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Beratung

Männer und ihre Pilze

Ein Tabuthema, das viel Fingerspitzengefühl erfordert

Ein Pilz unterscheidet nicht, auf wem er wächst. Männer, Frauen, Kinder – alle können betroffen sein. Trotzdem fokussieren wir hier auf Pilzerkrankungen, die vorwiegend bei Männern auftreten. Ihre Beratung in der Apotheke ist beinahe mit einem noch größeren Tabu behaftet als die von Frauen mit einer Vaginal­mykose. Das hängt sicher auch damit zusammen, dass Männer grundsätzlich seltener in die Apotheke kommen und auch weniger bereitwillig ihre Symptome schildern. Oft sind Mykosen aber gar nicht so leicht als solche zu erkennen. Die Abgrenzung zu anderen Hauterkrankungen ist teilweise schwierig. Insofern ist eine Sensibilisierung für die Belange des „starken Geschlechts“ wertvoll und sollte uns ermutigen, betroffenen Männern einfühlsam Wege zur Problemlösung aufzuzeigen. | Von Birgit Scherzer

Unsere Haut als unser größtes Organ ist besiedelt von etwa hundert Billionen Mikroorganismen, darunter auch einigen Pilzen. Die meisten dieser Mikroorganismen sind an sich nicht pathogen. Ganz im Gegenteil, die intakte Hautflora stellt den idealen Schutz für unsere Haut dar, indem die Mikroorganismen ihren Lebensraum darauf vollständig einnehmen und damit das Eindringen von krankmachenden Fremdkeimen verhindern. Zusätzlich bildet die Hornschicht eine undurchdringliche Barriere für pathogene Keime. Durch verschiedene Faktoren kann das empfindliche Mikrobiota-Gleichgewicht allerdings gestört oder die Hornschicht durchlässig werden, sodass es einzelnen Stämmen gelingt, die Hautflora zu überwuchern.

Die häufigsten Auslöser von Pilzinfektionen der Haut sind einerseits Hefepilze (z. B. Candida-Arten) und andererseits Fadenpilze (Dermatophyten).

Hefepilze wie Candida albicans siedeln physiologisch bei vielen Menschen auf Haut und Schleimhäuten. Es kann aber auch eine Übertragung von einem infizierten Menschen oder durch einen verunreinigten Gegenstand erfolgen. Bei Vorliegen bestimmter Prädispositionen und vor allem in einem feucht-warmen Milieu können sich die Erreger stark vermehren und eine Infektion auslösen.

Infektionen durch Fadenpilze (Dermatophyten) können Haut, Haare und Nägel betreffen. Fadenpilze sind kein Bestandteil der natürlichen Hautflora. Sie können durch infiziertes Material (Haut- oder Nagelschuppen), durch Erde oder aber auch durch Tiere übertragen werden.

Eine bedeutende Rolle spielen dabei die Pilzsporen, die extrem widerstandsfähig sind und lange auf unbelebten Gegenständen (Badematten, Hotelteppichen, Holzdielen in Saunen) überdauern können. Bei geeigneten Umgebungsbedingungen – viel Wärme und Feuchtigkeit – können die Sporen auf vorgeschädigter Haut wieder auskeimen und mittels des feinen Pilzgeflechts in die Hornschicht eindringen. Dort ernähren sie sich vom Keratin der abgestorbenen Hautzellen.

Bei einem Einwachsen des Pilzes in die tieferen Strukturen der Oberhaut kommt es zu einer Aktivierung des Immunsystems, mit dem Ziel, die Pilzinfektion zu bekämpfen. Sie geht mit Juckreiz und Entzündungen einher.

Eine weitere Gegenreaktion des Körpers ist die beschleunigte Erneuerung der Hornhaut. Dadurch verdickt sich die Hornhaut auffällig und zeigt eine vermehrte Schuppung. Abschilfernde Hautschuppen wiederum können die Infektion übertragen. Das ist ein Kreislauf. Er kann nur durch die konsequente Behandlung der Pilzinfektion durchbrochen werden kann.

