Selbstmedikation

Wann ist Paracetamol „alternativlos“?

Stuttgart - 26.03.2020, 07:00 Uhr

Paracetamol soll aufgrund der herrschenden Knappheit nur noch an Patienten gehen, für die die Alternativen nicht geeignet sind. Doch welche sind das? (Foto: imago images / photothek)

Paracetamol soll aufgrund der herrschenden Knappheit nur noch an Patienten gehen, für die die Alternativen nicht geeignet sind. Doch welche sind das? (Foto: imago images / photothek)


Muss es bei Magenproblemen immer Paracetamol sein?

Magenprobleme: Nicht bei jedem Patienten mit einem „empfindlichen“ Magen sind NSAR wie Ibuprofen kontraindiziert, insbesondere dann nicht, wenn es um die einmalige oder kurzzeitige Einnahme in niedriger Dosis bei akuten Beschwerden geht. Ein absolutes No-Go ist Ibuprofen jedoch bei Patienten mit bestehenden oder in der Vergangenheit wiederholt aufgetretenen peptischen Ulzera oder Hämorrhagien (mindestens 2 unterschiedliche Episoden nachgewiesener Ulzeration oder Blutung) sowie gastrointestinalen Blutungen oder gar Perforationen in der Anamnese, die im Zusammenhang mit einer vorherigen Therapie mit NSAR aufgetreten sind. In diesen Fällen ist Paracetamol unter den rezptfreien Analgetika alternativlos. 

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Paracetamol

Grundsätzlich sollten NSAR bei Patienten mit einer gastrointestinalen Erkrankung in der Vorgeschichte (Colitis ulcerosa, Morbus Crohn) mit Vorsicht angewendet werden, da sich unter Umständen ihr Zustand verschlechtern kann. Hier gilt es im Einzelfall, das Risiko abzuwägen.

Allergien: Auch für Allergiker besteht nicht grundsätzlich eine Kontraindikation für NSAR. Keine Option sind Ibuprofen und Co. allerdings bei einer bekannten Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder einen der sonstigen Bestandteile des Arzneimittels sowie bei Patienten, die in der Vergangenheit auf die Einnahme von NSAR mit Bronchospasmus, Asthma, Rhinitis oder Urtikaria reagiert haben.

Blutungen: Eine weitere absolute Kontraindikation für NSAR sind zerebrovaskuläre oder andere aktive Blutungen. Wenn Arzneimittel eingenommen werden, die das Risiko für Ulzera oder Blutungen erhöhen können, wie orale Corticosteroide, Antikoagulanzien wie Warfarin, selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer oder Thrombozytenaggregationshemmer wie ASS, ist aber lediglich Vorsicht angeraten und Nutzen und Risiko individuell abzuwägen, unter anderem in Abhängigkeit der geplanten Einnahmedauer und der Dosis. Bei Einnahme von niedrig dosierter ASS gilt es zudem zu beachten, dass Ibuprofen deren Wirkung hemmt und deswegen zeitversetzt einzunehmen ist.

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Dreifachschlag gegen die Nieren

Nierenfunktionsstörungen: Bei Patienten mit leichter bis mäßiger Einschränkung der Nierenfunktion kann Ibuprofen in normaler Dosierung eingenommen werden. Bei Patienten mit schwerer Niereninsuffizienz ist es kontraindiziert. 

Bei Paracetamol muss, wenn die Kreatinin-Clearance unter 50 ml/min liegt, die Dosis angepasst werden. Unter 10 ml/min muss ein Dosierungsintervall von mindestens 8 Stunden eingehalten werden.



Julia Borsch, Apothekerin, Chefredakteurin DAZ.online
jborsch@daz.online


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