Die letzte Woche

Mein liebes Tagebuch

12.07.2015, 08:00 Uhr

Rückblick auf die letzte Woche (Foto: gavran333 - Fotolia.com)

Rückblick auf die letzte Woche (Foto: gavran333 - Fotolia.com)


Unsere ABDA, das ist schon eine Nummer. Pech beim Apothekerhonorar, erfolglos beim Präventionsgesetz, halbherzig bei der Importquote, zurückhaltend bei der Reform der PTA-Ausbildung, knapp vor Schluss aufgewacht mit der IT-Abteilung. Und beim E-Health-Gesetz ein kleines Votum vom Bundesrat für den Medikationsplan mit Apotheker. Hach, mein liebes Tagebuch, dieses Szenario ruft geradezu nach Hilfe. Jetzt reicht der Berufsverband der PTA der ABDA eine helfende Hand, die Apothekengewerkschaft und der Arbeitgeberverband gehen schon Hand in Hand zum Minister und werben für mehr Honorar für Apotheker. Und selbst die AOK Ba-Wü springt bei und wettert gegen die Importquote. Alle wollen der ABDA helfen. Ist das nicht rührend?

6. Juli 2015

Jahrelang tut sich nichts in Sachen Reform der PTA-Ausbildung. Der PTA-Verband und die Apothekengewerkschaft haben zwar schon lange erkannt, dass da etwas im Argen liegt. Sie versuchen immer wieder mit der ABDA ins Gespräch zu kommen, aber dort will man nicht so recht ran ans Thema, eine Notwendigkeit zur Reform sieht man nicht. Das mag sich jetzt ändern – durch sanften Druck von oben: Die Gesundheitsminister der Länder legten unlängst dem Bundesgesundheitsministerium nahe zu prüfen, wie Assistenzberufe im Gesundheitswesen gestärkt werden können. Wenn das keine Aufforderung zum Tanz ist! Und eine Steilvorlage für den Bundesverband der PTA, der der ABDA gleich seine Unterstützung bei einer Umfrage anbietet. Ist doch nett, oder? Aber, wie so oft: Schweigen in Berlin. Mein liebes Tagebuch, dabei hätten wir so gerne mal gewusst, wie die ABDA heute zu einer Reform der PTA-Ausbildung steht. Und vielleicht  gibt’s auch eine Meinung zur Schließungswelle der PTA-Schulen?

7. Juli 2015

Nicht nur der PTA-Verband hat den Eindruck, die ABDA brauche dringend Unterstützung. Auch die Apothekengewerkschaft (Adexa) und der Arbeitgeberverband (ADA) sehen das wohl so. Da die ABDA mit der Forderung nach einer Honorarüberprüfung im Bundesgesundheitsministerium nicht landen konnte und dort nicht einmal offene Ohren für ein kleines Mehr für die Rezepturherstellung und die BtM-Dokumentation fand, wurden Adexa und ADA gemeinsam aktiv. Man stelle sich vor: Die zwei, die von Haus aus im Clinch liegen müssen, sind gemeinsam ins Bundesgesundheitsministerium gefahren, um für die Honorarforderungen der Apotheker zu werben. Beide waren gut vorbereitet, legten Zahlen vor, lenkten den Blick auch auf die Mitarbeiter und hatten gute Gespräche mit dem zuständigen Abteilungsleiter im BMG. Und sie packten das Thema PTA-Nachwuchssorgen und PTA-Ausbildung gleich dazu. Hallo, ABDA, ist doch nett, oder?

