Gefährliche Mutprobe

Paracetamol bis zum „Umfallen“

03.06.2015, 08:40 Uhr

Paracetamol - ein rezeptfreies Arzneimittel, das nicht sorglos abgegeben werden sollte. (Foto: Bilderbox)

Paracetamol - ein rezeptfreies Arzneimittel, das nicht sorglos abgegeben werden sollte. (Foto: Bilderbox)


Remagen - Die britische National Pharmacy Association warnt dringend vor den Gefahren im Zusammenhang mit dem sogenannten „paracetamol challenge“ – einer Mutprobe, die durch die sozialen Medien geistert und bei der sich Jugendliche gegenseitig dazu anstacheln, große Mengen des rezeptfreien Schmerzmittels einzunehmen.

Die Apothekenmitarbeiter werden zur Wachsamkeit aufgefordert, besonders wenn Jugendliche Paracetamol verlangen. Das Personal sollte auf jeden Fall einen passenden Fragenkatalog in der Beratung „abspulen“, bevor das Arzneimittel abgegeben wird – in Großbritannien mit „WWHAM questions“ abgekürzt. Das heißt: Für wen ist das Arzneimittel? Was sind die Symptome? Wie lange bestehen die Symptome? Was wurde bereits dagegen unternommen? Werden bereits andere Arzneimittel dagegen genommen?

Die Kunden sollen angehalten werden, die angegebenen Dosierungshinweise einzuhalten und bei der Einnahme zusammen mit Kombinationspräparaten, die ebenfalls Paracetamol enthalten (z. B. Erkältungs- und Grippemittel),  vorsichtig zu sein, weil hierdurch die zulässigen Tageshöchstdosen überschritten werden könnten.

Als erste Symptome einer Paracetamol-Vergiftung werden Übelkeit und Erbrechen genannt. Die Einnahme großer Mengen von Paracetamol kann zu Leberschäden und als weitere Folge zu Hirnödem, Enzephalopathie, Blutungen oder Hypoglykämie bis hin zum Tod führen. Auch ohne Symptome sollte bei jedem Verdacht auf eine Paracetamol-Überdosierung eine rasche Einweisung ins Krankenhaus eingeleitet werden, rät die National Pharmacy Association.

Challenge doch nur ein Fake?

Im Internet wird das Phänomen teilweise herunter gespielt. Das Ganze sei ein „Fake“, heißt es auf diversen Webseiten. Es gebe gar keinen „paracetamol challenge“. Das Problem sei nur durch den Einzelfall einer schottischen Schülerin mit einer Überdosis Paracetamol hochgespielt worden. Dem sei jedoch gar keine Mutprobe voraus gegangen.

Wie auch immer: Es soll ja vorkommen, dass sich Behauptungen und Trends im Netz blitzartig verselbstständigen, weshalb die Apotheker hier lieber auf Nummer sicher gehen sollten.

 


Dr. Helga Blasius (hb), Apothekerin
redaktion@daz.online


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