COVID-19-Erkrankung

Wie lange ist man immun?

Stuttgart - 01.12.2020, 09:15 Uhr

Nach durchgemachter Infektion könnte eine robuste Immunität monatelang vorliegen. Ist man dann auch nicht mehr ansteckend? (Foto: Дмитрий Киричай / stock.adobe.com)

Nach durchgemachter Infektion könnte eine robuste Immunität monatelang vorliegen. Ist man dann auch nicht mehr ansteckend? (Foto: Дмитрий Киричай / stock.adobe.com)


Ist man nach einer durchgemachten SARS-CoV-2-Infektion immun gegen weitere Infektionen mit dem neuartigen Coronavirus und wie lange hält die Immunität an? Wissenschaftler des kalifornischen La-Jolla-Instituts fanden Hinweise auf eine stabile Immunität auch fünf Monate nach einer Infektion mit SARS-CoV-2. Die beobachteten Antikörper- und T-Zell-Antwort lassen hoffen, dass man nach durchgemachter Infektion bei erneutem Kontakt eine sterile Immunität besitzt oder nur milde Symptome entwickelt. Ob die Impfstoffe dies auch leisten, ist unklar.

Drei Corona-Impfstoffkandidaten dürften in Kürze die Zulassung erhalten oder zumindest eine Notfallgenehmigung. Am weitesten fortgeschritten sind die beiden mRNA-Vakzine BNT162b2 und mRNA-1273 von Biontech/Pfizer und Moderna und der Vektor-basierte Corona-Impfstoff AZD1222 aus der Zusammenarbeit der Universität Oxford und AstraZeneca. Derzeit proklamieren Biontech/Pfizer eine Wirksamkeit für BNT162b2 von 95 Prozent, Moderna geht bei mRNA-1273 von einer Wirksamkeit von 94,5 Prozent aus, AstraZeneca spricht bei AZD1222 von etwa 70 Prozent. Welcher der drei Impfstoffe als erster das Rennen macht und das „OK“ von EMA oder FDA erhält, ist derzeit noch Spekulation. Biontech/Pfizer reichten am 27. November einen Antrag auf EUA (Emergency Use Authorization) bei der FDA ein, Moderna hat am 30. November bekannt gegeben, sowohl bei der EMA (Europäische Arzneimittel-Agentur) als auch bei der FDA einen Antrag auf Zulassung beziehungsweise Notfallgenehmigung eingereicht zu haben. Beide Impfstoffe, wie auch die AstraZeneca-Vakzine, prüft die EMA bereits in einem Rolling-Review-Verfahren.

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Worüber auch spekuliert wird: Wie lange hält der Impfschutz denn an? Langzeitstudien gibt es nicht, diese könnten entsprechende Antworten liefern. Doch wurde kürzlich eine Studie des kalifornischen La-Jolla-Instituts für Immunologie als Preprint veröffentlicht, die infizierte Menschen (ohne Impfung) untersucht hatte: „Immunological memory to SARS-CoV-2 assessed for greater than six months after infection“. Der Studie zufolge waren Antikörper (ImmunglobulinG) gegen das Spikeprotein über mehr als sechs Monate stabil, B-Gedächtniszellen waren nach sechs Monaten häufiger vorhanden als nach einem Monat und die Zahl der T-Zellen (CD4+ und CD8+) nahm mit einer Halbwertszeit von drei bis fünf Monaten nach Einsetzen der Symptome ab.

Hinweise auf anhaltende Immunität gegen SARS-CoV-2

Die Wissenschaftler hatten 185 Patienten untersucht, bei 41 lag die SARS-CoV-2-Infektion mindestens sechs Monate zurück. Auch wenn die unterschiedlichen Komponenten des Immungedächtnissen unterschiedliche Kinetiken aufwiesen, kommen die Wissenschaftler zu dem Schluss: „Dennoch war bei etwa 90 Prozent der Probanden fünf Monate nach Einsetzen von SARS-CoV-2-Symptomen ein Immungedächtnis auf das Coronavirus nachweisbar, was darauf hindeutet, dass bei den meisten Menschen eine anhaltende Immunität gegen COVID-19 möglich ist.“

Verhindern Antikörper die Ansteckung?

