Landtagswahl in Sachsen-Anhalt

Wie stehen die Parteien in Sachsen-Anhalt zur Apotheke?

Berlin - 04.06.2021, 15:30 Uhr

Katja Pähle ist Spitzenkandidatin der SPD in Sachsen-Anhalt. (Foto: Jens Schlueter) 

Katja Pähle ist Spitzenkandidatin der SPD in Sachsen-Anhalt. (Foto: Jens Schlueter) 


SPD: Apotheke vor Ort ist mehr als reine Ausgabestelle

Welche Rolle spielen Apotheken aus Sicht Ihrer Partei in Sachsen-Anhalt? Und speziell: vor dem Hintergrund der Pandemie?

SPD: Gesundheit ist unser höchstes Gut. Während der Corona-Krise haben wir noch einmal deutlich vor Augen geführt bekommen, wie wichtig ein gut funktionierendes und bestmöglich ausgestattetes Gesundheitssystem ist. Gerade die Apotheken spielen für die wohnortnahe Arzneimittelversorgung und vor allem qualitativ hochwertige Beratung der Patient:innen eine zentrale Rolle. Wir möchten uns im Namen der SPD für die Arbeit der Apotheker:innen in der Krise bedanken.

Im Wahlprogramm der SPD Sachsen-Anhalt ist im Kapitel Gesundheit und Pflege zu lesen: „Die Kompetenz der Apotheker:innen sowie der Zahnärzt:innen muss in die Versorgungsstrukturen effizient eingebunden werden“. Können Sie das genauer erläutern? Was könnten die Apotheken noch leisten?

In Zukunft wird es im Gesundheitsbereich insbesondere im ländlichen Raum darauf ankommen, dass stärker sektorenübergreifend zusammengearbeitet wird. Wir stehen der Übertragung ärztlicher Leistungen positiv gegenüber. Voraussetzung dafür ist die Gewährleistung einer qualitativ hochwertigen Versorgung. Modellprojekte zum Impfen in Apotheken wie in Niedersachsen zeigen, dass die neuen Angebote auf ein großes Interesse in der Bevölkerung stoßen. Auch die Delegation von ärztlichen Leistungen muss vor dem Hintergrund von ärztlichen Fachkräfteengpässen im ländlichen Raum eine größere Rolle in der Praxis spielen (beispielsweise Gemeindeschwester). Die Digitalisierung wird die Kommunikations- und auch die Versorgungsstrukturen verändern und zu innovativen Lösungen führen (bspw. digitale Rezepte oder auch Telemedizin). Wir wollen innovativ vorangehen und neue Wege gehen.

Sehen Sie den Arzneimittelversandhandel als Lösung, wenn Versorgungsstrukturen vor Ort schwinden?

Ja und nein. Versandapotheken können eine sinnvolle Ergänzung für die Versorgung mit regelmäßigen benötigten Medikamenten sein. Wir schätzen aber die sachkundige und qualitativ hochwertige Beratung sowie zuverlässige Versorgung der Apotheken vor Ort, da sie mehr sind als reine Ausgabestellen.

Haben Sie noch eine weitere Botschaft an die Apotheken?

Im 19. und 20. Jahrhundert hatte Deutschland den Ruf, die „Apotheke der Welt“ zu sein, da hier in hohem Maß Arzneimittel entwickelt und produziert wurden. Aber aktuell hat sich fast die komplette Arzneimittelproduktion ins Ausland verlagert, da dort kostengünstiger produziert werden kann. Die Corona-Krise und zeitweise Liefer- und Versorgungsengpässe haben aber deutlich gemacht, dass wieder mehr in Europa produziert werden muss. Einer der Impfstoffe gegen das Corona-Virus wurde in Deutschland von Biontech entwickelt und produziert. Das zeigt, dass gezielte Innovationen und Investitionen erfolgreich sind. Daran wollen wir anknüpfen. Die Entwicklung macht deutlich, dass die Gesundheitswirtschaft kein reiner Markt sein darf und ein aktiver Staat Leben retten kann.



Kirsten Sucker-Sket (ks), Redakteurin Hauptstadtbüro
ksucker@daz.online


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