8. Juli 2015

Manchmal, mein liebes Tagebuch, drängt sich beim Thema Medikationsmanagement (MM) so ein Gefühl auf: Irgendwie hat dieses Wort das Potenzial, Deutschlands Apotheker in zwei Lager zu spalten: die einen, die davon begeistert sind und darin die Zukunft des Apothekerberufs sehen, und die anderen, die das für unrealistisch halten (Zeitaufwand, Ärztewiderstand, Honorar). Bei den Stuttgarter Gesprächen wollte ABDA-Präsident Schmidt Mut machen, die Angst vor MM nehmen. Er ließ durchblicken, dass MM als Möglichkeit zu verstehen sei: MM müsse nicht jeder anbieten. Und er schob nach: „Eine ordentlich geführte Apotheke an einem ordentlichen Standort kann das leisten.“ Hach, mein liebes Tagebuch, das kam prompt bei einigen nicht sonderlich gut an und löste einen  kleinen Shitstorm auf DAZ.online aus. Dabei wollte er doch nur beruhigen und ermutigen. O.k., es klang vielleicht nicht ganz so wohl formuliert und durchdacht oder es wurde missverstanden. Was Schmidt mit dem Begriff der „ordentlichen Apotheke“ und dem „ordentlichen Standort“ sagen wollte (ich war bei diesem Gespräch dabei): Keine Angst vor MM, gezwungen wird dazu niemand, alles ist freiwillig; wer aber Lust darauf hat, kann das leisten, auch wenn er nur eine kleine Apotheke mit wenig Mitarbeitern hat. Und: Schmidt ist überzeugt, dass am Ende alle mitmachen. Mein liebes Tagebuch, da allerdings ist er Optimist.

 

Wie auch immer: Wir werden nicht auf 2030 warten müssen. Wir schauen nach Sachsen und nach Thüringen, wie sich ARMIN entwickelt. Da hält sich die Mitmach-Lust von Apothekern und Ärzten leider noch in Grenzen. Braucht ARMIN die blaue Rhombe? Gemach, wir stehen ja erst am Anfang. Die Schwierigkeiten und Hürden, mit denen die Macher zu kämpfen haben, sind wirklich riesig, wie Monika Koch, die ARMIN-Beauftragte des LAV Sachsen auf der Vertreterversammlung der LAK Baden-Württemberg eindrucksvoll zeigen konnte. Wer hier angesichts der fachlichen, technischen und menschlichen Konflikte im Zusammenspiel von Arzt, Apotheker, Krankenkasse und Patient  nicht den Mut verliert, der glaubt an Höheres. Mein liebes Tagebuch, wir beobachten fasziniert und ehrfürchtig.

 

Das Antikorruptionsgesetz ist auf den Weg gebracht, Ende Juli soll es schon vom Bundeskabinett verabschiedet werden und dann den Weg durchs Parlament antreten. Prinzipiell richtig und wichtig, so ein Gesetz. Aber es sollte für Klarheit sorgen und nicht für Verunsicherung. Wenn beispielsweise für Apotheker die Annahme von Skonti „unlauter“ sein kann und damit strafbar, wenn die Höhe gegen die Arzneimittelpreisverordnung verstößt, dann wünscht man sich klare Grenzen und keine Gummiparagraphen. Mein liebes Tagebuch, mal überspitzt formuliert: Der Apotheker steht in seinem pharmazeutischen Tagesgeschäft mit den zum Teil unüberschaubaren Regelungen eh schon mit einem Bein im Gefängnis, ein Gummi-Antikorruptionsgesetz könnte ihn mit dem zweiten Bein gänzlich hinter Gitter bringen.

9. Juli 2015

Mal kurz gefasst: Importe sind ein Einfallstor für Fälschungen und gespart wird mit ihnen nur marginal – also Importquote abschaffen. Diese Meinung vertritt Christopher Hermann, Chef der AOK Baden-Württemberg. Mein liebes Tagebuch, da können wir ihm nur Recht geben. Dann hätten auch die Strafgelder für Apotheken, die die Quote nicht erfüllten, ein Ende. Aber es gibt auch eine Befürworterin für Importe – und die sitzt im Saarland, wo sonst, gleich in der Nähe einer saarländischen Importfirma. Die saarländische Gesundheitsministerin Monika Bachmann möchte die Importförderung so gar nicht streichen, sagte sie auf dem saarländischen Pharmadialog in den Räumen der Kohlpharma in Merzig. Tja, mein liebes Tagebuch, das hätte man sich denken können. So eine Landesministerin hat natürlich auch die Wirtschaftskraft und die Arbeitsplätze vor Augen. Wie also könnte man alte Import-Zöpfe abschneiden? Man müsste neue Arbeitsfelder für Importeure finden – gar nicht so einfach.

