Landtagswahlen in Bayern

In Bayern kennt man die Sorgen der Apotheken

Berlin - 06.10.2023, 15:29 Uhr

Landtagswahl in Bayern: Wen können Apotheker:innen guten Gewissens wählen? (Foto: imago images / Manngold)

Landtagswahl in Bayern: Wen können Apotheker:innen guten Gewissens wählen? (Foto: imago images / Manngold)


Am kommenden Sonntag wird in Bayern ein neuer Landtag gewählt. Alles deutet darauf hin, dass Ministerpräsident Markus Söder (CSU) die Koalition mit den Freien Wählern fortsetzen kann. Beide Parteien zeigen sich gerne als Freunde der Apotheken. Aber auch die bayerischen Grünen und die SPD halten sie für essenziell für die wohnortnahe Gesundheitsversorgung. Die DAZ hat in die Wahlprogramme geschaut und nachgehakt.

Eine Legislaturperiode lang hat die CSU nun schon mit den Freien Wählern (FW) Bayern regiert. Daran wird sich in den kommenden fünf Jahren voraussichtlich nichts ändern. Die Umfragen im September und Anfang Oktober zeigten ein recht stabiles Bild. Demnach kommt die CSU mit ihrem Spitzenkandidaten, Ministerpräsident Markus Söder, auf 36 Prozent der Stimmen, die FW auf zuletzt 15 Prozent – das ist gegenüber 2018 etwas weniger für die CSU und etwas mehr für die FW. Die Grünen kommen in den Umfragen ebenfalls auf um die 15 Prozent, die AfD auf rund 14 Prozent. Die SPD, die schon 2018 ihr historisch schlechtestes Wahlergebnis eingefahren hatte (9,7 Prozent), liegt jetzt mit prognostizierten 9 Prozent noch ein wenig darunter. Die FDP, die es 2018 mit 5,1 Prozent noch knapp in den Landtag geschafft hatte, wird es den Prognosen nach diesmal nicht schaffen (4 Prozent). Auch den Linken werden keine Chancen eingeräumt, sie kamen zuletzt auf 1 bis 2 Prozent.

Die CSU und Gesundheitsminister Holetschek

Die CSU stellt derzeit mit Klaus Holetschek den Gesundheitsminister – genauer gesagt: den Staatsminister für Gesundheit und Pflege. Er trat das Amt Anfang 2021 als Nachfolger seiner Parteikollegin Melanie Huml an. Und für die Apotheken im Freistaat scheint er seitdem immer ein offenes Ohr zu haben. Beispielsweise setzte er sich Ende vergangenen Jahres sofort mit Vertretern der Standesvertretung an den Tisch, um praktikable Lösungen in der Arzneimittel-Engpass-Krise zu finden – zumal vor den Weihnachtsfeiertagen. Auch wenn Apothekenpolitik Bundesrecht ist, zeigte Holetschek doch immer wieder, dass der Berufsstand auch auf Landesebene ein wichtiger Gesprächspartner ist – und man ihnen den Arbeitsalltag erleichtern kann. 

Auch in ihrem Wahlprogramm der CSU zur diesjährigen Landtagswahl sind die Apotheken immerhin an einer Stelle erwähnt. Im Kapitel zur Gesundheitsversorgung („Wir garantieren die beste Gesundheitsversorgung und Pflege in ganz Bayern“) gibt es auch diesen Absatz:


„Arzneimittelversorgung sicherstellen: Die Situation bei der Arzneimittelversorgung in Deutschland, insbesondere bei den Antibiotika, bereitet große Sorgen. Zu viel Bürokratie, zu komplizierte Vergabeverfahren und ein zu großer Preisdruck machen Deutschland für die Arzneimittelproduktion seit Jahren immer unattraktiver. Wir werden in Bayern alle Möglichkeiten nutzen, die Versorgung zu stabilisieren. Dafür werden wir auch unsere Apotheken stärken. Unser Ziel ist mehr Souveränität und Unabhängigkeit durch eigene Produktion in Bayern.“

Aus dem „Regierungsprogramm der Christlich-Sozialen Union 2023-2028“ 


Auf Nachfrage der DAZ, wie man sich diese Stärkung der Apotheken konkret vorstellen könne, erklärte ein Parteisprecher:

