Mutmaßliche Rezeptzuweisung

Noweda unterstützt Apotheker bei juristischen Schritten gegen TeleClinic

Stuttgart - 11.09.2020, 10:30 Uhr

Noweda-Chef Dr. Michael Kuck (l.) unterstützt Thomas Grittmann bei seinen juristischen Schritten gegen Teleclinic. (x / Foto: Noweda / Grittmann)

Noweda-Chef Dr. Michael Kuck (l.) unterstützt Thomas Grittmann bei seinen juristischen Schritten gegen Teleclinic. (x / Foto: Noweda / Grittmann)


Apotheker mahnt erfolglos ab – nun trifft man sich vor Gericht

Fast zeitgleich hat nun auch ein Apothekeninhaber aus dem unterfränkischen Miltenberg juristische Schritte gegen TeleClinic eingeleitet. Der 29-jährige Thomas Grittmann eröffnete im vergangenen Jahr seine Park Apotheke und versorgte bis zuletzt auch TeleClinic-Nutzer mit Arzneimitteln. Dadurch, dass den Patienten aktuell nur eine Wahl bleibt, ihre Verordnungen einzulösen, ergeben sich zum Teil dramatische Situationen: So wie im Fall eines sechsjährigen Mädchens, das von einer Wespe gestochen wurde. Ihr Vater veranlasste eine Teleclinic-Fernbehandlung und erhielt daraufhin ein E-Rezept, das eigentlich lediglich bei der Versandapotheke in Stuttgart hätte eingelöst werden können. Nur durch den engagierten Einsatz von Grittmann konnte dieser am Ende die Versorgung des Mädchens gewährleisten.

Dieses Gebaren der Teleclinic wollte der junge Apothekeninhaber nicht widerstandslos hinnehmen und wandte sich als Noweda-Mitglied mit der Bitte um Unterstützung an die Apothekergenossenschaft. Noweda engagierte den Anwalt Dr. Morton Douglas, der die Rechtsvertretung von Grittmann im Auftrag von Noweda übernommen hat und nun gegen TeleClinic vorgeht.

Einstweilige Verfügung beantragt

Douglas fordert im Namen des Apothekers von TeleClinic eine Unterlassung von Online-Sprechstunden mit Vergabe apothekenpflichtiger Rezepte, sofern keine Möglichkeit für jede niedergelassene Apotheke in Deutschland besteht, diese Verschreibung auch tatsächlich einzulösen. Zudem müsste Werbemaßnahmen, die Patienten suggerieren, die Verschreibungen könnten bei einer Apotheke seiner Wahl eingelöst werden, unterlassen werden. Weiterhin müsse dem Patienten transparent vermittelt werden, dass die verschriebenen Arzneimittel selbst zu bezahlen sind. Auch dies sei bei TeleClinic nicht transparent gekennzeichnet.

Dr. Michael Kuck, Vorstandsvorsitzender der Noweda, erklärt dazu: „Dieses Geschäftsgebaren passt ins Bild des Zur-Rose-Konzerns. Es geht nicht um das Wohl der Patienten, es geht nicht um das Wohl der Apotheken, es scheint vielmehr nur um die eigene Profitmaximierung zu gehen.“ Und weiter: „Man muss unweigerlich an die Aktivitäten von DocMorris in Hüffenhardt 2017 denken. Es war erschreckend, mit welcher Vehemenz hier versucht wurde, die Installation eines ‚Apothekenautomaten‘ ohne Rücksicht auf geltendes Recht und auf bestehende, gut funktionierende Versorgungsstrukturen durchzusetzen. Vor diesem Hintergrund ist es für uns als Noweda mehr als selbstverständlich, gemeinsam mit Herrn Grittmann gegen TeleClinic vorzugehen.“

TeleClinic reagierte übrigens nicht auf die Abmahnung. Daher wurde inzwischen ein gerichtliches Verfahren angestoßen, in dem es nunmehr am 13. Oktober 2020 zur mündlichen Verhandlung über den Antrag auf Erlass einer einstweiligen Verfügung kommen wird.



Dr. Armin Edalat, Apotheker, Chefredakteur DAZ
redaktion@deutsche-apotheker-zeitung.de


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