Die letzte Woche

Mein liebes Tagebuch

02.05.2021, 07:45 Uhr

Wann ist die Zukunft? Wenn die Apotheken gegen Corona impfen und das E-Rezept bundesweit funktioniert. (Foto: Alex Schelbert)

Wann ist die Zukunft? Wenn die Apotheken gegen Corona impfen und das E-Rezept bundesweit funktioniert. (Foto: Alex Schelbert)


28. April 2021

Söder macht Druck. Ja, mein liebes Tagebuch, das ist man ja vom bayerischen Ministerpräsidenten gewöhnt. Und wenn man ihm vielleicht auch nicht immer bei all seinen Höhenflügen und Ideen folgen mag, dieses Mal können wir seine Forderung unterstützen: Auch in Apotheken sollte gegen Covid-19 geimpft werden, schlägt er vor. Wir haben es vernommen: In anderen Ländern wird bereits im Supermarkt, im Fitnessstudio oder im Sportstadion geimpft, in Deutschland nur in Impfzentren und seit drei Wochen auch in Haus- und Facharztpraxen. Nun, mehr geht bei uns derzeit nicht: Eine Öffnung für weitere Impfstellen brächte nichts, solange noch eher wenig Impfstoff zur Verfügung steht. Aber das wird sich allen Beteuerungen unserer Politiker zufolge in wenigen Wochen ändern – da kommt die Impfstoff-Schwemme, heißt es. Und Söder sorgt vor: Er hat sich bereits für eine schnelle Aufhebung der Impfpriorisierung  ausgesprochen („wer freier impft, impft effizienter“), mobile Ärzteteams könnten z. B. in Supermärkten impfen und auch in Apotheken sollte geimpft werden, sagte Söder und fügt hinzu: „Es darf kein Impfstoff liegen bleiben, und vor Ort muss es schnell gehen – ohne lange Wartezeiten.“ Wie schön, mein liebes Tagebuch. Wir wissen aus Umfragen, dass etwa die Hälfte unserer Apotheken dem Impfen in der Apotheke aufgeschlossen gegenüber steht. Mal abgesehen davon, dass wir dann allerdings auch nochmal übers Apothekenhonorar fürs Impfen sprechen müssten, hätten wir da allerdings noch eine Sorge: Wenn die Umsetzung des apothekerlichen Impfens von Seiten der ABDA und der Apothekerverbände genauso schnell abläuft wie bei der Grippeimpfung in Apotheken, dann ist der Höhepunkt der Pandemie schon lange vorbei und unsere Bevölkerung bereits durchgeimpft. Aber immerhin, es kommen positive Signale aus dem Berliner Apothekerhaus: Auch ABDA-Präsidentin Gabriele Regina Overwiening lässt uns wissen, dass Deutschlands Apotheken bereit stehen, um Corona-Impfungen durchzuführen: „Wenn wir in dieser Situation mit dem Impfen in unseren niedrigschwellig zu erreichenden Apotheken vor Ort dazu beitragen können, dass das Land schneller aus der Pandemie kommt, dann machen wir das“, sagt sie. Fein, mein liebes Tagebuch, und wenn jetzt noch konkrete Taten folgen (welche Apotheken melden sich und sind dabei? Wann und wo gibt’s rasche Impfschulungen? Und los geht’s!), dann könnten wir tatsächlich einen Beitrag dazu leisten – vorausgesetzt, es gibt genug Impfstoff. Aber das wurde uns doch versprochen.  Overwiening begrüßt zudem das Ausstellen von digitalen Impfnachweisen durch Apotheken. Und „Apotheken könnten die gelben Impfausweise prüfen, um als Prüfstelle dann verifizierte Informationen in ein digitales Portal einzutragen, das vom Bürger beispielsweise in einer App überall aufrufbar und vorzeigbar wäre.“ Ja, mein liebes Tagebuch, bis das soweit wäre, müssten zwar noch ein paar „rechtliche, technische und betriebswirtschaftliche Details geklärt werden“, aber das Angebot steht. Die Politik sollte die Apothekers jetzt beim Wort nehmen. Hallo, Herr Söder! 

