BPhD-Kolumne

Nachwuchsförderung für und mit dem Nachwuchs gestalten!

20.06.2022, 10:45 Uhr

Vor knapp einem Jahr wurde das Problem der Nachwuchsförderung durch eine Prognose der ABDA plötzlich ganz zentral und ist seitdem hochbrisant. (Foto: BPhD)

Vor knapp einem Jahr wurde das Problem der Nachwuchsförderung durch eine Prognose der ABDA plötzlich ganz zentral und ist seitdem hochbrisant. (Foto: BPhD)


Die Apothekerschaft hat ein Nachwuchsproblem. 10.000 Fachkräfte werden in absehbarer Zeit fehlen. Nachwuchsförderung heißt das Gebot der Stunde. Auf dem Deutschen Apothekertag wurde beschlossen, dass ein Nachwuchskonzept erarbeitet werden soll. Den Nachwuchs selbst, der damit von der Arbeit in der Offizin überzeugt werden soll, fragt aber offenbar keiner, kritisieren BPhD-Präsident Thorben Kurzbach und der QM-Beauftragte Albert Glaser.

Als Bundesverband vertreten wir die Pharmaziestudierenden in ganz Deutschland – wir sind das Sprachrohr für den pharmazeutischen Nachwuchs. Eine nicht ganz neue Tatsache. In dem Zuge tauschen wir uns regelmäßig mit Kammern, Verbänden und Politiker*innen aus. Eine eloquente Formulierung ist es zu sagen, dass in diesem Austausch der Wille zur Zukunftsorientierung mit der Erfahrung und den Möglichkeiten, die Zukunftsorientierung rechtzeitig anzustoßen einhergeht. Und das ist die Krux bei der Angelegenheit. Zukunft muss in der Gegenwart gestaltet werden. Insbesondere wenn wir an grundlegende Weichenstellungen denken, kommen wir zu dem Schluss, dass oft ohne diejenigen gehandelt wird, die diese am Ende ausbaden müssen – oder genießen dürfen, je nachdem, wohin die Gleise dann führen. Und darin begründet sich schlussendlich auch das Interesse der „Jugend“ mitzumischen.

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Auf Ideensuche gegen Nachwuchsmangel

Es mag ermüdend sein, wenn man in seiner 15-, 20- oder gar 30-jährigen Laufbahn in der Standesvertretung von immer neuen studentischen Vertreter*innen oder jungen Kolleg*innen alle paar Jahre die gleichen Ideen vorgestellt bekommt. Man könnte hier ein Nachhaltigkeitsproblem ausmachen, sich ein dickes Fell zulegen und ausharren. Oder man bemüht einen anderen Gedanken: Uns fehlt es nicht am Wissen über die letzten paar Jahre, meinetwegen Jahrzehnte. Wenn der Nachwuchs immer wieder mit Ideen kommt, zum Beispiel in der Nachwuchsförderung, dann fehlt es vielleicht noch immer an den richtigen Strategien, um die Probleme zu lösen – oder der großangelegten Umsetzung.

Vor knapp einem Jahr wurde das Problem der Nachwuchsförderung durch eine Prognose der ABDA plötzlich ganz zentral und ist seitdem hochbrisant. Apotheker*innen sind nun nicht mehr „nur ein Mangelberuf“. Das Problem hat eine Zahl und diese Zahl lautet 10.000. 10.000 Fachkräfte werden uns in nicht einmal 10 Jahren fehlen. Grund genug, um jetzt alle Geschütze aufzufahren. Lösungen müssen her, und das bitte schnell.

Ideen und Konzepte ohne den Nachwuchs, den man gewinnen möchte

In den politischen Gremien und Vertretersitzungen werden die Ideen und Konzepte geschmiedet, die sich im trickle-down-Prinzip ihren Weg hin zu all den Arbeitsplätzen suchen müssen, wo Apotheker*innen arbeiten. Über zwei, drei, vier Ebenen und oftmals ohne den Nachwuchs, den man gewinnen möchte, kommen Konzepte, die am Ende von allen, denen etwas am Beruf des*der Apothekers*in liegt, vertreten werden müssen. In Schulen, auf Orientierungsmessen oder allein schon durch das positive Vorleben des Berufs.

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Das sind zunächst erst einige Ansätze und in Ihrer Schlichtheit auch noch nicht die Lösung für die 10.000. Und am Ende haben Studierende auch nur eine Idee davon, wie das Leben nach der Approbation tatsächlich aussieht. Aber ganz gewiss haben sie eine ziemlich genaue Vorstellung davon, wie ihr Einstieg in und die Vorbereitung – also die Ausbildung – auf das Leben als Approbierte*r aussieht und besser aussehen könnte, damit noch mehr junge Menschen den Weg in ein Berufsfeld wählen, das mehr ist als nur ein Beruf. Sondern eine Berufung. 