 

Überhaupt, wie schräg ist das denn? Es ist doch heute nicht mehr zeitgemäß, wenn Importeure nach Griechenland fahren und dort die importierten Arzneimittel aufkaufen, um sie auf den deutschen Markt zurückzubringen, damit hier marginal gespart wird, was sogar die Kassen schon absurd finden. Selbst die Pharmaindustrie fordert, dass die nach Griechenland gebrachten Arzneimittel bei der griechischen Bevölkerung ankommen müssen und nicht als Reimport in deutschen Apotheken landen.

 

Jens Dobbert, Kammerpräsident von Brandenburg, macht nicht gerade den Eindruck, als sei er mit der ABDA und ihrer Führung zufrieden. Auf der Kammerversammlung meinte er, „schöne Reden des ABDA-Präsidenten helfen uns derzeit nicht weiter“ und sprach damit die nicht erreichte Überprüfung des Apothekerhonorars an. Dass der Bau des ABDA-Hauses nun endlich beschlossen sei, gebe ihm Hoffnung – weil die ABDA nun wieder Zeit für die wichtigen Dinge habe. Zum Beispiel für den Aufbau einer längst überfälligen IT-Abteilung. Und er empfiehlt dem ABDA-Präsidenten, „die politische Ausrichtung des Berufsstandes wieder selber in die Hand zu nehmen und dies nicht mehr dem Hauptamt zu überlassen“. Mein liebes Tagebuch, wie meint er das?

10. Juli 2015

Das GKV-Versorgungsstärkungsgesetz ist so gut wie durch. Für Apotheken bedeutet das: 1,77 Euro Kassenabschlag fest (ob das gut oder schlecht ist, wird sich zeigen), ein neugeregeltes Entlassmanagement (Klinikarzt verordnet N1), die Apothekerschaft darf im Innovationsfonds Anträge stellen, um neue Versorgungsformen gefördert zu bekommen. Das neue Gesetz bedeutet aber auch eine Schlappe für uns – die ABDA konnte die jährliche Honorarüberprüfung nicht durchsetzen, im Klartext: mehr Geld für Apotheken wird’s so schnell nicht geben. Mein liebes Tagebuch, vielleicht bringt uns das GKV-VSG wenigstens ein kleines Bonbon: die Lösung des Retax-Konflikts mit den Kassen. Das Gesetz fordert den GKV-Spitzenverband und den Deutschen Apothekerverband auf, darüber zu verhandeln und eine Lösung zu finden. Wie es heißt, sollen die Gespräche bereits begonnen haben. Ob sich da schon die Schiedsstelle warm läuft?

 

Was auch vom Bundesrat verabschiedet wurde: das Präventionsgesetz. Und wie erwartet: Apotheker sind nicht dabei. Das Angebot der ABDA, den Apotheker in die Impfvorsorge einzubinden, war für das Gesundheitsministerium sichtlich nicht attraktiv genug. Mein liebes Tagebuch, vielleicht auch gut so. Jetzt können wir selbst aktiv werden, sinnvolle Präventionsideen entwickeln und sie den Kunden  als Dienstleistung gegen Bezahlung anbieten. So was wie IGeL (individuelle Gesundheitsleistungen) aus der Apotheke. Wenn das Angebot gut ist, wird’s vielleicht sogar angenommen.

 

Freude, oh Freude! Beim Medikationsplan könnte der Apotheker mal vorsichtig formuliert, eventuell, vielleicht, unter Umständen doch schon eher mitspielen dürfen. Der Bundesrat sprach sich in seiner ersten Beratung zum eHealth-Gesetz dafür aus, dass die Patienten bereits beim Medikationsplan auf Papier wählen können, ob ihn der Apotheker oder der Arzt erstellen soll. Mein liebes Tagebuch, manchmal helfen massive Proteste von verschiedenen Seiten und auf unterschiedlichen Ebenen  doch. Allerdings nicht zu früh freuen! Was der Bundesrat empfiehlt, ist für die weitere Beratung des eHealth-Gesetzentwurfs in keiner Weise bindend.


Peter Ditzel (diz), Apotheker
Herausgeber DAZ / AZ

redaktion@deutsche-apotheker-zeitung.de


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