 

Und was sagt der Bundesgesundheitsminister Spahn zum Söder-Vorschlag, auch in Supermärkten zu impfen? Kein Problem, „das kann man machen…, das kann jedes Bundesland gleich morgen machen“, so Spahn. Zum Impfangebot in Apotheken äußerte sich Spahn allerdings nicht – hat er die Offerte aus dem Apothekerhaus nicht gehört? Die Kassenärztliche Vereinigung Bayerns hörte da schon genauer hin: Ihr Vorstand nannte Söders Vorschlag „abwegig und nicht zielführend“. Denn: „Die niedergelassenen Haus- und Fachärzte in Bayern sind bereit, sich auch im Sinne einer umfassenden Betreuung ihrer Patienten weit mehr in der Impfkampagne zu engagieren, als dies bislang bereits der Fall ist“, es müsse nur ausreichend Impfstoff vorhanden sein. Nun ja, mein liebes Tagebuch, solche Reaktionen sind absehbar. Und wie steht die Bevölkerung zum Impfangebot durch Apotheken? Laut einer Umfrage der Techniker Krankenkasse wären etwa zwei Drittel der Versicherten offen dafür, sich in einer Apotheke impfen zu lassen, gegen was auch immer. Mein liebes Tagebuch, wie bereits gesagt: Vielleicht sollten wir Apothekers uns auch auf die kommende Grippesaison konzentrieren und endlich in die Puschen kommen  – denn für eine flächendeckende Grippeprophylaxe braucht es mit Sicherheit viele niedrigschwellige Impfangebote, z. B. von Apotheken.



Peter Ditzel (diz), Apotheker
Herausgeber DAZ / AZ

redaktion@deutsche-apotheker-zeitung.de


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10 Kommentare

Neu denken !

von Ulrich Ströh am 02.05.2021 um 12:47 Uhr

Lieber Herr Ditzel ,
eigentlich schade , wie sich die Diskussionskultur hier in Ihrem Tagebuch über die Jahre entwickelt hat . Sowohl qualitativ als auch quantitativ....

Sie sollten zukünftig mal über ein neues Format des Tagebuchs nachdenken .

» Auf diesen Kommentar antworten | 2 Antworten

AW: Neu denken

von H.Goslar am 02.05.2021 um 16:48 Uhr

Ich war vor vielen Jahren sehr reger Tagebuch-Leser und Kommentator. Inzwischen habe ich auch das Gefühl, dass die Luft raus ist. Nicht bei Ditzel, sondern im Berufsstand. Es gibt kein Wir-Gefühl mehr, kein gemeinsames Kämpfen, Hoffen und Bangen. Es ist eine Zeit der Einzelkämpfer und Selbstinzenierer angebrochen. Und die Meckerer und Verärgerten sind diejenigen, die noch kommentieren. Hier und dort

AW: Neu denken

von Christian Giese am 03.05.2021 um 10:17 Uhr

"Ohne die Impulse der Einzelnen stagniert die Gemeinschaft; ohne die Sympathie der Gemeinschaft verflüchtigen sich die Impulse der Einzelnen."
William James 1842-1910

E-Rezept.

von Roland Mückschel am 02.05.2021 um 11:59 Uhr

Vor ein paar Tagen wurde der Konrektor installiert und
alles scharf gemacht.
Was ich jetzt vermisse ist eine nennenswerte
Einweisung oder Betriebsanleitung.
Ready for E-Rezepting? Ich lache mich tot.
Unsere obersten Vertreter sollen ihr Maul nicht soweit
aufreissen.
Am Ende nimmt sie tatsächlich mal jemand ernst.

