Arzneimittel und Therapie

Dermatomykosen: Über 80 Prozent Heilungsrate mit Clotrimazol

Juckende, brennende und gerötete Haut - die typischen Symptome einer Pilzinfektion. Meist sind die oberen Hautschichten, speziell die Epidermis, Haare und Nägel betroffen. Fußpilz beispielsweise ist eine der häufigsten Hauterkrankungen in den Industrieländern - ungefähr 25 Prozent der Bevölkerung sind betroffen - und etwa 75 Prozent aller Frauen entwickeln mindestens einmal vor ihrer Menopause eine Genitalmykose.

Für den Menschen pathogene Pilze

Von den Tausenden von Pilzarten, die heute bekannt sind, ist nur ein Bruchteil für den Menschen pathogen. Manche Pilze - so genannte Opportunisten wie der Hefepilz Candida - besiedeln ständig Schleimhäute und Haut, ohne dabei Schaden anzurichten. Verschiebt sich aber das biologische Gleichgewicht infolge einer Abwehrschwäche oder gelangen diese Pilze in sonst keimfreie Organe, können sie Krankheitssymptome hervorrufen. Daneben gibt es Pilze, die für den Menschen immer pathologisch sind, wie Histoplasma.

Die für den Menschen pathogenen Pilze werden eingeteilt in Dermatophyten, Hefe- und Schimmelpilze. Die Dermatophyten sind für Infektionen der Haut verantwortlich, Hefe- und Schimmelpilze können topische und systemische Infektionen hervorrufen. Befällt ein Pilz die Haut, spricht man von einer Dermatomykose. Überwiegend werden oberflächliche Hautschichten, also Epidermis, Haare und Nägel befallen.

Sportler leiden häufig an Fußpilz

Pilzinfektionen der Haut können bei jedem Menschen auftreten. Manche Pilze sind jedoch hauptsächlich bei einem Geschlecht zu finden, und bestimmte Personengruppen tragen ein höheres Risiko, eine Pilzinfektion zu bekommen, so zum Beispiel Menschen mit Stoffwechselerkrankungen (Diabetes mellitus), Immunschwäche (AIDS), stark kräftezehrenden Krankheiten (Krebs) oder nach einer Organtransplantation. Ebenso sind Schwangere, alte Menschen, Kleinkinder und Drogenabhängige häufiger betroffen.

Studien in den USA zeigten, dass Dermatomykosen die häufigsten Infektionen der Haut sind. Fußpilz haben etwa 25 Prozent der Bevölkerung in den Industrieländern, er gehört damit zu den häufigsten Erkrankungen. 20 bis 30 Prozent dieser Patienten besitzen außerdem einen Nagelpilz, der meist dann entsteht, wenn der Fußpilz nicht frühzeitig behandelt wurde. An Pityriasis versicolor, der so genannten Kleienpilzflechte, leiden etwa 60 Prozent der Bevölkerung in tropischen Ländern.

Erfolgreiche Behandlung nur nach richtiger Diagnose

Dermatomykosen können häufig anhand der klinischen Symptome diagnostiziert werden. Um die Diagnose abzusichern, sollte der pathogene Pilz mikroskopisch und/oder makroskopisch durch Anlegen einer Pilzkultur identifiziert werden. Die häufigsten Hautveränderungen, die bei einer Pilzinfektion auftreten, sind Rötung, Schuppung, Blasen und Schrunden (Rhagaden). Zusätzlich klagen die Patienten über Juckreiz (Pruritus) und Brennen.

Die richtige Diagnose ist entscheidend für eine erfolgreiche Behandlung der Dermatomykose. Andere Infektionen der Haut, die mit ähnlichen Symptomen einhergehen, wie bakterielle Infektionen, Psoriasis, Ekzeme, Arzneimittel-Exanthem oder Pigmentstörungen, sollten ausgeschlossen werden.

Azole decken ein breites Spektrum ab

Azolderivate sind als Breitspektrum-Antimykotika bei den meisten Pilzerkrankungen wirksam und haben zahlreiche ältere Antimykotika zur lokalen Anwendung wie Gentianaviolett weitgehend vom Markt verdrängt. Die Wirkung aller Azol-Antimykotika beruht auf einer Hemmung der Ergosterolbiosynthese. Ergosterol ist ein essenzieller Bestandteil der Zellmembran von Pilzen. Durch Einlagerung falscher Sterole wird die normale Membranfunktion gestört und die Funktion membranständiger Enzyme beeinträchtigt. Zellwachstum und -teilung werden behindert, die Azole wirken somit fungistatisch.

Einige Vertreter wie Clotrimazol wirken abhängig von der Konzentration fungistatisch oder fungizid. Bei einer niedrigen Konzentration von 0,1 bis 1 mg/l hemmt Clotrimazol das Wachstum, höhere Konzentrationen von 10 bis 20 mg/l töten die Pilze ab. Diese fungizid wirkende Konzentration wird in den oberen Hautschichten schon bei der Applikation einer 1-prozentigen Clotrimazol-Creme (zum Beispiel Canesten) erreicht.

Auch Bifonazol (zum Beispiel Mycospor) zeigt eine starke antimykotische Wirkung in topischen Zubereitungen. Vorteile von Bifonazol sind die lange Verweildauer von etwa 72 Stunden, gute Hautpenetration und antiphlogistische Eigenschaften. Mit einer Kombination aus einem Prozent Bifonazol und 40 Prozent Harnstoff können gute Ergebnisse bei Nagelpilz, Stachel- und Dornwarzen erzielt werden.