Risikofaktoren

Der Kontakt mit Pilzen oder Pilzsporen führt nicht zwangsläufig zu einer Pilzinfektion. Eine intakte Hautbarriere sowie ein gut arbeitendes Immunsystem können eine Infektion im Normalfall verhindern. Es gibt jedoch Situationen und Faktoren, die eine Pilzinfektion begünstigen:

  • Fehler bei der Intimhygiene, wie zu seltene oder auch zu häufige Reinigung von Haut und Haar oder das Verwenden ungeeigneter Reinigungs- oder Pflegeprodukte, können die natürliche Hautbarriere zerstören und für Infektionen anfällig machen.
  • Durch Nässe oder Schweiß aufgequollene Hautareale erleichtern das Eindringen von Pilzen: Füße in engen, luftundurchlässigen geschlossenen Schuhen, langer Kontakt mit Wasser im Schwimmbad oder auch berufsbedingt und das feuchte Milieu in Körperfalten sind Beispiele dafür.
  • Eine geschwächte Immunabwehr, ausgelöst durch chronische Erkrankungen oder Stress, begünstigt eine Pilzinfektion.
  • Durchblutungsstörungen behindern die natürliche Regeneration der Haut und können so die Vermehrung von Pilzen begünstigen.
  • Die Einnahme von verschiedenen Arzneimitteln wie Antibiotika, Immunsuppressiva oder Cortison erhöhen die Anfälligkeit für Pilzinfektionen.

Behandlung

Oberflächliche Pilzinfektionen werden häufig lokal behandelt. Dafür stehen zahlreiche antimykotische Breitspek­trum-Präparate meist zur topischen Behandlung zur Verfügung. Es kann gewählt werden zwischen Cremes, Gelen, Salben, Lösungen und Sprays. Im Vordergrund muss die konsequente und auch ausreichend lange Behandlung der betroffenen Hautareale stehen, um eine vollständige Ausheilung zu ermöglichen und eine Verschleppung der Infektion zu vermeiden. Ist die Infektion in tiefere Hautschichten vorgedrungen oder droht sie sogar, sich über die Lymphbahnen systemisch auszubreiten, sind die Grenzen der Selbstmedikation überschritten. Denn eine systemische (oder invasive) Infektion mit Pilzen ist eine schwere Erkrankung! Ein ärztliche Abklärung ist erforderlich, eine systemische Antimykotika-Therapie ist der nächste Schritt.

Für die topische Behandlung stehen verschiedene Breitspektrum-Antimykotika zur Verfügung. Sie gehören überwiegend zur Wirkstoffgruppe der Imidazole. Deren Wirkung beruht auf einer Hemmung der Ergosterol-Biosynthese, einem wichtigen Bestandteil der Zellmembran von Pilzen. Da die menschliche Zelle kein Ergosterol enthält, ist der Wirkansatz ein relativ spezifischer, sodass wenig unerwünschte Wirkungen beobachtet werden. Für alle Wirkstoffe gilt, dass ihre Resistenzlage als sehr gut eingeschätzt wird. Es gibt also per se keine Empfehlungen, welche Arzneistoffe zum Einsatz kommen sollten. Sie unterscheiden sich vor allem in ihrer Anwendungshäufigkeit und -dauer (s. Tab. 1).

Tab. 1: Breitspektrum-Antimykotika in der Selbstmedikation. Grundsätzlich wird empfohlen, die Anwendung noch zwei Wochen (Miconazol, Terbinafin: eine Woche) nach Verschwinden der Beschwerden fortzusetzen [Fachinformationen].
Wirkstoff
(Beispiele für Präparate)
Dosierung
Anwendungsdauer
Besonderheiten
Bifonazol
(Canesten® extra Creme)
10 mg/g Creme
einmal täglich
zwei bis vier Wochen
wirkt fungizid, reduziert Entzündungsreaktionen, lange Verweildauer in der Haut
Ciclopirox-Olamin (Selergo® Creme)
10 mg/g Creme
zweimal täglich
zwei Wochen
wirkt fungizid, zusätzlich sporozid und antiphlogistisch
Clotrimazol
(Cloderm® Creme)
10 mg/g/Creme
zweimal täglich
mindestens vier Wochen
wirkt fungistatisch, Pilzsporen sind wenig empfindlich
Miconazol
(Mykoderm® Creme)
20 mg/g Creme
ein- bis dreimal täglich
zwei bis sechs Wochen
wirkt fungistatisch
Sertaconazol (Mykosert® Creme)
20 mg/g Creme
ein- bis zweimal täglich
maximal vier Wochen
wirkt fungizid,
sehr lipophil
Terbinafin (Lamisil® Creme )
10 mg/g/Creme
einmal täglich
ein bis vier Wochen
wirkt fungizid; Langzeitwirkung, nach einer Woche Behandlung weitere sieben Tage in fungiziden Konzentrationen im Strateum corneum nachweisbar