Um das zu erreichen, reicht es eben nicht, nur einen Gastvortrag zu halten und Hände zu schütteln, mit den Absolvent*innen des 3. Staatsexamens. Es verlangt bewussten Austausch mit dem Nachwuchs. Also Nachfragen, Zuhören, Sorgen und Probleme ernst nehmen, aktiv die Vernetzung fördern, in persönlichen Kontakt treten. Vorzeigeprojekte sollten keine Vorzeigeprojekte Einzelner bleiben. Sie sollten Anwendung in der Breite finden. Und auch wir haben uns Gedanken gemacht und unterbreiten Vorschläge (zum Beispiel in unseren Positionspapieren). 

Wir sind hier und stehen bereit!

Nachwuchsförderung für und mit denen, die es betrifft. Viel zu oft werden Maßnahmen und Angebote entwickelt, ohne dass Betroffene ausreichend einbezogen werden. Wir sind hier und stehen bereit! Der BPhD, die Fachschaften und sicher auch viele Jungapprobierte. Der Deutsche Apothekertag hat per Antrag angenommen, dass ein Nachwuchskonzept erarbeitet werden soll. Bis jetzt haben wir davon noch nichts mitbekommen. Sicher wird daran gearbeitet. Aber erinnern Sie sich an die Gleise: Wohin soll der Zug fahren? Die gleiche Runde, die er die letzten Jahre gefahren ist, sollte es bitte nicht sein. Die wird unser Problem nicht lösen. Ja unseres! Schlussendlich sitzen wir alle im selben Zug. Also, lassen Sie uns gemeinsam an einer Lösung arbeiten! Legen wir eine Schippe drauf und machen Dampf.


Albert Glaser, Beauftragter für Qualitätsmanagement beim Bundesverband der Pharmaziestudierenden in Deutschland
redaktion@daz.online


Thorben Kurzbach, BPhD-Präsident
redaktion@daz.online


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2 Kommentare

Apotheker:innen Zukunft

von Klaus Mellis am 20.06.2022 um 19:22 Uhr

Apotheker*innen:innen fallen nicht vom Himmel, sie werden von den Universitäten gemacht und geprägt. Da kann es niemanden wundern, wenn am Ende 'nur' viele Doktoranden mit wenig Drang in die öffentliche Apotheke hervorgebracht werden - denn am Ende benötigt jede Uni auch Fachkräfte für den Lehr- und Forschungsbetrieb.
Vllt. ist es ja wie beim Bock, der zum Gärtner gemacht wurde...
Ich will hier aber keine philosophische Diskussion beginnen, sondern darauf hinweisen, dass nur attraktive Arbeitsplätze zu attraktiven Konditionen den Run auf die Apotheken vor Ort auslösen könn(t)en. Leistung muss sich wieder lohnen - nur mit anderen Anreizen als vor 40 Jahren.
Das sollte sich in der ApoBO wiederfinden lassen - und nicht starre Öffnungszeiten, überalterte Laborpflichten und die Produktion von Daten für den Datenfriedhof (Securpharm). Menschliche Interaktion, Empathie sind das Plus der Vor-Ort-Apotheke. Wo kommen diese in unseren Studienordnungen vor?

Wichtig ist auch eine adäquate und angemesene Vorbereitung in den begleitenden Unterrichtsveranstaltungen vor dem 3. Examen - Werbeveranstaltungen für Banken und Versicherungen oder Steuerberaterkanzleien sollten zugunsten von pharm. Betreuungsthemen geopfert werden.

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Nachwuchsförderung- aber wie?

von Dr. Jochen Pfeifer am 20.06.2022 um 13:57 Uhr

Unsere jungen Kollegen vom BPhD haben ihren sehr guten Artikel sehr diplomatisch geschrieben- ich möchte es mal etwas weniger diplomatisch ausdrücken:

1. Die öffentlichen Apotheker*innen in den USA, Großbritannien, Australien oder Neuseeland zeigen uns hier in Deutschland, warum junge Kolleg*innen in die öffentliche Apotheke gehen sollten. Wann gibt es denn endlich supplementary prescribing etc auch in Deutschland? Der Medikationsplan 2b, den wir jetzt alle hochjubeln, reicht hierfür nicht.

2. Von meinen 10 Pharmazeut*innen im Praktikum in den letzten Jahren haben etwa 90% promoviert oder promovieren noch. Die meisten sehen ihre Karrierechancen nicht in der öffentlichen Apotheke, warum wohl?

3. Ich sage es jetzt einmal ganz direkt: wenn die Verantwortlichen nicht ganz schnell ihre Arroganz unseren jungen Kolleg*innen gegenüber ablegen, werden wir hier keine Lösung finden. Es geht einfach nicht mehr weiter mit "the same procedure as every year". Aber ganz ehrlich: ich glaube nicht, dass sich unsere "Standesfürsten" ändern werden. Diese Arroganz gab es früher schon und leider heute immer noch.

4. Unsere jungen Kolleg*innen haben alle Zeit der Welt. Wenn sich die "Standesfürsten" nicht bewegen, braucht der Nachwuchs ja nicht in die öffentliche Apotheke. Sie werden woanders mit offenen Armen empfangen.

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