„Wir stehen zu unseren Apothekerinnen und Apothekern, die durch Fachkräftemangel, Lieferengpässe, Bürokratie und eine zum Teil schwierige finanzielle Situation vor großen Herausforderungen stehen. Eine wohnortnahe Arzneimittelversorgung durch die Apotheken ist elementarer Teil der Gesundheitsversorgung: Hier erhalten Bürger ohne Termin unbürokratischen Rat und Unterstützung. Der Bund muss die Versorgung in Stadt und Land gleichermaßen sicherstellen und die Bedingungen für die Apotheken deutlich verbessern. Wir setzen uns für die Streichung der Erhöhung des gesetzlichen Apothekerabschlags ein und wollen eine Erhöhung und Dynamisierung des Festzuschlags gemäß der Arzneimittelpreisverordnung. Darüber hinaus halten wir an unserer Forderung nach einem Versandhandelsverbot für rezeptpflichtige Arzneimittel fest. Der Freistaat finanziert zudem eine Studie zur Optimierung und Weiterentwicklung der Apothekenversorgung.“

In ihrem Programm spricht die CSU auch die Förderung von Ärzten im ländlichen Raum an – und ein Stipendienprogramm. Wir haben nachgehakt: Kann sich die Partei eine entsprechende Förderung auch für Apotheken vorstellen? Dazu stellt der Sprecher zunächst fest, dass der Bedarf an Apothekerinnen und Apothekern tatsächlich wachse – was sich durch die demografische Entwicklung und die älter werdende Bevölkerung noch verstärken werde. Daher müssten dringend bessere Rahmenbedingung geschaffen, die Pharmaziestudienplätze ausgebaut und der Beruf des Pharmazeuten noch attraktiver werden. Zudem weist der Sprecher darauf hin, dass das Bayerische Staatsministerium für Gesundheit den Bayerischen Apothekerverband finanziell bei der Umsetzung einer Kampagne zur Nachwuchsgewinnung unterstütze.

Freie Wähler: Jede Menge Apotheke im Wahlprogramm

Es gibt kein anderes bayerisches Wahlprogramm, in dem die Apotheken so oft erwähnt sind, wie in dem der Freien Wähler. Auch diese Partei, die mit Hubert Aiwanger, dem stellvertretenden Ministerpräsidenten und Wirtschaftsminister Bayerns, als Spitzenkandidat antritt, hält die medizinische Grundversorgung und ihren Erhalt im ländlichen Raum hoch. Sie setzt sich viele Ziele. Unter anderem:

  • Gewinnung von Auszubildenden aus dem europäischen Raum, um den Fachkräftemangel abzumildern
  • Sicherstellung der Versorgung mit Medikamenten und Medizinprodukte
  • Produktion von Arzneimitteln im europäischen, resp. deutschen Raum anstreben
  • Erhalt der Apotheken vor Ort, Onlineversand nur ergänzend und nicht ersetzend 
  • Apothekenversorgung zur Sicherung des Verbraucherschutzes erhalten

Die inhabergeführten Apotheken erhalten als „Garanten der Arzneimittelversorgung“ sogar einen eigenen Absatz im FW-Wahlprogramm.


Apotheken sind wichtige Arzneimittelversorger unseres Landes. Wir FREIE WÄHLER wollen sie erhalten und dafür sorgen, dass die flächendeckende Versorgung für die Bevölkerung gewährleistet bleibt. 
Unsere Ziele, dafür stehen wir:
• Apotheken vor Ort flächendeckend erhalten
• Ausbildungsberufe in Apotheken vor Ort stärken (PTA, PKA)
• Heimische und dezentrale sowie auch europäische Arzneimittelproduktion und Bevorratung stärken
• Wirtschaftlichkeit der Apotheken vor Ort sichern, Schluss mit harten Rabattvorgaben und hohen bürokratischen Hindernissen des Bundes und der Krankenkassen
• Apotheken vor Ort als niederschwellige Anlaufstation für die Versorgung einer alternden Gesellschaft durch Fachkräfte ausbauen

Aus dem Wahlprogramm zur Landtagswahl 2023 der Freien Wähler. 