Terbinafin zählt zur Gruppe der Allylamine. Es greift ebenfalls hochspezifisch in die Ergosterol-Biosynthese des Pilzes ein. Ein Vorteil von Terbinafin ist die Langzeitwirkung. Nach der Applikation bildet sich für etwa sieben Tage ein Wirkstoffdepot im Stratum corneum.

Ciclopirox-Olamin, ein Pyridon-Derivat, reichert sich im Innern der Pilzzelle an, wobei es irreversibel an Zellorganellen gebunden wird und damit zum Absterben der Pilzzelle führt.

Einige der erwähnten Wirkstoffe haben außerdem eine antibakterielle Wirkung gegen verschiedene Erreger wie Staphylokokken, Propionibakterien oder Corynebakterien. Sie sind deshalb auch geeignet zur Behandlung von superinfizierten Mykosen.

Für die Behandlung schwerwiegender, systemischer Pilzinfektionen sind verschiedene Breitspektrum-Antimykotika zur oralen Gabe indiziert: Fluconazol, Itraconazol und Terbinafin. Je nach Pilzerkrankung unterscheiden sich die Dosierschemata und die Einnahmedauer.

Bei diesen Arzneistoffen muss außerdem auf Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln geachtet werden. Sie sind Hemmstoffe von Cytochrom-P450-Isoenzymen (u. a. CYP3A4, CYP2H9, CYP2H19, CYP2D6), sodass es zu zahlreichen Interaktionen mit verschiedenen Arzneistoffgruppen kommen kann, z.B. mit Immunsuppressiva, Antikoagulanzien, Benzodiazepinen, Statinen oder nichtsteroidalen Antirheumatika. Der Metabolismus der betroffenen Arzneistoffe wird durch die Blockade der CYP450-Enzyme gehemmt, so dass erhöhte Wirkstoffkonzentrationen das Auftreten von dosisabhängigen Nebenwirkungen begünstigen. Teilweise ist die gleichzeitige Gabe dann sogar kontraindiziert (z. B. Itraconazol und Simvastatin/Atorvastatin). Ansonsten müssen Dosisanpassungen vorgenommen werden. Außerdem sollte während einer Therapie mit oralen Antimykotika eine regelmäßige Kontrolle der Leberwerte erfolgen.

Grenzen der Selbstmedikation

  • Pilzinfektionen im Intimbereich sollten immer von einem Arzt behandelt werden.
  • Oberflächliche Pilzinfektionen der Haut ohne nennenswerte Entzündungszeichen erlauben, sofern sie sicher als solche erkannt werden, eine Behandlung im Rahmen der Selbstmedikation.
  • Stark entzündete oder immer wiederkehrende Pilzerkrankungen gehören jedoch ebenfalls in ärztliche Hände.

Pilzinfektionen am Penis

Während eine Pilzinfektion der Vagina bei Frauen sehr häufig auftritt – jede dritte Frau ist mindestens einmal in ihrem Leben davon betroffen – treten Pilzinfektionen im Intimbereich bei Männern deutlich seltener auf. Aber es gibt ihn, den Penispilz. Er wird ebenso wie die Vaginalmykose vom Hefepilz Candida albicans ausgelöst, der an sich harmlos ist und zumindest in geringer Zahl auf der gesunden Haut vorkommt. Erst wenn er sich stark vermehrt, verursacht er Beschwerden an der Eichel (Candida-Balanitis). Die Infektion kann sich jedoch auch auf die Vorhaut ausdehnen (Candida- Balanoposthitis).

Foto: Science Photo Library/Marazzi, Dr. P.

Eine Candida-Balanitis kann zu Juckreiz, Brennen und Berührungsempfindlichkeit führen.

