Kantar-Umfrage

Mehrheit der Bürger setzt beim E-Rezept auf Vor-Ort-Apotheken

Berlin - 04.06.2021, 16:45 Uhr

Auch wenn das E-Rezept kommt, wünschen sich viele Menschen in Deutschland offenbar weiterhin die persönliche Beratung und den sozialen Kontakt in den Apotheken vor Ort. (c / Foto: Schelbert)

Auch wenn das E-Rezept kommt, wünschen sich viele Menschen in Deutschland offenbar weiterhin die persönliche Beratung und den sozialen Kontakt in den Apotheken vor Ort. (c / Foto: Schelbert)


Wenn das E-Rezept kommt, wollen offenbar viele Menschen in Deutschland ihrer stationären Apotheke treu bleiben. Das zeigt das Ergebnis einer Umfrage im Auftrag der ABDA. An der Telepharmazie hat allerdings mehr als jeder Dritte (35 Prozent) Interesse, während es bei der Telemedizin nur 28 Prozent sind.

Während die Einführung des E-Rezepts unter den Heilberufler:innen mit Spannung und durchaus gemischten Gefühlen erwartet wird, zucken die meisten Bürger:innen darauf angesprochen nur mit den Schultern. Das legen die Ergebnisse einer Umfrage des Meinungsforschungsunternehmens Kantar im Auftrag der ABDA nahe. Demnach wissen 95 Prozent der Teilnehmer:innen nicht, dass die Einführung der elektronischen Verordnungen bereits zum Jahreswechsel bevorsteht. Immerhin 37 Prozent von ihnen haben generell schon einmal etwas vom E-Rezept gehört, vor allem in den Medien.

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Umfrage zur Digitalisierung des Gesundheitswesens 

Das unbekannte E-Rezept

Anlässlich des am kommenden Montag anstehenden Tags der Apotheke befragte Kantar insgesamt 1.017 Menschen in Deutschland ab einem Alter von 14 Jahren telefonisch zu verschiedenen Aspekten der Digitalisierung des Gesundheitswesens, insbesondere zum E-Rezept. Wie aus den Resultaten hervorgeht, erwarten offenbar eher wenige Bundesbürger:innen, dass elektronische Verordnungen im Vergleich zum Papierrezept Vorteile bringen werden (27 Prozent). Die Mehrheit (58 Prozent) steht der Einführung neutral gegenüber, Nachteile fürchten 8 Prozent der Befragten.

Aufgeschlüsselt nach Altersgruppen, zeigen sich jedoch deutliche Unterschiede: Während 47 Prozent der unter 30-Jährigen sich eher Vorteile von der Einführung des E-Rezepts versprechen und 41 Prozent von ihnen, dem neutral gegenüberstehen, glauben nur 15 Prozent der über 60-Jährigen, dass ihnen die elektronischen Verschreibungen etwas bringen werden. Zwei von drei befragten Senioren (66 Prozent) gehen davon aus, dass sich dadurch weder Vor- noch Nachteile für sie ergeben werden.

Gefragt nach den möglichen Vorteilen, nannten die meisten einen Beitrag zum Umweltschutz durch Papiereinsparungen (69 Prozent), gefolgt von mehr Komfort (53 Prozent) und unkomplizierte Kommunikation mit der Apotheke (50 Prozent). Bei den möglichen Nachteilen gaben 48 Prozent an, die Beratung in der Apotheke könne entfallen. Rund 46 Prozent befürchten Datenschutzprobleme und 38 Prozent weniger soziale Kontakte.

Wohin wandern die E-Rezepte?

Für die Apotheken dürfte die Kernfrage aber wohl lauten: Wo werden die E-Rezepte landen? Bei den Versendern oder doch vor Ort? Den Umfrageergebnissen zufolge planen fast 60 Prozent der Menschen, das E-Rezept nicht digital zu nutzen. Sie wollen es sich ausdrucken lassen und wie gewohnt in ihrer Apotheke einlösen. Unter den über 60-Jährigen liegt der Anteil sogar bei 80 Prozent. Von denjenigen, die eine digitale Nutzung bevorzugen, wollen demnach drei von vier Bürger:innen ihre Medikamente selbst in einer Apotheke abholen, 9 Prozent setzen auf die Botendienste der Offizinen. Etwa jeder Siebte (14 Prozent) würde das Rezept an einen Arzneimittelversender schicken und sich seine Medikamente liefern lassen.

Jede:r Dritte offen für Telepharmazie

Was die Möglichkeit betrifft, sich über das Internet von einer Apothekerin oder einem Apotheker betreuen zu lassen, zeigt sich mehr als jede:r Dritte offen: Über alle Altersklassen hinweg gaben 35 Prozent der Befragten an, einen solchen Service in Anspruch nehmen zu wollen. Besonders groß ist das Interesse den Umfrageergebnissen zufolge bei den unter 50-Jährigen. In der Gruppe der 40- bis 49-Jährigen ist es sogar mehr als die Hälfte (53 Prozent), von den 30- bis 39-Jährigen können sich 43 Prozent eine telepharmazeutische Beratung vorstellen. Unter den 20- bis 29-Jährigen kommt dies für 49 Prozent infrage, bei den über 60-Jährigen nur noch für jede:n Fünften (20 Prozent).

Damit kommt das Konzept Telepharmazie bei den Bürger:innen etwas besser an als die Telemedizin: Insgesamt 28 Prozent können sich vorstellen, sich über das Internet von einem Arzt betreuen zu lassen, 4 Prozent haben es schon getan. Den höchsten Zuspruch findet die Telemedizin bei den 30- bis 39-Jährigen. 38 Prozent von ihnen würden sie in Anspruch nehmen, 8 Prozent haben es bereits getan. Von den über 60-Jährigen gaben nur 20 Prozent an, offen dafür zu sein.



Christina Müller, Apothekerin, Redakteurin DAZ.online
redaktion@daz.online


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1 Kommentar

Eine bittere Beruhigungspille von der ABDA für die Apotheken

von Hummelmann am 05.06.2021 um 13:38 Uhr

Soll mich der Artikel nun beruhigen oder erschrecken?

Welche Präsenz-Apotheke kann auf 25% der Offizin-Kunden verzichten? Denn 14% Internetversand und 9% Botendienst bedeutet nach meiner Rechnung, dass jeder 4. Kunde zukünftig nicht mehr persönlich in die Apotheke kommen wird - Tendenz vermutlich steigend.
Weil dann zwangsläufig die Möglichkeit zum Beratungsgespräch mit Zusatzempfehlungen wegfällt, dürfte der Rückgang bei Umsatz und Ertrag noch deutlich höher ausfallen. Auch fehlt bei der Umfrage die Unterscheidung zwischen Akut-Erkrankungen und Chroniker-Versorgung.

Mein Fazit: Das permanente Apotheken-Sterben wird das eRezept sicher nicht beenden. Wenn die Zukunft der Deutschen Apotheke nicht mit Versandhandel gleichgesetzt werden soll, muss die Politik noch einmal kräftig nachdenken, warum der Versandhandel überhaupt Zugang zum eRezept bekommen soll. Ein regionaler Botendienst innerhalb des eigenen und der unmittelbar angrenzenden PLZ-Gebieten reicht doch völlig aus, um die flächendeckende Versorgung der Bevölkerung problemlos sicher zu stellen.
Dies der Politik klar zu machen ist die Hauptaufgabe unserer Standesvertretungen. Ein paar gut gemeinte Werbeplakate für unsere Kunden werden wohl nicht genügen.

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