Nicht zuletzt versprechen die FW auch einen Ausbau der Medizinstudienplätze, um dem zunehmenden Ärztemangel entgegenzuwirken. Und in diesem Zuge ist auch zu lesen: „Wir brauchen ausreichend Studienplätze, auch für Apotheker, und lehnen einen zu strengen Numerus Clausus beim Medizinstudium ab.“

Grüne: Gesundheitszentren auf dem Land

Im Wahlprogramm der bayerischen Grünen – finden Apotheken hingegen nur einmal am Rande Erwähnung:


„Unsere Vision ist eine vernetzte, koordinierte Gesundheitsversorgung, bei der Arztpraxen, Gesundheitsämter, Pflegedienste und Krankenhäuser kooperieren und durch mobile Praxisteams und Apotheken ergänzt werden.“

Aus dem Regierungsprogramm der Grünen zur Landtagswahl 2023 - „Unser schönes Bayern“ 


Hier hakte die DAZ bei der Partei nach, etwas konkreter zu werden. Die Antwort: „Durch mehr Kooperation und Koordinierung verbessern wir die Gesundheitsversorgung für die Menschen und erleichtern die Arbeit für Apotheken. Wir wollen gerade im ländlichen Raum Gesundheitszentren. Diese sorgen nicht nur für eine bessere Versorgung, sondern auch für kürzere Wege, gerade für chronisch kranke Menschen. Hier gibt es alles unter einem Dach: die Hausärztin, den Apotheker und die Therapeutin. Solche Zentren ermöglichen auch attraktivere Arbeitsbedingungen für viele Gesundheitsberufe. Diese Art der Versorgung ist bislang die Ausnahme in unserem Gesundheitswesen. Wir wollen sie zur Regel machen, besonders in strukturschwachen ländlichen Regionen.“

Apotheken als Vertrauensorte

Auf die Frage, welche Rolle die Apotheken für die Grünen generell spielen, sparen auch diese nicht an wohlwollenden Worten: Apotheken seien „elementare Bausteine einer wohnortnahen und bedarfsgerechten Versorgung“, man brauche sie „als Vertrauensorte, als Ansprechpartner für gesundheitliche Fragen vor Ort“ – kurzum: Sie sind „ein wichtiger Teil unserer Gesellschaft“ und „zentral für eine gute Gesundheitsversorgung.“ Dass die Apothekenzahlen in Bayern zurückgehen, ist auch den Grünen bewusst. Ein Grund dafür sei der Nachwuchs- und Fachkräftemangel – und hier will die Partei „ansetzen, indem wir Angebote zur Berufsorientierung und Praxistage an Schulen weiterentwickeln und Rahmenlehrpläne bzw. Ausbildungsordnungen der jeweiligen Berufe modernisieren“. Auch mit mehr Pharmaziestudienplätzen könne man „einen wichtigen Schritt machen, um dem Fachkräftemangel zu begegnen“. Die Grünen wollen prüfen, ob neue Studienstandorte an bestehenden Universitäten eingerichtet werden können. 

Und wie stehen die bayerischen Grünen zu den Honorarforderungen der Apotheken? Hier lautet die Antwort: „Auf Bundesebene braucht es eine Neuaufstellung der Apothekenvergütung. Wir setzen uns dafür ein, die Beratung stärker zu vergüten – das stärkt die Landapotheken. Vom bisherigen System profitieren die Apotheken, die viele Hochpreismedikamente abgeben.“

SPD: Ungleichgewichte zwischen Versandhandel und Präsenzapotheken ausgleichen

Im Programm der SPD Bayern zur Landtagswahl finden Apotheken keine Erwähnung. Es gibt aber beispielsweise die Aussage, man werde „Anreize zur Niederlassung von Ärzten und Ärztinnen in ländlichen und benachteiligten Regionen, auch durch die Förderung neuer Formen der Kooperation, schaffen. Analog investieren wir auch in die Ausbildung in den Pflegeberufen und den anderen Gesundheitsberufen“.

Wie sieht es also mit Förderprogrammen für Apotheken aus? Dazu erklärt ein Sprecher: Wir als Bayern-SPD wollen die Apotheken fördern. Gerade in der Corona-Pandemie hat sich gezeigt, wie wichtig unsere Apotheken für die Versorgung der Bürgerinnen und Bürger sind. Es muss sichergestellt werden, dass Apotheken auch in Zukunft überall zeitnah zu Fuß oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar sind. Gerade dort, wo es besonders schwierig ist, müssen Apotheken vor Ort erhalten bleiben. Auch mögliche Ungleichgewichte zwischen Versandhandel und Präsenzapotheken müssen ausgeglichen werden.

