Tamiflu-Studiendaten

NICE hinterfragt Beurteilung

Berlin - 11.12.2012, 13:19 Uhr


Das National Institute for Health and Clinical Excellence (NICE) will seine Tamiflu®-Beurteilung überprüfen. Das britische Institut ist für die Kosten-Nutzen-Bewertungen von Arzneimitteln zuständig und gibt dem staatlichen Gesundheitsdienst verbindliche Empfehlungen zu deren Einsatz.

In seinem Antwortschreiben erklärt nun der NICE-Vorsitzende Michael Rawlins, jeder medizinische Direktor eines Unternehmens müsse eine Erklärung unterzeichnen, in der er bestätige, dass alle für die technologische Bewertung relevanten Daten gegenüber dem Institut offengelegt worden seien. Pharmakologisch tätige Ärzte seien sich ihrer Verpflichtungen durchaus bewusst, betonte Rawlins. Und sollte ein medizinischer Direktor bewusst relevante Daten zurückhalten, würde das Institut die Angelegenheit der britischen Ärztekammer (General Medical Council) melden.

Die Grippesaison stehe vor der Tür, so Godlee in ihrem Brief an das NICE. Und das NHS werde erneut Millionen Pfund für ein Arzneimittel ausgeben, dessen vollständiger Wirksamkeitsnachweis der Öffentlichkeit bis heute verborgen bleibe. Rawlins Antwort: Es sei nicht sachgerecht, die vorgenommenen Leitlinien zu Oseltamivir zurückzunehmen. Schließlich könnten zusätzliche Daten aus klinischen Studien auch die bisherigen Empfehlung bestätigen. „In diesem Fall würden Patienten durch eine frühzeitige Rücknahme unserer Empfehlung beschädigt werden.“ Dennoch kündigte er weitere Anfragen zu den Einzelheiten der vorgenommenen Beurteilung an.

Seit Jahren versuchen Cochrane-Wissenschaftler um Tom Jefferson, von Roche Daten aus klinischen Studien zu erhalten, die die Überlegenheit von Oseltamivir gegenüber Placebo gezeigt haben sollen. Die Wissenschaftler werfen dem Pharmaunternehmen vor, die Daten gezielt zurückzuhalten. Bei ihrer Forderung nach mehr Transparenz erhalten die Wissenschaftler inzwischen auch Unterstützung von Transparency International, Vertretern von Überwachungsbehörden, anderen Pharmaherstellern und vom BMJbisher ohne Erfolg. Laut einer BMJ-Meldung sollen 123 Studien zu Tamiflu® existieren, wobei 60 Prozent der Patientendaten noch immer unveröffentlicht sein sollen.

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Juliane Ziegler


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