Milliarden gegen Corona mobilisiert

Corona-Tests für jedermann in Bayern

Stuttgart - 29.06.2020, 11:30 Uhr

Bayern will als erstes Bundesland Corona-Tests für jedermann einführen – unabhängig davon, ob er Symptome hat oder einem besonderen Risiko ausgesetzt ist. Im Bild: Soldaten der Bundeswehr beim Test in einer ehemaligen Lagerhalle von Flugzeugen mit Autos und Gütersloher Kennzeichen. (Foto: imago images / Noah Wedel)

Bayern will als erstes Bundesland Corona-Tests für jedermann einführen – unabhängig davon, ob er Symptome hat oder einem besonderen Risiko ausgesetzt ist. Im Bild: Soldaten der Bundeswehr beim Test in einer ehemaligen Lagerhalle von Flugzeugen mit Autos und Gütersloher Kennzeichen. (Foto: imago images / Noah Wedel)


Falsche Sicherheit: Ein Test ist immer nur eine Momentaufnahme

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) reagierte zunächst zurückhaltend. „Umfangreiches Testen ist sinnvoll, insbesondere um regionale Ausbrüche schnell einzudämmen. Dazu haben wir das Testkonzept des Bundes bereits vor Wochen angepasst“, sagte er am Sonntag der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. Zusätzliche Testangebote durch die Länder könnten das ergänzen. „Allerdings ist ein Test immer nur eine Momentaufnahme. Er darf nicht in falscher Sicherheit wiegen.“ 

„Einfach nur viel testen klingt gut, ist aber ohne systematisches Vorgehen nicht zielführend“, schrieb er nun am Montag bei Twitter. „Denn es wiegt in falscher Sicherheit, erhöht das Risiko falsch-positiver Ergebnisse und belastet die vorhandene Testkapazität.“ Spahn betonte: „Testen, testen, testen – aber gezielt.“ Das entspreche der mit dem Robert-Koch-Institut (RKI) entwickelten nationalen Teststrategie. „Dies beinhaltet umfassendes präventives Testen im Gesundheitswesen und bei lokalen Ausbrüchen wie in Gütersloh.“ Auch wie in Nordrhein-Westfalen in Schlachthöfen zweimal die Woche zu testen, habe Sinn.

Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach fordert eine zielgenaue Strategie. Grundsätzlich sei das Vorgehen Bayerns richtig. „Allerdings müssen wir dafür sorgen, dass die richtigen Leute getestet und die Tests selbst billiger werden“, sagte Lauterbach der Funke Mediengruppe. Im Herbst seien Massentests nötig.

Eine zweite Welle könnte sich – so die Befürchtungen – vor allem bei leichtsinnigem Verhalten in der soeben begonnen Sommerreisezeit aufbauen. Am Freitag starteten gleich sechs Bundesländer in die Ferien. Einen ersten Vorgeschmack auf die mögliche Entwicklung in den kommenden Wochen erhielten Badeorte an Nord- und Ostsee vor allem am Samstag. Bei hochsommerlichen Temperaturen stießen manche durch einen Touristenansturm an ihre Kapazitätsgrenzen, so etwa Scharbeutz und Haffkrug an der Ostsee, wo Parkplätze und Strände zeitweise voll waren. Am Sonntag sorgte ein Wetterumschwung für Entspannung.



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