Wir wollten zudem wissen, ob die SPD die Honorarforderungen der Apotheken unterstützten. Dazu verweisen die Sozialdemokraten auf den Koalitionsvertrag der Bundesregierung, der ein zweites Vor-Ort-Apotheken- Stärkungsgesetz vorsehe. „Die Höhe der Fixhonorare muss Teil einer zukunftsfähigen und zuverlässigen Gesamtkonzeption sein. Wir als Bayern-SPD werden unseren Beitrag leisten, damit die flächendeckende Versorgung durch Vor-Ort-Apotheken in Bayern auch in Zukunft gewährleistet ist.“

Ganz generell zeigen auch die bayerischen Sozialdemokraten Anerkennung und Verständnis für die Apotheken. Sie seien ein wichtiger Teil der Gesundheitsversorgung und der öffentlichen Daseinsvorsorge. „Wir versuchen, sie daher bestmöglich zu unterstützen.“ Einsetzen wolle man sich etwa für bessere Rahmenbedingungen des Pharmaziestudiums, eine Ausbildungsvergütung für PTA und eine Steigerung der Attraktivität der pharmazeutischen Berufe.

AfD schweigt zu Apotheken

Im Wahlprogramm der AfD Bayern finden sich keine Aussagen zu Apotheken. Unsere Nachfrage, ob die Partei nicht doch eine Meinung zu Apotheken hat, blieb unbeantwortet. Im Kapitel zu Gesundheit und Pflege des Wahlprogramms lautet der Grundtenor: „Der Patient muss frei und selbstbestimmt über seine medizinische Behandlung entscheiden können – Zwangsimpfungen und ähnliche repressive Maßnahmen lehnen wir ab. Gesundheitsschutz muss eine nationale Aufgabe bleiben und darf nicht der WHO und der EU überlassen werden.“ Die Aufarbeitung der Corona-Maßnahmen hat für die AfD noch einen hohen Stellenwert. Ebenfalls hochgehalten werden die ganzheitliche Medizin und die Naturheilkunde. Hierfür solle es Lehrstühle und Forschungsprogramme geben. Die Erkenntnisse daraus sollen die medizinische Versorgung erweitern. Zudem: „Das Berufsbild des Heilpraktikers gilt es als wertvolle Ergänzung des Therapieangebotes sowie der ambulanten Infrastruktur zu erhalten.“

FDP für Notfallkonzept 

Die FDP nennt die Apotheken in ihrem Wahlprogramm an zwei Stellen. Unter der Überschrift „Medikamentenversorgung sichern“ gehen die Liberalen auf die Problematik der Arzneimittellieferengpässe ein. Konkret ist zu lesen:


Zusätzlich benötigt Bayern Notfallkonzepte für die Medikamentenversorgung außerhalb der Geschäftszeiten. Derzeit gibt es Lieferengpässe und Vorhalteprobleme, die die Gesundheit der Patientinnen und Patienten gefährden können. Die zeit- und ortsnahe Versorgung mit Medikamenten muss in professioneller Form gewährleistet sein. Wir setzen uns für Rahmenbedingungen ein, die Patientenschutz und einen fairen Wettbewerb zwischen Vor-Ort-Apotheken und dem Versandhandel ermöglichen.“

Aus dem Landtagswahlprogramm der FDP Bayern


Das lässt durchaus aufhorchen. Und so hakte die DAZ nach, um sich diese Idee der „Notfallkonzepte“ genauer erklären zu lassen. Eine Antwort gab es von der FDP jedoch nicht.

Genannt sind Apotheken zudem im Zusammenhang mit der Cannabis-Legalisierung: „Neben der Abgabe in Geschäften und Apotheken sowie der Einführung von praxisnahen Regelungen für den Online- und Versandhandel setzen wir uns auch für den Eigenanbau und für „Cannabis-Social-Clubs“ (nichtkommerzielle Vereine, die den kollektiven Anbau von Cannabis in limitierten Mengen organisieren) ein.“

Damit heben sich bayerische Liberalen von den Berliner Ampel-Plänen ab. Vermutlich ohne große praktische Auswirkungen, vor allem nicht, wenn sich die Prognosen bewahrheiten. 


Kirsten Sucker-Sket (ks), Redakteurin Hauptstadtbüro
ksucker@daz.online


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1 Kommentar

Na dann

von Rainer W. am 06.10.2023 um 17:14 Uhr

Die Grünen beziehen sich auf hohe Gewinne bei Hochpreisern, etwas, was es seit 20 Jahren nicht mehr gibt.

FDP will "Notfallkonzepte außerhalb der Geschäftszeiten" - Ich schlage vor, so etwas "Notdienst" zu nennen und die Apotheken abwechselnd in Bereitschaft zu halten. Das konzept gibts schon so lange wie das AMG, also vermutlich seit dem Ende des 3. Reichs.

Da weisste, wer sich für Apotheken interessiert und wer nicht mal 15 Minuten in die Recherche investiert bevor er sowas in sein Wahlprogramm knallt...

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