Symptome

Eine Hefepilzinfektion am Penis äußert sich durch Jucken und Brennen oder gar nässende Stellen an der Eichel und an der Vorhaut. Die Haut kann von roten Pünktchen oder Pusteln übersät sein, die aussehen wie ein Hautausschlag. Begleitet werden die Symptome oft von einer Entzündung und mit einer damit einhergehenden Schwellung. Berührungen in diesem Bereich werden als schmerzhaft empfunden, ebenso der Geschlechtsverkehr. Unter der Vorhaut können weißliche Ablagerungen erkennbar sein, die unter Umständen einen unangenehmen Geruch aufweisen. Greift der Pilz auf die Harnröhre über, wird der Mann ein Brennen beim Wasserlassen bemerken. In diesem Fall besteht die Gefahr, dass die Infektion in die Blase oder Prostata aufsteigt. Dann könnten auch Symptome wie Fieber und Abgeschlagenheit auftreten.

Wer ist betroffen?

Die natürliche Anwesenheit von Hefepilzen auf der Haut macht noch nicht jeden Befall zu einer Infektion. Erst durch verschiedene begünstigende Faktoren wie ein geschwächtes Immunsystem oder mangelnde Intimhygiene kann eine solche Pilzinfektion Entzündungen an Vorhaut und Eichel auslösen. Zu den begünstigenden Faktoren gehören:

  • starkes Schwitzen, z. B. beim Sport oder bei hohen Außentemperaturen,
  • eng anliegende Kleidung bzw. Unterwäsche, unter Umständen aus Synthetikfasern, die den Schweiß nicht gut aufnehmen und abtransportieren kann,
  • eine unzureichende Körperhygiene oder aber auch eine übertriebene Körperhygiene mit ungeeigneten Reinigungsmitteln, die das pH-Gleichgewicht auf der Haut stören,
  • das Vorliegen einer Vorhautverengung (Phimose) – Hefepilze finden unter der Vorhaut ein besonders geeignetes Milieu, um sich zu vermehren.

Ein eingeschränktes Immunsystem oder Grunderkrankungen wie Diabetes mellitus, Gicht oder Krebs erhöhen ebenfalls das Risiko für Pilzinfektionen, ebenso die Einnahme verschiedener Medikamente wie Antibiotika oder Cortison oder ein höheres Lebensalter. Andererseits leiden etwa 15 bis 20% aller Männer an einer Pilzinfektion am Penis, ohne etwas davon zu bemerken. Sie können so jedoch die Ursache für immer wiederkehrende Scheidenpilzinfektionen der Partnerin werden, da eine Übertragung des auslösenden Hefepilzes durch ungeschützten Geschlechtsverkehr erfolgen kann.

Behandlung

Beim Auftreten von Symptomen, die eine Pilzinfektion des Penis vermuten lassen, sollte immer ärztlicher Rat eingeholt werden. Von einer Behandlung in Eigenregie wird dringend abgeraten! Der zuständige Facharzt ist der Urologe. Er stellt anhand der körperlichen Untersuchung des Genitalbereiches fest, ob eine Entzündung der Vorhaut und Eichel vorliegt. Außerdem wird er von den entzündeten Stellen einen Abstrich entnehmen, um unter dem Mikroskop zu prüfen, ob ein Pilzbefall vorliegt. Im Labor kann durch das Anlegen einer Kultur der Erreger bestimmt werden.

Zur Behandlung der Pilzinfektion werden zumeist lokal anwendbare Antimykotika eingesetzt. Die Cremes mit Wirkstoffen aus der Gruppe der Imidazole bzw. mit dem Antiseptikum Povidon-Jod werden direkt auf die Eichel aufgetragen. Dadurch wird das Pilzwachstum erfolgreich gehemmt, und die Beschwerden bessern sich schnell. Die Behandlung muss auch hier entsprechend länger erfolgen. Der ärztlichen Anweisung sollte unbedingt Folge geleistet werden, damit die Infektion vollständig ausheilen kann. Häufig wird empfohlen, während der Behandlung auf ungeschützten Geschlechtsverkehr zu verzichten. Nur bei schweren Verläufen oder bei häufig auftretenden Rezidiven kann eine Therapie mit oralen Antimykotika nötig werden.

Was kann Mann außerdem tun?

