Umfrage zur Digitalisierung des Gesundheitswesens

Das unbekannte E-Rezept

Berlin - 20.05.2021, 07:00 Uhr

Künftig gibt es keine rosa Rezepte mehr beim Arzt oder der Ärztin, die Arzneimittelverordnung erfolgt elektronisch. Aber wie das genau funktionieren soll, ist vielen Bürger:innen noch unklar. (Foto: sebra / AdobeStock)

Künftig gibt es keine rosa Rezepte mehr beim Arzt oder der Ärztin, die Arzneimittelverordnung erfolgt elektronisch. Aber wie das genau funktionieren soll, ist vielen Bürger:innen noch unklar. (Foto: sebra / AdobeStock)


Alle reden vom E-Rezept: Im Juli startet es in der Fokusregion Berlin/Brandenburg, im vierten Quartal 2021 soll es dann nach und nach bundesweit eingeführt werden, ehe es zum Jahreswechsel Pflicht wird. Während Apotheken und Arztpraxen sich mehr oder weniger eifrig vorbereiten, ist vielen Versicherten der kommende Wandel offenbar noch gar nicht bewusst. Einer Umfrage zufolge haben vier von zehn erwachsenen Bürger:innen in Deutschland noch nie vom E-Rezept gehört.

Die Gematik hat in den vergangenen Jahren viele Vorarbeiten geleistet. Zunächst musste die Telematikinfrastruktur aufgebaut werden, nun kommen die diversen Anwendungen, die auf dieser „Datenautobahn“ sicher ihre Wege finden sollen – darunter die elektronische Verordnung. Zum 1. Juli soll in Berlin und Brandenburg der Testlauf für das E-Rezept starten, bei dem auch die von der Gematik entwickelte E-Rezept-App zum Einsatz kommen wird. Zum 1. Januar 2022 wird das E-Rezept dann grundsätzlich Pflicht bei der Verordnung apothekenpflichtiger Arzneimittel – wobei gerade anfänglich noch Ausnahmen die Regel bestätigen werden. 

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So sieht das ausgedruckte E-Rezept aus

Selbst manche Leistungserbringer haben ihre Schwierigkeiten, sich das Prozedere rund ums E-Rezept vorzustellen. Bei den Bundesbürgerinnen und -bürgern sieht es kaum anders aus. Nach den Ergebnissen der Umfrage „Datapuls 2021“ des Praxis-WLAN- und Kommunikationsdienstleisters Socialwave haben vier von zehn (41,3 Prozent) der rund 1.000 Befragten zwischen 19 und 85 Jahren noch nie vom E-Rezept gehört. Gut die Hälfte der Bevölkerung (52,2 Prozent) versteht zudem nicht, wie die digitale Verordnung funktioniert.

Socialwave GmbH

Und wer soll nun erklären, was es mit dem E-Rezept auf sich hat? Darauf antworteten knapp 80 Prozent: ihr Hausarzt. Auf Platz zwei folgen Krankenkassen/-versicherungen (47,6 Prozent). Danach folgen ungefähr gleichauf Apotheker:innen (29,7 Prozent), Medien (27,3 Prozent) und Gesundheitsbehörden (26,7 Prozent).

Unklar ist den meisten Deutschen auch, wann es losgehen soll mit dem E-Rezept. Ein gutes Drittel (36,7 Prozent) erwartet den Start noch im ersten Halbjahr 2021. 27,7 Prozent tippen auf das zweite Halbjahr 2021 und 21,8 Prozent auf das erste Halbjahr 2022. Weitere 5,3 Prozent rechnen erst im zweiten Halbjahr 2022 mit dem Start, 8,6 Prozent sogar erst 2023.

„Das E-Rezept steht vor ähnlichen kommunikativen Herausforderungen wie die elektronische Patientenakte”, konstatiert Felix Schönfelder, Geschäftsführer der Socialwave GmbH. „Während der Fokus der öffentlichen Debatte auf der technischen Umsetzbarkeit liegt, wird außer Acht gelassen, dass der Diskurs an der Breite der Versicherten offenbar vorbeigeht.“ Dabei ist aus Schönfelders Sicht eine frühe Aufklärung der Patienten für die Akzeptanz und den Erfolg von telemedizinischen Projekten entscheidend.


Kirsten Sucker-Sket (ks), Redakteurin Hauptstadtbüro
ksucker@daz.online


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