Studie in Großbritannien

Test in der Apotheke hilft Antibiotika sparen

Remagen - 18.05.2018, 12:15 Uhr

Eine britische Studie zeigt, dass Schnelltests in Apotheken helfen können, festzustellen, ob ein Antibiotikum benötigt wird oder nicht. (Foto: dpa)

Eine britische Studie zeigt, dass Schnelltests in Apotheken helfen können, festzustellen, ob ein Antibiotikum benötigt wird oder nicht. (Foto: dpa)


Antibiotika einsparen, die häufig zu Unrecht bei viral bedingten Atemwegsinfekten verordnet werden. Das würden sich viele wünschen. Die Apotheken könnten hierzu einen wichtigen Beitrag leisten. Eine Pilotstudie in Großbritannien hat es gezeigt. Mit einem Point-of-care Test auf C-reaktives Protein in der Offizin lässt sich sehr effizient die Spreu vom Weizen trennen, und wer wirklich ein Antibiotikum braucht, bekommt es auch.

Obwohl Infektionen der Atemwege häufig viral bedingt und außerdem selbstlimitierend sind, werden dagegen häufig Antibiotika verschrieben. Es gibt eine Reihe von Biomarkern, die helfen können, zwischen bakteriellen und viralen Infektionen zu unterscheiden. Das C-reaktive Protein ist einer davon. Sein Wert ist bei bakteriellen Infektionen deutlich stärker erhöht als bei viralen. Es gibt Schnelltest dafür, die in der Grundversorgung eingesetzt werden können.

Ein Cochrane-Review aus dem Jahr 2014 (sechs Studien, knapp 3300 Patienten) kommt zu dem Schluss, dass solche Point-of-Care-Tests (POC CRP) den Einsatz von Antibiotika bei Patienten mit akuten Infektionen der Atemwege reduzieren, ohne Unterschied in der gesamten klinischen Genesung der Patienten. Der Zusammenschluss der europäischen Behörden und Institutionen für das Health Technology Assessment (HTA) bringen gerade ein groß angelegtes Projekt auf den Weg, um den Nutzen in der Grundversorgung näher zu untersuchen. In Deutschland wurde kürzlich beschlossen, dass solche Schnelltests nicht zum Leistungsumfang der Kassen gehören sollen.

Apotheke als optimaler Ort

Wegen ihres niederschwelligen Zugangs wären öffentliche Apotheken gut positioniert, um eine solche Point-of-Care-Testung durchzuführen und damit die Hausarztpraxen von den viral bedingten Fällen zu entlasten. Gegebenenfalls ist hier direkt ein umfangreiches Angebot an Arzneimitteln für die Selbstbehandlung verfügbar.

Eine Landapotheke im englischen North Staffordshire hat von Februar und August 2017 in Verbindung mit lokalen Hausarztpraxen eine Pilotstudie durchgeführt, um zu testen, was dieser Ansatz bringt. Nach Angaben der Autoren handelt es sich dabei um die erste Studie dieser Art mit einem Point-of-Care CRP-Test. Insgesamt 52 Patienten nahmen daran teil. 25 Personen wurden aus Praxen von Allgemeinmedizinern in die Apotheken geschickt, sechs wurden in der Apotheke selbst dafür ausgewählt, und 21 kamen aus eigenem Antrieb infolge einer Kampagne zur Sensibilisierung der Verbraucher.  



Dr. Helga Blasius (hb), Apothekerin
redaktion@daz.online


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