» Auf diesen Kommentar antworten | 0 Antworten

@ Gert Müller

von Karl Friedrich Müller am 02.05.2021 um 11:08 Uhr

Sie meckern nur. Haben Sie Inhaltlich etwas beizutragen?
Sie können mich gerne kritisieren. Diskussion lebt von verschiedenen Auffassungen. Mich in der Art anzumachen, ist erbärmlich.

» Auf diesen Kommentar antworten | 0 Antworten

Verzettelung

von Karl Friedrich Müller am 02.05.2021 um 9:35 Uhr

Die Corona Impfung in den Praxen sollte besser organisiert werden. wenn sie denn sein muss. Ich bin Anhänger der Impfzentren, wer nicht hin kann sollte mit mobilen Teams versorgt werden. Die Impfzentren könnten auch mehr leisten, wenn genügend Impfstoff vorhanden wäre.
Muss jeder Arzt impfen? Was bringt es, 1 Vial pro woche zu liefern? Mir ist auch unklar, wie die Praxen das zeitlich bewältigen, besonders, wenn es noch mehr wird. Termine sind schon so schwer zu bekommen für das normale Geschäft...
Muss das jede Apotheke liefern, oder könnte das nicht auch auf wenige konzentriert werden? So ist es ein großes Verlustgeschäft, weil der Aufwand groß ist.
Auch die Verlagerung in die Praxen sollte organisiert sein. So empfinde ich es als chaotisch.

» Auf diesen Kommentar antworten | 1 Antwort

AW: Verzettelung

von Gert Müller am 02.05.2021 um 10:19 Uhr

4 Kommentare von zwei lebensfrohen Menschen. Gute Quote.

.

von Anita Peter am 02.05.2021 um 9:30 Uhr

Wie man sich diesem Genderunsinn beugen kann ist mir ein Rätsel. "Studierende..... "

https://www.zaar.uni-muenchen.de/studium/studenteninfo/student_prof/student/index.html

» Auf diesen Kommentar antworten | 0 Antworten

E Rezept

von Karl Friedrich Müller am 02.05.2021 um 9:13 Uhr

Apotheken sind keineswegs „E Rezept ready“
Das träumt Ihr so in den Sesseln. Heike Welt. Journalisten und weit entfernte Bürokraten haben oft eine seltsame Wahrheit. Siehe auch Spahn. Hilfe
Selbst wenn technisch es möglich ist, so ist im Ablauf eigentlich nichts klar. Vor allem wie abgerechnet wird, ist unklar und wird verschwiegen.
Ist ja auch nicht wichtig, gell? Das ist die neueste Methode, uns Aufgaben zuzuweisen, ZWANGSWEISE, aber über Bezahlung wird nicht geredet, nach dem alten Motto: über Geld redet man nicht, das hat man.
Leider sind sind viele Apotheken ausgebrannt und der Staat hat so eigene Vorstellungen über die Verteilung. Da muss erst mal Geld an die Abgeordneten fließen in Millionenhöhe.
Die einen dürfen mit Almosen zurecht kommen, während es für bestimmte Leute gar nicht viel genug sein kann.
Dann bin ich mal gespannt: es treten immer wieder Störungen am Konnektor auf. Ich fürchte, das wird alles sehr kompliziert und nervenaufreibend.

» Auf diesen Kommentar antworten | 1 Antwort

AW: E Rezept

von Karl Friedrich Müller am 02.05.2021 um 9:21 Uhr

es ist auch toll fortschrittlich und digital, statt eines Dokuments (das oft falsch von den Praxen ausgestellt ist), nun eine fresszettel mit QR Codes zu erhalten. Zumindest anfangs. Interessaant wird auch, wie die Praxen dann mit dem immer noch vorhandenen Datenmüll umgehen. Kommt dann ein ERROR, wenn Uraltschwachsinn aufs Rezept soll? Sehe schon die Praxen am Rand der Verzweiflung...


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