Pharmazie

Tamiflu soll die Vermehrung von Influenza-Viren hemmen und so vor eine Influenza-Infektion schützen. (Foto: Roche)

Tamiflu soll die Vermehrung von Influenza-Viren hemmen und so vor eine Influenza-Infektion schützen. (Foto: Roche)

Grippemittel

Geheime Studien-Daten nähren Zweifel an Tamiflu

Ein neuer Cochrane-Review zur Influenza-Therapie und Prophylaxe mit Oseltamivir (Tamiflu®) nährt nicht nur Zweifel an der Wirksamkeit des Neuraminidasehemmers, auch Fragen zum Sicherheitsprofil bleiben offen. Dafür machen die Cochrane-Autoren unter Leitung von Tom Jefferson die Informationspolitik der Herstellerfirma Roche verantwortlich. Roche soll Studien nur selektiv publiziert und dabei wichtige Informationen beispielsweise zum Sicherheitsprofil verschleiert haben.

2003 hatte eine Metaanalyse von 10 Studien ergeben, dass Oseltamivir die Komplikationen einer Influenza reduzieren kann. Auf Basis dieser Metaanalyse wurde dann 2005 ein Cochrane-Review erstellt, der der Oseltamivir-Behandlung eine Wirksamkeit bescheinigte. Doch acht der zehn Studien der Metaanalyse sind nie vollständig publiziert worden. Und weder der Hersteller noch die Autoren konnten oder wollten den Cochrane-Autoren diese unveröffentlichten Daten zur Verfügung stellen. Auch die Daten von 60% der Teilnehmer klinischer Phase-III-Studien sind nach Aussage Jeffersons nicht veröffentlicht worden, darunter die größte mit Oseltamivir durchgeführte randomisierte klinische Studie mit 1400 Patienten. 

In dem soeben veröffentlichten Cochrane-Review mussten die Autoren daher aufgrund der unbefriedigenden Situation auf die Durchführung einer zunächst geplanten Metaanalyse verzichten. Mit Hilfe von unveröffentlichten Daten, die sie unter anderem von Überwachungsbehörden erhalten hatten, konnten sie lediglich eine Aussage zur Wirkung von Oseltamivir auf die Symptomdauer und die Hospitalisierungsrate treffen. Danach kann Oseltamivir die Dauer grippeähnlicher Symptome von durchschnittlich 160 Stunden um 21 Stunden reduzieren, die Zahl der Krankenhauseinweisungen dagegen nicht. Die Frage, ob Oseltamivir vor einer Influenzainfektion schützt, konnten die Autoren nicht eindeutig beantworten. Diskutiert wird, dass eine Oseltamivir-Prophylaxe die Influenza-Antikörperbildung reduziert, so dass die zum Nachweis einer Infektion herangezogene Antikörperbestimmung zu falschen Ergebnissen geführt haben könnte. Auch im Hinblick auf Nebenwirkungen traten bei der Auswertung nicht publizierter Daten Ungereimtheiten auf. Als Beispiel führte Jefferson eine der beiden meist zitierten Oseltamivir-Studien an, in der es heißt:  „ …there were no drug-related serious adverse events“, in den unveröffentlichten Daten seien dagegen durchaus Hinweise auf schwerwiegende Oseltamivir-induzierte Nebenwirkungen gefunden worden.

 

Quelle

Jefferson T et al.: Neuraminidase inhibitors for preventing and treating influenza in healthy adults and children. (Review). The Cochrane Collaboration 2012, Issue 1

 

Continuing Uncertainities Surround Anti-Influenza Drug. Wiley-Pressemitteilung vom 16. Januar 2012

 

Dr. Doris Uhl / 19.01.2012, 14:00 Uhr

Kommentare:

Kane sagt:
22.01.2012 11:28

Tamiflu wurde von Roche ohne ausreichende Prüfung auf Risiken und Nebenwirkungen und/oder Wirksamkeit im Hau-Ruck-Verfahren durch die EMA-Zulassung gepushed. Die Nebenwirkungen dieses Medikaments sind teilweise für Patienten lebensgefährlich und keinesfalls lückenlos publiziert; die Zulassung durch die European Medicines Agency von Oseltamivir als wirksames Grippemittel erscheint unter diesen Aspekten als äußerst fragwürdig, verweist die EMA bei der Frage nach den unerwünschten Nebeneffekten durch Einnahme von Oseltamivir lapidar auf den Beipackzettel des Medicaments.

Tamiflu ist, wenn überhaupt, nur auf Rezept und keinesfalls über die "rezeptfreie Apothekerempfehlung" an Patienten auszuhändigen.

rhb sagt:
20.01.2012 09:31

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