Auch Dr. Thomas Jacobs vom Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin in Hamburg hält diese Beobachtungen für ermutigend. Das erklärte er gegenüber der Deutschen Presse-Agentur (dpa). So zeige sich in dieser Studie die sogenannte sterile Immunität, die von einer hohen Zahl neutralisierender Antikörper abhänge. Zur Erklärung: Unter steriler Immunität versteht man, dass der Organismus alle Erreger, in diesem Fall SARS-CoV-2, aufgrund einer erfolgten Immunisierung vollständig eliminieren kann. Man ist dann weder Virusträger noch Virusausscheider, erkrankt folglich nicht und ist auch nicht ansteckend. Besitzt der Körper viele neutralisierende Antikörper, erklärt Jacobs, werde das Virus abgefangen, bevor es in die Zellen eindringen könne.

Nur milde Erkältungssymptome

Auch die über mehrere Monate nachweisbare T-Zell-Antwort lässt Positives hoffen: Jacobs erwartet, dass sich die Symptomatik einer COVID-19-Erkrankung dadurch verringert. Eine solche klinische Immunität würde dafür sorgen, dass Erkrankte beispielsweise nur Erkältungssymptome wie bei vergleichsweise harmlosen Coronaviren bekämen.

Verhindert eine Impfung die Ansteckung?

Auch wenn von einer lebenslangen Schutzwirkung durch die Impfstoffe derzeit nicht ausgegangen werden könne, würden die Ergebnisse der Preprint-Studie einen erfreulichen Rahmen für die erwartete Immunität durch die Vakzine setzen, erklärt Jacobs. Er schätzt, dass entsprechende Impfstoffe wahrscheinlich noch eine bessere Antikörper-Antwort hervorrufen würden als eine natürliche Infektion. Und solange es genügend Antikörper gebe, könne man von einer robusten, wenn nicht sogar sterilen Immunität ausgehen, so Jacobs. Derzeit sei jedoch noch ungewiss, ob eine Impfung auch davor schütze, den Erreger weiterzugeben. „Bei einer hohen Antikörper-Antwort ist die Wahrscheinlichkeit dafür sehr gering“, erklärte Jacobs. Bestehe hingegen nur eine klinische Immunität, könnte weiter das Risiko eines Spreadings bestehen. Um diese Frage zu klären, müssten weitere Studien folgen.

B- oder T-Zell-Antwort: Was ist wichtiger?

Ob für eine Immunität vor allem Antikörper oder T-Zellen oder aber eine Mischung aus beiden wichtig ist, sei noch nicht zu beantworten, sagte Professor Carsten Watzl, Immunologe am Leibniz-Institut für Arbeitsforschung der Technischen Universität Dortmund, gegenüber der dpa. Auch Jacobs ergänzte: „Eine sterile Immunität ist vermutlich vor allem von einer hohen Zahl neutralisierender Antikörper abhängig, während die Schwere des Verlaufs mit der T-Zellen-Antwort zusammenhängt, sodass es ein ,wichtiger' in diesem Kontext wahrscheinlich nicht gibt.“

Bei anderen Coronaviren, die normale Erkältungen auslösen, sei man im Mittel ein bis eineinhalb Jahre vor einer erneuten Infektion geschützt. Eine natürliche Infektion sei allerdings nicht mit einer Impfung vergleichbar, die Immunantwort falle nach einer Impfung effizienter aus, sagte Watzl. „Die Hoffnung ist also, dass die Immunität durch die Impfstoffkandidaten deutlich länger anhält.“ Auch wenn keine lebenslange Immunität erreicht werden könne, so müsse man im Zweifel von Zeit zu Zeit nachimpfen. „Das wäre zwar nervig, aber beherrschbar.“ Und SARS-CoV-2 würde so zu einem weiteren Erreger, gegen den man regelmäßig impfen muss.



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1 Kommentar

Frage

von Dr. Gerhard Stumm am 26.12.2020 um 20:57 Uhr

Ab wann ist man nach einer Covid-Impfung immun?

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