Wichtig ist die richtige Reinigung des Intimbereiches des Mannes. Die Vorhaut sollte regelmäßig zurückgezogen werden und der Bereich mit warmem Wasser abgespült werden. So werden das Smegma sowie andere Ablagerungen entfernt. Zusätzliche Reinigungsmittel sind unnötig und irritieren nur die Haut. Für den Intimbereich sollte ein gesondertes Handtuch verwendet werden, welches nach jedem Gebrauch bei mindestens 60 Grad gewaschen wird. Das gilt natürlich ebenso für Unterwäsche. Das Tragen sehr enger Hosen sollte vermieden werden. Tritt eine Pilzinfektion am Penis immer wieder auf, kann eine Beschneidung, also eine Entfernung der Vorhaut, weitere Rückfälle verhindern.

Leistenpilz – Tinea inguinalis

Der Erreger Trichophyton rubrum, ein Dermatophyt, ist der häufigste Auslöser für eine Mykose im Bereich der Leistenbeuge. Man kennt ihn auch als Verursacher von Fusspilz (Tinea pedis). Es ist gar nicht so selten, dass ein Leistenpilz entsteht, weil ein nicht konsequent therapierter Fuß- oder Nagelpilz in höhere Regionen gewandert ist. Die Infektion beginnt häufig an den Innenseiten der Oberschenkel oder auch in den Hautfalten der Genitalregion beiderseits des Hodensacks.

Foto: Science Photo Library/Tanielian, Dr. Harout

Tinea inguinalis Ein Leistenpilz mit schuppiger, rosafarbiger Abgrenzung beginnt meist in den Hautfalten der Genitalregion.

Symptome

Charakteristisch ist ein stark geröteter erhabener Hautausschlag. Dieser ist durch seine rot-braune Farbe deutlich von der umliegenden Haut zu unterscheiden und erstreckt sich oft über eine relativ große Fläche. Die Rötung breitet sich vom Zentrum nach außen hin aus, während innere Bereiche schon wieder blasser erscheinen. Die Haut ist stark gereizt, sodass es an den äußeren Rändern zu kleinen Rissen kommt oder die Haut in mehr oder weniger großen Hautstücken abfällt. Begleitet werden diese Hauterscheinungen von einem Brennen sowie einem unangenehmen Gefühl. Das Reiben an der eng anliegenden Kleidung verstärkt diese Symptome noch. Sollten sich die Areale stark entzünden, kann es auch zu einem Nässen der Haut kommen. Bei Personen, die viel im Sitzen erledigen, kann sich die Infektion bis zum Gesäß ausbreiten.

Wer ist betroffen?

Von einem Leistenpilz betroffen sind häufig junge sportliche Männer, die aufgrund ihrer Trainingsaktivitäten viel schwitzen, häufig duschen und ihre Haut unter Umständen nicht vollständig abtrocknen. Auch eine schon bestehende Infektion an den Füßen kann durch infizierte Handtücher verschleppt werden, ebenso durch Trainingskleidung. Weitere Risikogruppen für eine Infektion in der Leistengegend sind übergewichtige Menschen, die häufig auch unabhängig von höherer körperlicher Aktivität leichter schwitzen – in den Falten oder wo Haut auf Haut aufliegt, herrscht ein für Pilze hervorragend geeignetes Klima. Ebenso sind Diabetiker besonders gefährdet.

Behandlung

Die Abgrenzung zu anderen Hauterkrankungen wie Ekzemen, Schuppenflechte oder anderen gelingt ohne ärztliche Untersuchung nicht zuverlässig. Deshalb ist eine ärztliche Abklärung immer zu empfehlen, wenn man sich hinsichtlich der Diagnose unsicher ist oder die Beschwerden auf eine antimykotische Behandlung nicht ansprechen. Auch bei starken entzündlichen Reaktionen sollte der ärztliche Rat eingeholt werden. Ein Leistenpilz spricht im Allgemeinen sehr gut auf die lokale Behandlung an. Die Anwendung der lokalen Antimykotika erfolgt je nach Wirkstoff ein bis zweimal täglich (s. Tab. 1). Die Cremes werden dünn auf die infizierten Stellen aufgetragen, in der Regel bessern sich die Beschwerden sehr schnell. Entscheidend ist dann die konsequente Fortführung der Therapie für die nächsten ein bis zwei Wochen, um ein Wiederaufflammen der Infektion zu vermeiden.

Was kann Mann außerdem tun?

