderen Pflanzen. Bald darauf erreichten wir die Gratkante und genossen die überwältigende Aussicht auf den Gardasee. Dem windigen, felsigen Standort haben sich einige Pflanzen durch ihren niedrigen, an den Fels anliegenden Wuchs angepasst, so z. B. die Silberwurz (Dryas octopetala) und die Herzblättrige Kugelblume (Globularia cordifolia). Am Grat und im Gipfelbereich des Monte Altissimo ist man im Bereich der alpinen Rasen. In diesen blumenübersäten Wiesen fanden wir u.a. Alpensonnenröschen (Helianthemum alpinum), Südliches Lungenkraut (Pulmonaria australis), Gestreiften Seidelbast (Daphne striata), Gaudins Kreuzkraut (Senecio gaudinii), Frühlingsenzian (Gentiana verna), Brillenschötchen (Biscutella laevigata), Alpen-Steinquendel (Calamintha alpina), Quirlblättriges Läusekraut (Pedicularis verticillata), Wildes Stiefmütterchen (Viola tricolor ssp. subalpina) und Monte Baldo Wundklee (Anthyllis baldensis). Aus einem Kalkfelsen kurz vor dem Gipfel ragten Zerbrechlicher Blasenfarn (Cystopteris fragilis), Gift-Hahnenfuß (Ranunculus thora) und Starrer Wurmfarn (Dryopteris villarii) heraus, hierzu gesellte sich noch Gezähnter Moosfarn (Selaginella selaginoides).

Am Gipfel des Monte Altissimo machten wir eine kurze Rast und botanisierten anschließend auf den Wiesen in der Umgebung der Hütte. Hier fanden wir die Monte Baldo Anemone (Anemone baldensis), Silberwurz (Dryas octopetala), Alpen-Hahnenfuß (Ranunculus alpestris), Clusius Enzian (Gentiana clusii), Gemeines Fettkraut (Pinguicula vulgaris), Zweihäusiges Katzenpfötchen (Antennaria dioica) und Drachenmaul (Horminum pyrenaicum).

Für den Abstieg wählten wir nicht den steilen direkten Weg zum Rifugio Graziani, sondern wir stiegen über die Nordostflanke ab zum Hotel San Giacomo an der Graziani-Straße. Dabei durchstreiften wir Wiesen mit riesigen Beständen an Gelbem Enzian (Gentiana lutea), die im Gegenlicht der tieferstehenden Sonne ein stimmungsvolles Bild ergaben. Wir fanden u. a. Holunderknabenkraut (Dactylorhiza sambucina), Männliches Knabenkraut (Orchis mascula), Berg-Nelkenwurz (Geum montanum), Schopfige Kreuzblume (Polygala comosa), Großen Ehrenpreis (Veronica teucrium). In einem kleinen Wald fanden wir den Nesselkönig (Lamium orvala).

Naturschutzgebiet Bes-Corna Piana

Im nördlichen Monte-Baldo-Gebiet liegt das Naturschutzgebiet (NSG) Bes-Corna Piana mit seinen blumenreichen Wiesenplateaus. Hier findet man fast alle Pflanzen des Monte Baldo. An der Gründung des NSG ist der Apotheker Luigi Ottaviani aus Brentonico maßgeblich beteiligt gewesen. Er schlug schon in den Sechzigerjahren vor, dieses Gebiet unter Schutz zu stellen; 1970 vermietete die Gemeinde Brentonico die 50 Hektar große Kernzone des heutigen Naturschutzgebietes an die Region Trentino-Südtirol, und schon 1972 wurde das Gebiet zum Naturschutzgebiet Corna Piana erklärt. Ein Jahr später wurde auch das Gebiet von Bes (ca. 150 ha) unter Schutz gestellt, das den äußeren Bereich des Naturschutzgebietes Bes-Corna Piana darstellt.

Das gesamte Gebiet liegt auf einer Höhe zwischen 1276 und 1735 Metern und lag während der Eiszeit außerhalb der Vergletscherung. Daraus erklärt sich, dass hier voreiszeitliche Pflanzen vorkommen (z. B. Schopfige Teufelskralle). Im Naturschutzgebiet kommen hauptsächlich montane und subalpine Vegetationszonen vor; in den niedriger gelegenen Gebieten findet man Buchenwälder, auf dem Hochplateau subalpine Rasengesellschaften und an den Felsabbrüchen typische Pflanzen der Felsvegetation.

Unsere Tour begann bei der Ortschaft San Valentino. Wir folgten dem Schild "Sentiero delle Vipere" (Vipernsteig) hinauf in einen schönen Buchenwald. Hier entdeckten wir u.a. Weißes Waldvögelein (Cephalanthera damasonium), Schwertblättriges Waldvögelein (Cephalanthera longifolia), Zweiblättrige Waldhyazinthe (Platanthera bifolia), Immenblatt (Melittis melissophyllum), Mandelblättrige Wolfsmilch (Euphorbia amygdaloides), Turm-Gänsekresse (Arabis turrita), einen Vertreter der mediterranen Flora, und Gaudins Kreuzkraut (Senecio gaudinii). Wir fanden auch noch die Früchte vom Märzenbecher (Leucojum vernum), der im Frühjahr in großen Mengen hier blüht. Wir verließen den Wald, und der Weg führte nun auf einem schmalen Steig an steil abfallenden Felsen entlang hinauf zur Hochfläche von Bes. Vom Weg aus hat man eine schöne Aussicht auf die Hochfläche von Brentonico.

