Prisma

CRP-Test bei Atemwegsinfekten senkt Antibiotikaverbrauch

Reduktion mäßig, aber steigerungsfähig

cae | Die Verordnung von Antibiotika bei viralen Atemwegsinfekten wird immer wieder kritisiert. Der CRP-Test könnte ein rationales Ver­ordnungsverhalten fördern.

2014 hatte ein Cochrane-Review sechs klinische Studien ausgewertet, die darauf abzielten, durch die Messung verschiedener Biomarker bei akuten Atemwegsinfekten die unangemessene Verordnung von Antibiotika zu senken. Damals erschien das C-reaktive Protein (CRP) als der am besten geeignete Parameter. Die CRP-Konzentration beträgt bei Erwachsenen normaler­weise < 1 mg/l Blut; bei einem akuten bak­teriellen Infekt kann er in wenigen Stunden auf > 200 mg/l ansteigen; während er bei einem viralen Infekt nur auf 10 bis 40 mg/l steigt.

In Vietnam wurde nun eine multizen­trische Studie mit jeweils 1000 Kindern und Erwachsenen durchgeführt, die wegen eines akuten, aber nicht schwerwiegenden Atemwegsinfekts in Behandlung waren. Im Verhältnis 1 : 1 behandelten die Ärzte entweder aufgrund der konventionellen Diagnostik oder führten zusätzlich einen CRP-Test durch (NycoCard™ Reader II). Den Ärzten wurde empfohlen, bei CRP-Werten unter 10 mg/l (Kinder bis fünf Jahre) bzw. 20 mg/l keine Anti-biotika zu verschreiben, waren aber in ihrer Entscheidung frei. So erhielten 64 Prozent der Patienten in der CRP-Gruppe Antibiotika versus 78 Prozent in der Kontrollgruppe. Da bei 88 Prozent der Patienten in der CRP-Gruppe Werte < 20 g/l gemessen wurden, hätten die Antibiotikaverordnungen noch viel stärker gesenkt werden können. |

Quelle

Aabenhus R et al. Biomarkers as point-of-care tests to guide prescription of antibiotics in patients with acute respiratory infections in primary care. Cochrane Database Syst Rev 2014;11(Cd010130)

Do NTT et al. Point-of-care C-reactive protein testing to reduce inappropriate use of antibiotics for non-severe acute respiratory infections in Vietnamese primary health care: a randomised controlled trial. Lancet Glob Health; Epub, August 2016

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