Apokix-Umfrage im September

Viel Unentschlossenheit und Skepsis beim E-Rezept

Berlin - 28.10.2019, 17:15 Uhr

Das E-Rezept: In Hamburg wird es bereits im kleinen Rahmen getestet, in Baden-Württemberg startet im November GERDA. Aber welche Erwartungen verknüpfen Apothekenleiter mit der elektronischen Verordnung? (c / Foto: imago images /epd)

Das E-Rezept: In Hamburg wird es bereits im kleinen Rahmen getestet, in Baden-Württemberg startet im November GERDA. Aber welche Erwartungen verknüpfen Apothekenleiter mit der elektronischen Verordnung? (c / Foto: imago images /epd)


Bald sollen die ersten E-Rezepte getestet werden. Dass es erst einmal Pilotprojekte geben soll, begrüßen die Apothekenleiter – denn viele von ihnen stehen der elektronischen Verordnung noch unentschlossen oder skeptisch gegenüber. Sie befürchten, dass vor allem ausländische Arzneimittelversender von ihr profitieren werden. Das zeigt die aktuelle Apokix-Befragung des IFH Köln.

Zum 1. November startet in Baden-Württemberg das E-Rezept-Pilotprojekt GERDA. Läuft alles glatt, soll die elektronische Verordnung schon Ende nächsten Jahres, wenn alle Apotheken an die Telematik-Infrastruktur angeschlossen sind, zum Einsatz kommen. Grund genug für das Institut für Handelsforschung Köln (IFH), die rund 200 Apokix-Teilnehmer – allesamt Apothekenleiterinnen und -leiter – in seiner aktuellen Monatsfrage nach ihrer Einstellung zum E-Rezept zu befragen.

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Die Ergebnisse zeigen: Noch ist die Mehrheit der Apothekeninhaber nicht überzeugt von dem neuen elektronischen Rezept: 38 Prozent der Befragten bewerten die Einführung als negativ und 44 Prozent sind noch unentschlossen. Nur 18 Prozent blicken dem E-Rezept positiv entgegen. Allerdings: Sehr viele Apothekenleiter haben sich noch gar nicht mit dem E-Rezept auseinandergesetzt. 25 Prozent der Befragten räumten ein, dies noch (fast) gar nicht getan zu haben, 51 Prozent informierten sich nur „sporadisch“. 24 Prozent gaben an, sich „eher“ oder „sehr“ intensiv mit der Materie befasst zu haben. Da ist es kein Wunder, dass 97 Prozent es befürworten, dass es zunächst Pilotprojekte zum E-Rezept gibt, ehe es bundesweit ernst wird.

Schärferer Wettbewerb mit Versandapotheken

Das IFH fragte weiter, welche Auswirkungen die elektronische Verordnung haben werde. 93 stimmten der Aussage zu, der Wettbewerb mit Versandapotheken werde sich verschärfen. 91 Prozent meinen, dass vor allem ausländische Versender vom E-Rezept profitieren werden. 88 Prozent der Befragten rechnen überdies mit einem höheren Aufwand für den Datenschutz. 74 Prozent befürchten konkret, dass viele Patienten zu Beginn Datenschutzbedenken haben werden. 46 Prozent denken, dass das E-Rezept besser vor Rezeptbetrug schützt, und 43 glauben, dass die Patienten mit ihm schneller versorgt werden können. Kaum einer erwartet, dass sich der Aufwand in der Apotheke reduziert oder man gar besser vor Retaxationen geschützt sei.

Ob das E-Rezept wirklich schon Ende nächsten Jahres durchstarten kann, bezweifeln 91 Prozent der Umfrage-Teilnehmer. Sie gehen davon aus, dass Probleme bei der Anbindung an die Telematik-Infrastruktur die Einführung verzögern werden. 86 Prozent plädieren außerdem dafür, neben der elektronischen Version auch das klassische Papierrezept beizubehalten. 35 Prozent der Befragten meinen aber auch, dass es Zeit sei, das E-Rezept endlich einzuführen. 

Leichter Stimmungsanstieg

Was den Apotheken-Konjunkturindex betrifft, den eigentlichen Apokix, so ging die Stimmungskurve im Oktober wieder leicht nach oben. Der Wert für die aktuelle Geschäftslage stieg von 78,0 auf 82,0 Indexpunkte. Dahinter stecken 18 Prozent der Teilnehmer, die ihre Lage positiv einschätzen, 46 Prozent, die sie neutral einstufen und 36 Prozent, die sie als „eher“ oder „sehr“ negativ beschreiben. 

Der Index für die erwartete wirtschaftliche Lage in den kommenden zwölf Monaten verzeichnet einen leichten Anstieg von 56,5 auf 56,8 Indexpunkte. Damit sind allerdings beide Punktwerte weiterhin deutlich unter der 100-Punkte-Marke, die für eine ausgeglichene Stimmung unter den Apothekern steht.


Kirsten Sucker-Sket (ks), Redakteurin Hauptstadtbüro
ksucker@daz.online


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