An den Felswänden kommt eine für steile Südhänge typische Pflanzengesellschaft vor: die Bergschwingelhalde (Laserpitio-Festucetum alpestris). Die namengebende Pflanze ist der Bergschwingel (Festuca alpestris), der dichte Horste bildet, die schon von weitem an der blaugrünen Farbe zu erkennen sind. Typische Vertreter dieses Rasens sind das Berglaserkraut (Laserpitium siler), Klebriger Lein (Linum viscosum), Kugelginster (Genista radiata), Weidenblättriges Ochsenauge (Buphthalmum salicifolium) und Fuchsschwanz-Ziest (Stachys alopecuros). Auch entdeckten wir hier am Steilhang die Südliche Feuerlilie (Lilium bulbiferum ssp. croceum) und an felsigen Stellen den Traubensteinbrech (Saxifraga paniculata).

Die Hochfläche von Bes ist ein wahres Pflanzenparadies und beherbergt einige uralte knorrige Buchen. Wiesen voll mit Gelbem Enzian, Weißem Germer und Trollblumen - soweit das Auge reicht. Zubereitungen aus der Enzianwurzel werden zur Appetitanregung und gegen Magenbeschwerden durch mangelnde Magensaftbildung angewendet. Radix Gentianae enthält Bitterstoffe, vorwiegend Gentiopikrin und Amarogentin, das den höchst bekannten Bitterwert (58000000) einheimischer Pflanzen aufweist. In den Wiesen fanden wir Rundköpfige Teufelskralle (Phyteuma orbiculare), Gaudins Kreuzkraut (Senecio gaudinii), Brillenschötchen (Biscutella laevigata), Gemeines Sonnenröschen (Helianthemum nummularium), Kugelorchis (Traunsteinera globosa), Mückenhandwurz (Gymnadenia conopsea), Männliches Knabenkraut (Orchis mascula), um nur einige der vielen Pflanzen zu nennen.

In der Umgebung der Almhütte Malga Bes fanden wir auf nährstoffreichen Böden u. a. Guten Heinrich (Chenopodium bonus-henricus), Trollblume (Trollius europaeus) und Große Brennnessel (Urtica dioica). Von der Alm aus stiegen wir über Wiesen hinauf zur Corna Piana. Wir betrachteten hier u. a. Trionfettis Flockenblume (Centaurea triumfettii), Alpenaster (Aster alpinus), Grüne Hohlzunge (Coeloglossum viride), Arnika (Arnica montana), Behaarten Thymian (Thymus polytrichus), Schwarzes Kohlröschen (Nigritella nigra) und das Holunderknabenkraut (Dactylorhiza sambucina), das in den Farbvariationen gelb und rot auftreten kann.

Am Gipfel der Corna Piana stößt man auf verfallene Artilleriestellungen und Schützengräben aus dem Ersten Weltkrieg; von hier blickt man weit hinaus ins Etschtal, über die Hochfläche von Brentonico und hinüber zum Monte Altissimo. Der Weg führte uns nun abwärts durch Legföhren- und Alpenrosengebüsch. Hier kommen die subalpinen Zwergsträucher in einer tiefer gelegenen Zone wie üblich vor, denn sie besiedeln heute ein ehemals durch Waldrodung entstandenes Weideland. Weiter führt der Weg über Borstgrasrasen (Nardetum) mit seinen typischen Pflanzen wie Bergnelkenwurz (Geum montanum), Zweihäusiges Katzenpfötchen (Antennaria dioica), Mausohr-Habichtskraut (Hieracium pilosella) und Vielblütiger Hainsimse (Luzula multiflora). Das letzte Wegstück zum Rifugio Graziani an der Bocca del Creer verläuft an steilen Felswänden aus fossilienreichem Nummulitenkalk entlang.

Hier fanden wir Zwergkreuzdorn (Rhamnus pumilus), Trauben-Steinbrech (Saxifraga paniculata) und Zerbrechlichen Blasenfarn (Cystopteris fragilis). Wir entdeckten noch das Blaue Mänderle (Paederota bonarota); man findet es an Kalkfelsen zwischen 1000 und 1500 Metern Höhe. Nach kurzer Rast im Rifugio Graziani, wo man als pflanzenbegeisterter Wanderer unbedingt hineingehen sollte, da in der Gaststube wunderbare Fotos von Alpenblumen zu sehen sind, wanderten wir an der Graziani-Straße entlang zurück nach San Valentino. Dabei entdeckten wir noch die Wollige Königskerze (Verbascum lanatum), Venezianische Platterbse (Lathyrus venetus) und ein prächtiges Exemplar vom Helm-Knabenkraut (Orchis militaris).

Eine Pflanzenliste kann bei der Landesapothekerkammer Rheinland-Pfalz, Am Gautor 15, 55131 Mainz, Telefon 06131/270120, Fax 06131/2701222 angefordert werden.

1 Kommentar

Gardasee Exkursion

von Marcel Weinmann am 24.07.2019 um 8:52 Uhr

Guten Tag,

kommenden August werde ich privat an den Gardasee fahren, um eine Vorexkursion für eine mögliche Schulexkursion vorzunehmen. Wäre es möglich eine genau Exkursion beschreibung und Pflanzenliste von der Botanikexkursion am Gardasee zu bekommen?

Beste Grüße und herzlichen Dank im Voraus

Marcel Weinmann

» Auf diesen Kommentar antworten | 0 Antworten

Das Kommentieren ist aktuell nicht möglich.