COVID-19-Erkrankung

Wie lange ist man immun?

Stuttgart - 01.12.2020, 09:15 Uhr

Nach durchgemachter Infektion könnte eine robuste Immunität monatelang vorliegen. Ist man dann auch nicht mehr ansteckend? (Foto: Дмитрий Киричай / stock.adobe.com)

Nach durchgemachter Infektion könnte eine robuste Immunität monatelang vorliegen. Ist man dann auch nicht mehr ansteckend? (Foto: Дмитрий Киричай / stock.adobe.com)


Verhindern Antikörper die Ansteckung?

Auch Dr. Thomas Jacobs vom Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin in Hamburg hält diese Beobachtungen für ermutigend. Das erklärte er gegenüber der Deutschen Presse-Agentur (dpa). So zeige sich in dieser Studie die sogenannte sterile Immunität, die von einer hohen Zahl neutralisierender Antikörper abhänge. Zur Erklärung: Unter steriler Immunität versteht man, dass der Organismus alle Erreger, in diesem Fall SARS-CoV-2, aufgrund einer erfolgten Immunisierung vollständig eliminieren kann. Man ist dann weder Virusträger noch Virusausscheider, erkrankt folglich nicht und ist auch nicht ansteckend. Besitzt der Körper viele neutralisierende Antikörper, erklärt Jacobs, werde das Virus abgefangen, bevor es in die Zellen eindringen könne.

Nur milde Erkältungssymptome

Auch die über mehrere Monate nachweisbare T-Zell-Antwort lässt Positives hoffen: Jacobs erwartet, dass sich die Symptomatik einer COVID-19-Erkrankung dadurch verringert. Eine solche klinische Immunität würde dafür sorgen, dass Erkrankte beispielsweise nur Erkältungssymptome wie bei vergleichsweise harmlosen Coronaviren bekämen.

Verhindert eine Impfung die Ansteckung?

Auch wenn von einer lebenslangen Schutzwirkung durch die Impfstoffe derzeit nicht ausgegangen werden könne, würden die Ergebnisse der Preprint-Studie einen erfreulichen Rahmen für die erwartete Immunität durch die Vakzine setzen, erklärt Jacobs. Er schätzt, dass entsprechende Impfstoffe wahrscheinlich noch eine bessere Antikörper-Antwort hervorrufen würden als eine natürliche Infektion. Und solange es genügend Antikörper gebe, könne man von einer robusten, wenn nicht sogar sterilen Immunität ausgehen, so Jacobs. Derzeit sei jedoch noch ungewiss, ob eine Impfung auch davor schütze, den Erreger weiterzugeben. „Bei einer hohen Antikörper-Antwort ist die Wahrscheinlichkeit dafür sehr gering“, erklärte Jacobs. Bestehe hingegen nur eine klinische Immunität, könnte weiter das Risiko eines Spreadings bestehen. Um diese Frage zu klären, müssten weitere Studien folgen.

B- oder T-Zell-Antwort: Was ist wichtiger?

Ob für eine Immunität vor allem Antikörper oder T-Zellen oder aber eine Mischung aus beiden wichtig ist, sei noch nicht zu beantworten, sagte Professor Carsten Watzl, Immunologe am Leibniz-Institut für Arbeitsforschung der Technischen Universität Dortmund, gegenüber der dpa. Auch Jacobs ergänzte: „Eine sterile Immunität ist vermutlich vor allem von einer hohen Zahl neutralisierender Antikörper abhängig, während die Schwere des Verlaufs mit der T-Zellen-Antwort zusammenhängt, sodass es ein ,wichtiger' in diesem Kontext wahrscheinlich nicht gibt.“

Bei anderen Coronaviren, die normale Erkältungen auslösen, sei man im Mittel ein bis eineinhalb Jahre vor einer erneuten Infektion geschützt. Eine natürliche Infektion sei allerdings nicht mit einer Impfung vergleichbar, die Immunantwort falle nach einer Impfung effizienter aus, sagte Watzl. „Die Hoffnung ist also, dass die Immunität durch die Impfstoffkandidaten deutlich länger anhält.“ Auch wenn keine lebenslange Immunität erreicht werden könne, so müsse man im Zweifel von Zeit zu Zeit nachimpfen. „Das wäre zwar nervig, aber beherrschbar.“ Und SARS-CoV-2 würde so zu einem weiteren Erreger, gegen den man regelmäßig impfen muss.



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1 Kommentar

Frage

von Dr. Gerhard Stumm am 26.12.2020 um 20:57 Uhr

Ab wann ist man nach einer Covid-Impfung immun?

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