Früher Therapiebeginn schützt vor Ausbreitung

Die Applikationsform, Dosis und die Dauer der Behandlung müssen dem Schweregrad der Infektion und der betroffenen Hautregion angepasst werden. Clotrimazol und Bifonazol sind beispielsweise als Creme, Spray, Lösung und Puder im Handel. Neben der Bekämpfung des Pilzes sollten zusätzliche Maßnahmen ergriffen werden, um einer ständig wiederkehrenden Infektion vorzubeugen, beispielsweise die Durchblutung der Füße fördern oder das Immunsystem stärken.

Wichtig ist der frühzeitige Therapiebeginn, um einer Verschlimmerung und Ausbreitung der Infektion auf andere Körperregionen vorzubeugen. Dies ist oftmals bei Fußpilz ein Problem, wenn die anfänglichen Symptome nicht ernst genommen werden. Hat sich die Infektion erst einmal auf die Nägel ausgebreitet, ist die Therapie um ein Vielfaches schwieriger und langwieriger.

Sobald die Symptome besser werden, neigen viele Patienten dazu, die Behandlung vorzeitig abzubrechen. Eine einmal tägliche Applikation über einen begrenzten Zeitraum erhöht die Patienten-Compliance. Bifonazol beispielsweise muss nur einmal täglich über einen Zeitraum von drei Wochen angewendet werden.

Azole wirken auch gegen grampositive Bakterien

Azole wirken gegen den Großteil der für den Menschen pathogenen Pilze. Sie werden eingesetzt bei Pilzinfektionen, die durch

  • Dermatophyten
  • Hefepilze
  • Schimmelpilze (Aspergillusarten, Mucor, Penicillium, Cladosporiumarten, Chromomyzeten)

hervorgerufen werden. Das Wirkspektrum der Azolderivate ist aber nicht nur auf Dermatophyten, Hefe- und Schimmelpilze begrenzt, es beinhaltet auch eine Reihe grampositiver Bakterien. Dieser antibakterielle Effekt konnte erfolgreich bei der Behandlung verschiedener Infektionen der Haut mit Staphylokokken und Streptokokken nachgewiesen werden. Die Azolderivate zeigten zum Teil eine bessere Wirkung als spezifische Antibiotika. Auch bei der Behandlung der Impetigo, beim seborrhoischen Ekzem und anderen bakteriell verursachten Ekzemen konnten gute Erfolge erzielt werden.

Kaum Nebenwirkungen bei topischer Anwendung

Die Effektivität und Verträglichkeit von Clotrimazol wurde in vielen klinischen Studien nachgewiesen und während der 25-jährigen klinischen Anwendung dieser Substanz bestätigt. Die Erfolgsrate liegt für Clotrimazol bei etwa 80 Prozent. Nebenwirkungen wurden nur von etwa ein bis zwei Prozent der behandelten Patienten berichtet und beliefen sich auf Hautirritationen wie Rötung, Schuppung oder allergische Reaktionen. Oft konnten diese Beschwerden nicht von dem ursprünglichen Leiden unterschieden werden.

Kandidosen der Vagina können auch während der Schwangerschaft sicher mit Clotrimazol therapiert werden. Laut aktuellem Wissensstand besteht kein Risiko für das Ungeborene und die Mutter. Die Behandlung - vor allem in den ersten drei Monaten - sollte jedoch nicht ohne Absprache mit dem Gynäkologen erfolgen.

Systemisch nur bei schweren Infektionen

Bei oberflächlichen Pilzinfektionen ist die topische Behandlung zu bevorzugen, da der Erfolg meist gut ist bei nur geringen Nebenwirkungen. Voraussetzung ist, dass die Substanz rasch und effektiv auch in tiefere Hautschichten penetriert, wie es bei Clotrimazol und Bifonazol der Fall ist. Liegt eine schwere, ständig wiederkehrende Infektion vor, die große Hautbereiche betrifft, muss unter Umständen systemisch therapiert werden. Hier treten bedeutend mehr und schwerwiegendere Nebenwirkungen auf.

Quelle: Dr. Bernward F. Fladung, Leverkusen, Prof. Dr. med. Karl-Siegfried Nolting, Münster, Symposium "Therapeutic aspects of superficial fungal infections in the past and future" im Rahmen des Kongresses "Clinical Dermatology 2000", Wien, 17. Mai 2000, veranstaltet von der Bayer AG, Leverkusen.

Edith Lares, Stuttgart

Juckende, brennende und gerötete Haut – das sind die typischen Symptome einer Pilzinfektion. Meist sind die oberen Hautschichten, speziell die Epidermis, Haare und Nägel betroffen. Fußpilz beispielsweise ist eine der häufigsten Hauterkrankungen in den Industrieländern – ungefähr 25 Prozent der Bevölkerung sind betroffen – und etwa 75 Prozent aller Frauen entwickeln mindestens einmal vor ihrer Menopause eine Genitalmykose. Azole wie Clotrimazol wirken gegen einen Großteil der für den Menschen pathogenen Pilze.

0 Kommentare

Kommentar abgeben

 

Ich akzeptiere die allgemeinen Verhaltensregeln (Netiquette).

Ich möchte über Antworten auf diesen Kommentar per E-Mail benachrichtigt werden.

Sie müssen alle Felder ausfüllen und die allgemeinen Verhaltensregeln akzeptieren, um fortfahren zu können.