  • Betroffene Bereiche nach dem Duschen sorgfältig abtrocknen, möglichst mit einem Extrahandtuch. Dieses Handtuch sowie Unterwäsche/Trainingswäsche nach jedem Tragen bei 60 Grad waschen bzw. bei niedrigeren Temperaturen einen Hygienespüler zusetzen, um Pilzsporen abzutöten.
  • Grundsätzlich auf enge Kleidung verzichten. Weite Hosen und locker sitzende Unterwäsche vermeiden ein feucht-warmes Mikroklima und halten den betroffenen Bereich trocken.
  • Eine eventuell begleitend auftretende Fuß- oder Nagelpilzinfektion muss ebenfalls konsequent behandelt werden.

Fadenpilzinfektion des Körpers und des Gesichts

Tinea corporis et faciei kann alle behaarten Bereiche des Körpers betreffen mit Ausnahme der Füße, der Hände, der Kopfhaut und des Leistenbereiches. Die Erreger (ebenfalls Trichophyton rubrum, aber auch Microsporum-Arten) dringen über den Haarbalg eines Körperhaares in die Haut ein. Ein Befall im Gesicht kann sich so in der Bartregion des Mannes manifestieren. In diesem Fall spricht man von einem Bartpilz/Bartflechte (Tinea barbae). Ebenso können aber auch andere behaarte Körperregionen betroffen sein, z. B. Unterarme oder Oberkörper. Dieses Krankheitsbild nennt man dann Ringelflechte.

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Tinea barbae Eine Bartmykose wird meistens durch Trichophyton verrucosum verursacht.

Symptome

Nach dem Befall bildet sich zuerst eine Entzündung (Follikulitis) am betroffenen Haarbalg. Die Erreger breiten sich anschließend über die Hornschicht (Stratum corneum) in alle Richtungen aus – Waschen und Rasieren beschleunigen diesen Prozess. Dadurch werden weitere Haarfollikel infiziert. Entsprechend beobachten die Patienten sich kreisförmig ausbreitende, entzündlich gerötete und leicht schuppende Hautveränderungen, die wie Ringe erscheinen. Bei der Weiterverbreitung können diese ineinanderfließen und großflächige, an Landkarten erinnernde Figuren bilden. Begleitend tritt anfangs auch starker Juckreiz auf.

Wenn die Infektion weiter fortschreitet und sich in die Tiefe entwickelt, treten schmerzhafte flüssigkeitsgefüllte Knoten und eitrige Pusteln auf, die Lymphknoten schwellen an. Die Symptomatik kann dann von Fieber und einem eingeschränkten Allgemeinzustand begleitet sein. Bei einem Befall des Bartes ist es charakteristisch, dass sich die befallenen Haare schmerzlos herausziehen lassen.

Wer ist betroffen?

Die Übertragung des Erregers erfolgt in der Regel durch direkten Kontakt mit infizierten Individuen. Das kann der direkte Kontakt zu infizierten Menschen sein oder auch die indirekte Verschleppung von Hautschuppen einer schon bestehenden Pilzinfektion durch Finger oder Fingernägel („ins Gesicht fassen“). Auch Erde kann mit Pilzen infiziert sein, was bei Arbeiten im Garten beachtet werden sollte.

Ein weiterer bedeutender Ansteckungsweg ist der Kontakt zu infizierten Tieren (Hunde, Katzen, Rinder, Meerschweinchen) bzw. mit Gegenständen, die mit diesen Tieren in Berührung waren. Diese Möglichkeit sollte vor allem bei Landwirten in Betracht gezogen werden, aber auch Haustiere oder der Urlaub auf dem Bauernhof wären eine mögliche Infektionsquelle.

Behandlung

Patienten mit den beschriebenen Symptomen sollten umgehend einen Arzt zur diagnostischen Abklärung aufsuchen. Es gilt, die Erkrankung schnell von anderen möglichen Ursachen abzugrenzen.

Viele Patienten verlangen unter Umständen in der Apotheke zunächst eine desinfizierende Wundsalbe, um eine Abheilung der Hautstellen vermeintlich zu befördern. Dies könnte zu einer zeitlichen Verzögerung der antimykotischen Therpie und zu einer weiteren Ausbreitung führen, wodurch die Behandlung erschwert werden kann. Ebenso sollte nicht eigenmächtig mit antimykotischen Salben oder gar mit Cortico­steroid-haltigen Salben zur Behandlung der Entzündung therapiert werden. Die labordiagnostische Erreger­bestimmung würde unter Umständen durch Rückstände in der Haut wesentlich verzögert, da das Pilzwachstum auf dem Nährmedium dadurch gehemmt werden kann. Damit wäre auch dem Hautarzt die Diagnosestellung nur zeitlich verzögert möglich, und es geht wertvolle Zeit verloren.

