DAZ-Tipp aus der Redaktion

Haut und Schleimhäute – ein Paradies für Pilze

Stuttgart - 15.09.2017, 07:00 Uhr

Wo es feucht ist, fühlen Pilze sich wohl. (Foto: Apfelwelle / stock-adobe.com)

Wo es feucht ist, fühlen Pilze sich wohl. (Foto: Apfelwelle / stock-adobe.com)


„Die Mikrobe ist nichts – das Milieu ist alles“, sagte einmal ein französischer Hygieniker. Diese Aussage ist extrem, aber man sollte sie im Hinterkopf haben, wenn man Kunden zur Selbstmedikation ihrer Mykosen berät. Lesen Sie dazu einen Beitrag in der aktuellen DAZ Nr. 37.

Mykosen der Haut machen sich durch unangenehmen Juckreiz bemerkbar und sind auch optisch leicht zu erkennen. Dermatophyten oder Fadenpilze befallen besonders häufig die Zwischenräume zwischen den Zehen, wo sie die Epidermis aufweichen, sodass diese sich stellenweise ablöst. Diese als „Tinea“ bezeichnete Infektion lässt sich durch die mehrwöchige Behandlung mit Azol-Antimykotika oder durch die einmalige Applikation von Terbinafin erfolgreich behandeln. Doch die Arzneimittel bewirken auf die Dauer nichts, wenn das „Milieu“ nicht saniert wird, das heißt: Der Patient muss seine Füße täglich waschen und danach gut abtrocknen. Es ist unvermeidlich, dass bei der Berührung der Füße Dermatophyten an die Finger gelangen, deshalb ist es wichtig, gleich danach die Hände zu waschen. Andernfalls kann in seltenen Fällen die Hand (und über den Kontakt mit der Hand auch der Kopf) infiziert werden. Auch um die Ausbreitung der Mykose auf den Zehennagel zu verhindern, ist die sofortige Behandlung von Fußpilz wichtig.


Wolfgang Caesar

Zu den Hefepilzen zählt die Gattung Candida. Einige ihrer Arten sind in der natürlichen Flora von Haut und Schleimhäuten vertreten, so auch Candida albicans. Sie ist in der Regel harmlos, unter ungünstigen Umständen kann sie sich jedoch enorm vermehren und Infektionen auslösen. Die orale Candidose (Mundsoor) tritt vor allem bei immunsupprimierten Patienten und bei Säuglingen auf. Die Letzteren sind zudem häufig vom „Windelsoor“ betroffen, wenn ihre Windeln zu selten gewechselt werden. Als Mittel speziell gegen Hefepilze wie Candida wurde Nystatin entwickelt, das den Vorteil hat, dass es bei lokaler Applikation nicht resorbiert wird. Bei der Frau können die Hefepilze in die Scheide eindringen und Infektionen auslösen. Die meisten Patientinnen werden es zuerst mit einer Selbstmedikation (mit Nystatin oder Clotrimazol) versuchen; wenn die antimykotische Behandlung nicht anschlägt, sind die Symptome wahrscheinlich auf andere Ursachen zurückzuführen, was nur ein Arzt abklären kann. 


Dr. Wolfgang Caesar (cae), Biologe
redaktion@deutsche-apotheker-zeitung.de


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