Bei einer oberflächlichen Infektion, die sich auf die oberen Hautschichten beschränkt und mit nur leichten Entzündungen einhergeht, ist die lokale Behandlung mit Breitspek­trum-Antimykotika als Creme oder Lösung geeignet und meist ausreichend. Auf eine entsprechend lange Anwendungsdauer ist zu achten. Im Ausnahmefall kann der Arzt Kombinationspräparate mit Glucocorticoiden oder Antibiotika verordnen, deren Anwendung jedoch auf wenige Tage beschränkt werden sollte.

Eine tiefe Tinea barbae mit starken Entzündungserscheinungen und großer Verbreitung benötigt eine systemische Therapie nach ärztlicher Anweisung. Häufig sind Verläufe mit Erregern, die von Tieren übertragen wurden, schwerwiegender. Diese müssen fast immer mit oralen Antimykotika behandelt werden. Gemäß der (abgelaufenen) Leitlinie „Tinea der freien Haut“ sind folgende Therapieschemata geeignet:

  • einmal täglich 100 mg Itraconazol über 14 Tage bzw.
  • einmal täglich 200 mg Itraconazol über sieben Tage
  • alternativ: einmal täglich 50 mg Fluconazol über zwei bis sieben Wochen oder
  • einmal täglich 250 mg Terbinafin über vier bis sechs Wochen

Was kann Mann außerdem tun?

Das Bewusstsein für Infektionswege und Ansteckungsgefahren können wir bei unseren Patienten durch Aufklärung verbessern. Das gründliche Händewaschen nach Kontakt mit möglicherweise infiziertem Material sollte die Regel sein. Das gilt nach der Gartenarbeit ebenso wie nach dem Kontakt zu Tieren. Alternativ könnten für solche Tätigkeiten Einmalhandschuhe zum Einsatz kommen. Auch pilzinfizierte (Haus-)Tiere sollten konsequent antimykotisch therapiert werden, ebenso eine bestehende Hautpilzerkrankung. |

Literatur

Aaron DM. Tinea inguinalis (Jock Itch). Informationen der Merck Sharp & Dohme Corp., www.msdmanuals.com/de-de/profi/erkrankungen-der-haut/hautinfektionen-durch-pilze/tinea-inguinalis

Fachinformtionen der genanntenProdukte

Lamisil: Die Waffe gegen Fuß- und Hautpilz. Informationen der GlaxoSmithKline Consumer Healthcare GmbH & Co. KG, www.lamisil-info.de

Leistenpilz (Tinea inguinalis). Informationen des Deutschen Verlags für Gesundheitsinformation GmbH, www.leading-medicine-guide.de/­erkrankungen/infektionen/leistenpilz

Nenoff P. Zu spät diagnostiziert. Dermatomykosen werden oft verkannt. DAZ 2016;19:40

Tinea der freien Haut. Leitlinien der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft und der Deutschsprachigen Mykologischen Gesellschaft, AWMF-Leitlinien-Register Nr. 013/002, abgelaufen, Stand: Oktober 2008

Tinea des Körpers (Dermatophytose). Informationen der dermaportal dp GmbH, https://derma.plus/haut/tinea-corporis-dermatophytose/#therapie-und-behandlung

Urologie für den Mann – „untenrum“ bestens informiert. Informationen des Fachverlags für Gesundheit und Medizin GmbH & Co. KG, www.ratgeber-maennerurologie.de

Was Männer über Penispilz wissen sollten. Informationen der Dr. Kade Pharmazeutische Fabrik GmbH, www.kadefungin.de/scheidenpilz/wen-betrifft-scheidenpilz/maenner

Autorin

Birgit Scherzer studierte Pharmazie an der Humboldt-Universität Berlin, 1993 Approbation, seither als Angestellte in öffentlichen Apotheken tätig. Zusatzqualifikation „Ernährungsberatung“.

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